{"id":1666,"date":"2015-10-13T15:32:56","date_gmt":"2015-10-13T13:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1666"},"modified":"2015-10-13T15:32:56","modified_gmt":"2015-10-13T13:32:56","slug":"politisch-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1666","title":{"rendered":"Politisch sein"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/studium\/uni-leben\/2015-10\/jugend-politisches-engagement-2015\" target=\"_blank\">Gerade lese ich diesen\u00a0Artikel hier bei der ZEIT Online<\/a> und komme ein wenig ins Denken. Da schreibt\u00a0Anne-Kathrin Gerstlauer Sachen wie:<\/p>\n<blockquote><p>Sahra, das Instagram-Girl, bloggt nicht mehr. Keine Zeit. Seit Wochen l\u00e4uft sie zum Lageso, dem Berliner Amt vor dem Fl\u00fcchtlinge campieren und kollabieren. Hier helfen Studenten, Berufst\u00e4tige und Rentner, die Zust\u00e4nde ein bisschen ertr\u00e4glicher zu machen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das soll ein Beispiel daf\u00fcr sein, wie politisch Sahra ist. Aber meiner Meinung nach ist das erstmal soziales Engagement, was ich hochanst\u00e4ndig und v\u00f6llig super finde &#8211; was aber dennoch kein Nachweis politischen, sondern eben sozialen Engagements\u00a0darstellt. Dass das Lageso so \u00fcberfordert ist, ist Folge einer Politik, die nicht auf die vielen Fl\u00fcchtlinge eingestellt ist. Politisches Engagement hie\u00dfe, die Verh\u00e4ltnisse im Lageso so zu ver\u00e4ndern, dass es allen Anforderungen gerecht wird und eben kein soziales Engagement aus der Bev\u00f6lkerung mehr n\u00f6tig w\u00e4re. Beim politisch sein geht es darum, Positionen einzunehmen und &#8211; das ist der entscheidende Teil &#8211; diese auch umzusetzen, f\u00fcr alle, strukturell und nicht nur punktuell. Es geht bei Politik darum Prozesse zu etablieren, die mit Herausforderungen so umgehen k\u00f6nnen, dass niemand \u00fcberfordert sein muss.<\/p>\n<p>Nein, ich l\u00e4chle keineswegs m\u00fcde \u00fcber dieses soziale Engagement, im Gegenteil glaube ich, dass es erstens fantastisch ist, wie viele sich dort einbringen und ich finde es ganz wichtig, dass man jede*n eizelne*n daf\u00fcr lobt und mit Anerkennung \u00fcberh\u00e4uft.<\/p>\n<p>Was mich aber nervt, ist dass auch in diesem Text Parteien als etwas Anr\u00fcchiges dargestellt werden, als w\u00e4ren demokratische Parteien sowas wie Scientology oder schlimmeres. Das Gegenteil ist richtig, Parteien sind etwas hochanst\u00e4ndiges, da lassen sich Menschen daf\u00fcr beschimpfen und machen unverdrossen dennoch elementare Arbeit, die unser aller Zusammenleben erst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<blockquote><p>\u00dcbrigens helfen wir nicht nur. Wir denken auch. Wir werden unbequeme Fragen stellen: Warum d\u00fcrfen die Fl\u00fcchtlinge an meiner Uni nicht studieren? Wo k\u00f6nnen wir sparen, um das zu finanzieren? Wieso schicken wir Waffen in L\u00e4nder, aus denen Menschen fliehen?<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch hier glaube ich, dass sich was \u00e4ndern muss.\u00a0Es reicht nicht, sich diese wichtigen Dinge zu denken und zu w\u00fcnschen. Es reicht nicht, sich diese Fragen nur zu stellen, sondern man muss Antworten darauf finden. Es gibt immer ganz viele verschiedene Antworten auf solche\u00a0Fragen. Man muss sich pers\u00f6nlich f\u00fcr eine entscheiden, also Position beziehen. Das ist mitunter unangenehm, weil jede Position immer angreifbar ist. Immer, oft auch unter der G\u00fcrtellinie. F\u00fcr\u00a0Schiedsrichter und die Presse ist es elementar wichtig, ausgewogen und neutral zu sein, bei\u00a0B\u00fcrger*innen mit Wahlrecht f\u00fchrt\u00a0Indifferenz fast immer in die Politikverdrossenheit. Man muss sich trauen, \u00f6ffentlich zu sagen, dass Sigmar Gabriel in der Sache A recht hat und in der Sache B ganz und gar nicht.<\/p>\n<p>Und wenn man sich endlich zu seiner Antwort, zu seiner Position durchgerungen hat, was an sich schon schwer genug ist, dann darf man nicht aufh\u00f6ren, dann geht das politisch sein ja erst richtig los: Mehrheiten bilden. Die Position durchsetzen. Verlieren, verlieren, ausgelacht werden. Aufstehen und mehr Leute f\u00fcr die Position finden. Kompromisse eingehen, die eigene Position st\u00e4ndig hinterfragen, neue Mehrheiten bilden. Es reicht nicht, sich etwas zu w\u00fcnschen. Wenn man sich nur etwas w\u00fcnscht, endet man wie die Piraten: Tolle Ideen, keine Mehrheit, nichts umgesetzt. Einzig Julia Reda arbeitet unverdrossen immer weiter, das ist politische Arbeit und das ist hochanst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Heike Raab hat uns bei D64 den aktuellen Stand zum JMStV vorgestellt. Wir konnten nicht anders, als das Ergebnis heftig zu kritisieren und in G\u00e4nze abzulehnen. Dennoch musste ich Heike nach ihrem Vortrag f\u00fcr all ihre Schweinearbeit danken, seit 5 Jahren rei\u00dft sie sich s\u00e4mtliche Beine f\u00fcr diesen verkackten Vertrag aus und kriegt von uns nichts als Kritik zu h\u00f6ren. Sie arbeitet trotzdem daran weiter, sie hat eine andere Position und versucht sie durchzusetzen. Ich finde diesen Einsatz hochanst\u00e4ndig, genauso wie ich den Einsatz derer hochanst\u00e4ndig finde, die diesen Vertrag aus guten Gr\u00fcnden kippen wollen. Das ist politische Arbeit, und daf\u00fcr erntet man nichts als Hohn, Spott und Verachtung und das kotzt mich an.<\/p>\n<p>Der &#8222;Student aus Bonn, der \u00fcber Nacht einen Eilantrag ans Bundesverfassungsgericht gegen das Versammlungsverbot in Heidenau schrieb&#8220; ist ein Parteigenosse von mir. Der ist v\u00f6llig politisch engagiert, mit Partei und allem Zipp und Zapp und ich habe nicht den Eindruck, dass er sich dessen sch\u00e4mt. Ich zolle allen, die sich in demokratischen Parteien einbringen h\u00f6chsten Respekt und ich finde, das sollten ausser mir noch ein paar mehr tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade lese ich diesen\u00a0Artikel hier bei der ZEIT Online und komme ein wenig ins Denken. Da schreibt\u00a0Anne-Kathrin Gerstlauer Sachen wie: Sahra, das Instagram-Girl, bloggt nicht mehr. Keine Zeit. Seit Wochen l\u00e4uft sie zum Lageso, dem Berliner Amt vor dem Fl\u00fcchtlinge campieren und kollabieren. 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