{"id":1361,"date":"2014-09-05T23:12:37","date_gmt":"2014-09-05T21:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1361"},"modified":"2014-09-05T23:12:37","modified_gmt":"2014-09-05T21:12:37","slug":"browserfork-statt-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1361","title":{"rendered":"Browserfork statt Krieg!"},"content":{"rendered":"<p>Wir waren Christina, Simon, Thorsten, Tobias und ich in diesem HTML Kurs an der Uni Bonn. Der Dozent hie\u00df Herr Pullmann. Herr Pullmann fand die Verwendung von Bildern im Internet genauso irrational wie den Konsum von Kaffee. Wir fanden das nicht. Ich habe damals sogar noch geraucht.<\/p>\n<p>Auch ich habe Dinge getan, auf die ich nicht sehr stolz bin. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/wasalski\" target=\"_blank\">@wasalski<\/a> hatte uns unseren ersten Auftrag verschafft, der wurde sogar noch in Deutscher Mark bezahlt, wir studierten noch, es waren rund achtzehntausend Deutsche Mark, ein Betrag, von dem wir als Studenten dachten, dass er f\u00fcr ein Leben lang reichen w\u00fcrde. F\u00fcr diese achtzehntausend Mark haben wir HTML in Tabellen gebaut. Mit Blind-Gifs, durchsichtig und voll dehnbar. Wir haben Browserweichen gebaut. Wir wurden von Netscape 4.73 zu Dingen getrieben, die sich Webentwickler heute gar nicht mehr vorstellen k\u00f6nnen. CSS steckte in den Kinderschuhen und ich vermute, dass es Kinderf\u00fc\u00dfen zu der Zeit nicht sehr gut hatten deswegen. Mein bester Freund und Kompagnon <a href=\"https:\/\/twitter.com\/botnautzki\" target=\"_blank\">@botnautzki<\/a> (der der Tobias aus o.g. Liste ist) hat sp\u00e4ter f\u00fcr unseren Lieblingskunden einen Formular Generator gebaut, der Ajax Technologien verwendete, die kaum erfunden waren. Dieser FormGen ist heute noch ein Problem f\u00fcr das nach-nach-nachgelagerte Projekt beim Lieblingskunden (aber nur, weil das Ding funktioniert und niemand wei\u00df, wie man das nun billig auf den heutigen technischen Stand bringen soll).<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle vom Krieg. Also nein, ich erz\u00e4hle nicht vom Krieg. Wir sind die Generation, die nicht in den Krieg musste. Und unsere Eltern sind \u00dcberlebende des Krieges, sie waren nicht aktiv daran beteiligt, sie waren drei Jahre alt oder so. Ich erz\u00e4hle von Netscape 4.73 und nicht von Erschie\u00dfungen. Ich kann locker von meinem &#8222;Krieg&#8220; erz\u00e4hlen und launig dabei sein. Wir sind die erste Generation, die das kann. Wir m\u00fcssen unseren Eltern dankbar sein, dass wir so vom Krieg erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen unseren Kindern alles erkl\u00e4ren, wir haben nichts, dessen wir uns derart sch\u00e4men m\u00fcssen, dass wir es unseren Kindern nicht erz\u00e4hlen k\u00f6nnen (au\u00dfer vielleicht das damals auf dem Oktoberfest, wo ich so besoffen war). Wir k\u00f6nnen unseren Kindern zuh\u00f6ren und wir k\u00f6nnen uns Zeit f\u00fcr unsere Kinder nehmen, wir k\u00f6nnen ihre Fragen beantworten, weil unsere Eltern uns davor bewahrt haben, dass wir \u00fcber ganze Lebensabschnitte nicht sprechen k\u00f6nnen. Wir sind die Generation der sog. Helikoptereltern, wir sorgen uns und wir ziehen unseren Kindern die Schuhe an, obwohl sie es l\u00e4ngst selbst k\u00f6nnen. Wir sind die Eltern, denen man nachsagt, dass sie sich zu viel k\u00fcmmern, wir sind aber auch die Eltern, denen man keine Plakate mit dem Slogan &#8222;Mehr Zeit f\u00fcr Kinder&#8220; mehr hinh\u00e4ngen muss. Wir bringen unsere Kinder mit dem Auto zur Schule*) und sind Teil des Problems. Wir sind die, die nicht verh\u00e4rmt sein m\u00fcssen, wir sind die, die den Versuch starten k\u00f6nnen, das Beste tun zu wollen, weil wir nicht traumatisiert sind. Das muss man sich mal vorstellen, die ersten, die nicht unter dem Einfluss von\u00a0Traumata erzogen und ohne eigene Traumata aufgewachsen sind. Was f\u00fcr eine historische Chance.<\/p>\n<p>Und heute habe ich mein WordPress einfach per Kopfdruck auf die Version 4.0 upgegradet. Es gab keine Probleme. Das Blog l\u00e4uft. Es hat drei Minuten gedauert.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfe Sohn wollte heute nicht zum Fu\u00dfballtraining, weil er mit dem Gro\u00dfen Kommunardenkind lieber Playmobil spielen wollte. Ich war sauer deswegen (&#8222;Fuffzich Tacken f\u00fcr die Fu\u00dfballschuhe! Die Mannschaftskameraden warten auf Dich!&#8220;), aber nat\u00fcrlich war ich im Unrecht. Nicht, weil ich wollte, dass er zum Training geht, sondern wegen der Art und Weise, wie ich ihn dazu\u00a0zwingen wollte. Vielleicht sagt eine*r von Euch: &#8222;Ach, h\u00e4tteste ruhig machen k\u00f6nnen! Das hat noch keinem geschadet!&#8220; oder so&#8217;n \u00e4hnlicher Tenor. Aber ich mache das nicht so. Ich habe es falsch gemacht, als ich es so tun wollte. Wir machen weiter mit\u00a0diesem Ding, nach dem Eltern und Kinder sich abm\u00fchen ohne Traumata. Wir sehen l\u00e4cherlich aus dabei, ganz und gar unheroisch, aber mir ist es wichtig, niemanden tot zu schie\u00dfen und niemanden dazu zu veranlassen, irgendwas in dieser Richtung zu tun.<\/p>\n<p>Wir gucken BVB und h\u00f6ren Monstermagnet.<\/p>\n<p><em>*) Ok, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/frau_ratte\" target=\"_blank\">@frau_ratte<\/a> und ich jetzt nicht, weil der Weg zum Auto weiter ist als der zur Schule, aber w\u00e4re das nicht so, w\u00fcrden wir den Gro\u00dfen Sohn wohl\u00a0auch fahren.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir waren Christina, Simon, Thorsten, Tobias und ich in diesem HTML Kurs an der Uni Bonn. Der Dozent hie\u00df Herr Pullmann. Herr Pullmann fand die Verwendung von Bildern im Internet genauso irrational wie den Konsum von Kaffee. Wir fanden das nicht. Ich habe damals sogar noch geraucht. 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