Raum und Zeit

Jetzt ist der Kehllappen-elect also Präsident der USA und just gestern oder so ist in mir eine Erkenntnis gereift, die ebenso banal wie folgereichtig erscheint: Der Tag hat 24 Stunden und wir haben nur diese eine Welt (außer jetzt wenn wir Drogen nehmen, aber das ist ziemlich ungesund).

Jetzt geht da einer hin und macht nichts anderes als Tabus brechen. Ein Trump oder die AfD. Björn Höcke, dieser gräßliche Mensch. Jemand auf Twitter hat geschrieben: „Die AfD hält das Stöckchen hin und Ihr alle springt.“ (oder so ähnlich). Das ist die Erkenntnis. Sie rauben uns den Raum und die Zeit mit kalkulierten Skandaläußerungen und uns stockt der Atem, wir sind paralysiert und handlungsunfähig.

Wir müssen den Raum und die Zeit zurückgewinnen. Wir müssen sie am langen Arm verhungern lassen, wir müssen uns von diesen Brunnenvergifter*innen abwenden und uns zuwenden. Wir müssen wieder über die reden, die konstruktiv sind und über deren Vorschläge. Dann legt sich auch die Aufregung. Wir sollten uns mit unseresgleichen über unseresgleichen unterhalten, mit und über die, die 2015 Flüchtlingszüge zu Trains of Hope gemacht haben, über die, die Elterngeld Plus eingeführt haben, über die, die sagen „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ Wir sollten unsere erstarrt aufgerissenen Münder wieder schließen und unsere wachen Augen öffnen für die, die konstruktiv sind. Denen sollten wir Raum und Zeit geben (yes, (Social)Media, I’m talking to you!).

Nein, es ist kein totschweigen. Nach wenigen Äußerungen war und ist klar, wes Geistes Kind Trump und die AfD sind. Das müssen wir konstatieren und benennen und wir müssen ihnen den Raum und die Zeit zugestehen, die ihnen gebührt. Und wir dürfen nicht jene der Zeit und des Raumes berauben, die dieser Zeit und dieses Raumes würdig sind, z. B. all jene Unermüdlichen, die sich als Lokalpolitiker*innen für nichts, nada und nothing die Nächte in Stadtratssitzungen um die Ohren schlagen, für die vielen in den Landesparlamenten, die sich bis zum Erbrechen mit Themen auseinandergesetzt haben, die mit einer schmissig geführten Feder als nichtig diskreditiert werden, für die vielen, die sich dieser Tage auf den Straßen als Volksverräter*innen beschimpfen lassen müssen aber in Wahrheit unser letztes Bollwerk gegen die völlige Verrohung und Dekonstruktion unseres Zusammenlebens bilden.

Wir sollten die Kameras neu ausrichten, weg von den Täter*innen, hin zu denen, die verzweifelt die Gesellschaft zusammenhalten: yes, I’m talking about politicians, my dear! Gebt denen Raum und Zeit, schenkt denen Eure Aufmerksamkeit, die konstruktiv sind. Lasst die Destruktiven alleine. „Talk to the hand“, hat der große Charakterdarsteller Arnold Schwarzenegger in einer der zahlreichen nachdenklichen Szene seines volksnahen Œvres mal gesagt.

Wenn das Bundesverfassungsgericht der NPD nachweist, dass sie demokratiezersetzend wirken möchte, aber dazu zu unbedeutend ist, dann sollten wir diesem Prinzip folgen.

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Diversität im sexuellen Diskurs

In den letzten 24 Stunden bin ich über zwei Artikel gestolpert, die mir bedeutsam erscheinen und deren Thema Sex ist. Zum einen der hier von @MlleReadOn, in dem sie beschreibt, welche Wirkung sexuelle Aufklärung, insbesondere von Männern, auf Gesellschaften hat. Vor dem Hintergrund, dass irgendwo mal irgendjemand bemerkt hat, dass statistisch gesehen junge Männer eine viel gefährlichere Gruppe sind als Geflüchtete, Ausländer*innen oder sonst wie geartete Gruppen, stelle ich fest: Als hetero cis white male bin ich statistisch gesehen eigentlich ein Gefährder. Viele von meinesgleichen haben massive Defizite, was ihre eigene Sexualität und was die Sexualität ihrer potenziellen Sexualpartner*innen anbelangt. Ich bin damals™in der Schule aufgeklärt worden, das heißt, die biologischen Zusammenhänge sind mir lange bewusst und klar. Was aber die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Menschen angeht, ist mir in seiner ganzen Bandbreite (und wahrscheinlich kenne ich immer noch nicht alles was es gibt) erst bewusst geworden, als ich bei Twitter mit so vielen verschiedenen Menschen in Kontakt gekommen bin*). Viele sind ziemlich offen, was ihre Sexualität angeht und Pornographie spielt offenbar eine viel wichtigere Rolle als sie in meinem Leben gespielt hat. Damit kommen wir zum zweiten Artikel, den ich oben angekündigt habe, er beschäftigt sich mit der Pornoindustrie und wie unterrepräsentiert Frauen in dieser Industrie sind – mit dem Ergebnis, dass die Erzeugnisse dieser Industrie extrem männerzentriert geraten. Erika Lust, eine der wenigen Frauen in Porn, die hinter der Kamera statt davor agiert, sagt:

“Mainstream porn consistently shows sex as a thing that men do to women, or that women do for men, which means misogynistic porn that objectifies women and places unrealistic expectations on both sexes.”

Und wenn ich mir vorstelle, dass ganz ganz viele Menschen Zugang zu dem meisten, was über „das Spermium befruchtet die Eizelle“ hinausgeht, über Pornographie finden, dann scheint mir auch das bedeutsam, vor allem was Rollenklischees von Frauen und von Männern angeht und was Männer und Frauen glauben, was angemessenes Verhalten sein könnte. Vor diesem Hintergrund scheint mir auch bedeutsam, dass es in beiden Artikeln Frauen sind, die das Heft in die Hand nehmen, etwas daran zu ändern.

Update 2017-01-08, 12:20 Uhr: Und wie ich so nachdenklich weiterlese in meiner TL, stoße ich auf diesen Artikel: Frauen der Welt, rettet uns vor diesen Männern! Ich finde, der passt auch noch ganz gut in diesen Themenkomplex.

*) Ich wollte erst „kennengelernt habe“ schreiben, aber sehr viele kenne ich nur über das, was sie so sporadisch in 140 Zeichen immer mal wieder twittern, das ist nicht wirklich kennenlernen. Die emanzipatorische Wirkung von Twitter ist dabei übrigens ein zentrales Moment, weil dadurch Kommunikation immer auf Augenhöhe stattfindet ohne dass soziale Hierarchien eine Rolle spielten. Aber das ist ein anderes weites Feld, darum muss ich mich ein anderes Mal kümmern.

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Drei Ebenen die Welt zu verbessern

Eine der schönsten und für mich motivierendsten Twitter-Bios hat der höchstanständige und beste @horax geschrieben:

„das leben ist kurz | die welt ist veränderbar!“

Was für ein Satz! Den hat er, wenn ich das richtig erinnere, seit mindestens 2010 da stehen. 2010 wurde der Kleine Sohn geboren, ich kannte noch niemanden bei Twitter und war auch noch nicht in der SPD. Auf der Erwerbstätigkeit habe ich mich aber mit Kolleg*innen gestritten über die Sozis (die ich da schon toll fand). In diesen Diskussionen wurde ich als Phantast abgetan, ein blauäugiges Mäuschen, das in seiner Naivität allen Ernstes an das Gute im Menschen glaubt und die Welt verbessern will. Ich, dieser ziemlich unbedeutende IT-Berater – für wen hältst Du Dich, dass Du die Welt glaubst retten zu können?

Seitdem gucke ich auf meine Hände, von denen ich zum Glück zwei habe, gucke auf meine Füße, von denen ich zum Glück auch zwei habe. Ich freue mich über mein Gehirn, das einige Dinge gut, andere schlecht verarbeiten kann, das manchmal gute Ideen hat und manchmal nicht so gute. Ich benutze meinen Mund durchgängig zum Sprechen*). Ich gucke auf meine Möglichkeiten: Hände, Füße, Hirn und Sprache. Das steht mir zur Verfügung, um die Welt zu verbessern.

Als ich die ersten paar Tweets abgesetzt hatte und eines Tages dieser mir unbekannte, aber deswegen nicht weniger bewunderte @horax anfing, mir zu folgen mit seiner o. g. Bio, da dachte ich: Es macht einen Unterschied. Einer will hören, was ich sage. Ist erstmal nur einer, aber einer will’s hören. Meine nicht minder verehrte Frau Mama hat uns Kindern mal gesagt: In der Menge steht immer ein*e Kenner*in. In meiner bescheidenen Wahrnehmung besaß ich genug Chuzpe, in @horax einen Kenner zu sehen – und hey! Der gehörte zu den coolen Typen von nugg.ad, die immer so coole Parties mit #guwosh Hashtag gefeiert haben, das war also nicht irgendeiner!

Oh, was habe ich gelernt seitdem! Dieses Twitter hat mich mit Menschen zusammengebracht, von denen ich so viel gelernt habe! In Sachen Kommunikation, in Sachen Haltung, aber vor allem Fakten, Tatsachen, Erkenntnisse – Dinge, für die man sich früher in Kellern mit dicken Büchern einschließen musste, die so viel Lesezeit beansprucht haben, dass man mangels zwischenmenschlicher Interaktion zum Soziopathen werden musste. Und dann stimmte das am Ende doch wieder nur so ein bisschen. Bei Twitter lernte ich, was Privilegien bedeuten und welche Pflichten mir als Privilegiertem obliegen, ich lernte, was für unterschiedliche Menschen es gibt, wie super die sein können und wie gleich sie am Ende irgendwie alle in ihren Bedürfnissen sind und wie unterschiedlich in ihren Antrieben und Ressourcen – wie unterschiedlich privilegiert. Ich lernte, welche Rolle Emotion und Irrationales spielen und wie irrational gerade die handeln, die sich besonders auf reine Fakten berufen – die eiskalten Entscheider*innen sind mir schon immer besonders lieb gewesen in ihrer verfickt offensichtlichen Unvollkommenheit. Ich danke Twitter auf Knien für die unfassbare Leistung, zumindest für ein paar Jahre Hierarchien überwunden zu haben, für eine Emanzipation, für eine Sprache gesorgt zu haben, die gänzlich frei von inneren Hürden, Verhaltenskodizes und selbstoktruierter Scheinkorrektheit ist. Man schreibt hier über Sachen mit Käse überbacken. Man schreibt hier über #flausch, Rausch und furchtbar menschliche Sachen. Welch eine Leistung! Die geilsten der Geilen geben hier zu: Hab heute keinen Bock, weil ich gestern gesoffen hab. Was ich da höre! Was ich da lerne, immer noch, jeden Tag!

Und ich kann die Welt verbessern! Einer sucht eine Wohnung in London, ich retweete das nur, zehn Minten später hat der wirklich eine Wohnung und bedankt sich bei mir für den Retweet. Das war aber einfach!

Ich schreibe was politisches rein. Keine Reaktion. Ich blogge was und twittere das. Drei Favs – HAA! WELT verBESSERT! Bei gleich DREIEN!

Aber ich wollte ja eigentlich was ganz anderes schreiben: Wie verbessere ich denn jetzt die Welt? Auf welchen Ebenen? Wo setzt man da an? Über die Jahre scheinen sich drei etabliert zu haben, auf denen ich es immer wieder versuche: Wirtschaftlich (also auf Erwerbstätigkeit, da verbringt man ja schon ziemlich viel Zeit), persönlich (also in der Familie und vor allem als Vater/Mutter) und selbstverständlich schlicht parteipolitisch.

Ich reporte mal denen, die mich wahrscheinlich immer noch für ein blauäugiges Mäuschen halten.

Persönlich

Als Kind auf einem Bauernhof im südlichen Westmünsterland aufgewachsen kann ich nicht gerade sagen, dass ich per se progressiven Positionen zugeneigt gewesen wäre. Im Gegenteil, als Jugendlicher habe ich meiner Erinnerung nach ziemlich stramme Besitzstandswahrungsmeinungen vertreten, Veränderung war gefährlich, denn ich hatte eine sehr sehr glückliche und behütete Kindheit, an der etwas zu ändern eigentlich nur Verschlechterung bedeuten konnte. Interessanterweise hat unsere Mutter uns Werte, Empathien, eine fröhliche Offenheit und nicht zuletzt einen gehörigen Schuss Feminismus mitgegeben. Und es ist mein ausdrückliches Privileg, dass ich durch den Hof, durch meine fest zusammenhaltende Familie und die Abgeklärtheit meiner Eltern und Geschwister ziemlich immun bin gegen irrationale Ängste. Selbst in den schwersten Phasen der Existenzangst (2009 lief meine Firma echt scheiße!) hatte ich die Fähigkeit, mich mit dem Gedanken über Wasser zu halten: „Wenn wir hier mit einem kleinen Kind mitten Europa verhungern müssen, wird es einen Skandal geben! Aber von sowas liest man nicht so oft in der Zeitung, also scheint es wohl in den meisten Fällen doch irgendwie ganz gut auszugehen.“ Ein anderer Aspekt meiner Privilegiertheit ist, dass meine Eltern gefeiert haben wie die Kesselflicker, aber am nächsten Tag wurden die Kühe um sechs Uhr morgens gemolken (mein Vater) und die Kinder der ersten Klasse ab viertel vor acht unterrichtet (meine Mutter). Befindlichkeiten haben wir als Familie insgesamt lieber als Partygag verstanden als uns davon treiben zu lassen. „Außen weich und innen hart“ fanden meine Schwester Julia und ich im Alter von 16/18 Jahren in Umkehrung der Männlichkeitsideale von Hollywoodfilmen lustig, meinten das aber ganz tief drinnen irgendwie ernst. Das Jammern ist uns als Kulturtechnik nie vermittelt worden.

Auf der persönlichen Ebene wünsche mir nichts sehnlicher, als meinen Kindern solche Fähigkeiten verleihen zu können, wie meine Familie sie mir verliehen hat. Wenn meine Kinder einfach nie Angst haben, weil sie sich immer auf uns (@frau_ratte und mich) verlassen können, wenn sie sich ihrer selbst immer sicher genug sein können, um gefahrlos sich selbst zu vergessen und ihren Geist auf Sachverhalte zu richten vermögen, die nicht unmittelbar sie selbst betreffen, dann werden wir auf persönlicher Ebene die Welt verbessert haben. Vielleicht tragen diese tollen Kinder das dann weiter.

Wirtschaftlich / auf Arbeit

Im Jahr 2008 oder so war es, nachdem der Große Sohn ein paar Monate alt war und mich das ganze UngeübtMitKindDingsi völlig überfordert hat, fing ich an, völlig unprofessionell auf der Arbeit davon zu erzählen, wie die letzte Nacht war, wie unsicher ich war, was ich alles nicht kann. Lange vor dem Kontrollverlust, den Social Media uns allen bescheren sollte, war ich bereit dafür. Ich habe einfach alles erzählt. Aufgrund unmittelbarer Erfolgserlebnisse an dieser Stelle war eigentlich da schon klar, dass ich ein wehrloses Opfer Social Medias werden würde. Die Kolleg*innen wussten, warum ich scheiße aussah mit Ringen unter den Augen. Sie haben mir vielleicht manche Dünnhäutigkeit nachgesehen, die ohne Hintergrundwissen als ungehörig hätte gelten müssen. In jenen Tagen habe ich vor mich hinformuliert: „Aufgrund der wenigen mir zur Verfügung stehenden Informationen über Dich muss ich Dich leider scheiße finden.“ Offenheit, ein bisschen Vertrauen und das Fallenlassen überkommenen Scheinprofessionalitätsgehabes vermitteln denen um mich herum ein Bild von mir, das sie mich verstehen statt blöd finden macht.

Um materiell handlungsfähig zu bleiben, muss ja ein Studienabbrecher wie ich ziemlich viel Zeit in die Erwerbstätigkeit investieren. Als Konsequenz verbringt man viele Stunden mit Menschen, die man sich nicht unbedingt ausgesucht hätte, ohne dass das heißen muss, dass diese Menschen deswegen blöd wären. Aber Erwerbstätigkeit ist, von der Sinnstiftung und ihrer selbstbewusstseinschaffenden Kraft einmal abgesehen, vor allem auch ein natürliches Durchbrechen der persönlichen Filterbubble. Ich habe dort in einer Weise Einfluss auf Menschen (und werde von denen beeinflusst), die nicht meinem Gusto entsprechen müssen – was  als eine große Chance gesehen werden muss. Mein Handeln und Sprechen hat bei denen eine ungleich wichtigere Bedeutung, weil hier ich hier Menschen erreiche, die nicht per se meiner Selbst entsprechen. Wenn ich auf der Erwerbstätigkeit plötzlich alle Anforderungsdokumente im generischen Femininum verfasse, dann konfrontiere ich Menschen damit, die im Zweifel noch nie etwas davon gehört haben. Und ich diskutiere nicht mit denen, sondern ich juble es ihnen unter. Ich schaffe hier das kraftvollste Moment, das man für die Verbesserung der Welt überhaupt schaffen kann: Selbstverständlichkeit. Wer Fragen dazu hat, kriegt sie beantwortet. Aber die meisten fragen nicht, sondern übernehmen einfach aus Selbstverständlichkeit den Sprachgebrauch**). Es entsteht eine kraftvolle Veränderung, die mich staunen macht.

Nun habe ich seit den Anfängen meiner Erwerbstätigkeit, in der ich als externer Berater in Konzernen herumlaufe, noch zwei neue Firmen mitgegründet. Die eine ist das Start-up (wink! wink! trackle.de! kauft, Leute, kauft!), das ich mit @frau_ratte am Laufen habe, die andere ist Calliope. Als ordentlicher Progressiver, wenngleich nicht geborener, sondern gelernter Linker, s. o., stelle ich mir die Frage: Was sind Deine Prinzipen wert, wenn Du plötzlich selbst in der Position des Arbeitgebers bist? Bist Du noch für den Mindestlohn, wenn sich herausstellen sollte, dass Dein Businesscase nicht mehr funktioniert, wenn Du Deine Leute bezahlen musst? Werde ich der Gier widerstehen? Die Frage, wie ich handeln werde, wenn es meiner Firma, meiner Existenz, der Existenz meiner Kinder an den Kragen geht, muss trotz der Erfahrungen aus dem Jahre 2009 (s.o.) weiter offen bleiben. Aber bis dato bin ich guter Dinge, dass ich meine Haltung werde halten können. Im Gegenteil habe ich großen Bock, auf wirtschaftlicher Ebene nachweisen zu können, dass man einen Laden betreiben kann, der mich, meine Familie und alle, die mit uns in dem Laden arbeiten, erfüllt, ernährt und vielleicht sogar ein Stückchen glücklich macht. Das hat mit Geld zu tun, ganz klar. Das hat aber auch mit guter Zeit zu tun, die man verbringt. Das hat mit Sinnstiftung zu tun.

Wenn ich mal auf das Thema „Verbesserung der Welt“ zurückkommen darf: Ganz viele große Gründer*innen haben als ihre Triebfeder genau das angegeben: Verbesserung der Welt. Ich dachte immer by default, man müsse sich parteipolitisch einsetzen, um die Welt zu verbessern, aber das Schaffen von Fakten, Möglichkeiten und schlicht Kraft, die mit einer erfolgreichen Gründung eines Wirtschaftsunternehmens einhergehen, sind starke Faktoren, die dafür sprechen, die Welt durch Wirtschaftskraft zu verbessern.

Parteipolitisch

Aber natürlich muss man sich parteipolitisch engagieren und einbringen! Alle Ideen, die ich im persönlichen oder wirtschaftlichen Bereich entwickle, jede Veränderung bedarf der breiten Anerkennung und schließlich einer Gesetzeskraft entwickelnden Legitimierung. Und das geht nur über die seit 1949 etablierten und bewährten Mechanismen. Es ist Teil meiner Verantwortung als Mensch, der eine glückliche Kindheit erleben durfte, die Verbesserungen, die ich für mich und die mir unmittelbar Verbundenen erreicht habe, allen mit weniger glücklichen Biographien ebenfalls zu ermöglichen, und zwar einklagbar! Warum, ist das etwa Selbstlosigkeit, mein speziell edles Gemüt? Keineswegs. Ein Leben für mich selbst und ein Leben für meine Kinder in einer Gesellschaft, der es leicht fällt, freundlich, offen und belastbar zu sein, ist nur möglich, wenn wir eine breite Zufriedenheit herstellen. Parteidemokratisch erzielte Ergebnisse sind das sicherste und belastbarste, was wir erreichen können (wohlwissend, wie fragil selbst diese sind!). Auch wenn Ihr nicht am Infostand stehen mögt, um Euch für Peer Steinbrück beschimpfen zu lassen, solltet Ihr dennoch die demokratischen Parteien (am besten natürlich die SPD!) stützen, indem Ihr eintretet, und sei es nur, um zu signalisieren, dass es zu Despotie, Tyrannei oder Ochlokratie eine erprobte und nachgewiesenermaßen erfolgreiche Alternative gibt. Es ist sehr sehr wichtig, dass man sich äußert, aber es ist mindestens genauso wichtig, dass man sich bekennt und einsteht. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben, für Verfehlungen Sigmar Gabriels verantwortlich gemacht zu werden. Viel größer ist die Gefahr, dass man sich unverstanden fühlt, wenn man sich nicht in einem verbindlichen Rahmen artikuliert. Viel größer ist die Gefahr, dass man zu jemandem wird, der/die postfaktisch mit komischen Pegida-Ärschen mitrennt, wenn man sich seines politischen Fundaments unsicher ist. Parteipolitisches Engagement ist tägliche Auseinandersetzung und tägliche Überprüfung der eigenen Haltung, was zumindest mich erstens ziemlich informiert hält und mir zweitens für die beiden oben genannten Bereiche eine Menge Widerstandsfähigkeit verleiht.

Die Welt ist veränderbar. Lasst uns die Ärmel aufkrempeln und auf allen Ebenen mit beiden Händen tief hineingreifen ins Leben, es ist so wunderbar, wenn man etwas Freundlichkeit, etwas Witz und eine ambitionierte Mission zusammen nimmt. Es gibt nur dann etwas zu verlieren, wenn wir nichts tun, hingegen gibt es nur etwas zu gewinnen, wenn wir auch nur den kleinsten Finger rühren. In der Bio von @horax steht, was geht, in meiner, für wen.

 

 

*) Ich nehme das mal als Generaldingsi für Sprechen, Bloggen, Twittern, mich äußern, kapierse, ne?

**) Jemand auf Arbeit hat mal gefragt, was denn mit den männlichen Zustellern sei, wenn wir immer von Zustellerinnen sprächen. Es war mir ein besonderer Genuss, den Satz „Männliche Kolleginnen sind selbstverständlich immer mitgemeint.“ fallen zu lassen.

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Endorsement

Was regen sie sich wieder alle auf: Malu Dreyer ducke sich weg! Hannelore Kraft scheue den Konflikt auf offener Bühne mit der AfD! Am lautesten rufen Armin Laschet und die seinen aus der Union.

Ich finde, dass Hannelore und Malu völlig richtig entschieden haben. Den hohlen Populismen inhaltlich Paroli zu bieten versteht sich von selbst. Es ist auch gar nicht schwer, in jedem Facebook-Thread und auf jeden dämlichen Tweet müssen hunderte Links und Kommentare folgen, die die Dünnbrettbohrigkeit der AfD entlarven.

Anders ist es mit Talkshows. Allein dass dort Personen wie Frauke Petry und Dingsdabumsda von Storch auftreten dürfen, ist ein Endorsement (also die Bestätigung einer Legitimierung dieser Personen). Was in der Zeitung steht, dem wird Bedeutung beigemessen. „Du glaubst es, weil es in der Zeitung steht“, ist eine ebenso billige, wie abgeschmackte wie richtige Aussage. Im Massenmedium Fernsehen potenziert sich diese Wirkung, weil die Reichweite ungleich höher ist. Bei Sendern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks noch einmal mehr. Wer im SWR auftreten darf, einem Sender der ARD, der nach wie vor seriösesten Marke der deutschen Medienlandschaft (neben dem ZDF vielleicht noch), dessen Positionen erhalten implizit den Ritterschlag, dass sie vermeintlich genug Wahrheit enthalten, um vom Fernsehen gesendet zu werden – egal wie die Diskussion ausgeht.

Kommunikation – das ist ja nun weiß Gott ein alter Hut! – ist erheblich mehr als die Wörter, die fallen.

Und wenn man sich ansieht, wie eine Talkshow im Allgemeinen abläuft, dann finde ich, hat Daniela Harsch mit ihrer Einschätzung völlig recht:

Wie ging dieser lustige Vergleich noch mal? Wenn Du mit einer Taube Schach spielst, wird sie alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und am Ende darüber stolzieren als hätte sie gewonnen. Und wenn das unter einem öffentlich-rechtlichen Label passiert – zusätzlich durch die Anwesenheit einer Ministerpräsidentin von RLP oder NRW mit Gewicht aka Endorsement legitimiert, dann haben wir erneut einen wesentlichen Teil verloren. Es geht einer Ansammlung von Menschenfeinden wie der AfD niemals um ein Ringen in der Sache, sondern um Vergiftung und Zerstörung demokratischer Grundlagen. Wer die Grundprinzipien demokratischer Diskurse bewusst schädigen will, kann immer nur als Gewinner aus Formaten wie politischen Talkshows hervorgehen.

Deswegen finde ich die Haltung von Hannelore Kraft und Malu Dreyer völlig richtig.

Und deswegen finde ich, dass wir zur breiten Entlarvung des Populismus der AfD anderer Formate bedürfen. Das eine, Social Media Kneipen, Kantinen, Straßenbahnen, Wartezimmer, können müssen wir selbst übernehmen, jede*r einzelne von uns. Holt Euch die Fakten dazu aus dem Internet und habt die Informationen parat, um sie jederzeit einsetzen zu können.

Das andere, die breitenwirksame Aufklärung, ist Aufgabe der Medien in Form von Dokumentationen, Reportagen und Berichten. Behauptungen, die spontan in einer Livesendung getroffen werden, können nur schwer innerhalb von Sekunden in der gebotenen Tiefe entkräftet werden. Hingegen kann jede Aussage der AfD in einem Faktencheck auch im Fernsehen pulverisiert werden – und das ist die Aufgabe von Journalist*innen, nicht von Ministerpräsident*innen.

Denn am Ende läuft es, egal wie eine Talkshow ausgeht, darauf hinaus, dass man den Rechten, den Hetzer*innen, zu einem Millionenpublikum verholfen haben wird. Ich finde, Hannelore Kraft hat mit diesem Satz völlig Recht:

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Seit Jahren berichten Ermittlungsbehörden von „zahlreichen Fällen“

Bei Facebook bin ich neulich in eine Diskussion mit einem Befürworter der Vorratsdatenspeicherung geraten. Ich finde, dass diese Diskussion ziemlich regelhaft verlaufen ist:

Noch bevor überhaupt ein Argument ausgetauscht wurde, verweist der Befürworter erstmal auf die „ideologische Aufladung“ des Themas.

Für mich stellt sich die Sacher eher so dar, dass das Thema zwar durchaus emotional aufgeladen ist, aber keineswegs ideologisch. Woher kommt diese emotionale Aufladung? Wenn man sich o.g. Thread durchliest, haben wir (also die VDS-Gegner*innen) etliche sachliche Argumente aufgezählt, die eindeutig gegen die VDS sprechen und die ja auch für mich persönlich der Grund sind, diese abzulehnen. Als Gegenargumente wurde uns wenig bis gar nichts dargelegt. Da argumentierst Du wie aus dem Lehrbuch, der Herr Befürworter nimmt sich keines dieser Argumente an, liefert selbst kein einziges und nennt Dich dann ideologisch verblendet. Das triggert mich durch aus, da werde ich durchaus mal emotional. Nichtsdestotrotz halte ich die von mir vorgebrachten Argumente für sachlich valide.

Als einziges Gegen“argument“ verweist der Befürworter auf eine „ganze Sammlung von Fällen, bei denen Schwerverbrecher wegen fehlender Daten davon kamen“.

Solche anekdotischen Beweise werden angeführt, seit ich mich mit dem Thema befasse, immer mit dem Hinweis darauf, dass es sich um Fälle handle, die aus dienstlichen Gründen nicht öffentlich gemacht werden können.

Warum, wenn die VDS den Befürworter*innen eine solche Herzensangelegenheit ist, sind diese Myriaden von Fällen seit vier Jahren nie so aufgearbeitet worden, dass sie anonymisiert als echte und nachvollziehbare Argumente diskutiert werden können? Seit vier Jahren wird darauf verwiesen, aber nie hat jemand diese Fälle zu Gesicht bekommen. Wenn diese Fälle tatsächlich das Zeug dazu haben, zu belegen, dass eine Nichteinführung der VDS eine ernste Gefährdung von Leib, Leben und öffentlicher Ordnung darstellt, dann halte ich es nicht nur für fahrlässig, dass diese Fälle nicht öffentlich gemacht werden, sondern für ein gefährliches und vorsätzliches Zurückhalten von Beweisen.

Wenn es diese Fälle gibt, dann will ich zum Henker davon wissen! Wenn wir tatsächlich Leben gefährden, indem wir die VDS nicht einführen, dann will ich das wissen, dann will ich diese Fälle sehen!

Die Vehemenz, mit der VDS-Befürworter*innen jedoch bisher aufgetreten sind, spricht imho aber eher dafür, dass diese unzähligen Fälle vielleicht doch gar nicht so gute Belege für die Notwendigkeit der VDS sind. Ich bin sicher, wir wüssten sonst davon, wenn das alles so eindeutig wäre, wie behauptet wird. Und die Studien des Max Planck Instituts hätten mit Sicherheit  auch irgendwas davon gemerkt.

Was mir, abgesehen von der inhaltlichen Diskussion, zu o.g. Facebook-Thread aber auch wichtig ist: Nur weil der Befürworter sich für die VDS einsetzt, werde ich ihn nicht als Mensch aburteilen. Ich glaube, dass er, schon allein, weil er sich der Diskussion gestellt hat und für etwas eintritt, von dem er überzeugt ist, wahrscheinlich ein ganz okayer Typ ist. Das finde ich für alle Online-Diskussionen wichtig: Ich finde seine Position zur VDS shice, nicht ihn.

 

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Bericht vom Barcamp #DigitalLEBEN am 25. April 2015

Gestern hat das Barcamp #DigitalLEBEN der SPD in Berlin stattgefunden und ich bin extra dafür und wegen der Aussicht auf einen schönen Abend mit den D64er*innen nach Berlin gefahren.

Wie es sich für ein ordentliches Barcamp gehört, steht man erstmal mit denen rum, die man kennt und trinkt einen Kaffee auf Parteikosten und macht ein paar Sprüche, um locker zu werden. Schließlich hat Yasmin Fahimi, also die Generalsekretärin der SPD, ein paar eröffnende Worte an uns gerichtet. Ich musste ihr recht geben, als sie sagte, dass DigitalLEBEN mehr ist als nur Vorratsdatenspeicherung.

Dann wurde das Grid gefüllt, allein zur VDS waren glaub ich sechs Sessions eingereicht worden. Nach kurzer Vorstellung der jeweiligen Themen ist dann am Ende dieser Plan dabei rausgekommen: Barcamp #DigitalLEBEN, Sessionplanung, 25.04.2015.

Session 1: Digitale Bildung

Als erstes bin ich natürlich zu Josefine Geib und Niklas Konrad mit dem Thema „Digitale Bildung“ gegangen. Was ich angenehm und für die SPD nicht selbstverständlich fand: Das Wort „Digital Natives“ ist nicht ein einziges Mal gefallen, es gab keine Verweise auf irgendwelche Hirnforschung und die ganze Diskussion war von konstruktivem Gestaltungswillen geprägt. Weder standen Bedrohungs- noch Verblödungsszenarien im Vordergrund, sondern vor allem die Erkenntnis, dass die Digitalisierung das bestehende Bildungssystem nicht „unterstützen“ oder „erweitern“ kann, sondern fundamentalen Einfluss darauf nimmt.

Mein Beispiel in dieser Diskussion war: Wenn Schüler*innen in den Abiturprüfungen mit aller Macht vom Wissen der Welt ferngehalten werden, indem Smartphones verboten und Zugang zum Internet unterbunden und als „mogeln“, Betrug oder Verblödung sanktioniert werden, kann man einerseits die Polizeipräsenz auf Schulklos massiv erhöhen oder vielleicht Aufgaben stellen, die darauf ausgerichtet sind, dass Schüler*innen diese mit Hilfe des Internets und digitalen Technologien lösen.

Insgesamt war die Session ziemlich vollumfänglich, so dass wir sehr sehr viele Aspekte angesprochen, aber nicht diskutiert haben. Die Liste der Themen war diese hier, ich schreib sie einfach mal so ab und denke, dass wir in der D64-Bildungsgruppe öfter noch darauf zurückgreifen werden:

Frühkindliche Bildung:

  • zu hohe Kinderbetreuungskosten
  • zu wenige Lehr- und Betreuungskräfte
  • zu viele Kinder auf eine*n Erzieher*in
Schule:

  • 3gliedriges Schulsystem
  • individuelle Lehrpläne
  • veraltete starre Lehrpläne
  • viele Initiativen in den Bundesländern, dennoch stehen wir nicht gut da
  • 1:1 Austausch Schulbuch:iPad wird der Digitalisierung nicht gerecht
  • uneinheitliche Standards im Informatikunterricht
  • IT-Ausstattung an Schulen, Finanzierung Bund?
  • IT-Fachkräfte an Schulen
  • Transport von Schüler*innen auf dem Land
  • Kontrollverlust durch digitale Medien macht Angst, wie überwinden wir das?
  • Schulbücher oft noch unanschaulich oder unkritisch
  • dass Lehrer*innen nicht von Schüler*innen lernen wollen!
  • inklusive Schule für alle
  • Medienkonsum ≠ Drogenkonsum
Ausbildung:

  • zu viele Unterschiede

Hochschule:

  • Lehrer*innenausbildung
  • begrenzte Kapazitäten / Studienplätze
  • „Verschulte“ Hochschulausbildung
  • fehlende Flexibilität bei Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen
  • Unversal- vs. Spezialwissen, hohe Diversität von Studiengängen
  • Verschulung vom Bachelor

Weiterbildung / Lebenslanges Lernen:

  • lebenslanges Lernen als Grundrecht/-pflicht
  • „seriöse“ Bildungsmöglichkeiten im Netz schwer zu finden
  • Selbstfinanzierung der Weiterbildung
  • barrierefreier Besuch in der VHS
  • Anreize und Freiräume für berufsbegleitendes Lernen
Sideboard:

  • Inklusion oft noch nicht reflektiert umgesetzt
  • negaitv/„Bedrohung“-gesteuerte Debatte
  • verschiedenes Lernverhalten
  • sozial ungleiche Bildungschancen
  • unterschiedliche Standards trotz „gleichem“ Abschluss
  • Bildung bereitet nicht auf das vor, was man braucht
  • Kultushoheit der Länder! einheitliche Lehrpläne?
  • Leistungsdruck statt Persönlichkeitsentfaltung
  • Finanzierung
  • Lernen zum Vergessen
  • Was ist heute Allgemeinbildung?
  • Kindersicherung im Internet
  • Föderalismus
  • Definition der Kompetenzen für #Digital(unleserlich)
  • Bildung 4.0?

Session 2: Bessere Vernetzung

Die zweite Session, die ich besucht habe, hat @kaffeeringe aufs Tableau gehoben, hier ging es darum, wie wir innerhalb der SPD die digitalen Themen auf eine breitere Basis stellen. Wie der D64-Musterantrag gegen die VDS ja gezeigt hat, kommt ja erst so richtig Druck auf die Leitung, wenn in der SPD Anträge beschlossen werden. Das geschieht im Moment hauptsächlich über die Ortsvereine oder die Unterbezirke (so heißen diese Gliederungen bei uns in NRW, woanders haben die andere Bezeichnungen). Das hat jetzt für die VDS ja ganz gut geklappt, viele haben entsprechende Beschlüsse gefasst, aber, sind wir ehrlich, für die VDS kommt das drei Jahre zu spät. Das Problem ist, dass das Thema in der Partei so lange gebraucht hat, um prominent genug zu werden, dass sich die „Standardgliederungen“ einen Beschluss dazu zutrauen. Bei weiteren digitalen Themen werden wir aber nicht wieder jeweils drei Jahre warten können, bis das Parteibewusstsein sich zur Entscheidungsfähigkeit entwickelt hat.

Daher hat Steffen vorgeschlagen, dass wir uns innerhalb der SPD stärker organisieren müssen. „Gründet Arbeitskreise auf UB-Ebene“, war der Tenor dieser Session und ich habe mir fest vorgenommen genau das zumindest erstmal in Bonn zu tun und darüberhinaus die Genoss*innen innerhalb des D64 darum zu bitten, das auch in ihren jeweiligen Gliederungen zu tun. Wenn wir uns schlaue Dinge bei D64 ausdenken, ist es ja umso schöner, wenn wir die dann auch gleich schlagkräftig in die Partei tragen können.

Steffen hat die Session auch gleich selbst noch einmal verbloggt, das könnt Ihr hier nachlesen: „Organisiert Euch!“

Nach der zweiten Session war erstmal Mittagessen, es gab Wurst, selbstverständlich nicht ohne den lieben @horax.

Session 3: Generation Gap in der Schule

Nach dem Mittagessen ging’s dann für mich im Hof weiter. Bei allerschönstem Wetter saßen wir mit @EskenSaskia und @lorenzotural in entspannter Runde und Lorenzo erzählte uns ein wenig aus seinem digitalen Schulalltag. Was mir besonders präsent geblieben ist:

  • Es werden Smartphoneverbote verhängt und die Kinder umgehen diese ebenso selbstverständlich wie mühelos.
  • Guter, interessanter Unterricht unterbindet ungewollten Smartphoneeinsatz ganz von selbst
  • Das Verhältnis Lehrer*in – Schüler*in ist von einem Machtgefälle geprägt, Lorenzo hat das so formuliert: „Die Lehrer haben kein Vertrauen zu den Kindern.“

Ich fand es einerseits sehr angenehm, diese Aspekte einmal von einem 14jährigen direkt ausgesprochen zu hören, auf der anderen Seite hatte ich ja heimlich die Hoffnung gehegt, dass der Schulalltag vielleicht weniger diesem Klischee entsprechen möge.

Aber es ist ja nicht alles schlecht, „Kohärentes Lernen“ (also quasi das, was sie da jetzt in Finnland im großen Stil aufziehen möchten) ist als Thema in der deutschen Bildungsdebatte angekommen – auch wenn wir weit davon entfernt sind, sowas konkret in Angriff zu nehmen.

Fazit

Ich fand das Barcamp eine sehr runde Sache, ich habe viele Bekannte getroffen und einige Netzbekanntschaften jetzt auch mit Gesicht versehen können. Ich finde aber, dass wir uns, zumindest in den Sessions, die ich besucht habe, häufig viel zu einig waren. Ich würde mir wünschen, dass mehr Genoss*innen an solchen Barcamps teilnehmen, die nicht unbedingt meiner Meinung sind und dass wir darüber tiefer gehende Diskussionen führen können. Der digital Divide geht quer durch unsere Partei und wenn digital dransteht, kommen die Alten nicht (um’s mal böse verkürzt darzustellen:)).

Andererseits ist es auch schön zu sehen, dass wir ganz viele digitale und ganz viele junge Genoss*innen in der Partei haben. Was mir immer wieder das Herz erwärmt ist dabei, dass die, die ich gesprochen habe, alle ganz tiefe Überzeugungen haben, die ich teile. Es wird selbstverständlich gegendert, es sind wie selbstverständlich Gebärdendolmetscher da,  alle Themen werden auf soziale Gerechtigkeit hin abgeklopft und es wird versucht, niemanden zu vergessen.

Abschluss mit @horax und @weyhmueller und D64

Nach dem Barcamp, einige haben’s vielleicht schon in der TL gesehen, gingen wir zum gemütlichen Teil über: @horax hat @weyhmueller und mir die schönsten Craft-Beer-Venues von Berlin gezeigt, wir sind dabei durch Gegenden gekommen, in denen ich spontan das Bedürfnis hatte, ein Fahrrad unabgeschlossen stehen zu lassen. Finally, in der StäV, aßen wir mit den D64er*innen etwas Himmel un Ääd, ein letztes Kölsch, und dann war ich um zehn brav in der Poofe.

 

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Dieses gefährliche Internet

Da Internet was my first loveIch hab den Papp auf, was hat dieses Internet je für mich getan?! Das ist ja sowas von gefährlich, das kann einem das ganze Leben verändern! Ich habe einzig und ausschließlich und nur über dieses Internet, über dieses Twitter!, die folgenden Menschen kennengelernt (und das ist nur eine kleine Auswahl!). Ich hätte die ohne Internet NIE IM LEBEN von deren Existenz erfahren noch hätte ich sie JEMALS getroffen:

  • @holadiho
    Was für ein geiler Typ. Hat jüngst dieses Projekt „Finding Europe with lights“ erfunden und mit den Kolleg*innen der re:publica auf den Weg gebracht. Kannte ihn zunächst nur, weil @frau_ratte damals angefangen hat, ihm bei Twitter zu folgen und immer gesagt hat: Was für ein geiler Typ! Also folgte ich ihm auch. Und dann haben wir ihn auf der #rp12 das erste Mal in Echt getroffen, wir waren da noch etwas schüchtern und haben brav die goldenen Kulis seiner Firma eingesteckt. Inzwischen hab ich mit ihm Internet- und Tinkering-Kurse in Kölner Grundschulen gegeben und mit ihm und @mamamarischen Grünkohl und Schnitzel in der Kommune ZwoNull gegessen. Wie kann einer, der so viel auf die Straße bringt, der so viel einfach macht, so ein integerer Typ sein?Naja. Wahrscheinlich wiegt er mich nur in Sicherheit und lässt beim nächsten Besuch inne Kommune eins unserer Auerhahn-Messer mitgehen. Shice Internet, ey!
  • @horax
    Wer @holadiho sagt, muss auch @horax sagen. Noch so ein saugeiler Typ. Kenne ich auch nur aus dem Internet. Er war quasi der erste – das werde ich ihm nie vergessen! – der mir zurückgefolgt ist bei Twitter. Er hat mich beim SPD Bundesparteitag 2011 an die Hand genommen und immer Biere mit mir getrunken. Er hat mir die vielen netzaktiven Sozis gezeigt und wusste, wo die Presselounge ist. Auch er hat uns inzwischen in der KommuneZwoNull besucht und die Schnitzel von @wasalski verspeist. Ich möchte eigentlich immer nur mit @horax kochen, essen und Biere trinken und dabei über Politik und Daten sprechen.Naja. Wahrscheinlich sammelt der auch nur Informationen über mich, um mich und mein Blog wegen eines Kommafehlers im Impressum auf 16 Mrd. $ zu verklagen. Shice gefährliches Internet, verdammt!
  • @moellus und @kommandomutti
    Meine ganze Sprache ist versaut, shice Internet, ey! Und Schuld daran sind die Amerikaner und die Russen und vor allem @moellus. Kenne ich auch nur über Twitter. Und über ihn auch @kommandomutti. Und den Rest der Familie. Auf der #rp12 in Echt getroffen. Danach auch noch mal paar mal, zuletzt bin ich 2014 bei ihnen zu Hause in Berlin gewesen und habe Stullen gegessen. Und habe ganz viel von meiner Familie in ihrer Familie gesehen, aber dann sind die wieder ganz anders als @frau_ratte und die Kinder und ich. Was für eine Inspiration!Sicher werden die mich eines Tages noch zum Kommenisten machen und dann gute Nacht! Abgefischt bei der Einreise in die USA und ward nicht mehr gesehn, also ich jetzt. Danke Internet, dass de mich dem ungeschützt ausgesetzt hast!
  • @klappstulli
    Ach, mein Herz ist erwärmt, was haben mich @klappstulli und ihre Familie so herzlich empfangen! Danach wollten wir, et @klappstulli und ich, gleich ein Panel auf der #rp15 anbieten zum Thema Freundlichkeit (sind aber nicht genommen worden). Wir aßen Kekse und ich habe freundlich den Glühwein abgelehnt, aber nur, weil ich einen Kater hatte, damals, im November 2014. Ich durfte von den Sozis erzählen und von meinen Kindern, von @frau_ratte und mir und der KommuneZwoNull, und et @klappstulli fand das interessant. Und heute taptalken wir was das Zeug hält.Der @horax hat gesagt, dass et @klappstulli eine ganz feine Person ist. Was von @horax zu halten ist, wissen wir ja! Und diese @klappstulli, die ist doch nur seine Helferererin und Vollstreckungsdingse! Unfassbar, in was für Netze dieses Internet mich verstrickt!
  • @Nico
    Wenn ich mich recht erinnere, war eine meiner ersten Interaktionen mit @Nico irgendein Foto von einem Pullover, das er bei Twitter gepostet hat. Ich fand den schrecklich und habe einen blöden Kommentar dazu abgelassen. Den hat er anscheinend nicht gelesen, zumindest hat er nicht darauf reagiert und ich dachte: Arroganter Schnösel, ey, keine Reaktion! Und dann hat er später einen meiner ersten Blogposts gelesen und retweetet und der Post ging ab wie seit dem eigentlich nur noch mein Rant zum Weltfrauentag. Es hat irgendwie gedauert, bis ich mit @Nico warm wurde. Wir haben uns in Echt das erste Mal auf der #rp12 getroffen, aber wichtiger war die Superklausurtagung von D64 2013 in Hamburg. Ich machte blöde Witze und er besorgte völlig unironisch einen Kasten Früh-Kölsch. Und ich erfuhr von @_sibylle, dass sie sogar mal in Bonn gewohnt haben. Und ich fing nach jener Superklausurtagung 2013 an, zusammen mit @lino, @lutzmache und @rjaeger den D64-Ticker zu schreiben. Ich schreibe den immer so, wie ich Bock habe, manchmal kriegt @Nico deswegen Zuschriften von welchen, die das blöd fanden. Ich finde cool, wie abgeklärt @Nico sich dann vor uns (also die Liga der unglaublichen Tickerererer*innen) stellt und so Formulierungen drauf hat wie: „Natürlich spitzen wir auch zu.“ @Nico schreibt eine Kolumne in der Bildzeitung, worüber wir uns voll gestritten haben. Ich finde das immer noch nicht selbstverständlich, aber neulich habe ich seine Kolumne entgegen meiner eisernen Willensbekundung doch im Ticker verlinkt, weil sie zu gut war. Und irgendwann neulich textet er mich mitten in der Nacht an wegen irgendeiner Formulierung, ob ich die mal gegenlesen könne. Hab ich gemacht, hatte eh noch ein Bier offen stehen. War was für seine Bildkolumne, glaub ich.Dieses Internet, Ihr seht es, das macht, dass man seine Ideale verrät und verkauft (natürlich nicht für Geld, wegen der Kostenlosmentalität, iss klar!!)
  • @pramesan und @queenblatifah
    Quasi die ersten wildfremden, denen ich gefolgt bin. Haben auch inzwischen mehrmals am Tisch in der KommuneZwoNull Platz genommen und immer Sekt dabei gehabt. Von @pramesan stammt der Tweet „Das Psychogramm vervollständigt sich zusehends.“ Das hat mir damals echt Angst gemacht, habe das aber mittlerweile als Leitfaden für alle meine Social-Media-Aktivitäten hergenommen. Letztes Jahr waren wir in #nextPramesanien und haben tolle Burger gegessen. Leider musste ich fahren, so dass wir uns nicht hemmungslos umschießen konnten, aber Bock dazu hätte ich jederzeit mit den beiden!Alkoholismus! Das Internet macht krank!

Ich muss jetzt bei allen, die ich hier nicht erwähnt habe (so ca. 1613 Accounts, denen ich folge, Stand 23:40 Uhr), um Entschuldigung bitten. Ich folge Euch allen aus ganz individuellen Gründen und bei fast allen sind das positive. Ich finde Twitter saugut und ich finde, dass mein Leben echt bereichert wird durch Euch alle.

Küsse! Tausend Küsse!

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In dieser Küche

In dieser Küche stehe ich abermals und sperre den Mund auf. In Paris haben zwei Terroristen einen Anschlag auf die Redaktion des Satireblatts Charlie Hebdo verübt. Wieder schwirren undefinierte Bilder durch meinen Kopf, während ich in dieser Küche stehe. In diesem direkten Moment, in dem ich gar nicht weiß, was ich denken soll, in dem ich ziemlich emotional bin.

Und plötzlich habe ich Erinnerungen daran, wie ich in dieser Küche stand, als in Fukushima das Atomkraftwerk in die Luft flog und mich an meine Kindheit erinnerte, als Tschernobyl in die Luft flog, und wie ich in meinem zu Hause Unsicherheit fühlte.

Und wie ich in dieser Küche stand, als der arabische Frühling umging und mit offenem Mund da stand und nicht glauben konnte, was geschieht, in Nordafrika und Arabien, so weit weg, und ich konnte sie sehen und hören, in dem Moment, in dem es geschah.

Wie sich die Zeiten geändert haben. Noch vor ein paar Jahren hätte ich jeweils einen 2min Beitrag abends in der Tagesschau gesehen und danach den Spielfilm oder Fußball geguckt. Heute springt mir das alles aus dem Smartphone direkt ins Gesicht und ich muss, nach dem joggen noch ungeduscht, erstmal was ins Internet schreiben, weil es mir ein Bedürfnis ist.

Gleich muss ich die Kinder aus dem Kindergarten abholen. Die Pressefreiheit geht mit duschen.

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Alte Männer, remote

Gestern Heiligabend. Da saß ich nun, mit einem tauben Daumen nach zwei Stunden Playmobil und Lego Aufbauen mit der angebrochenen Flasche Sekt. Ich stimmte die Sonos auf die Jammerplaylist ein und hing so ein bisschen meinen Gedanken nach, bis ich dessen überdrüssig wurde und auf „Freitags Fabrik“ umschaltete.

Und siehe da, die Stunde war fortgeschritten genug, dass sich @botnautzki und @ion_tichy remote in ihren hunderte Kilometer entfernten Domizilen dazu schalteten. Und es war ein bisschen so, als wären sie hier.

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