Hohe Energie

Wenn ich an mein Studentenzeit-Ich zurückdenke, dann wäre das von meinem trackle/Calliope/Erwerbstätigkeits/Vater/SPD/Blogger-Ich im Jahr 2017 allein von der bloßen Betrachtung derart gestresst, dass ich wahrscheinlich kein Wort mit mir wechseln würde. Rush-Hour des Lebens, halt, wa?

Im Moment dreht es sich derart schnell, dass ich manchmal die Tageszeit googeln muss. Aber das ist gut! Ich habe die Energie, also raus damit! Ich mache das zusammen mit @frau_ratte, gegen die ist der #Schulzzug ’ne Rangierlok. Morgen startet unsere Crowdfunding-Kampagne für trackle und wir sind ganz offen völlig hibbelig – was wenn keine*r kommt? Wenn keine*r trackle bestellt? Was, wenn Ihr das Video kacke findet? Wenn mein Haar plötzlich stumpf werden sollte?

Es gibt zum Glück ein paar Rückversicherungen: @horax wird morgen dabei sein. @frau_elise wird morgen dabei sein. Ganz alte Freund*innen und meine Schwester @antonialoick werden dabei sein. Wir gehen All In, voller Zuversicht! Mit wehenden Fahnen zwischen die Weinflaschen aus Jacques Weindepot oder mit wehenden Fahnen ins nächste Kapitel im Buche Reuter-Loick, das da heißt „Markteintritt als zertifizierte Medizinprodukteherstellerin“!

Morgen wird ein Tag sein, den @frau_ratte damit beginnt, den Kindern aus Harry Potter vorzulesen. Kretschnaku patavi!

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Diversität im sexuellen Diskurs

In den letzten 24 Stunden bin ich über zwei Artikel gestolpert, die mir bedeutsam erscheinen und deren Thema Sex ist. Zum einen der hier von @MlleReadOn, in dem sie beschreibt, welche Wirkung sexuelle Aufklärung, insbesondere von Männern, auf Gesellschaften hat. Vor dem Hintergrund, dass irgendwo mal irgendjemand bemerkt hat, dass statistisch gesehen junge Männer eine viel gefährlichere Gruppe sind als Geflüchtete, Ausländer*innen oder sonst wie geartete Gruppen, stelle ich fest: Als hetero cis white male bin ich statistisch gesehen eigentlich ein Gefährder. Viele von meinesgleichen haben massive Defizite, was ihre eigene Sexualität und was die Sexualität ihrer potenziellen Sexualpartner*innen anbelangt. Ich bin damals™in der Schule aufgeklärt worden, das heißt, die biologischen Zusammenhänge sind mir lange bewusst und klar. Was aber die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Menschen angeht, ist mir in seiner ganzen Bandbreite (und wahrscheinlich kenne ich immer noch nicht alles was es gibt) erst bewusst geworden, als ich bei Twitter mit so vielen verschiedenen Menschen in Kontakt gekommen bin*). Viele sind ziemlich offen, was ihre Sexualität angeht und Pornographie spielt offenbar eine viel wichtigere Rolle als sie in meinem Leben gespielt hat. Damit kommen wir zum zweiten Artikel, den ich oben angekündigt habe, er beschäftigt sich mit der Pornoindustrie und wie unterrepräsentiert Frauen in dieser Industrie sind – mit dem Ergebnis, dass die Erzeugnisse dieser Industrie extrem männerzentriert geraten. Erika Lust, eine der wenigen Frauen in Porn, die hinter der Kamera statt davor agiert, sagt:

“Mainstream porn consistently shows sex as a thing that men do to women, or that women do for men, which means misogynistic porn that objectifies women and places unrealistic expectations on both sexes.”

Und wenn ich mir vorstelle, dass ganz ganz viele Menschen Zugang zu dem meisten, was über „das Spermium befruchtet die Eizelle“ hinausgeht, über Pornographie finden, dann scheint mir auch das bedeutsam, vor allem was Rollenklischees von Frauen und von Männern angeht und was Männer und Frauen glauben, was angemessenes Verhalten sein könnte. Vor diesem Hintergrund scheint mir auch bedeutsam, dass es in beiden Artikeln Frauen sind, die das Heft in die Hand nehmen, etwas daran zu ändern.

Update 2017-01-08, 12:20 Uhr: Und wie ich so nachdenklich weiterlese in meiner TL, stoße ich auf diesen Artikel: Frauen der Welt, rettet uns vor diesen Männern! Ich finde, der passt auch noch ganz gut in diesen Themenkomplex.

*) Ich wollte erst „kennengelernt habe“ schreiben, aber sehr viele kenne ich nur über das, was sie so sporadisch in 140 Zeichen immer mal wieder twittern, das ist nicht wirklich kennenlernen. Die emanzipatorische Wirkung von Twitter ist dabei übrigens ein zentrales Moment, weil dadurch Kommunikation immer auf Augenhöhe stattfindet ohne dass soziale Hierarchien eine Rolle spielten. Aber das ist ein anderes weites Feld, darum muss ich mich ein anderes Mal kümmern.

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Drei Ebenen die Welt zu verbessern

Eine der schönsten und für mich motivierendsten Twitter-Bios hat der höchstanständige und beste @horax geschrieben:

„das leben ist kurz | die welt ist veränderbar!“

Was für ein Satz! Den hat er, wenn ich das richtig erinnere, seit mindestens 2010 da stehen. 2010 wurde der Kleine Sohn geboren, ich kannte noch niemanden bei Twitter und war auch noch nicht in der SPD. Auf der Erwerbstätigkeit habe ich mich aber mit Kolleg*innen gestritten über die Sozis (die ich da schon toll fand). In diesen Diskussionen wurde ich als Phantast abgetan, ein blauäugiges Mäuschen, das in seiner Naivität allen Ernstes an das Gute im Menschen glaubt und die Welt verbessern will. Ich, dieser ziemlich unbedeutende IT-Berater – für wen hältst Du Dich, dass Du die Welt glaubst retten zu können?

Seitdem gucke ich auf meine Hände, von denen ich zum Glück zwei habe, gucke auf meine Füße, von denen ich zum Glück auch zwei habe. Ich freue mich über mein Gehirn, das einige Dinge gut, andere schlecht verarbeiten kann, das manchmal gute Ideen hat und manchmal nicht so gute. Ich benutze meinen Mund durchgängig zum Sprechen*). Ich gucke auf meine Möglichkeiten: Hände, Füße, Hirn und Sprache. Das steht mir zur Verfügung, um die Welt zu verbessern.

Als ich die ersten paar Tweets abgesetzt hatte und eines Tages dieser mir unbekannte, aber deswegen nicht weniger bewunderte @horax anfing, mir zu folgen mit seiner o. g. Bio, da dachte ich: Es macht einen Unterschied. Einer will hören, was ich sage. Ist erstmal nur einer, aber einer will’s hören. Meine nicht minder verehrte Frau Mama hat uns Kindern mal gesagt: In der Menge steht immer ein*e Kenner*in. In meiner bescheidenen Wahrnehmung besaß ich genug Chuzpe, in @horax einen Kenner zu sehen – und hey! Der gehörte zu den coolen Typen von nugg.ad, die immer so coole Parties mit #guwosh Hashtag gefeiert haben, das war also nicht irgendeiner!

Oh, was habe ich gelernt seitdem! Dieses Twitter hat mich mit Menschen zusammengebracht, von denen ich so viel gelernt habe! In Sachen Kommunikation, in Sachen Haltung, aber vor allem Fakten, Tatsachen, Erkenntnisse – Dinge, für die man sich früher in Kellern mit dicken Büchern einschließen musste, die so viel Lesezeit beansprucht haben, dass man mangels zwischenmenschlicher Interaktion zum Soziopathen werden musste. Und dann stimmte das am Ende doch wieder nur so ein bisschen. Bei Twitter lernte ich, was Privilegien bedeuten und welche Pflichten mir als Privilegiertem obliegen, ich lernte, was für unterschiedliche Menschen es gibt, wie super die sein können und wie gleich sie am Ende irgendwie alle in ihren Bedürfnissen sind und wie unterschiedlich in ihren Antrieben und Ressourcen – wie unterschiedlich privilegiert. Ich lernte, welche Rolle Emotion und Irrationales spielen und wie irrational gerade die handeln, die sich besonders auf reine Fakten berufen – die eiskalten Entscheider*innen sind mir schon immer besonders lieb gewesen in ihrer verfickt offensichtlichen Unvollkommenheit. Ich danke Twitter auf Knien für die unfassbare Leistung, zumindest für ein paar Jahre Hierarchien überwunden zu haben, für eine Emanzipation, für eine Sprache gesorgt zu haben, die gänzlich frei von inneren Hürden, Verhaltenskodizes und selbstoktruierter Scheinkorrektheit ist. Man schreibt hier über Sachen mit Käse überbacken. Man schreibt hier über #flausch, Rausch und furchtbar menschliche Sachen. Welch eine Leistung! Die geilsten der Geilen geben hier zu: Hab heute keinen Bock, weil ich gestern gesoffen hab. Was ich da höre! Was ich da lerne, immer noch, jeden Tag!

Und ich kann die Welt verbessern! Einer sucht eine Wohnung in London, ich retweete das nur, zehn Minten später hat der wirklich eine Wohnung und bedankt sich bei mir für den Retweet. Das war aber einfach!

Ich schreibe was politisches rein. Keine Reaktion. Ich blogge was und twittere das. Drei Favs – HAA! WELT verBESSERT! Bei gleich DREIEN!

Aber ich wollte ja eigentlich was ganz anderes schreiben: Wie verbessere ich denn jetzt die Welt? Auf welchen Ebenen? Wo setzt man da an? Über die Jahre scheinen sich drei etabliert zu haben, auf denen ich es immer wieder versuche: Wirtschaftlich (also auf Erwerbstätigkeit, da verbringt man ja schon ziemlich viel Zeit), persönlich (also in der Familie und vor allem als Vater/Mutter) und selbstverständlich schlicht parteipolitisch.

Ich reporte mal denen, die mich wahrscheinlich immer noch für ein blauäugiges Mäuschen halten.

Persönlich

Als Kind auf einem Bauernhof im südlichen Westmünsterland aufgewachsen kann ich nicht gerade sagen, dass ich per se progressiven Positionen zugeneigt gewesen wäre. Im Gegenteil, als Jugendlicher habe ich meiner Erinnerung nach ziemlich stramme Besitzstandswahrungsmeinungen vertreten, Veränderung war gefährlich, denn ich hatte eine sehr sehr glückliche und behütete Kindheit, an der etwas zu ändern eigentlich nur Verschlechterung bedeuten konnte. Interessanterweise hat unsere Mutter uns Werte, Empathien, eine fröhliche Offenheit und nicht zuletzt einen gehörigen Schuss Feminismus mitgegeben. Und es ist mein ausdrückliches Privileg, dass ich durch den Hof, durch meine fest zusammenhaltende Familie und die Abgeklärtheit meiner Eltern und Geschwister ziemlich immun bin gegen irrationale Ängste. Selbst in den schwersten Phasen der Existenzangst (2009 lief meine Firma echt scheiße!) hatte ich die Fähigkeit, mich mit dem Gedanken über Wasser zu halten: „Wenn wir hier mit einem kleinen Kind mitten Europa verhungern müssen, wird es einen Skandal geben! Aber von sowas liest man nicht so oft in der Zeitung, also scheint es wohl in den meisten Fällen doch irgendwie ganz gut auszugehen.“ Ein anderer Aspekt meiner Privilegiertheit ist, dass meine Eltern gefeiert haben wie die Kesselflicker, aber am nächsten Tag wurden die Kühe um sechs Uhr morgens gemolken (mein Vater) und die Kinder der ersten Klasse ab viertel vor acht unterrichtet (meine Mutter). Befindlichkeiten haben wir als Familie insgesamt lieber als Partygag verstanden als uns davon treiben zu lassen. „Außen weich und innen hart“ fanden meine Schwester Julia und ich im Alter von 16/18 Jahren in Umkehrung der Männlichkeitsideale von Hollywoodfilmen lustig, meinten das aber ganz tief drinnen irgendwie ernst. Das Jammern ist uns als Kulturtechnik nie vermittelt worden.

Auf der persönlichen Ebene wünsche mir nichts sehnlicher, als meinen Kindern solche Fähigkeiten verleihen zu können, wie meine Familie sie mir verliehen hat. Wenn meine Kinder einfach nie Angst haben, weil sie sich immer auf uns (@frau_ratte und mich) verlassen können, wenn sie sich ihrer selbst immer sicher genug sein können, um gefahrlos sich selbst zu vergessen und ihren Geist auf Sachverhalte zu richten vermögen, die nicht unmittelbar sie selbst betreffen, dann werden wir auf persönlicher Ebene die Welt verbessert haben. Vielleicht tragen diese tollen Kinder das dann weiter.

Wirtschaftlich / auf Arbeit

Im Jahr 2008 oder so war es, nachdem der Große Sohn ein paar Monate alt war und mich das ganze UngeübtMitKindDingsi völlig überfordert hat, fing ich an, völlig unprofessionell auf der Arbeit davon zu erzählen, wie die letzte Nacht war, wie unsicher ich war, was ich alles nicht kann. Lange vor dem Kontrollverlust, den Social Media uns allen bescheren sollte, war ich bereit dafür. Ich habe einfach alles erzählt. Aufgrund unmittelbarer Erfolgserlebnisse an dieser Stelle war eigentlich da schon klar, dass ich ein wehrloses Opfer Social Medias werden würde. Die Kolleg*innen wussten, warum ich scheiße aussah mit Ringen unter den Augen. Sie haben mir vielleicht manche Dünnhäutigkeit nachgesehen, die ohne Hintergrundwissen als ungehörig hätte gelten müssen. In jenen Tagen habe ich vor mich hinformuliert: „Aufgrund der wenigen mir zur Verfügung stehenden Informationen über Dich muss ich Dich leider scheiße finden.“ Offenheit, ein bisschen Vertrauen und das Fallenlassen überkommenen Scheinprofessionalitätsgehabes vermitteln denen um mich herum ein Bild von mir, das sie mich verstehen statt blöd finden macht.

Um materiell handlungsfähig zu bleiben, muss ja ein Studienabbrecher wie ich ziemlich viel Zeit in die Erwerbstätigkeit investieren. Als Konsequenz verbringt man viele Stunden mit Menschen, die man sich nicht unbedingt ausgesucht hätte, ohne dass das heißen muss, dass diese Menschen deswegen blöd wären. Aber Erwerbstätigkeit ist, von der Sinnstiftung und ihrer selbstbewusstseinschaffenden Kraft einmal abgesehen, vor allem auch ein natürliches Durchbrechen der persönlichen Filterbubble. Ich habe dort in einer Weise Einfluss auf Menschen (und werde von denen beeinflusst), die nicht meinem Gusto entsprechen müssen – was  als eine große Chance gesehen werden muss. Mein Handeln und Sprechen hat bei denen eine ungleich wichtigere Bedeutung, weil hier ich hier Menschen erreiche, die nicht per se meiner Selbst entsprechen. Wenn ich auf der Erwerbstätigkeit plötzlich alle Anforderungsdokumente im generischen Femininum verfasse, dann konfrontiere ich Menschen damit, die im Zweifel noch nie etwas davon gehört haben. Und ich diskutiere nicht mit denen, sondern ich juble es ihnen unter. Ich schaffe hier das kraftvollste Moment, das man für die Verbesserung der Welt überhaupt schaffen kann: Selbstverständlichkeit. Wer Fragen dazu hat, kriegt sie beantwortet. Aber die meisten fragen nicht, sondern übernehmen einfach aus Selbstverständlichkeit den Sprachgebrauch**). Es entsteht eine kraftvolle Veränderung, die mich staunen macht.

Nun habe ich seit den Anfängen meiner Erwerbstätigkeit, in der ich als externer Berater in Konzernen herumlaufe, noch zwei neue Firmen mitgegründet. Die eine ist das Start-up (wink! wink! trackle.de! kauft, Leute, kauft!), das ich mit @frau_ratte am Laufen habe, die andere ist Calliope. Als ordentlicher Progressiver, wenngleich nicht geborener, sondern gelernter Linker, s. o., stelle ich mir die Frage: Was sind Deine Prinzipen wert, wenn Du plötzlich selbst in der Position des Arbeitgebers bist? Bist Du noch für den Mindestlohn, wenn sich herausstellen sollte, dass Dein Businesscase nicht mehr funktioniert, wenn Du Deine Leute bezahlen musst? Werde ich der Gier widerstehen? Die Frage, wie ich handeln werde, wenn es meiner Firma, meiner Existenz, der Existenz meiner Kinder an den Kragen geht, muss trotz der Erfahrungen aus dem Jahre 2009 (s.o.) weiter offen bleiben. Aber bis dato bin ich guter Dinge, dass ich meine Haltung werde halten können. Im Gegenteil habe ich großen Bock, auf wirtschaftlicher Ebene nachweisen zu können, dass man einen Laden betreiben kann, der mich, meine Familie und alle, die mit uns in dem Laden arbeiten, erfüllt, ernährt und vielleicht sogar ein Stückchen glücklich macht. Das hat mit Geld zu tun, ganz klar. Das hat aber auch mit guter Zeit zu tun, die man verbringt. Das hat mit Sinnstiftung zu tun.

Wenn ich mal auf das Thema „Verbesserung der Welt“ zurückkommen darf: Ganz viele große Gründer*innen haben als ihre Triebfeder genau das angegeben: Verbesserung der Welt. Ich dachte immer by default, man müsse sich parteipolitisch einsetzen, um die Welt zu verbessern, aber das Schaffen von Fakten, Möglichkeiten und schlicht Kraft, die mit einer erfolgreichen Gründung eines Wirtschaftsunternehmens einhergehen, sind starke Faktoren, die dafür sprechen, die Welt durch Wirtschaftskraft zu verbessern.

Parteipolitisch

Aber natürlich muss man sich parteipolitisch engagieren und einbringen! Alle Ideen, die ich im persönlichen oder wirtschaftlichen Bereich entwickle, jede Veränderung bedarf der breiten Anerkennung und schließlich einer Gesetzeskraft entwickelnden Legitimierung. Und das geht nur über die seit 1949 etablierten und bewährten Mechanismen. Es ist Teil meiner Verantwortung als Mensch, der eine glückliche Kindheit erleben durfte, die Verbesserungen, die ich für mich und die mir unmittelbar Verbundenen erreicht habe, allen mit weniger glücklichen Biographien ebenfalls zu ermöglichen, und zwar einklagbar! Warum, ist das etwa Selbstlosigkeit, mein speziell edles Gemüt? Keineswegs. Ein Leben für mich selbst und ein Leben für meine Kinder in einer Gesellschaft, der es leicht fällt, freundlich, offen und belastbar zu sein, ist nur möglich, wenn wir eine breite Zufriedenheit herstellen. Parteidemokratisch erzielte Ergebnisse sind das sicherste und belastbarste, was wir erreichen können (wohlwissend, wie fragil selbst diese sind!). Auch wenn Ihr nicht am Infostand stehen mögt, um Euch für Peer Steinbrück beschimpfen zu lassen, solltet Ihr dennoch die demokratischen Parteien (am besten natürlich die SPD!) stützen, indem Ihr eintretet, und sei es nur, um zu signalisieren, dass es zu Despotie, Tyrannei oder Ochlokratie eine erprobte und nachgewiesenermaßen erfolgreiche Alternative gibt. Es ist sehr sehr wichtig, dass man sich äußert, aber es ist mindestens genauso wichtig, dass man sich bekennt und einsteht. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben, für Verfehlungen Sigmar Gabriels verantwortlich gemacht zu werden. Viel größer ist die Gefahr, dass man sich unverstanden fühlt, wenn man sich nicht in einem verbindlichen Rahmen artikuliert. Viel größer ist die Gefahr, dass man zu jemandem wird, der/die postfaktisch mit komischen Pegida-Ärschen mitrennt, wenn man sich seines politischen Fundaments unsicher ist. Parteipolitisches Engagement ist tägliche Auseinandersetzung und tägliche Überprüfung der eigenen Haltung, was zumindest mich erstens ziemlich informiert hält und mir zweitens für die beiden oben genannten Bereiche eine Menge Widerstandsfähigkeit verleiht.

Die Welt ist veränderbar. Lasst uns die Ärmel aufkrempeln und auf allen Ebenen mit beiden Händen tief hineingreifen ins Leben, es ist so wunderbar, wenn man etwas Freundlichkeit, etwas Witz und eine ambitionierte Mission zusammen nimmt. Es gibt nur dann etwas zu verlieren, wenn wir nichts tun, hingegen gibt es nur etwas zu gewinnen, wenn wir auch nur den kleinsten Finger rühren. In der Bio von @horax steht, was geht, in meiner, für wen.

 

 

*) Ich nehme das mal als Generaldingsi für Sprechen, Bloggen, Twittern, mich äußern, kapierse, ne?

**) Jemand auf Arbeit hat mal gefragt, was denn mit den männlichen Zustellern sei, wenn wir immer von Zustellerinnen sprächen. Es war mir ein besonderer Genuss, den Satz „Männliche Kolleginnen sind selbstverständlich immer mitgemeint.“ fallen zu lassen.

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Lass krachen, Sigmar!

Lieber Sigmar Gabriel,

auf dem IT-Gipfel hattest Du einen Auftritt, der Dir ausgesprochen gut gestanden und zu recht viele Sympathien eingebracht hat: Du hast Dich geweigert, eine Frage des Moderators zu beantworten, weil die Frauen auf diesem Panel zu wenig zu hören gewesen waren. Da dachte ich seit langem endlich mal wieder: Schön in der SPD! Schön mit Dir als unserem Vorsitzenden.

Jetzt hat Angela Merkel gestern verkündet, dass sie 2017 erneut als Kanzlerkandidatin für die CDU ins Rennen gehen will. Die Reaktionen waren irgendwas zwischen „meh“ und „jaGutÄäh“ und „nunJaMussDannWohl“. In den USA, in Europa, hier in Deutschland laufen die Wähler*innen vermehrt Rechtpopulist*innen hinterher, die politischen Inhalte scheinen sie dabei nicht wirklich zu interessieren. Wenn die CDU meint, durch ein „weiter wie bisher“ könne man diesem Trend entgegenwirken, dann versinkt das Land und mit ihm der Kontinent in Nationalismus, Misstrauen und braunen Parolen. Dabei wollen die Wähler*inen eigentlich nur eins: Andere Gesichter, eine andere Ansprache und einen Rumms, Hauptsache anders. Das ist in dieser Situation eine große Chance für uns als SPD.

Lass uns eine der zahlreichen Frauen in der SPD zur Kanzlerkandidatin machen. Wenn Du noch in die Geschichtsbücher möchtest, dann als der, der in der SPD endlich den Glasboden gesprengt und Frauen nach ganz oben gelassen hat. Was Dir im kleinen auf dem IT-Gipfel so gut gestanden hat, kann Dich als Parteivorsitzenden unsterblich machen. Lass uns Manuela Schwesig oder Katharina Barley zur Kanzlerin machen. Stell Dir das mal vor: Endlich eine junge Frau im höchsten Staatsamt, frischer Wind, aber aus der richtigen Richtung! Ein modernes Fanal, mit einer Partei dahinter, die diese Werte auch wirklich in der Breite vertritt! Es ist Zeit, Christian Wörns durch den jungen Mats Hummels zu ersetzen, das erfordert ein bisschen Mut, aber ohne Mut braucht man uns nicht.

Die Eintritte in die SPD nehmen zu – zumindest gefühlt, ich habe das nicht geprüft. Der Wille zur Veränderung ist da. Wenn Du so eine Veränderung nun zulässt, könntest Du der stille Retter Europas werden. Das wäre schön, denn es macht mir als Basisparteimitglied richtig Spaß, Dich toll zu finden!

Viele Grüße
Maxim

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Internationaler Mädchentag, Ada Lovelace Day und Calliope mini

Calliope mini

Es ist ein schöner Zufall (oder vielleicht hat @PatrickBeuth das ja auch ganz bewusst so gemacht? Diese Presseprofis überlassen ja nichts dem Zufall!), dass just heute, am Internationalen Mädchentag und Ada-Lovelace-Day der erste Exklusiv-Artikel über den Calliope mini bei ZEITonline erschienen ist. Das ist ein Projekt, das diese hervorragenden Leute hier ins Leben gerufen haben.

Wir wollen den mini ja vor allem aus zwei Gründen bereits in der Grundschule verteilen: Erstens wollen wir die Barrieren zu informatischem Denken so weit senken, dass weder Lehrende noch Lernende von Berührungsängsten abgeschreckt werden. Deswegen wollen wir in die bestehenden Lehrpläne und zwar schon in der Grundschule. Angefangen hat das Projekt genau genommen mit dem Elektronik-Bastelkursen, die @holadiho und ich in Grundschulen gemacht haben – und genau die stellen wir uns als einfachen Einstieg vor – eine LED an eine Knopfzelle halten, das traut sich jede*r. Und von da aus geht es dann Schritt für Schritt weiter – zunächst ganz ohne Bildschirme und ganz ohne Code.

Zweitens wollen wir dem Gendergap zuvorkommen. In der Grundschule sind Kinder egal welchen Geschlechts zunächst mal alle gleich interessiert. Wenn sie dann informatische Grundprinzipien spielerisch vermittelt bekommen, werden diese etwas ganz selbstverständliches, es kommt ja inzwischen auch niemand mehr auf die Idee, dass Lesen und Schreiben eine reine Jungssache wäre. Als wir das Projekt an diversen Stellen vorgestellt haben, gab es immer wieder den Einwand „Was?! Informatik an der Grundschule?! Ihr wisst schon, dass da nur Frauen unterrichten?“ Als ob Frauen biologisch nicht dazu in der Lage wären, solche Kenntnisse zu vermitteln. Ich glaube eher, dass sich Genderstereotype bereits so fest etabliert haben, dass man sich schon exotisch vorkommt, wenn man behauptet, dass dem nicht so ist. Was aber ein nicht zu unterschätzendes Momentum sein kann: Wenn in der Grundschule informatische Grundlagen gerade von überwiegend Frauen vermittelt werden, könnte das meiner Wahrnehmung nach dazu führen, dass diese Kinder vielleicht resistenter gegen eine spätere „Genderisierung“ technischer Inhalte werden.

 

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Wie ARD und ZDF das Finale der EM 2016 aufziehen sollten

Das Finale der Euro 2016 wird von der ARD übertragen, als Kommentator ist Gerd Gottlob vorgesehen.

Derweil läuft ja das Turnier bereits, zwei Spiele wurden im ZDF von Claudia Neumann kommentiert. In den Social Media Kanälen ergießt sich eine frauenfeindliche Suppe über diesen Umstand, der in meiner Wahrnehmung im Jahr 2016 eigentlich keines Kommentars würdig wäre. Ich finde, es wäre Zeit für ARD und ZDF ein Zeichen zu setzen und Claudia Neumann jetzt erst recht das Finale kommentieren zu lassen.

Als BVB-Fan und Einwohner des WDR-Sendegebiets gehört Sabine Töpperwien zu meinen alltäglichen Fußballstimmen. Ich könnte mir folgendes gut vorstellen:

  • Sabine Töpperwien und Claudia Neumann kommentieren das Finale in der ARD (auch wenn Frau Neumann eigenlich beim ZDF unter Vertrag steht).
  • In der Halbzeitpause lässt man wahlweise Gerd Delling, Oliver Welke oder Tim Wiese Getränke reichen, während alle Interviews von Frauen geführt werden.
  • Gerd Gottlob, der eigentlich für den Final-Kommentar vorgesehen war, muss man in einer begleitenden Kampagne zum Helden erklären, weil er der erste Mann im Sendebetrieb ist, der vom Baum steigt und Claudia Neumann und Sabine Töpperwien das Feld überlässt. Unmittelbar vor Beginn des Finales muss man ihn im Fernsehen vor einem Millionenpublikum einen Satz sagen lassen, der für die Geschichtsbücher taugt, damit er in alle Ewigkeit in einem Atemzug mit Herbert Zimmermann (1954), Rudi Michel (1974), Gerd Rubenbauer (1990) und Tom Bartels (2014) genannt werden kann.

Zum Glück hat @schoemi auch gleich eine Petition erstellt. Unterschreibt da mal und twittert das @ZDF und @DasErste mal diesbezüglich an.

Bis zum Finale sind’s noch 22 Tage. Das ist zu schaffen!

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Es muss rummsen, nicht rumpeln

Heute steht in den Zeitungen, dass Sigmar Gabriel mit der Nominierung eine*r Kanzlerkandidat*in bis kurz vor der Bundestagswahl 2017 warten und erst die Landatgswahl NRW im Frühjahr 2017 abwarten möchte.

Das strotzt in meinen Augen nur so von Parteitaktiererei, von Zögerlichkeit und Mal-Abwarten-Dann-Schnell-Ducken – davon haben zu recht alle, mich eingeschlossen, die Schnauze voll. Das schreit schon nach „Was machen wir eigentlich, wenn NRW verloren geht?“ – das hilft uns auch für die NRW-Wahl mal gerade gar nichts, im Gegenteil werden wir als Angsthasen und in die Ecke gedrängte verängstigte Rinderherde wahrgenommen, von denen dann die nächsten auf den LKW in Richtung Schlachthof abgeholt werden. Und wenn der Bauer kommt, gehen wir schnell noch in eine andere Ecke der Weide.

Ich bin ja immer für Knalleffekte zu haben. Wie wärs mit diesem hier?

  • Wir geben uns ein zukunftsgerichtetes Regierungsprogramm links der Mitte: Digitalisierung, Frauen, Bildung, Integration
  • Dazu brauchen wir eine*n Kandidat*in, die für diese Inhalte steht. Ich finde, wir nominieren Manuela Schwesig asap zu unserer Kandidatin.
  • Wir weisen in den nächsten 18 Monaten (oder wie lange ist noch zur BTW?) nach, dass Manuela Schwesig für diese Themen steht und dass sie in der Lage ist, diese durchzusetzen. Immerhin hat sie ja diesen Flexischnexi-Unsinn ihrer Vorgängerin einfach beendet, obwohl alle dachten, das ginge in dieser Männerdomäne „Wirtschaft“ gar nicht.
  • Die Richtung muss klar sein: Junge, ehrgeizige Kandidatin, zukunftsgerichtet mit modernem Familien- und Gesellschaftsbild, unerschrocken.

Dafür hätte ich jetzt gleich schon Bock Wahlkampf zu machen. Dafür würde ich mich sofort heute beschimpfen lassen und mit guten Argumenten und Überzeugung dagegenhalten. Darauf hätte ich zumindest mehr Bock, als ein humpelndes, rumpelndes Stühlerücken erklären zu müssen.

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Die elf Fragen des @adenauerhut

Soeben sehen meine entzündeten Augen, dass el @adenauerhut mir ein Blogstöckchen zugeworfen hat, das ich natürlich gerne auffange, hier kommen die Fragen und meine Antworten:

 

  • Bier oder Wein?
    • Bier, auch wenn Wein in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.
  • Magst du den Winter?
    • Ja, aber nur kurz. Die knapp 20°C kurz vor Weihnachten fand ich gar nicht so schlecht, die Kinder können im Garten spielen.
  • Welches Buch liest du gerade?
    • Habe gerade „Schneckenmühle“ von Jochen Schmidt ausgelesen. Ich stelle fest: Die Unterschiede zwischen Ost und West waren gar nicht so groß, die Sprache habe ich damals tief im Westen auch so verwendet.
  • Welche Serie kannst du derzeit empfehlen?
    • Fargo. Ich bin aber nicht so der Seriengucker, et @frau_ratte ist da beschlagener.
  • Döner oder Falafel?
    • Döner. In der Rolle, nicht in der Tasche.
  • Deine nächste technische Anschaffung?
    • Wahrscheinlich irgendwas fürs Coder Dojo Bonn. Gerade finde ich diese ganzen Klein-Boards auf Arduino-Basis ganz spannend, z. B. den CodeBug, von dem habe ich mal zwei bestellt, im Moment haben die Dojo Ninjas die mit nach Hause genommen.
  • Wie stehst du zu Clowns im Allgemeinen?
    • Ich finde Clowns lustig und möchte gerne selber einer sein. Also nicht so einer, der Kindern Angst macht, weil er hinter der Maske eigentlich ein Finsterling ist, sondern einer, der gar keine Maske trägt und Witze macht, die er selbst auch lustig findet.
  • Lernt man in der Schule für das Leben oder für die Schule?
    • Man lernt ja nicht nur im Unterricht. Ich finde Schule als soziales Ökosystem sehr spannend. Die Digitalisierung rüttelt heftig an den alten Mauern und es ist überfällig, dass weite Teile davon endlich einstürzen. Die alten Antipoden „Lehrer*innen“ vs. „Schüler*innen“ gibt es leider immer noch, statt dass endlich verstanden wird, dass man kollaborativ und am gleichen Strang ziehend eine sehr sehr gute Zeit haben kann, in der man viel von einander lernt.
  • Suggestivfragen sind blöde, oder?
    • Ja, sie setzen mich unter Druck, etwas total unorthodoxes sagen zu müssen.
  • Tesla oder Porsche oder was ganz anderes?
    • Bin bei den Luxus-Autos raus. Das dicke Auto als Statussymbol langweilt mich. Low Carbon Footprint, zufriedene und interessierte Kinder und eine Beziehung auf Augenhöhe finde ich als Grund, mich zu bewundern, viel besser. In technologischer Hinsicht dann aber doch Tesla, weil die als erste die uralte Idee des Elektroautos wieder salonfähig gemacht haben.
  • Worauf willst du am Ende der Woche stolz sein?
    • Dass wir mit unserer neuen Firma trackle wieder ein paar große Schritte gemacht haben werden. Hoffentlich. Und auf irgendwas, was meine Kinder gemacht haben werden, es hilft ihnen sehr, wenn ich stolz auf sie bin, denn dann fühlen sie sich sicher.

Nun muss ich selbst elf Fragen stellen und zwar an @kaffeeringe, @hilliknixibix, @holadiho und @wasalski, here we go:

  1. Wenn Du ein Song wärst, auf welchem Instrument wärst Du komponiert worden?
  2. Du hast eine Verabredung mit Angela Merkel auf einer Kuhweide im Allgäu, welches Schuhwerk trägst Du? Und was würde @Nico als Kanzler besser machen als Angela Merkel (also auf der Kuhweide jetzt)?
  3. Wie ist der Name der Hauptfigur in Deinem ungeschriebenen Roman?
  4. Du gehst mit Deine*r Partner*in durch den Wald, plötzlich wird Dein*e Partner*in von einem Russen angegriffen. Du hast eine Waffe dabei. Wie reagierst Du?
  5. Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?
  6. Stell Dir vor, @frau_ratte kommt mit einer Stinkwut nach Hause, wie heiterst Du sie auf?
  7. Was ist Dein Lieblingsessen und was bedeutet essen für Dich?
  8. Die Welt lässt sich ja im Kleinen ganz gut verbessern. Wo bei Dir?
  9. Was ist das freundlichste, was Du kennst?
  10. Welche Impertinenz würdest Du gern mal begehen?
  11. Seit wann schlägt Dein Herz nur noch für den BVB?

 

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Frauenquoten-Statistik

quoteAusgezähltSeit September 2014 oder so ähnlich zählen wir für die Veranstaltungen, die wir im D64-Ticker verlinken, die Frauen- und Männerquoten aus. Die Liste findet Ihr hier, klickedi!

Ich war so frei, mal ein paar Zahlen zu aggregieren:

Im Jahr 2014 haben wir 35 Veranstaltungen ausgezählt, bei denen insgesamt 507 Männer und 184 Frauen auf den Panels saßen. Von diesen 35 Veranstaltungen hatten 5 eine Frauenquote von 50% oder mehr. Die höchste hatte mit 67% die Auftaktveranstaltung der CodeWeek am 10. Oktober 2014 – dort saßen zwei Frauen und ein Mann auf dem Podium. Durchschnittlich betrug die Frauenquote bei den 2014 ausgezählten Veranstaltungen knapp 19,74%.

Für das Jahr 2015 haben wir bisher 61 Veranstaltungen ausgezählt (Stand: 17. November 2015), bei denen insgesamt 1173 Männer und 463 Frauen zum Einsatz kamen. Von den 61 Veranstaltungen hatten 9 eine Frauenquote von 50% oder mehr. Die höchste Frauenquote hatte die Veranstaltung „Digital Human Rights and Development Cooperation“ mit 100% Frauen (es saßen 4 Frauen und 0 Männer auf dem Podium). Durchschnittlich betrug die Frauenquote bei den 2015 ausgezählten Veranstaltungen 28,93%.

Na, das scheint ja immerhin ein Steigerung zu sein :)

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Me, a feminists Fanboy!

Vor etlichen Wochen hat @antjeschrupp bei Twitter gesagt, dass die Stiftung Else Mayer ihr einen Preis in Bonn verleihen würde und gefragt, ob nicht wer von uns™ Lust hätte, auf die Gästeliste eingetragen zu werden. Ich gleich so „o/“ und prompt durfte ich dann heute Abend dabei sein.

Und wie schön das war! Nicht nur, weil ich @antjeschrupp endlich mal die Hand schütteln und ihr ihr Buch zurückgeben konnte*), sondern weil die Stiftung Else Mayer, die mir bis dato völlig unbekannt war, heute Abend noch weitere sehr engagierte und beeindruckende Frauen geehrt hat. Was für ein Gewinn, von diesen tollen Menschen zu erfahren!

Die ersten beiden Preisträgerinnen engagieren sich seit mindestens 25 Jahren beim „Hilfe für psychisch Kranke e. V. Bonn/Rhein-Sieg„. Sie haben davon erzählt, wie sie selbst zu diesem Verein gekommen sind, wie sie selbst Hilfe gebraucht und bekommen haben, was sie dazu bewegt hat, sich in diesem Verein einzubringen.

Danach wurde eine Frau geehrt, die sich, ebenfalls über Jahrzehnte!, für Friedenspolitik einsetzt und mit ihren Mitstreiter*innen dafür wirbt, die Logik des Krieges durch eine Logik des Friedens zu ersetzen. Leider habe ich ihren Namen und den Namen ihrer Organisation nicht richtig mitbekommen – und weil das Programm des Abends bedauerlicherweise nicht online ist, sondern nur auf Papier verteilt wurde und ich keins mitgenommen habe, stehe ich jetzt etwas blöd da… Wie dem auch sei, jedenfalls hat sie ein starkes Plädoyer dafür gehalten, sich die Schriften Bertha von Suttners noch einmal vorzunehmen, was ich hiermit dringend zu tun gelobe!

Schließlich wurde eine junge Wissenschaftlerin geehrt, die ein Verfahren entwickelt hat, mit dem man mit nur einem Tropfen Blut feststellen kann, ob man Herzinfarkt-Risikopatient*in ist – und darüber hinaus, ob man einen Herzinfarkt hatte. Sie hat in den kurzen Minuten ihr Verfahren umrissen und ich bin begeistert.

Zum Ende dann wurde @antjeschrupp für ihr feministisches Wirken geehrt. In ihrer frei gehaltenen Dankesrede hat sie noch einmal darauf hingewiesen, dass es nicht reicht, Prinzipien, die von einer männlich bestimmten Gesellschaft aufgestellt wurden, einfach nur auf Frauen zu übertragen, sondern dass das von Männern geprägte Ideal des einzelnen für sich allein handelnden Individuums umgeworfen werden muss: Jeder Mensch ist in seinem spezifischen Kontext aus Bedürfnissen und sozialer Einbettung zu sehen. Der alleine an seinem Schreibtisch grübelnde geniale Denker ist Quatsch. Ich glaube, Antje hat recht. Input, processing, more input, combine, combine, steal, more input, processing, write da shit down, be attacked, processing, more input, combine… so funktioniert das und das Internet hilft uns dabei.

Ich bin ja Fanboy, muss ich mal unumwunden zugeben. Welche Horizonte @antjeschrupp mir nicht nur heute Abend, sondern über die letzten Jahre mit ihrem Blog und ihren Diskussionen bei Twitter und Facebook eröffnet hat! Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie auch in echt offen, furchtbar freundlich und ein spitzenmäßiger Mensch ist, den ich bei jedem Grünkohlessen**) gern dabei hätte, um über Freundlichkeit, Netzeffekte und soziale Grundfähigkeiten zu sprechen.

Das wär schön!

*) Die Älteren unter Euch erinnern sich vielleicht noch, dass ich zur #rp15 ein Panel zum Thema „Freundlichkeit“ eingereicht habe, das dann aber nicht genommen wurde. Zu diesem Thema hatte mir – ich krieg die Umstände nicht mehr ganz zusammen – @antjeschrupp das Buch „Hegel und die Macht. Ein Versuch über die Freundlichkeit“ von Byung-Chul Han geschickt. Einfach so. Fand ich cool. Das Buch allerdings ist leider für ein einfaches Bauernjungenhirn wie meines unlesbar, habe das nach der Hälfte abgebrochen…

**) Damit meine ich so Grünkohlessen, wie wir sie in #Rhade veranstalten, also essen, über die Pferde oder die Hunde sprechen und betrunken viel zu laut durch die Klotür während des Wasserlassens weiter an der Diskussion teilnehmen. Ich meine damit nicht solche Veranstaltungen wie das Spargelessen der Seeheimer oder irgendwelche Parteiveranstaltungen.

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