Rrrakalioon!

Gerade ergab sich auf meiner Lieblingsplattform, dem Kurznachrichendienst Twitter, diese kleine Unterhaltung:

Diese*r jemand steht mir sehr nahe, hat ungefähr sieben Mal mithilfe von Allen Carr immer wieder sehr erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört, zuletzt mit mir eine Firma zum Zyklustracking gegründet und gerade von New York aus gefragt, ob die Kinder schlafen.

Und „Rrrakalioon!“ stammt aus einem Buch von Turgenjew, in dem irgendein Blender immer sehr geheimnisvoll tut und das Kunstwort „Rakalion“ verwendet (das niemand je gehört hat und daher niemand kennen kann), um sich interessant zu geben. Der Sinn dieses Wortes ist, sich damit wichtiger zu machen als man ist.

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Frauen around me

Gerade meldet die New York Times: „Uber’s work force is overwhelmingly male. That’s not that different from other major tech companies.

Und ich denke: HA! Ich kenne ein Tech-Unternehmen, das overwhelmingly female ist: @trackle_de mit @frau_ratte als CEO, @sandlicht1 ‏und @ExPhilosophin als Schubraketen auf allen Ebenen. Und mit mir. Und wenn nur eine Frau eine Verbesserung um 67% bringt, dann sind das bei uns ja… äh… ganz viele Prozent mehr! Und ich teile die Erfahrung „Ich arbeite zu 99% mit Frauen und ich kenne wirklich kein Ellbogen-Verhalten„.

Und jetzt bestellt bitte trackle: https://www.startnext.com/trackle/

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Haare nicht gekämmt!

Es will nicht in meinen Kopf. Die Welt versinkt in Nationalismus, Trump überzieht die USA mit rechtsnational bis faschistischen Dekreten, die AfD kriegt für jede noch so vorhersehbare Provokation vierzehn Stunden Brennpunkt mit Schneegstöber auf allen Sendern und die SPD ist der einzige Laden, der sich durch und durch dagegen stemmt, inkl. ihres neuen Spitzenkandidaten Martin Schulz. Und dann fangen Linke immer noch an, das Haar in der Suppe zu suchen.

  • Von 1994 bis 1997 wart Ihr ja gar nicht für den Mindestlohn, wer hat uns verraten?!
  • Martin Schulz hat „unsere Frauen“ gesagt, also ICH besitze ja keine Frau! Sexist!
  • Kriegskredite, Hartz IV, Asylreform 1992, die Klassiker
  • Die sollen sich erstmal entschuldigen!

Da zerlegen wir lieber die SPD mit so einem Shice statt gegen Hetze, Rassismus und Nationalismus zusammenzustehen. Das, liebe sehr sehr Linke, ist sowas von dämlich. Es will nicht in meinen Kopf, dass Ihr, nur weil ein Sozi sich vergleichsweise die Haare nicht gekämmt hat, das Feld stramm rechten Brunnenvergifter*innen überlassen wollt.

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Entspannung (fuck off, Angeber*in!)

Jetzt war ich gerade mit der #Pollykowkaja draußen und habe kurz über meinen letzten Blogbeitrag nachgedacht. Es kommt mir in den Sinn, dass das vielleicht alles Quatsch ist, weil da überall nur „müssen“, „müssen“ und „Körperspannung halten“ steht. Inhaltlich ist da vielleicht viel wahres dran, aber was, wenn ich einfach mal nicht mehr kann? Ich will nicht die ganze Zeit von einem wie mir angetrieben werden, ich schaff’s vielleicht einfach nicht, den Kopf ständig auf „Mission“ eingestellt zu haben.

Mein 23jähriges Ich wäre von mir heute völlig gestresst. Ich zürne meinem 23jährigen Ich nicht. So war ich damals. Aber heute bin ich irgendwie anders.

Jetzt trinken mein 23jähriges Ich und ich noch ein Bier und hören die Musik von vor 19 Jahren.

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Wimmelbilder gucken

Als Kind habe ich, wie wahrscheinlich 99% von Euch auch, ganz oft die Wimmelbilder von Ali Mitgutsch angeguckt. Darin passieren so viele Dinge! Eine Katze klaut gerade einen Fisch auf dem Markt, am Strand liegt ein dicker Mann mit Goldketten und hat sein Revier abgesteckt während Kinder durchs Wasser rennen und mit einem aufblasbaren Krokodil spielen. Zu jeder dieser kleinen Episoden denkt man sich, während man es selbst als Kind betrachtet, was wohl für ein Charakter hinter jedem dieser vielen Menschen stecken könnte. Man erfindet eine Skizze, ein Fragment von einem Charakter, die sich aus den wenigen Informationen zusammensetzt – Handlung, Aussehen, Kontext. Was könnte diesen Menschen dazu bewegt haben? Und die Skizze bleibt unvollständig.

Wenn es im ÖPNV mal wieder voll wird und mir Menschen näher kommen als ich zulassen würde, wenn ich nicht gerade im ÖPNV unterwegs wäre, oder wenn wir uns durch Menschenmassen auf sagenwirmal Pützchensmarkt schieben, hilft es mir ungemein, wieder die Position meines 5jährigen Ichs vor dem Wimmelbuch einzunehmen. Und zack! Muss ich keinen Menschen mehr hassen – im Gegenteil, die Skizzen, gerade weil sie so lückenhaft sind und genug Platz lassen für weitere gute und schlechte Eigenschaften, lassen mich den- oder diejenige*n irgendwie gut finden.

Und guess what! Das funktioniert sogar mit eine kompletten Gesellschaft! Ich hasse keine Menschen, ich finde sie faszinierend.

(Ok, heute ist ein sonniger Morgen, mal gucken wie’s aussieht, wenn die Nachrichten des Tages wieder eintrudeln mit ertrunkenen Geflüchteten, Mordanschlägen und vermöbelten Kindern.)

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Subjektive Vergangenheit vs. subjektives Jetzt

In Nizza ist wieder etwas schreckliches passiert, ein LKW ist ungebremst in eine Menschenmenge gerast, über 80 Tote. Wie mich das deprimiert, dass sowas inzwischen mindestens einmal im Monat passiert, die vielen Anschläge in Städten, die nicht in Mitteleuropa liegen, nicht einmal mitgezählt.

Und der geschätzte und überaus kluge @haetscher twitterte heute:

Und ich finde, das sollten wir nicht tun. Ausnahmsweise hat Coach Haetscher nicht recht. Trotz der monatlichen Anschläge, trotz der em-effing Gewalt allenthalben dürfen wir uns nicht ein „alles noch mal von vorne“ wünschen. Der Impuls ist nachvollziehbar, aber er folgt einem Mechanismus, der zurück will, ein Zurückwollen auf’n Arm, weil man es dort warm und sicher vermutet, weil man sich an warm und sicher zu erinnern glaubt.

Aber die Welt ist nicht Deine Mutter. Ein Zurück ist das Gegenteil von Auf-den-Arm, ein Zurück ist das Blauprügeln der Arme, die uns heute halten können. Bei aller Gewalt, bei aller Abscheulichkeit, bei all dem Hass fällt es schwer, das so zu benennen, aber heute ist immer noch das beste Jetzt, das die Welt je gesehen hat.

Vor rund fünf Jahren habe ich mal getwittert:

Und ich glaube das immer noch. Ich glaube, dass die Ereignisse unmittelbarer geworden sind in unserer Wahrnehmung. Es ist alles viel bedrohlicher als es uns in den 70ern, 80ern, 90ern vorgekommen ist. Damals™hatten wir nie Angst (außer bei Tschernobyl jetzt vielleicht. Und bei den RAF-Attentaten. Oder Kubakrise, NATO-Doppelbeschluss oder jetzt, hier na! Waldsterben!). Heute haben wir ständig Angst, weil Nizza uns unmittelbar auf dem Klo erreicht.

Ach, der viel zu viel zitierte Jens Stoltenberg, dessen Worte nie Anwendung gefunden haben, treibt mich wieder um:

Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Und ich schlürfe angsterfüllt mit unbehaglichem Gefühl ein wenig Weißwein aus dem Languedoc auf meiner Terrasse und tippe meine freie Meinung ins Internet und noch nie waren so viele Menschen des Lesens mächtig, die meine kleine private Meinung lesen und verstehen könnten.

Neinein, nie waren die Voraussetzungen besser, dass wir™es schaffen, Gewaltspiralen zu sprengen. Nie waren die Voraussetzungen besser als heute. Es ist glaube ich ganz ganz wichtig, dass wir uns das klar machen. Wir müssen alles dafür tun, dass wir nicht zurück gehen.

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Auf dass wir niemals einer Rebellion bedürfen, die große Opfer verlangt

Habe dieser Tage ein wenig über Rebellion nachgedacht, dabei ist wieder viel verwirrendes Zeug herausgekommen, das ich mal versuche niederzuschreiben. Ich hab ja keine Ahnung und irgendwas mit klassischen und hellenistischen Statuen studiert…

Ich gehöre einer Generation an, die bisher – toitoitoi! – in keinen Krieg musste und sich – toitoitoi! – hoffentlich klug genug anstellt, auch nie in einen zu müssen. Wo unsere Großväter noch in Schützengräben lagen, lag ich auf der Couch, faul, nicht einmal genug Antrieb, alle hellenistischen Stauten namentlich auswendig zu lernen. Kriegsdienst verweigert, aus voller Überzeugung. Ich wollte lieber herumliegen und Bier trinken statt komischen Vorstellungen von Männlichkeit hinterherzujagen. Ich bin Teil einer Generation, die nicht einmal rebelliert hat. Die 68er, die haben noch den Muff von 1000 Jahren aus den Talaren gejagt und die sexuelle Berfreiung erkämpft. Ich habe das nicht, ich habe im gemachten Nest herumgelegen und Bier getrunken. Der krasseste Fall von Rebellion von meinesgleichen ist, sich endlich dazu zu bekennen, dass New Model Army durchschnittlicher Shice ist und in eine Partei einzutreten. Meinesgleichen will nichts einreißen, will nicht die Gesellschaft auf den Kopf stellen. Meinesgleichen ist der Arsch, den wir jetzt gerade nicht hochkriegen, wo plötzlich wieder braune Strömungen einen stinkenden Sog entwickeln, meinesgleichen setzt Frieden und Demokratie als unumstößlich gegeben voraus.

Ich musste nicht gegen meine Eltern rebellieren, denn sie haben mangels Kriegeinsatz in den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern, 90ern, den Nullerjahren und den Zweiotausendzehnern das wesentliche richtig gemacht. Rebellion ist bei meinesgleichen folkloristischer Tand.

Gleichzeitig hat man mir in der Schule beigebracht, was der Gedanke hinter einer 5%-Klausel ist. Was Auszählverfahren nach Hare/Niemeyer oder nach d’Hont sind. Was Erststimme und was Zweitstimme bei Bundestagswahlen bedeuten. Wir haben in Geschichte den Aufstieg des Nationalsozialismus und dessen Auswirkungen bis zum Erbrechen gelernt – Gleichschaltung und Zentralisierung. Wir haben gelernt, warum der Föderalismus der Bundesrepublik ein Gewinnerkonzept ist. Wir haben gesehen, wo das alles funktioniert und warum. Wir waren uns sicher. Die bundesdeutsche Demokratie ist das sicherste und widerstandsfähigste System seit dem zweiten Weltkrieg, inkl. sozialer Sicherungssysteme und einer unabhängigen Presse.

Wir sind eine gute Generation. Wir wissen ganz viel von dem, was aus der Geschichte zu lernen ist. Wir stehen und unsere Münder öffnen sich ungläubig, wenn braune Kondensationspartikel sich plötzlich zu großen Schauern entwickeln. Und wir stehen da ohne Regenschirm, weil wir uns so verdammt sicher sind, immer noch. Unser größtes Manko ist unser Arsch auf der Couch.

In den Fußballmannschaften, in denen ich bisher mitgespielt habe, war es immer schwierig, wenn’s in der ersten Halbzeit gut gelaufen war und unser Käpt’n dann gesagt hat:“Gut so! Spielt genau so weiter!“ – dann haben wir meistens verloren, weil wir gar nicht wussten, wie wir gespielt hatten.

Wir brauchen Rebellion, aber sie sieht anders aus als 1968. Geht in die demokratischen Parteien. Helft denen. Macht etwas abgefahrenes und lasst Euch auf diese komischen Parteileute ein. Sagt Eure Meinung da. Sagt sie in den Parteien, von mir aus auch bei Facebook, aber vor allem in den Parteien. Bringt Bier mit, dann wird’s etwas erträglicher. Seid lustig und verständig, entwickelt Positionen und Meinungen, glaubt nicht, dass man eine Meinung schnell erlangen könnte. Hört zu, hört ganz viel zu. Fragt. Fragt ganz viel. Fragen sind Meinungsbildung. Bleibt beweglich im Kopf, haltet andere Meinungen aus. Vergesst Werbesprüche wie „Lass Dich nicht verbiegen.“ Der Spruch gilt erst, wenn Ihr eine feste Meinung habt, aber glaubt nicht, dass der erste Impuls nach Bekanntwerden von sagenwirmal #PanamaPapers Eure Meinung ist. Wägt ab. Hört zu. Stellt Fragen. Stellt Euch selbst immer wieder die gleichen Fragen.

Unsere Rebellion sieht anders aus. Wir müssen uns etwas trauen – wir müssen unsere Sofas und unsere schnellen Urteile verlassen. Wir müssen uns der immensen Gefahr aussetzen, dass jemand erfahren könnte, dass Ihr in einer Partei seid. Ihr müsst Eure Angst hinter Euch lassen, dass Euch das zum Nachteil gereichen könnte. Ihr könnt Euch darauf verlassen, dass Euch niemand den Job kündigen wird, wenn Ihr in einer Partei seid. Es braucht nicht viel mehr als diese Rebellion, die im Vergleich zur Rebellion anderer Generationen wirklich armselig ist – zum Glück! Noch bedarf es nicht viel mehr, als verwunderten Nachbar*innen zu erklären, warum Ihr in eine Partei eingetreten seid. Noch geht es mit wenig dieser armseligen Rebellion, und ich wünsche mir für meinesgleichen, dass wir niemals einer Rebellion bedürfen, die viel größere Opfer verlangt.

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Established

Da muss ich ja erstmal drauf kommen mit meinem langsamen Gehirn. Das ganze Problem ist ja, dass ich und meinesgleichen inzwischen zum Establishment gehören. Dafür hab ich deswegen so lange gebraucht, weil ich mit diesen ganzen Feminist*innen-Positionen, dem Low-Carbon-Footprint, dem Sozi-Sein, dem ganzen ehrenamtlichen Gedöns gegen Vorratsdatenspeicherung und für den Breitbandausbau und der Forderung nach der digitalen Revolution an unseren Schulen es nicht für möglich gehalten habe, dass das Positionen des Establishments sein könnten.

Aber wo das – vermeintliche! – Establishment solche Positionen vertritt, da muss man, wenn man das Establishment einreißen will, eben rechtspopulistische Positionen vertreten. Ist es wirklich so einfach? Geht’s diesen Reichsbürger*innen eigentlich darum, denen, von denen sie vermuten, dass sie arrivierte fette Quallen sind (also meinesgleichen), ans Bein pinkeln zu wollen?

Vielleicht stimmt das so nicht, die einfachen Erklärungen sind ja meist verkehrt. Aber immerhin eins nehme ich aus diesem Gedanken mit: Es gibt sicher nicht wenige, die mich für „established“ halten,  weil ich glücklich bin, weil ich privilegiert bin mit meinem weiß-sein, meinem Mann-sein, meinem wirtschaftlich einigermaßen gesichert sein, meinem Ressourcen übrig haben für politische Arbeit, für ehrenamtliche Arbeit.

Dabei bin ich voll nett.

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Kofferraum abhören

Frau ist in Berlin, Kinder sind wegorganisiert, weil ich morgen vormittag einen Termin habe – so sitze ich jetzt hier als Strohwitwer und habe nichts zu tun in meiner sturmfreien Bude. Zum Glück bin ich heute beim Spazierengehen mit der Pollykowskaja an diesem schönen Evil-Truck vorbeigekommen:

Die Bands sind, wenn ich's richtig entziffert habe: Attacker, Cage, Gun Barrel, Crossplane, Alltheniko, Dragonsfire, Evil Invaders, Wizards, The last Hangmen, Goddess Desire und Skum Squad.
Die Bands sind, wenn ich’s richtig entziffert habe: Attacker, Cage, Gun Barrel, Crossplane, Alltheniko, Dragonsfire, Evil Invaders, Wizards, The last Hangmen, Goddess Desire und Skum Squad.

Werde mir jetzt ein schönet Pilsken aufmachen, die mal bei Spotify suchen und durchhören.

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