{"id":1306,"date":"2014-07-10T21:06:52","date_gmt":"2014-07-10T19:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1306"},"modified":"2014-07-10T21:37:33","modified_gmt":"2014-07-10T19:37:33","slug":"in-the-state-of-gutfinden-on-ruegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1306","title":{"rendered":"In the state of Gutfinden on R\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p>Ich sitze auf dem Balkon eines Ferien-Ressorts in Binz auf R\u00fcgen und kann das Meer sehen. <a href=\"http:\/\/www.luebzer.de\/products\/l%C3%BCbzer-pils\" target=\"_blank\">Pulle L\u00fcbzer<\/a> ist offen (ich glaub, das trinkt man hier so, schmecklecker&#8230;) Eine Zwei-Personen-Band spielt allerschlimmste Schlager und singt leider selbst und die vielen Gro\u00dfeltern, die hier mit ihren Enkel*innen abgestiegen sind, werden ein wenig sentimental, unten in der Tiefgarage haben sie den\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mercedes-Benz_Baureihe_124#T-Modell_.28S_124.29\" target=\"_blank\">Mercedes S124<\/a>\u00a0stehen, den sie seit 1986 immer noch fahren (und nicht wie diese Hipster jetzt erst gekauft haben). Die Sonne scheint und es ist warm in Binz. Alles ist gut.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1308\" aria-describedby=\"caption-attachment-1308\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1308\" src=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-300x226.jpg\" alt=\"Im Hintergrund sieht man das Meer, das ich vom Balkon aus sehen kann. Es handelt sich dabei um die Ostsee vor Binz auf R\u00fcgen.\" width=\"300\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014.jpg 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1308\" class=\"wp-caption-text\">Im Hintergrund sieht man das Meer, das ich vom Balkon aus sehen kann. Es handelt sich dabei um die Ostsee vor Binz auf R\u00fcgen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jeden Tag gehe ich die abgez\u00e4hlten 54 Schritte in die Ostsee, die Wetterlage beschert uns eine f\u00fcr Ostseeverh\u00e4ltnisse kr\u00e4ftige Brandung und Sonne und Wind, es ist warm, die Ostsee hat 19\u00baC und die Kinder und ich rennen immer mal wieder einfach mal schnell da rein. Am Ende der Promenade, die sehr lang ist, gibt es eine Fischr\u00e4ucherei, die samtweiche Buttermakrele verkauft. Wir, also <a href=\"https:\/\/twitter.com\/frau_ratte\" target=\"_blank\">@frau_ratte<\/a> und ich, mussten sie uns heute mit einer <a href=\"http:\/\/www.stralsunder.de\/produkte\/stralsunder-biere.html\" target=\"_blank\">Flasche Stralsunder Pils<\/a> reintun und beinahe weinen vor Gl\u00fcck. Die Kinder sind so voller Tatendrang, dass sie den ganzen Tag in der Brandung stehen und schreien wollen. &lt;3. Das angenehme daran ist, dass sie heute gegen 20:00 gefragt haben, ob sie jetzt ins Bett d\u00fcrfen, ich habe das noch nie erlebt. Vorgestern hat Deutschland Brasilien im Halbfinale der WM 2014 mit 7:1 besiegt. Die Spieler der brasilianischen Mannschaft haben geweint, wohl eher nicht vor Gl\u00fcck. Mein Verst\u00e4ndnis von Weinen ist ja ein anderes, in der Situation der brasilianischen Spieler h\u00e4tte ich mich wohl eher totge\u00e4rgert, w\u00e4re aggressiv geworden oder h\u00e4tte politische Konsequenzen im DFB, also dem brasilianischen Pendant\u00a0des DFB, gefordert oder so. Naja, jeder Jeck ist anders. Anyway, ich war ja zum Gl\u00fcck f\u00fcr die deutsche Mannschaft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1310\" aria-describedby=\"caption-attachment-1310\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1310\" src=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-2-225x300.jpg\" alt=\"Symbolbild &quot;Alles is gut&quot;: Matjesbr\u00f6tchen ist bereits verspeist, im Bier ist noch was drin.\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-2-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-2-300x400.jpg 300w, https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ruegen_2014-2.jpg 323w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1310\" class=\"wp-caption-text\">Symbolbild &#8222;Alles is gut&#8220;: Matjesbr\u00f6tchen ist bereits verspeist, im Bier ist noch was drin.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was ich damit sagen will: Alles\u00a0ist toll these days. Ich bin tiefenenspannt. Fischbr\u00f6tchen allenthalben, kaltes Bier sowieso, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/frau_ratte\" target=\"_blank\">@frau_ratte<\/a> relaxt, die Kinder k\u00f6nnen rennen und laut sein, weil die Brandung noch lauter ist, f\u00fcr Polly gibt es Hundestrand am laufenden Meter und wir haben noch dicke Pakete von Tagesprogrammen vor uns, die wir machen k\u00f6nnen, wenn wir Bock haben. Wenn wir keinen Bock haben, gehen wir eben kurz in die Ostsee oder trinken ein Stralsunder oder L\u00fcbzer. Oder essen Matjes. \u00dcbringens waren\u00a0alle, ausnahmslos alle!, Matjes, die ich bisher hier hatte, phantastisch &#8211; vielleicht liegt das daran, dass ich max. einmal im Jahr Matjes esse, denn im #Rhineland gibt&#8217;s die nicht so. Oder zumindest esse ich die da nicht. Oder ich bin mieses gew\u00f6hnt und gebe mich daher mit durchschnittlichem zufrieden. Aber egal. The Matjes tastes right, I feel good und R\u00fcgen feels right.<\/p>\n<p>Bei Instagram musste ich kurz mitansehen, wie der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/nele_lenze\/status\/282085977101586432\" target=\"_blank\">Rest der Republik in Regen und Nebel versinkt<\/a>. Die TL h\u00e4lt Unerfreulichkeiten bereit, wo Piraten Twitterer tracken, die manchen nicht in den Kram passen oder\u00a0sowas. Das perlt gerade an mir ab, ich lege das Smartphone weg. Ich besitze\u00a0ja die Gabe des Gutfindens. I&#8217;m in a state of Gutfinden on R\u00fcgen.<\/p>\n<p>Wie konnte es dazu kommen? Vor ein paar Jahren h\u00e4tte ich m\u00f6glicherweise noch alles schlimm gefunden hier. Strandk\u00f6rbe, alte Faltens\u00e4cke die nackig am FKK-Strand laufen, Shice-Schlager im Em-Effing-Fuckfuck-RESSORT! Ressort! Allein Ressort! Touristen-Nepp! Urlaub in Deutschland! Keine existenziellen Erfahrungen, sondern alles nur arrangierte Unterhaltung! Alles gefaked! Wie kann ich mich nur so sauwohl f\u00fchlen? Wie kann ich nur die Formulierung &#8222;sauwohl&#8220; verwenden?!<\/p>\n<p>Ich sag&#8217;s Euch: Es ist nicht die Ferne. Es ist nicht die Musik. Es \u00a0sind nicht die Renter*innen in Binz auf der Promenade. Es sind nicht die Schlager. Es ist nicht das Tiefseetauchen im Great Barrier Reef. Es sind nicht die S124 in den Ressort-Tiefgaragen. Es ist nicht mal die saugeile Ostsee oder das saugeile Wetter.<\/p>\n<p>Es ist dieses\u00a0&#8222;all is said and done&#8220; f\u00fcr diese zwei Wochen. Die Erwerbst\u00e4tigkeit ist ausgesetzt. Sie ist so ausgesetzt, dass uns f\u00fcr zwei Wochen mal alles egal sein kann. Keine \u00c4ngste, schon gar keine Existenz\u00e4ngste (hatte ich ja auch wohl schon), keine Abh\u00e4ngigkeiten, Freiheit in den Grenzen dieser zwei Wochen. Als Teenager habe ich \u00fcber die Zeile Helge Schneiders gelacht: &#8222;Freiheit in Grenzen&#8220;. Und gleichzeitig\u00a0habe ich gestaunt \u00fcber Janis Joplins &#8222;Freedom is just another word for nothing left to lose&#8220;. Es geht um Organisation. Klingt shice, ist aber gile, denn es enabled mich, Sachen gut zu finden. Und die Rahmenbedingungen sind ausreichend.<\/p>\n<p><em><strong>Disclaimer:<\/strong> Ich versuche mir im Bewusstsein zu halten, dass ich privilegiert bin. Ich\u00a0habe eine Familie, die so super ist, dass ich so gern mit ihr in so einem Urlaub bin. Ich bin von Hause aus mit Mitteln und F\u00e4higkeiten ausgestattet, die mir erm\u00f6glicht haben, meine Erwerbst\u00e4tigkeit so zu organisieren, dass sie einerseits gut genug bezahlt ist, dass ich mir das Ganze finanziell leisten kann, die mir andererseits aber auch genug Freiraum l\u00e4sst, dass ich mein Leben so gestalten kann, wie ich es f\u00fcr gut halte. Ich glaube, dass ich, gerade weil ich diese Privilegien genie\u00dfe, nahezu verpflichtet bin, das ganze gut zu finden (denn jetzt noch herumzun\u00f6len w\u00e4re ja ein Affront!). Und ich finde, Ihr solltet von mir Positives zu lesen bekommen, ich m\u00f6chte Euch teilhaben lassen, denn ich habe ganz ganz viel Positives zu teilen. Mit geht es gerade gut und vielleicht geht es Euch dann ja auch gut oder, wenn es Euch nicht gut geht oder Nebel bei Euch ist, vielleicht kann ich Euch ja ein kleines L\u00e4cheln oder einen warmen Gedanken abringen, wenn ich Euch von Buttermakrelen mit Stralsunder Pils erz\u00e4hle. Ach, bitte, habt ein wenig Freude, ich habe gerade ganz viel davon!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze auf dem Balkon eines Ferien-Ressorts in Binz auf R\u00fcgen und kann das Meer sehen. 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