Keine Fragen, keine Vorbehalte

Gerade hat @TantePolly bei Twitter diese Frage gestellt:

Und da erinnere ich mich an eine ca. 8 Tage zurückliegende Episode… Ich fuhr den Großen Sohn zu seinem Freund L in Oberkassel, auf dem Rückweg wollte ich auf die B42 auffahren, als da am Rand der Auffahrt ein Typ fuchtelnd neben seinem ziemlich alten Mercedes stand und mich rechts ranwinkte. Ich ließ das Fenster der Beifahrerseite runter und in hektischem gebrochenem Englisch bedeutete mir der Mann, dass er kein Benzin mehr habe und irgendwas mit seinem Baby und seiner Frau sei, Klinik! Durchs Fenster hatte ich gesehen, dass er einen etwa neun oder zehn Jahre alten Jungen hinten im Auto hatte. Der Mann fragte mich nach Geld und bot mir seine vergoldete Uhr an, seine Stimme überschlug sich und nur wenige Worte ergaben einen Sinn in meinem Kopf. Jedenfalls habe ich ihm einfach die 30 Euro gegeben, die ich noch im Portemonnaie hatte. Er hat mir die Hand mehrfach geküsst, schien mir aufrichtig dankbar und emotional immer noch sehr aufgewühlt. Die vergoldete Uhr, die er mir durchs Fenster schon auf den Beifahrersitz gelegt hatte, habe ich ihm selbstverständlich zurückgegeben und ihm gesagt, dass ich ihm das Geld schenke, weil er in Not sei und ich ihm dafür seine kostbare Uhr nicht abnehmen wolle.

Er hat sich so bedankt!

Als ich weiterfuhr dachte ich: Der steht ohne Benzin in der Auffahrt… nützen ihm da 30 Euro in bar überhaupt was? Kommt er noch bis zur nächsten Tanke? Oder hat der mir was vorgespielt? Vielleicht hatte er gar keine Frau in der Klinik? Aber kann man so eine Aufgewühltheit eigentlich spielen, für 30 Euro?

Ich habe beschlossen, dass ich ihm glaube. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass vielleicht eine ganze Familie sich auf ewig daran erinnern wird, dass ihnen mal ein ganz fremder Mensch in höchster Not 30 Euro geschenkt hat, ohne Fragen, ohne Gegenleistung, in Sekunden. Das macht mir ein gutes Gefühl, allein dafür sind 30 Euro eigentlich ein ziemlich fairer Preis.

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Rhineland

Heute ist ja der elfte im elften, und schon morgens um 9:00 Uhr laufen hier bärtige Hennen herum und Polizistinnen mit zu großen Mützen und jede Menge Clowns. Ich selbst treibe ja nicht gern so großen Aufwand, um mich zu verkleiden, eine Latzhose und ein Ringelshirt müssen da reichen und mich schminken ist eine kleine Höllenfahrt – nichtsdestotrotz lässt es mein Herz hüpfen vor Freude, wenn die Rheinländer*innen so super super cool aussehen – und sich auf Bahnsteigen und über vierspurige Straßen hinweg gegenseitig Respekt zollen für ihre fabelhaften Kostüme. Ich finde es voll schön hier!

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Stirbt die Deutsche Telekom?

Gerade habe ich auf Facebook folgenden steilen Vergleich gepostet:

Die Deutsche Telekom hat, wenn ich das richtig sehe, in 2014 ein Ergebnis nach Steuern von 3,244 Mrd. € erwirtschaftet. Plus, wohlgemerkt. Nach Steuern, wohlgemerkt.

Die Deutsche Telekom setzt darauf, mit Vectoring die letzten Reserven aus vergrabenen Kupferkabeln zu wringen und jetzt, nach dem verheerenden Beschluss gegen die Netzneutralität, Start-ups abzukassieren.

Meanwhile in Indonesien: Google setzt Loon-Ballons ein, um unzugängliche Gegenden mit Internet zu versorgen. Das tut Google sicherlich nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern um Innovationen zur Marktreife zu bringen, mit denen es eines Tages Geld verdienen will.

Verdammte Axt, Deutsche Telekom, ich will sowas von Euch sehen! Ihr geht unter! Noch habt Ihr Geld, das Ihr mutig investieren könntet.

Die Deutsche Telekom ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in Bonn und im ganzen Rheinland, ach, was sag ich! in ganz Deutschland. Und ich finde, sie steht symbolisch für den von mir im D64-Ticker oft gerügten Deutschen Digitalen Rückstand (DDR).

Hier wiederholt sich gerade vor unseren Augen, was wir schon im Bereich der Zeitungsverleger gesehen haben: Innovationen nicht gemacht, Markt verpennt, über Lobbyarbeit hintenrum einen Tropf angelegt, der das Sterben verlängert. Was das völlig verschissene Leistungsschutzrecht bei den Verlegern, ist die vorgestern preisgegebene Netzneutralität für die Deutsche Telekom: Ein Feigenblatt dafür, dass der Laden seit Jahren seine Arbeit nicht richtig gemacht hat. Und damit meine ich ausdrücklich nicht die Mitarbeiter*innen, die für uns die alten Kupferkabel durchmessen, sondern explizit jene, die den Konzern vor Jahren schon strategisch neu hätten ausrichten müssen.

Was nun, Superschlauer Netzmensch Loick, was ist Deine Idee? Vielleicht irgendwas hiervon:

  • Setzt ein Innovationsprogramm auf, stattet es mit maximal möglichen Budgets aus. Plant das so, dass Ihr mit einem ROI nicht vor 2040 rechnet. Macht aus dem Geld, das Ihr jetzt noch habt, Wissen, Expertise und Kompetenz.
  • Buddelt. Buddelt das Kupfer aus, vertickt es von mir aus auf dem Schwarzmarkt (die Preise sollen ja derzeit ganz gut sein) und legt Glasfaser. Lasst Euch das vom Staat von mir aus subventionieren.
  • Fokussiert Euch. Euer Job ist, schnelles Internet dahin zu bringen, wo niemand sonst es hinbringen kann. Ihr seid kein Nachrichtenportal und kein Gemischtwarenladen, Euer Geschäft sind Leitungen. Ihr macht Euren Job gut, wenn man Euch nicht wahrnimmt.

Ich weiß es ja auch nicht. Aber ich befürchte, dass das, was Dominik auf meinen Post geantwortet hat, schier unausweichlich wird, wenn dahinten in Beuel nicht mal einzwei gordische Knoten durchschlagen werden.

 

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AK Digitale Gesellschaft der SPD Bonn

Soeben haben wir uns konstituiert, wir sind der AK Digitale Gesellschaft der SPD Bonn. Ich freue mich wirklich wirklich aufrichtig darüber, dass die Teilnehmer*innen mich zum Vorsitzenden diese hübschen kleinen AKs bestimmt haben, ich hoffe, dass ich das dann auch alles so gut mache, wie die Mitglieder es sich vorstellen. Meine beiden Stellvertreter sind Tobias Tenhaef und Florian Reinert, was ich deswegen super finde, weil ich damit zumindest zwei Mitstreiter habe, die die Nummer so ernst nehmen wie ich.

Wir haben uns nach längerer loriothafter Diskussion auf den Namen „AK Digitale Gesellschaft“ verständigt. Wir werden uns, neben dem permanenten digitalen Austausch über mannigfache Kanäle, jeden zweiten Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr treffen. Als Location haben wir das Rathaus Beuel ins Auge gefasst, ich werde alsbald in Erfahrung bringen, ob die da zu diesem Termin auch ein Zimmer für uns frei haben.

Nach ebenfalls langer loriothafter, aber deswegen nicht minder ernstgemeinter Diskussion haben wir uns dazu durchgerungen, unsere tägliche Kommunikation über eine Facebook-Gruppe abzuwickeln. Ich kenne diese Diskussion aus Reihen D64 – aber die Erfahrung lehrt: Bei Facebook sind sie alle und deswegen funktioniert das da. Wo anders schläft der Shit zu schnell ein, daher werden wir mit Facebook starten.

Die wichtigste Botschaft ist: Wir wollen kein reiner Sozi-Verein sein, wir laden ausdrücklich und herzlich alle ein, die sich unseren Themen und Fragestellungen verbunden fühlen! Kommt vorbei, wir lieben die Diskussion und halten es locker aus, wenn Ihr Heiko Maas und Sigmar Gabriel nur so mittel findet!

Wer mitmachen möchte, melde sich bei mir! Kommste gleich in die Facebookgruppe und bis dabei!

 

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Wahlniederlagenblues

Mann, hat das weh getan! 23% bei der OB-Wahl. Und ich glaube, unser Problem ist, dass wir einfach nicht wissen, woran es liegt. Die Wahlbeteiligung bei paar’nvierzig Prozent. Bei den Freifunkern hat jemand Alarm gemacht, weil SPD und Grüne an den Infoständen Freifunk-WLAN für umme angeboten haben. Die Reaktion diese*r Freifunker*in war so ähnlich, als wären politische Parteien gefährliche Sekten, die Kinder essen. Das frustriert.

Aber wie kommt es dazu? Und wie kriegen wir das wieder weg? Ich hab keine Ahnung. Vielleicht müssen wir diese Tür-zu-Tür-Geschichte eher das ganze Jahr über machen und im Wahlkampf dann gerade nicht. Die Menschen kommen nicht zu den Parteien, ums Verrecken nicht, also müssten die Parteien zu den Leuten gehen, immer und durchgängig. Aber wer soll das stemmen? Das sind alles ehrenamtliche Leute hier, die nebenbei Familien und Jobs haben, die sich in den Ratssitzungen bis 24:00 Uhr mit den Problemen der Stadt herumschlagen, die dafür beschimpft und wie Aussätzige behandelt werden. Die sollen jetzt zusätzlich noch von Haus zu Haus ziehen?

Immerhin, die Erfahrung der TzT-Aktionen in den Wahlkämpfen zeigt, dass sich viele keineswegs belästigt fühlen (wie ich vor meinen ersten TzT-Erfahrungen befürchtet hatte), sondern sich tatsächlich freuen, dass jemand nach ihnen fragt. Da könnte man die Menschen kontinuierlich fragen, was ihre Probleme sind. Und ich vermute, dass die Politik, zumindest die kommunale, sich vieler dieser Probleme durchaus bereits annimmt, ich weiß es allerdings nicht. Und wenn dem so sein sollte, dann wissen es die Wähler*innen nicht.

Die SPD Beuel macht seit Jahrtausenden jeden ersten Samstag im Monat am Beueler Rathaus einen Infostand. Es bleiben nur wenige stehen, und die, die kommen, sind oft jeden Monat dieselben.

Einige fordern, dass wir (also die SPD) neue Köpfe brauchen, aber woher nehmen und nicht stehlen? Ich glaube, dass wir uns in unseren Köpfen erneuern müssen. Was ist das für ein seltsamer Kampf, den die Bonner SPD seit eigentlich schon immer mit dem Generalanzeiger führt? Wo sind unsere Strategien, dieses Verhältnis mal zu verbessern? Wo kommen wir an die Menschen ran? Müssen wir wirklich jede*n einzelne*n aufsuchen? Was ist mit den Ecken, in die Du nicht mal mit Facebook kommst? Was tun in Tannenbusch-Mitte (Wahlbeteiligung 7,86%), an der Josefshöhe (18%) oder Neu-Tannenbusch (13%)? Müssen wir da wirklich an jeder Tür klingeln? Und vielleicht sogar noch zuhören? Wie soll ein*e freiwillige*r Ehrenamtliche*r damit umgehen, wenn er/sie dort beschimpft wird? Hat man Lust, das in seiner Freizeit zu tun? Und die, die das in ihrer Freizeit trotz allem tun, sind die nicht total malle im Kopp, dass sie das in ihrer Freizeit tun? Kann man solche Irren wählen, diese Verwirrten, die noch lächeln, wenn man sie beschimpft?

Ach, lass uns doch mit diesem Politikshice endlich zufrieden, schreib was lustiges, mach wieder ein paar Reime oder so! Politik ist immer so unerfreulich! Immer geht alles nicht, immer gibt’s nur Streit und man muss jemanden doof finden und dafür jemand anderen gut (obwohl ich den gerade mal nicht so gut finde) und immer bist Du so ernst. Sei doch wieder fröhlich! Es war schon immer so, dass sich zu wenige für Politik eingesetzt haben.

Bald. Bald bin ich wieder fröhlich, versprochen.

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Bonn – Selbstbewusstsein vs. Schicksalsergebenheit

Shice, erst jetzt, ein paar Stunden vor der OB-Wahl in Bonn, fällt mir auf, warum ich Peter Ruhenstroth-Bauer so viel besser finde als die anderen beiden Kandidaten, da musste ich erst mit dem geschätzten Genossen Björn Uhde auf Facebook ein bisschen über die Wahl morgen sprechen. Und prompt fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Es geht bei dieser Wahl darum, ob Bonn sich seinem vermeintlichen Schicksal als Provinzstadt ergibt oder ob es sein Selbstbewusstsein wiedererlangen kann. Seit Monaten ist es ja genau das, was Peter in seiner Kampagne zu vermitteln sucht und ich raff es erst jetzt so richtig.

Bonn lebt derzeit von den Erinnerungen an die goldene Zeit, als es die kleine Bundesrepublik noch gab, alle finden die Erinnerung daran gemütlich und fühlen sich wohl damit. Dann zog die Bundesregierung nach Berlin, im Bonn-Berlin-Gesetz wurde festgelegt, welche Teile der Regierung, der Ministerien in Bonn verbleiben. Den Titel der Hauptstadt führt seitdem Berlin. Um aber zu verdeutlichen, dass tausende ministerielle Arbeitsplätze in Bonn verblieben sind (was Teil des Deals ist!), wurde für Bonn der Begriff „Bundesstadt“ erfunden. Die meisten finden den etwas lustig und können sich nichts weiter darunter vorstellen, irgendwie scheint das was mit der guten alten Zeit zu tun zu haben. Dem ist aber nicht so. Es geht hier um Arbeitsplätze, und zwar um ziemlich viele.

Der Weggang der Regierung war der erste Streich, der das Bonner Selbstbewusstsein hart getroffen hat.

Um den Weggang zu kompensieren, hat man begonnen, Bonn als diplomatischen Umschlagplatz zu etablieren, die UN hat hier knapp 20 Einrichtungen angesiedelt, Teil der Idee des Diplomaten-Bonn war auch der Bau des WCCB. Ein Riesenskandal, ein reiner Weltflop*), bei dem sich die SPD genauso wie alle anderen Parteien der lokalen Politik wie die letzten Trottel haben übertölpeln lassen. Seitdem hat Bonn Angst davor, sowas wie einer Großmannssucht zu erliegen.

Der WCCB-Skandal war der zweite Streich, der das Bonner Selbstbewusstsein hart getroffen hat.

Seitdem backen wir hier kleine Brötchen. Die SPD hat mit voller Wucht die Verantwortung für den WCCB Skandal übernehmen müssen, was sich in Hetzartikeln über Bärbel Dieckmann und in historisch miesen Kommunalwahlergebnissen Bahn gebrochen hat.

Der Stadtrat agiert seit Jahren kleinmütig, Entscheidungen werden lieber nicht getroffen, als dass man sich noch einmal so über den Tisch ziehen lässt. Die kommunale Politik ist erstarrt, der Begriff vom „Mehltau auf der Bonner Politik“ macht die Runde. Man beginnt, sich in Bonn mit dem Status der Provinzstadt abzufinden.

Ein Kämmerer aus Königwinter, Ashok Alexander Sridharan, lag letzte Woche in einer Umfrage des Bonner Generalanzeigers vorne, einer, „der Verwaltung kann“, so sagen viele hier. In meine Ohren hört sich das nach „einer, der Bonn endgültig zur Bedeutungslosigkeit abwickeln wird“ an. Einer, der den Menschen sagt wie es ist: Bonn ist eine unbedeutende kleine Stadt am Rhein, die sich mal nicht so aufspielen soll. Ein hübsches Rheinufer, ein paar japanische Touristen, die sowieso kommen, weil Beethoven hier geboren wurde, das ist Bonn, damit kann man ja auch zufrieden sein und alles andere ist Großmannssucht.

Auf dem Unterbezirksparteitag der SPD am 18. April 2015 hat Peter Ruhenstroth-Bauer, frisch erkorener OB-Kandidat meiner Partei, eine Rede gehalten und bereits da gesagt: „Bonn kann mehr.“ Er hat bereits da darauf hingewiesen, dass wir nicht nur UN-Standort sind, dass wir nicht nur drei DAX-Konzerne am Ort haben, dass wir nicht nur ein exzellenter Wissenschaftsstandort mit Uni und Caesar sind – er hat darauf hingewiesen, dass wir hier eine überaus bemerkenswerte Stadtgesellschaft haben. Student*innen, Diplomat*innen, Leute bei Start-ups wie true fruits und Manager*innen bei Post, Telekom und Postbank**). Dass wir einen bemerkenswerten Mittelstand haben. Er hat darauf hingewiesen, dass „Bundesstadt“ vielleicht ein lustiges Wort ist, dass daran aber tausende ministerielle Arbeitsplätze hängen. Und er hat darauf hingewiesen, dass an diesen tausenden ministeriellen Arbeitsplätzen weitere tausende Arbeitsplätze in Stiftungen und nachgelagerten Organisationen hier am Ort hängen.

Und er hat etwas gesagt, was mir erst jetzt – ich Trottel! ich langsam denkender Mensch! – aufgeht:  Er hat darauf hingewiesen, was die Mischung aus solchen hochqualifizierten, hochambitionierten und hochmotivierten Menschen für ein Potenzial in sich trägt. Seit Monaten erzählt er davon, dass er die Möglichkeiten der Stadtgesellschaft einbeziehen will, dass er die Akteur*innen zusammenbringen will, damit Bonn sein Potenzial nicht länger verschenkt. Und ich habe es nicht kapiert, fast sechs Monate lang.

Was er meint ist: Lasst uns der Stadt ihr Selbstbewusstsein zurückgeben. Hier geht einiges. Hebt die Köpfe und seht Euch um – da stehen Partner*innen für wisschenschaftliche, ökonomische und soziale Kooperationen direkt neben Euch. Hört auf, in Angst und falsch verstandener Demut Euer Potenzial zu verschenken***).

Peter erzählt uns seit sechs Monaten etwas von „intelligentem Sparen“, was ich so erstmal gut finde. Was unsere politischen Gegner als Wischiwaschi abtun. Aber heute ist mir klargeworden, dass das, was Peter mit intelligentem Sparen meint, genau das ist: Gib Dein Potenzial nicht preis, Bonn! Nutze es!

Es gibt keinen Grund, dass wir uns weiter „Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland“ nennen sollten, denn das sind wir nicht. Es gibt aber gute Gründe, dass wir „Bundesstadt“ nicht witzig, sondern ernst meinen. Es gibt gute Gründe, dass wir uns zugestehen, mehr zu sein als nur eine Provinzstadt am Rhein. Es gibt keinen Grund, der Großmannssucht anheim zu fallen. Es gibt aber tausende – und wenn ich richtig informiert bin ca. 310.000 – Gründe, warum Bonn sich nicht in sein vermeintliches Schicksal ergeben sollte. Und ich glaube, dass Peter Ruhenstroth-Bauer uns dieses gesunde Selbstbewusstsein zurück geben kann. Wenn er das bei mir geschafft hat, dann kann er das bei Euch auch. Und bei der Bonner Wirtschaft. Und bei der Bonner Wissenschaft. Und bei der Bonner Verwaltung. Und bei der Bonner Politik, fraktionsübergreifend****).

Und das können Tom Schmidt und Ashok Alexander Sridharan nicht. Das kann nur Peter. Deswegen wähle ich ihn (was ja das mindeste ist), aber das ist auch der Grund, warum ich Euch ständig mit seinen Fotos bei Twitter und Facebook belatschere. Ich bitte das zu entschuldigen und ich bitte darum, ihn zu wählen.

Epilog

Anyway, zerlegt meinen Artikel, schreibt flammende Pamphlete für die anderen Kandidaten, oder folgt meinen Überlegungen blind – nur erzählt Euren Freund*innen und Bekannten von der Bonner Politik und geht the fuck morgen wählen! Und dann geht in eine Partei und gestaltet diese Demokratie mit (am besten natürlich in der SPD).


*) Inzwischen ist das WCCB übrigens eröffnet und ziemlich gut gebucht. An der erfolgreichen Fertigstellung haben ebenfalls alle Parteien mitgewirkt, auch und vor allem die SPD, ohne deren OBs Bärbel Dieckmann und Jürgen Nimptsch das Ding heute wahrscheinlich eine Bauruine mitten in der Stadt wäre.

**) Wenn ich mir angucke, wie die Bonner Bevölkerung die Spacken von BOGIDA bereits im Dezember 2014 vom Hof gebuht hat, so dass diese Bonn als einen der ersten Orte ihrer sog. Spaziergänge aufgegeben haben und wenn ich mir angucke, wie hilfsbereit die Bonner*innen mit den Vertriebenen in den Bonner Flüchtlingsunterkünften umgehen, dann ist mir ziemlich egal, wie gebildet die sind und wo die arbeiten. Dann ist das einfach ziemlich stark.

***) Nun ist verschenken ja an sich ein positiv besetzter Begriff, was aber Teil des Problems ist: Bonn verschenkt sein Potenzial und glaubt, dass es damit richtig und positiv handelt. Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass Bonn sein Potenzial verschleudert, aber „verschleudern“ träfe nicht die Gefühlslage der Bonner*innen.

****) Dass er fraktionsübergreifend Ziele erreichen kann, hat er ja auch bereits in seiner Tätigkeit als Staatssekretär bewiesen. Einer, der ein damals so undenkbares Konzept wie das des Elterngeldes mit ersinnt und auf den Weg bringt, so einer hat Erfahrung.

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Wahlempfehlung für Bonn: Wählt Peter Ruhenstroth-Bauer!

Völlig überraschend ist ja, dass ich Euch Peter Ruhenstroth-Bauer empfehle. Aber wie kommt es dazu?

Es ist ja nicht so, dass ich Peter empfehle, weil er in der selben Partei ist wie ich, sondern vielmehr bin ich in derselben Partei wie Peter, weil diese Partei – zumindest an der Basis – so Sachen vertritt wie Peter. Und weil es in dieser Partei so Typen wie diesen Peter gibt.

Was der kann: Menschen zusammenführen.
Was Peter Ruhenstroth-Bauer kann: Menschen zusammenführen.

Meine Basissoziseele ist ja manchmal schon arg geschunden, Ihr erinnert Euch vielleicht an diesen VDS-Shice im Sommer, ich hatte ja sogar das Fernsehen deswegen in meiner Küche, und dennoch haben die Genoss*innen für die VDS gestimmt auf dem Parteikonvent (ich kotz immer noch im Strahl!)

Und dann gibt es so Momente, wo so einer wie Peter auftritt. „Streichen ist nicht sparen“, sagt er da. Und meint damit: „Ich kann zwar 200k nicht ausgeben, aber so eine Nicht-Investition kommt uns in fünf Jahren erheblich teurer.“ Balsam für meine Basissoziseele! Ich bin doch hier dabei, weil wir uns vorgenommen haben, die Zusammenhänge zu begreifen und danach zu handeln, das ist doch immer Triebfeder der Sozialdemokrat*innen gewesen! Und endlich ist da mal wieder so einer, der das auch so sagt, danke Peter!

Erst später erfahre ich, dass Peter zusammen mit Renate Schmidt das Elterngeld quasi erfunden und konzipiert hat, eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Instrumente der letzten 20 Jahre. Mit vielen Unwägbarkeiten und Defiziten zu Beginn, mit immer wenige Defiziten, seit Manuela Schwesig das Familienministerium führt (aber das ist eine andere Geschichte, die ich auch völlig super finde!). Die Botschaft für den Bonner OB-Wahlkampf ist: Dieser Peter Ruhenstroth-Bauer erfindet hochtrabende Konzepte nicht nur, er hat auch bundesratsgestählte Erfahrungen darin, wie man die in fraktionsheterogenen Umgebungen zum Erfolg führt. Und inzwischen auch die Verbündeten in Bund und Land, die bei einer Umsetzung den Ausschlag geben können.

Moooment, fraktionsheteroWHUZZ!? Ich hol Euch nochmal kurz ab: In Bonn, wie in jeder anderen Großstadt, bestimmt der Stadtrat die politischen Geschicke und trifft die Entscheidungen. Derzeit gibt es hier eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen, die sich nicht so richtig einig ist (und nicht erst seit gestern, sondern schon länger). Wichtige Entscheidungen werden seit Jahren verschleppt, die Fraktion der Grünen verlässt in schöner Regelmäßigkeit zufällig den Saal, wenn mal wieder was abgestimmt werden soll, bei dem es ums Eingemachte geht.

In Abgrenzung zum Rat ist der/die OB vor allem Chef*in der Stadtverwaltung. Im Moment ist das Jürgen Nimptsch, Mitglied meiner freundlichen kleinen Volkspartei. Jetzt gucken wir uns mal an, was beim WCCB passiert ist.

Das WCCB, endlich werden wir in einem Atemzug mit Global Playern wie Hamburg (Elbphilharmonie) und Berlin (BER) genannt. Aber nicht mal das kriegen wir vernünftig hin, denn inzwischen ist das WCCB nicht nur eröffnet, es ist sogar sehr sehr gut gebucht. Damals, vor dem Krieg, war sich der ganze Stadtrat einig, dass uns in Bonn so ein WCCB gut zu Gesicht stünde, alle Fraktionen haben dafür gestimmt, Bärbel Dieckmann war damals OB. Bei der Grundsteinlegung haben alle Mitglieder des Rats begeistert ihre Namen in so sentimentale Kartuschen verpackt und im Fundament versenken lassen. Dann stellte sich heraus, dass der Herr Hyundai gar nicht der Auto-Hyundai-Tuppes ist, und alles drohte zusammenzubrechen. Was habt Ihr alle auf Bärbel Dieckmann geschimpft und tut es bis heute! In Teilen sicher zurecht, denn diese ganze Nummer war ein Schildbürgerstreich, Stadtverwaltung und Rat haben sich wie naive Trottel vorführen lassen. Aber auf zwei Details möchte ich einmal hinweisen: Erstens haben sich Union und Grüne nur allzu gern hinter dem Schild der Default-Schuldigen Bärbel Dieckmann versteckt, bis sich der Sturm verzogen hat, zweitens hat Bärbel Dieckmann damals, quasi in letzter Amtshandlung, veranlasst, die Baustelle des WCCB winterfest machen zu lassen, damit wir nicht ein zweites Hotel Europa wie in Troisdorf mitten in der Stadt erleiden müssen.

Dann kam Jürgen Nimptsch. Kein besonders begabter Kommunikator, zugegeben, aber einer, der es geschafft hat, das WCCB trotz der heftigen Verzagtheit des Stadtrats fertigzustellen. Und das Haus der Bildung btw auch, obwohl sich die tonangebenden Fraktionen im Rat alles andere als einig waren und Entscheidungen vertagt, vertagt und vertagt haben. Diese vermeintlichen Entscheidungsträger*innen beziehen ihren Rückhalt in der Bonner Bevölkerung noch immer daraus, dass die SPD-OBs in der öffentlichen Wahrnehmung alle Fehlentscheidungen anscheinend alleine getroffen haben sollen. „Ihr seid doch SPD-Stadt“, höre ich allenthalben, „Dieckmann und Nimptsch!“ Nochmal: die politischen Entscheidungen trifft oder vertagt der Rat. Egal. WCCB steht und läuft. Plötzlich sind sie wieder alle dabei.

Genug von den alten Geschichten. Wer steht denn da heute zur Wahl und welche Handlungsoptionen haben die?

Tom Schmidt, Grüne, seit 1998 in der Fraktionsgeschäftsstelle der Grünen im Bonner Rat tätig. Der sitzt, wie oben beschrieben, also seit ca. 4000 Jahren am Puls der politischen Entscheidungen in Bonn, am Puls des Rates. Und will jetzt alles anders machen. Er kenne die Probleme, sagt er. Ich denke, klar kennt er die Probleme. Er hat sie maßgeblich mit verursacht.

Ashok Alexander Sridharan, CDU, Kämmerer oder so in Königswinter, definiert sich über seine unfassbare Verwaltungserfahrung. In der Stadtverwaltung Königswinter, also einem Laden mit insgesamt rd. 400 Mitarbeiter*innen. Definiert sich über seine Erfolge mit Public Private Partnership Projekten, die sich für Budgets von sagenwirmal 2 Mio. Euro als nicht unerfolgreich erwiesen haben, sich aber bei der Sanierung der beiden Königswinterer Bäder als Vollausfall entpuppt haben (ich kenne das Lemmerzbad aus eigener Anschauung, der Große Sohn hat da seine Abzeichen gemacht, der Kleine Sohn ist gerade dabei). Seine verkehrspolitischen Konzepte basieren auf der Südtangente (also einer Autobahn quer durch Bonn) und sonst nichts. Aber das stört mich an Herrn Sridharan noch am wenigsten. Viel schlimmer finde ich, dass er so tut, als habe er Patentlösungen fertig in der Lade liegen. Und wo er keine Patentlösung herumliegen hat, erklärt er das betreffende Problem zur Chefsache. Herr Sridharan will dann also in Superheldenmanier das Problem im Alleingang lösen. Das ist meiner Wahrnehmung nach aber genau das Problem der Bonner Kommunalpolitik: Einer glaubt die Lösung zu haben und versucht die so kompromisslos wie möglich durchzusetzen, statt mit den betroffenen Akteur*innen und Wissenträger*innen zu sprechen. Superhelden sind imho Ausdruck gesellschaftlichen Versagens, denn wo man die Stärke der Menschheit, also ihre Organisationsfähigkeit, ausspielt, sind Superhelden ein Fall für’s Kino, wo Organisation funktioniert, haben Superhelden nichts zu tun (außer vielleicht Loopings fliegen).

Und Peter? Dass er bereits 2000 Mitarbeiter*innen geführt hat, Schwamm drüber. Dass er bereits Budgets verantwortet hat, die ein vielfaches des Bonner Haushalts umfasst haben, egal (4,5 Milliarden sagt die Bonner Rundschau).

Peter kann kommunizieren. Peter sagt: Ich habe nicht viel mehr zu bieten als eine Strategie, mit wem ich über welches Problem sprechen möchte. Peter ist der, der die Sachen nicht alleine machen will, weil er weiß, dass er das nicht alleine kann, denn die Erfahrungen hat er gemacht. Aber er weiß zwei Dinge besser als Tom Schmidt und Ashok Alexander Sridharan: mit wem muss ich sprechen und wie muss ich mit der/demjenigen sprechen. Ich habe selbst mit Peter gesprochen und ich habe gesehen, wie er mit anderen gesprochen hat. Er sagt: Ich kann das. Ich kriege das hin, dass wir konstruktive Gespräche mit zählbaren Ergebnissen führen. Das können die anderen beiden weiß Gott nicht, die verlassen sich auf ihre Papiere in ihren Schubladen. Wehe da kommt ein*e Akteur*in, der/die eine andere Sicht auf die Dinge hat, dann ist wieder Blockade im Rat und dann zusätzlich im OB-Büro für Wochen angesagt. Peter macht das anders. Der erfindet zusammen mit Renate Schmidt ein Elterngeld, in einer Zeit, in der alle sagen: Spinnert! Wird sich nie durchsetzen sowas!

Heute haben wir das (und sogar CDU-Minister*innen haben maßgeblich zum Erfolg dieses Konzepts beigetragen).

Jajajaja! Alles wischiwaschi, Herr Loick, so’ne gequirlte Sozi-Shice vom edlen Mann, Fakten auf den Tisch, was will Peter Ruhenstroth-Bauer?!

Zum Beispiel:

Ich sehe bei Peter sehr viel konkretere Handlungsoptionen als bei Tom Schmidt und Ashok Alexander Sridharan. Während die nämlich mit ihren Zetteln da stehen und in den Raum rufen, wie super ihre Ideen sind, weiß Peter, zu wem er als nächstes geht und was er mit der/demjenigen zu besprechen hat. Das ist erheblich konkreter als jedes Patentrezept, das als Chefsache erneut Fronten aufbaut.

Also wählt Peter. Mach ich auch. Und danach gehen wir auf Pützchens Markt, ok?

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250kg Sand

Heute morgen las ich in der Timeline von den ekeligen Übergriffen in #Heidenau auf die dortige Flüchtlingsunterkunft. Zwischen all den Tweets dann einer von @Medididi:

In der Ermekeilkaserne sind in Bonn die Flüchtlinge untergebracht, @Medididi organisiert dort vor Ort die Spenden und das ganze überhaupt irgendwie. Ich denke kurz nach (liege noch im Bett und bin ernstlich aufgebracht ob der Ereignisse in #Heidenau in der letzten Nacht), der Caddy steht da und fasst locker acht bis zehn Säcke Spielsand – also den Spielsand, den ich jedes Jahr für die Kommunenkinder im Baumarkt kaufe. Ich denk: „Hier, mach ich! Nehmt das, Nazis von Heidenau! Ich will sie willkommen heißen, die Flüchtlinge in meiner Stadt!“. Auf den Tweet geantwortet.

Sand gekauft, zehn Säcke, also 250 kg (was nicht wirklich viel ist, wenn man die mal auskippt, aber immerhin). Zur Ermekeilkaserne gefahren. An der Pforte dort eine Frau und ein Mann, die mich erst ein wenig argwöhnisch angucken. Dann erzähle ich ihnen, dass ich Sand für die Flüchtlingskinder bringe. Sie haben etwas Angst, dass ich möglicherweise Schüttgut im Kofferraum habe und ihnen auf den Hof kippen will. „In Säcken?“, fragt die Kollegin. „Ja“, sage ich, „Ich habe mit Frau… äh… also der von Twitter gespro… also getwittert… Sie sagt, sie habe Sie informiert.“ „In Säcken, warten Sie mal, fahren Sie mal hier vor, wir laden das auf diesen Wagen hier.“

Wir laden aus. Zehn Säcke mit dem Aufdruck „wehrt Hunde und Katzen ab“ oder so ähnlich. Die Kollegin fragt, wie das denn gehe. Ich sage: „Keine Ahnung, das steht da halt so drauf auf so Säcken aus dem Baumarkt.“ „Sie haben die aus dem Baumarkt?“ „Ja klar“, sage ich. Sie lobt mich und sagt, das wäre nicht selbstverständlich und macht einen Diener. Mir ist das einerseits etwas unangenehm, denn schließlich resultiert die ganze Aktion ja daraus, dass ich mich wegen der Lektüre meiner TL am Morgen schlecht gefühlt habe und mich besser fühlen wollte und deswegen Sand gekauft habe. Gleichzeitig, denke ich, wenn jemand dankbar ist, dann muss man diese Dankbarkeit anerkennen und nicht kleinreden. Und die Kollegin und auch der Kollege sind so aufrichtig dankbar waren, dass ich dachte, dass ich vielleicht das Richtige getan habe.

Als ich mit dem Auto bereits wieder auf der Reuterstraße auf dem Rückweg bin, rufe ich @Medididi noch mal an, um ihr zu sagen, dass ich den Sand und etwas Spielzeug abgeben habe. Sie ist anscheinend gerade dabei, irgendwas zu organisieren und ich möchte nicht lange stören. Sie bedankt sich und ich denke: Ich habe nur ein paar Säcke Sand mit dem Auto vorbeigebracht, Du organisierst und machst und tust den ganzen Tag und morgen wieder. Ich bin eigentlich Dir dankbar, dafür, dass der Hashtag #Bonn mit allem möglichen verbunden wird, aber nicht mit Hass, Gewalt oder Rassismus, dass #Bonn nicht #Freital und nicht #Heidenau ist.

Epilog I

Wenn ich das hier verblogge, dann klingt das möglicherweise wie „Ach, der selbsternannte Held, schön mal fishing for compliments“ und es fühlt sich tatsächlich komisch an, über eine eigene gute Tat zu schreiben. Der Iss-doch-klar-jede*r-andere-an-meiner-Stelle-hätte-genauso-gehandelt-Rudi-Völler in mir winkt ab. Aber ich habe zuletzt auch viele Artikel und Blogbeiträge gelesen, die uns, die Normalos, die schweigende Mehrheit, dazu auffordern, uns zu äußern. Deswegen schreibe ich das hier mal hin, damit Ihr das lesen könnt, damit die Flüchtlinge das lesen können, damit irgendwo steht, dass Deutschland nicht nur aus Nazis, Rassist*innen und Arschlöchern besteht.

Epilog II

Suchbild: Finde das Flugzeug und das Schiff, mit besten Grüßen vom Großen Sohn und vom Kleinen Sohn, die als Babys damit gespielt haben!

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Peter and the Test Tube Baby

Jetzt hat ja dieser Beau aus Königswinter die ganze Stadt mit seinem herrlichen Anblick geschmückt und die Genoss*innen haben sich darüber mokiert, was ich eigentlich unnötig finde, aber ein bisschen lustig ist das ja dann auch, wenn man sich mal die Postings auf seiner Facebookseite anguckt: Da finde ich bei der Lichtgestalt von der Union seit dem 1. Juni bis heute Abend 12 Postings. Fünf davon handeln von seinem Poster. Er sieht aber auch gut aus, dieser schöne Mann aus dem Siebengebirge, das muss man ihm schon wirklich lassen! Und ist wirklich gut getroffen auf seinen vielen Bildern, da möchte man Ball sein!

Und Peter? Ok, 30 Postings seit dem ersten Juni, wohl mehr so Masse statt Klasse, was? Auf jedem Bild muss man ihn suchen, da sind immer so lästige andere Leute um ihn rum, die Haare nicht richtig gemacht und was für eine Körperhaltung hat der eigentlich?! Ist das jetzt der mit der weißen Hose oder der mit der Jeans? Ich nähere mich mit meinem prüfenden Auge dem Bildschirm – ah, das muss er sein, der mit der weißen Hose. 30 Postings, die meist davon berichten, wie er in allen Teilen der Stadt unterwegs ist und mit Leuten spricht. Seit dem 1. Juni war er in Dottendorf, Tannenbusch, Brüser Berg, Bonn Mitte, Bad Godesberg, Pützchen, Pennenfeld, Lannesdorf, in der Altstadt, Plittersdorf, Rüngsdorf, Lengsdorf und in Graurheindorf am Hafen.

Ständig mit so vielen Menschen, ich könnte das nicht. Die stellen doch Fragen, am Ende noch unangenehme! Ich würde auch das beschauliche Leben in den Fotostudios dieser Welt vorziehen, genau wie der Schmalspur-Guttenberg aus Königswinter. Nicht, dass dem das am Ende alles zu viel wird!

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