{"id":1658,"date":"2015-09-25T10:48:26","date_gmt":"2015-09-25T08:48:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1658"},"modified":"2015-09-25T10:48:26","modified_gmt":"2015-09-25T08:48:26","slug":"zwischenmenschliche-schulden-abbauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1658","title":{"rendered":"Zwischenmenschliche Schulden abbauen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1659\" aria-describedby=\"caption-attachment-1659\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/kuliZeichnungBlume.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1659\" src=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/kuliZeichnungBlume.png\" alt=\"Diese Blume ist trotz ihrer offensichtlichen Unvollkommenheit sch\u00f6n.\" width=\"320\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/kuliZeichnungBlume.png 320w, https:\/\/www.loick.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/kuliZeichnungBlume-262x300.png 262w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1659\" class=\"wp-caption-text\">Diese Blume ist trotz ihrer offensichtlichen Unvollkommenheit sch\u00f6n.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Heute morgen hab ich gedacht: Wir schieben seit Jahrtausenden etwas vor uns her, was ich mal arbeitstitelhaft als\u00a0&#8222;zwischenmenschliche Schulden&#8220; bezeichnen will. Damit meine ich, dass wir im Umgang miteinander noch l\u00e4ngst nicht die Grenzen des Machbaren erreicht haben. Freundlichkeit ist eine willkommene, aber seltene Ausnahme vom Default Misstrauen. \u00dcber Jahrtausende haben wir uns angew\u00f6hnt, dass man besser immer erstmal vorsichtig sein muss, weil der\/die andere uns by default erstmal was wegnehmen will. Unsere Grundhaltung ist: Sei nicht blau\u00e4ugig, sei misstrauisch, selbst Schuld, wenn\u00a0Du blau\u00e4ugig und nicht misstrauisch bist. Misstrauen gebiert neues Misstrauen.<\/p>\n<p>Wir haben das nur \u00fcber die Jahrtausende ausgehalten, weil wir, wenn&#8217;s uns zu viel wurde, einfach weggehen konnten, in die H\u00f6hle, aufs Klo oder ins Bett.<\/p>\n<p>Jetzt werden wir immer vernetzter. Wir entkommen dem dauernden Misstrauen, den Shitstorms und Hetzereien immer seltener, das Internet kommt inzwischen mit aufs Klo und ins Bett und das stresst uns. &#8222;Dann mach doch Dein d\u00e4mliches Smartphone aus, Du Honk!&#8220;, sagt Ihr und das mache ich ja auch manchmal.<\/p>\n<p>Aber das ist ja wie weglaufen und durch Weglaufen erh\u00f6hen sich die Schulden. Wir haben es uns \u00fcber Jahrtausende geleistet, nicht in unsere Zwischenmenschlichkeit zu investieren. Durch Jahrhunderte des Mangels (an Nahrung, Wohnraum, Grundversorgung) entstanden, durch die Einfachheit\u00a0des Sich-Entziehen-K\u00f6nnens verfestigt, hat sich an der Grundhaltung &#8222;Misstrauen&#8220; nie substanziell etwas ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Jetzt erreichen wir ein Entwicklungsstadium auf technischer Ebene, dass uns vor die wichtigste\u00a0Aufgabe seit B\u00e4ndigung\u00a0des Feuers stellt: Toleranz nicht als &#8222;aushalten, bis ich zu Hause bin&#8220; misszuverstehen, sondern in unserem Inneren tolerant zu sein. Es wirklich ok finden, wenn jemand etwas anders macht als ich, nicht insgeheim die Augen rollen und der\/dem anderen innerlich den Vogel zeigen. Meine eigene Wertung als meine subjektive Wertung erkennen und nicht als objektives Faktum missverstehen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen ans Eingemachte. Digitale Vernetzung macht das nicht nur evident, sondern notwendig.\u00a0Die eiskalten Entscheidungen treffen Maschinen viel besser als unsere Manager*innen und Politiker*innen, Maschinen sind im &#8222;Tja! Kann man nichts machen!&#8220; sagen viel besser als Menschen.<\/p>\n<p>Es geht jetzt darum, dass wir uns um einander k\u00fcmmern. Es geht darum, dass wir den Maschinen sagen: &#8222;Kann man wohl was machen, weil wir Menschen sind und ihr nicht!&#8220; Ich klinge, als tanzte ich in Batikwallegew\u00e4ndern um ein Feuer, aber ich bin ganz ernst: die Ratio, seit Menschengedenken bejubelte F\u00e4higkeit Nummer eins unserer Gehirne, verliert an Bedeutung, weil Maschinen das besser k\u00f6nnen. Was Maschinen nicht k\u00f6nnen ist &#8222;Mach ich aber trotzdem anders, einfach weil ich den\/die andere*n\u00a0mag!&#8220; sagen. Weil ich mich gut f\u00fchle, wenn mein Gegen\u00fcber im Bus morgens nicht mehr grimmig schauen muss, weil der kleine Sohn ihm\/ihr ein Kompliment gemacht hat. Weil &#8222;sich gut f\u00fchlen&#8220; zu einem Wert\u00a0werden muss, der nicht l\u00e4nger als selbsts\u00fcchtig gelten darf, sondern als\u00a0Notwendigkeit begriffen werden muss. Weil &#8222;sich gut f\u00fchlen&#8220; nicht l\u00e4nger auf Kosten anderer entstehen darf, sondern im gemeinsamen Erleben.<\/p>\n<p>Wenn die Netzeffekte auf &#8222;sich shice f\u00fchlen&#8220; treffen, entstehen Shitstorms (was ja noch vergleichsweise leicht auszuhalten w\u00e4re) oder, viel\u00a0schlimmer,\u00a0Pogrome.\u00a0Wenn Netzeffekte auf &#8222;sich gut f\u00fchlen&#8220; und &#8222;sich gut f\u00fchlen wollen&#8220; treffen, stehen tausende an den Bahnh\u00f6fen und bringen Klopapier, Zahnpasta und Windeln.<\/p>\n<p>Sicher findet Ihr ganz viele Abers und GehtNichte. Ich bin nur ein Duscher und kein Denker, der sich dank seiner bullerb\u00fchaften Kindheit im Stroh von Rhade erlauben kann, die Menschen zu m\u00f6gen. Ich wei\u00df, dass ich in dieser Hinsicht privilegiert bin, und Privilegien beinhalten auch immer eine Pflicht.\u00a0Meine Pflicht ist, die Menschen zu m\u00f6gen und das kann ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen hab ich gedacht: Wir schieben seit Jahrtausenden etwas vor uns her, was ich mal arbeitstitelhaft als\u00a0&#8222;zwischenmenschliche Schulden&#8220; bezeichnen will. Damit meine ich, dass wir im Umgang miteinander noch l\u00e4ngst nicht die Grenzen des Machbaren erreicht haben. 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