{"id":1648,"date":"2015-09-12T22:04:17","date_gmt":"2015-09-12T20:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1648"},"modified":"2015-09-12T22:09:50","modified_gmt":"2015-09-12T20:09:50","slug":"bonn-selbstbewusstsein-vs-schicksalsergebenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1648","title":{"rendered":"Bonn &#8211; Selbstbewusstsein vs. Schicksalsergebenheit"},"content":{"rendered":"<p>Shice, erst jetzt, ein paar Stunden vor der OB-Wahl in Bonn, f\u00e4llt mir auf, warum ich Peter Ruhenstroth-Bauer so viel besser finde als die anderen beiden Kandidaten, da musste ich erst mit dem gesch\u00e4tzten Genossen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/beyouhh\" target=\"_blank\">Bj\u00f6rn Uhde<\/a> auf Facebook ein bisschen \u00fcber die Wahl morgen sprechen. Und prompt f\u00e4llt es mir pl\u00f6tzlich wie Schuppen von den Augen: Es geht bei dieser Wahl darum, ob Bonn sich seinem vermeintlichen Schicksal als Provinzstadt ergibt oder ob es sein Selbstbewusstsein wiedererlangen kann. Seit Monaten ist es ja genau das, was Peter in seiner Kampagne zu vermitteln sucht und ich raff es erst jetzt so richtig.<\/p>\n<p>Bonn lebt derzeit von den Erinnerungen an die goldene Zeit, als es die kleine Bundesrepublik noch gab, alle finden die Erinnerung daran gem\u00fctlich und f\u00fchlen sich wohl damit. Dann zog die Bundesregierung nach Berlin, im Bonn-Berlin-Gesetz wurde festgelegt, welche Teile der Regierung, der Ministerien in Bonn verbleiben. Den Titel der Hauptstadt f\u00fchrt seitdem Berlin. Um aber zu verdeutlichen, dass tausende ministerielle Arbeitspl\u00e4tze in Bonn verblieben sind (was Teil des Deals ist!), wurde f\u00fcr Bonn der Begriff &#8222;Bundesstadt&#8220; erfunden. Die meisten finden den etwas lustig und k\u00f6nnen sich nichts weiter darunter vorstellen, irgendwie scheint das was mit der guten alten Zeit zu tun zu haben. Dem ist aber nicht so. Es geht hier um Arbeitspl\u00e4tze, und zwar um ziemlich viele.<\/p>\n<p>Der Weggang der Regierung\u00a0war der erste Streich, der das\u00a0Bonner Selbstbewusstsein\u00a0hart getroffen hat.<\/p>\n<p>Um den Weggang zu kompensieren, hat man begonnen, Bonn als diplomatischen Umschlagplatz zu etablieren, die UN hat hier knapp 20 Einrichtungen angesiedelt, Teil der\u00a0Idee des Diplomaten-Bonn war auch der Bau des WCCB. Ein Riesenskandal, ein reiner Weltflop*), bei dem sich die SPD genauso wie alle anderen Parteien der lokalen Politik\u00a0wie die letzten Trottel haben \u00fcbert\u00f6lpeln lassen. Seitdem hat Bonn Angst davor, sowas\u00a0wie einer\u00a0Gro\u00dfmannssucht zu erliegen.<\/p>\n<p>Der WCCB-Skandal\u00a0war der zweite Streich, der das Bonner Selbstbewusstsein hart getroffen hat.<\/p>\n<p>Seitdem backen wir hier kleine Br\u00f6tchen. Die SPD hat mit voller Wucht die Verantwortung f\u00fcr den WCCB Skandal \u00fcbernehmen m\u00fcssen, was sich in Hetzartikeln \u00fcber B\u00e4rbel Dieckmann und in historisch miesen Kommunalwahlergebnissen Bahn gebrochen hat.<\/p>\n<p>Der Stadtrat agiert seit Jahren kleinm\u00fctig, Entscheidungen werden lieber nicht getroffen, als dass man sich noch einmal so \u00fcber den Tisch ziehen l\u00e4sst. Die kommunale Politik ist erstarrt, der Begriff vom &#8222;Mehltau auf der Bonner Politik&#8220; macht die Runde. Man beginnt, sich in Bonn mit dem Status der Provinzstadt abzufinden.<\/p>\n<p>Ein K\u00e4mmerer aus K\u00f6nigwinter, Ashok Alexander Sridharan, lag letzte Woche in einer Umfrage des Bonner Generalanzeigers vorne, einer, &#8222;der Verwaltung kann&#8220;, so sagen viele hier. In meine Ohren h\u00f6rt sich das nach &#8222;einer, der Bonn endg\u00fcltig zur Bedeutungslosigkeit abwickeln wird&#8220; an. Einer, der den Menschen sagt wie es ist: Bonn ist eine unbedeutende kleine Stadt am Rhein, die sich mal nicht so aufspielen soll. Ein h\u00fcbsches Rheinufer, ein paar japanische Touristen, die sowieso kommen, weil Beethoven hier geboren wurde, das ist Bonn, damit kann man ja auch zufrieden sein und alles andere ist Gro\u00dfmannssucht.<\/p>\n<p>Auf dem Unterbezirksparteitag der SPD am 18. April 2015 hat Peter Ruhenstroth-Bauer, frisch erkorener OB-Kandidat meiner Partei, eine Rede gehalten und bereits da gesagt: &#8222;Bonn kann mehr.&#8220; Er hat bereits da darauf hingewiesen, dass wir nicht nur UN-Standort sind, dass wir nicht nur drei DAX-Konzerne am Ort haben, dass wir nicht nur ein exzellenter Wissenschaftsstandort mit Uni und Caesar sind &#8211; er hat darauf hingewiesen, dass wir hier eine \u00fcberaus bemerkenswerte Stadtgesellschaft haben. Student*innen, Diplomat*innen, Leute bei Start-ups wie true fruits und Manager*innen bei Post, Telekom und Postbank**). Dass wir einen bemerkenswerten Mittelstand haben. Er hat darauf hingewiesen, dass &#8222;Bundesstadt&#8220; vielleicht\u00a0ein lustiges Wort ist, dass daran aber tausende ministerielle Arbeitspl\u00e4tze h\u00e4ngen. Und er hat darauf hingewiesen, dass an diesen tausenden ministeriellen Arbeitspl\u00e4tzen weitere tausende Arbeitspl\u00e4tze in Stiftungen und nachgelagerten Organisationen hier am Ort h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Und er hat etwas gesagt, was mir erst jetzt &#8211; ich Trottel! ich langsam denkender Mensch! &#8211; aufgeht: \u00a0Er hat darauf hingewiesen, was die Mischung aus solchen hochqualifizierten, hochambitionierten und hochmotivierten Menschen f\u00fcr ein Potenzial in sich tr\u00e4gt. Seit Monaten erz\u00e4hlt er davon, dass er die M\u00f6glichkeiten der Stadtgesellschaft einbeziehen will, dass er die Akteur*innen zusammenbringen will, damit Bonn sein Potenzial nicht l\u00e4nger verschenkt. Und ich habe es nicht kapiert, fast sechs Monate lang.<\/p>\n<p>Was er meint ist: Lasst uns der Stadt ihr Selbstbewusstsein zur\u00fcckgeben. Hier geht einiges. Hebt die K\u00f6pfe und seht Euch um &#8211; da stehen Partner*innen f\u00fcr wisschenschaftliche, \u00f6konomische und soziale Kooperationen\u00a0direkt neben Euch. H\u00f6rt auf, in Angst und falsch verstandener Demut Euer Potenzial zu verschenken***).<\/p>\n<p>Peter erz\u00e4hlt uns seit sechs Monaten etwas von &#8222;intelligentem Sparen&#8220;, was ich so erstmal gut finde. Was unsere politischen Gegner als Wischiwaschi abtun. Aber heute ist mir klargeworden, dass das, was Peter mit intelligentem Sparen meint, genau das ist: Gib Dein Potenzial nicht preis, Bonn! Nutze es!<\/p>\n<p>Es gibt keinen Grund, dass wir uns weiter &#8222;Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland&#8220; nennen sollten, denn das sind wir nicht. Es gibt aber gute Gr\u00fcnde, dass wir &#8222;Bundesstadt&#8220; nicht witzig, sondern ernst meinen. Es gibt gute Gr\u00fcnde, dass wir uns zugestehen, mehr zu sein als nur eine Provinzstadt am Rhein. Es gibt\u00a0keinen Grund, der Gro\u00dfmannssucht anheim zu fallen. Es gibt aber tausende &#8211; und wenn ich richtig informiert bin ca. 310.000 &#8211; Gr\u00fcnde, warum Bonn sich nicht in sein vermeintliches Schicksal ergeben sollte. Und ich glaube, dass Peter Ruhenstroth-Bauer uns dieses gesunde Selbstbewusstsein zur\u00fcck geben kann. Wenn er das bei mir geschafft hat, dann kann er das bei Euch auch. Und bei der Bonner Wirtschaft. Und bei der Bonner Wissenschaft. Und bei der Bonner Verwaltung. Und bei der Bonner Politik, fraktions\u00fcbergreifend****).<\/p>\n<p>Und das k\u00f6nnen Tom Schmidt und Ashok Alexander Sridharan nicht. Das kann nur Peter. Deswegen w\u00e4hle ich ihn (was ja das mindeste ist), aber das ist auch der Grund, warum ich Euch st\u00e4ndig mit seinen Fotos bei Twitter und Facebook belatschere. Ich bitte das zu entschuldigen und ich bitte darum, ihn zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<h4>Epilog<\/h4>\n<p>Anyway, zerlegt meinen Artikel, schreibt flammende Pamphlete f\u00fcr die anderen Kandidaten, oder folgt meinen \u00dcberlegungen blind &#8211; nur erz\u00e4hlt Euren Freund*innen und Bekannten von der Bonner Politik und geht the fuck morgen w\u00e4hlen! Und dann geht in eine Partei und gestaltet diese Demokratie mit (am besten nat\u00fcrlich in der\u00a0SPD).<\/p>\n<hr \/>\n<p>*) Inzwischen ist das WCCB \u00fcbrigens er\u00f6ffnet und ziemlich gut gebucht. An der erfolgreichen Fertigstellung haben ebenfalls alle Parteien mitgewirkt, auch und vor allem die SPD, ohne deren OBs B\u00e4rbel Dieckmann und J\u00fcrgen Nimptsch das Ding heute wahrscheinlich eine Bauruine mitten in der Stadt w\u00e4re.<\/p>\n<p>**) Wenn ich mir angucke, wie die Bonner Bev\u00f6lkerung\u00a0die\u00a0Spacken von BOGIDA bereits im Dezember 2014 vom Hof gebuht hat, so dass diese Bonn als einen der ersten Orte ihrer sog. Spazierg\u00e4nge aufgegeben haben und wenn ich mir angucke, wie hilfsbereit die Bonner*innen mit den Vertriebenen in den Bonner Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften umgehen, dann\u00a0ist mir ziemlich egal, wie gebildet die sind und wo die arbeiten. Dann ist das einfach ziemlich stark.<\/p>\n<p>***) Nun ist verschenken ja an sich ein positiv besetzter Begriff, was aber Teil des Problems ist: Bonn verschenkt sein Potenzial und glaubt, dass es damit richtig und positiv handelt. Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass Bonn sein Potenzial verschleudert, aber &#8222;verschleudern&#8220;\u00a0tr\u00e4fe nicht die Gef\u00fchlslage der Bonner*innen.<\/p>\n<p>****) Dass er fraktions\u00fcbergreifend Ziele erreichen\u00a0kann, hat er ja auch bereits in seiner T\u00e4tigkeit als Staatssekret\u00e4r bewiesen. Einer, der ein damals so undenkbares Konzept wie das des Elterngeldes mit ersinnt und auf den Weg bringt, so einer hat Erfahrung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Shice, erst jetzt, ein paar Stunden vor der OB-Wahl in Bonn, f\u00e4llt mir auf, warum ich Peter Ruhenstroth-Bauer so viel besser finde als die anderen beiden Kandidaten, da musste ich erst mit dem gesch\u00e4tzten Genossen Bj\u00f6rn Uhde auf Facebook ein bisschen \u00fcber die Wahl morgen sprechen. Und prompt f\u00e4llt es mir pl\u00f6tzlich wie Schuppen von&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1648\"><span class=\"screen-reader-text\">Bonn &#8211; Selbstbewusstsein vs. Schicksalsergebenheit<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57,30,14,19],"tags":[],"class_list":["post-1648","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bonn","category-partizipation","category-politik","category-spd","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1648","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1648"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1648\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1651,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1648\/revisions\/1651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}