{"id":1324,"date":"2014-07-22T12:07:44","date_gmt":"2014-07-22T10:07:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1324"},"modified":"2014-07-22T12:09:12","modified_gmt":"2014-07-22T10:09:12","slug":"reality-bites-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1324","title":{"rendered":"Reality bites 2014"},"content":{"rendered":"<p>Vorgestern lief im Fernsehen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reality_Bites_%E2%80%93_Voll_das_Leben\" target=\"_blank\">&#8222;Reality bites&#8220;, also dieser Film, von dem man uns 1992 gesagt hat, er spiegele unsere (also meine) Generation wider wie kein anderer<\/a>. Ich hatte den damals zwar gesehen, aber keinerlei Erinnerung daran, ich wusste nur noch, dass\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Winona_Ryder\" target=\"_blank\">Winona Ryder<\/a> die Hauptattraktion darin gewesen sein soll. Habe ich mir den Film also nochmal angesehen, 2014. Mir war nichts mehr von der Handlung pr\u00e4sent, nur Winona Ryder, damals die Schauspielerin, die ich &#8222;gut&#8220; fand. &#8222;Scharf&#8220; oder &#8222;Sexy&#8220; oder &#8222;total geil&#8220; geh\u00f6rte damals schon nicht zu meinem Wortschatz in Bezug auf das andere Geschlecht. Die Formulierung lautete &#8222;gut finden&#8220; und ich war (und bin wahrscheinlich immer noch) genau so verklemmt, wie sich das anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Handlung war mir ziemlich egal, damals, es ging um irgendwas mit &#8222;was aus seinem Leben machen&#8220;, aber das lag damals in zu weiter Ferne f\u00fcr mich, das hatte noch Zeit. Dieses &#8222;was werden&#8220;, &#8222;ich m\u00f6chte es vor meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr zu etwas gebracht haben&#8220; fand nicht statt bei mir. Vorgestern hab ich gesehen, dass es in dem Film auch darum geht, sich selbst treu zu bleiben, die Dinge so zu machen, wie man es f\u00fcr gut h\u00e4lt. Und bin ich mir treu geblieben? Keine Ahnung. Damals hab ich nur Winona geguckt. Ich hoffe, dass ich mich seit damals vielleicht etwas entwickelt habe. Ich hoffe zumindest stark, dass mein Genderbild sich seit damals gewandelt hat, denn das, was in diesem Film diesbez\u00fcglich transportiert wird ist ja grauenhaftestes Mittelalter (die zwei Streith\u00e4hne k\u00e4mpfen um das Reh\u00e4uglein und der Aufrechte kriegt es dann am Ende auch, w\u00e4hrend Reh\u00e4uglein selbst den ganzen Film \u00fcber hin- und hergerissen ist, wem sie sich denn letztlich hingeben\u00a0soll, w\u00e4hrend das, was sie schafft, v\u00f6llig nebens\u00e4chlich bleibt). Ich f\u00fcrchte, ich muss leider bekennen, dass ich damals, in den fr\u00fchen Neuzigern und wahrscheinlich auch noch dar\u00fcber hinaus, wohl auch so \u00e4hnlich getickt habe was die Geschlechterrollen angeht. Ich gelobe Besserung!<\/p>\n<p>Was aber hat mir an dem Film 2014 gefallen?<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Gucken Reality Bites auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/arte?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#arte<\/a>. Das \u00e4h&#8230; ich finde das gut. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/confessions?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#confessions<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Maxim Loick (@Pausanias) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Pausanias\/status\/490929617902247936?ref_src=twsrc%5Etfw\">July 20, 2014<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Vielleicht\u00a0dieser gewisse Grad an Schei\u00dfegalness*), der Teilen meiner sog. Generation X hoffentlich bis heute anhaftet. Eine vermeintliche\u00a0Ziellosigkeit, ohne dabei prinzipienlos zu sein. Es muss sich erstmal richtig anf\u00fchlen, das ist wichtiger als das Erf\u00fcllen\u00a0von extern vorgegebenen KPIs. Lieber wird\u00a0Winonas Film nicht zu ihrer Existenzgrundlage\u00a0als dass\u00a0eine kaputtgeschnittene\u00a0Promo-Version selbige bildet. Ein gewisses Urvertrauen (das sicher dem Privileg eines in gesicherten Verh\u00e4ltnissen Aufgewachsenen entspringt), dass meine Familie und ich schon nicht verhungern werden, auch wenn ich\u00a0das Jobangebot XY ablehne, weil dieser Job es nicht erm\u00f6glicht h\u00e4tte, dass ich 50% meiner Zeit f\u00fcr die Familie da bin.<\/p>\n<p>Und was mache ich denn so, heute, mit knapp 40? Ich twittere SPD-Sachen, obwohl mich das wom\u00f6glich dauernd tausende Follower kostet. Ich schreibe <a href=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?cat=22\">alberne Humano Menetekel Blogbeitr\u00e4ge<\/a>, obwohl die meinem beinharten Profil des Politprofis zuwider laufen. Hampel ich halt unter der Vorgabe &#8222;mal gucken, wie&#8217;s wird&#8220; in der SPD Beuel rum, obwohl mich der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/wasalski\" target=\"_blank\">@wasalski<\/a> jedes halbe Jahr fragt, was das Gewurschtel denn da soll, welches Ziel ich denn da verfolge. Ich wei\u00df es auch nicht so recht, aber es f\u00fchlt sich richtig an. Try to do things right ohne Angst zu haben, vielleicht gerade alles falsch zu machen. Und wenn sich herausstellt, dass doch alles falsch war, dann machen wir&#8217;s eben anders. Wir\u00a0wissen dabei noch, warum wir&#8217;s mal f\u00fcr richtig gehalten haben und wir wissen jetzt, warum es dennoch falsch war.<\/p>\n<p>Und es ist mir immer noch nicht so recht wichtig, mal &#8222;was zu werden&#8220;, auch wenn die M\u00f6glichkeit dazu nat\u00fcrlich immer noch als Option offen bleiben soll. Das ist geblieben. Und was bin ich seit damals geworden? Nicht sonderlich erfolgreich, was die KPIs angeht. Aber neulich, als wir 20 Jahre Abi &#8217;94 gefeiert haben, konnte ich sagen: Ich bin gl\u00fccklich soweit.\u00a0Aber genau genommen das ist nichts besonderes, denn gl\u00fccklich war ich eigentlich immer. Klingt nach simplem Gem\u00fct, irgendwie, wie soll ich denn so\u00a0jemals Bundeskanzler werden? Werd ich halt kein Bundeskanzler, wenn keiner so einen Bundeskanzler haben will.<\/p>\n<p>(Kann man das alles so schreiben? Haltet Ihr mich jetzt f\u00fcr einen selfish Arsch? Ach egal, raus damit, schreib ich vielleicht\u00a0demn\u00e4chst was nicht-selfishes.)<\/p>\n<p><em>*) Am treffendsten\u00a0trifft ja die <a href=\"http:\/\/youtu.be\/bOlbdn-uhxc\" target=\"_blank\">Musik von Mudhoney diese Schei\u00dfegalness<\/a>. Nicht professionell gespielt, nicht professionell gemischt, nur hingespielt als Entwurf gro\u00dfartiger Musik. Musik, der es reicht zu sagen: &#8222;Wisster schon wie das gemeint ist, das jetzt gerade einzuspielen ist uns im Moment zu anstrengend.&#8220; Feels right, sounds ausreichend. Save energy f\u00fcr anderes Zeugs. It&#8217;s good enough.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgestern lief im Fernsehen &#8222;Reality bites&#8220;, also dieser Film, von dem man uns 1992 gesagt hat, er spiegele unsere (also meine) Generation wider wie kein anderer. Ich hatte den damals zwar gesehen, aber keinerlei Erinnerung daran, ich wusste nur noch, dass\u00a0Winona Ryder die Hauptattraktion darin gewesen sein soll. 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