{"id":1116,"date":"2013-12-13T21:17:47","date_gmt":"2013-12-13T20:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1116"},"modified":"2013-12-13T21:17:47","modified_gmt":"2013-12-13T20:17:47","slug":"unbegruendetes-der-angst-entsagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1116","title":{"rendered":"Unbegr\u00fcndetes der Angst Entsagen"},"content":{"rendered":"<p>Gerade beim Indenschlaflangweilen der Kinder schwoffen meine Gedanken etwas ab und ich kam darauf, \u00fcber meine Generation etwas nachzudenken. Wir\u2122 (also meine Generation aus den Geburtsjahrg\u00e4ngen der Willy-Brandt- und Helmut-Schmidt-Zeit) mussten in keinen Krieg und weitgehend nicht einmal zur Bundeswehr. Wir haben gelernt, die Presse kritisch zu hinterfragen und gewaltfreie Konfliktl\u00f6sungen zu finden. Wir sind super, denn wir wissen ganz viel und unserem sch\u00f6nen Leben ist nie die Grundlage entzogen worden durch Hunger, Krieg oder Naturkatastrophen. Wir sind die Generation, in der menschliche Erkenntnis endlich mal ungest\u00f6rt zu Ende entwickelt werden kann.<\/p>\n<p>Und wir halten ganz hoch, dass wir unvoreingenommen sein m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen alle Positionen h\u00f6ren und gelten lassen und d\u00fcrfen keine \u00fcber die andere stellen. Wir m\u00fcssen uns unparteiisch ein Bild machen, uns ist eingetrichtert worden, uns blo\u00df nicht manipulieren zu lassen von Subjektivit\u00e4t und tendenzi\u00f6sen Aussagen. Wir m\u00fcssen immer misstrauisch sein, besser wir machen jede Erfahrung selbst als uns auf Aussagen anderer zu verlassen. Wir m\u00fcssen uns erst ganz sicher sein, bevor wir eine Entscheidung treffen. Wir m\u00fcssen das Zusammenleben mit unseren Partner*innen mindestens zehn Jahre mit allen Hintert\u00fcren offen getestet haben. Wir k\u00f6nnen Computer erst kaufen, nachdem eine vierj\u00e4hrige Recherche ergeben hat, dass dieses Ger\u00e4t das beste Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis hat. Wir kriegen Kinder erst, wenn beide Eltern einen unk\u00fcndbaren Job und wir eine verbindliuche Unterschrift unter dem KiTa-Vertrag haben. Und bleiben, das steckt uns im Blut, so lange irgendm\u00f6glich unverbindlich. Unverbindlich ist gut. Unverbindlich ist flexibel. Unverbindlich ist die ewige M\u00f6glichkeit, das Maximale herauszuholen.<\/p>\n<p>Das ist shice. Ich finde, parteiisch zu sein ist schwierig, aber es ist ein hohes Gut.<\/p>\n<p>Das andere, was uns im Blut steckt, ist die ewige Angst vor dem sozialen Abstieg und der Arbeitslosigkeit. &#8222;Ihr werdet keine Biografien mehr haben, in denen man mit 16 bei VW anf\u00e4ngt und mit 62 aus eben diesem Job ausscheidet&#8220;, sagte man uns und das hat uns Angst gemacht, die bis heute nicht mehr weggegangen ist. Wir f\u00fchlen uns wie die Versager, weil unsere Jobs nicht sicher sind (auch wenn sie&#8217;s sind) und deswegen stellen wir Leistung Leistung Leistung in den Vordergrund und meinen damit Erwerbst\u00e4tigkeit Erwerbst\u00e4tigkeit Erwerbst\u00e4tigkeit. Vor lauter Angst, wir k\u00f6nnten unseren Job verlieren, sagen wir immer ja zu allem, Wochenendarbeit, \u00dcberstunden und Spontanrettungseins\u00e4tze, damit der n\u00e4chste Relaunch des Kunden wieder mal durch unsere Heldenhaftigkeit \u00fcberraschend doch noch termingerecht \u00fcber die B\u00fchne geht.<\/p>\n<p>Das ist auch shice.<\/p>\n<p>Die Folge von diesen beiden Punkten scheint mir zu sein, dass wir\u2122 uns nichts sehnlicher w\u00fcnschen, als irgendwo anzukommen &#8211; vielleicht ein Haus zu besit\bzen und die Kinder in den Keller zum Spielen schicken zu k\u00f6nnen, damit wir unser Ruhe haben. Irgendwann sich nicht mehr \u00a0so schrecklich anstrengen zu m\u00fcssen, es soll irgendwann endlich alles ganz leicht sein, so wie es bei unseren Eltern alles ganz leicht war, damals. Und darum verschulden wir uns f\u00fcr ein gro\u00dfes Haus, das mit Designerm\u00f6beln und Kamin ausgestattet sein muss, damit wir eines Tages uns nicht mehr anstrengen m\u00fcssen, weil irgendwann endlich alles einfach da ist, was wir uns w\u00fcnschen und was wir brauchen. Aber wir haben Angst, dass uns das vielleicht irgendwer irgendwann wieder wegnehmen k\u00f6nnte, denn wir vermuten, dass wir dann nicht mehr fr\u00f6hlich sein \u00a0k\u00f6nnen. Wir haben Mindestanforderungen, ohne die Unbeschwertheit f\u00fcr uns nicht m\u00f6glich ist und wir sind immer ganz kurz davor, diese Mindestanforderungen zu erreichen &#8211; bis sie dann wieder wie unser eigener Schatten vor uns zur\u00fcckweichen.<\/p>\n<p>Gerade f\u00e4llt mir auf, dass ich hier ein ganz altes Lied singe, das Lied von der Entsagung vom Materiellen. Dabei mag ich Materielles. Zum Beispiel gutes Essen und Zentralheizung. Kaminfeuer und flie\u00dfend warmes Wasser. Schnelle Internetverbindungen und Video on Demand. Aber worum es mir geht: Lasst uns doch keine Angst mehr haben. Lasst uns ein bisschen darauf vertrauen, dass wir nicht verhungern m\u00fcssen und lasst uns fr\u00f6hlich immer neues machen bis wir sterben und wenn wir sterben, lasst uns eine Forderung stellen, als w\u00fcrden wir morgen noch leben.<\/p>\n<p>Aber ich hab ja leicht reden, denn ich bin nicht alleine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade beim Indenschlaflangweilen der Kinder schwoffen meine Gedanken etwas ab und ich kam darauf, \u00fcber meine Generation etwas nachzudenken. Wir\u2122 (also meine Generation aus den Geburtsjahrg\u00e4ngen der Willy-Brandt- und Helmut-Schmidt-Zeit) mussten in keinen Krieg und weitgehend nicht einmal zur Bundeswehr. Wir haben gelernt, die Presse kritisch zu hinterfragen und gewaltfreie Konfliktl\u00f6sungen zu finden. 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