{"id":1839,"date":"2016-11-09T22:14:30","date_gmt":"2016-11-09T21:14:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1839"},"modified":"2016-11-09T22:18:24","modified_gmt":"2016-11-09T21:18:24","slug":"joviales-weltretten-aber-mit-niveau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1839","title":{"rendered":"Joviales Weltretten, aber mit Niveau!"},"content":{"rendered":"<p>Ich hab eigentlich gar keine Lust, irgendwas zu schreiben zu Donald Trump. Und eigentlich auch keine Lust was \u00fcber die politische Linke. Was habe ich 2013 im Wahlkampf f\u00fcr Peer Steinbr\u00fcck noch &#8222;Inhalte! Inhalte!&#8220; gerufen. Aber Inhalte machen\u00a0gef\u00fchlt &#8211; Stand heute &#8211; nur noch 15% dessen aus, was Menschen dazu bringt, jemand die Stimme zu geben. Abermals steht die politische Linke als Verliererin da.\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/Pausanias\/status\/796256277768835072\">Ich trage heute schon den ganzen Tag den Gedanken mit mir rum, dass es vielleicht an drei Dingen gelegen haben k\u00f6nnte: Mangelnde Geschlossenheit des linken Lagers, Sprache und Habitus<\/a>.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">&quot;Postfaktisch!&quot; erschallt es allenthalben, derweil w\u00e4hlen die Leute den, der ihre Worte benutzt. Die m\u00fcssen sie nicht googeln.<\/p>\n<p>&mdash; Maxim Loick (@Pausanias) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Pausanias\/status\/796259247541592064?ref_src=twsrc%5Etfw\">November 9, 2016<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Wahrscheinlich l\u00e4sst sich das nicht ohne weiteres auf Amerika \u00fcbertragen, ich nehme das unheilvolle Ergebnis der Wahl also eher als Anlass, ich sehe mich nicht imstande, das Ergebnis zu analysieren, dazu habe ich zu wenig Ahnung von den amerikanischen Verh\u00e4ltnissen. Ich meine lediglich, ein paar Beobachtungen in meiner gr\u00f6\u00dftenteils deutsch gepr\u00e4gten TL gemacht zu haben.<\/p>\n<h2>Mangelnde Geschlossenheit<\/h2>\n<p>Da hat der famose <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mathiasrichel\">@mathiasrichel<\/a> bei Facebook die Frage gestellt &#8222;<a href=\"http:\/\/K\u00f6nnt ihr mir noch einmal sagen, wen die Amerikaner jetzt w\u00e4hlen sollen?\">K\u00f6nnt ihr mir noch einmal sagen, wen die Amerikaner jetzt w\u00e4hlen sollen?<\/a>&#8220; &#8211; und da wir uns ja im lustigen Internet befinden einerseits und weil wir im Internet ja immer was besser wissen andererseits, haben sich dort gerade drei\u00a0(einer davon ich) hinter Hillary Clinton gestellt. Nat\u00fcrlich haben die meisten das irgendwie lustig gemeint. Aber weil jede*r auf Teufel komm raus etwas besonderes sein will in der Selbstdarstellungmaschinerie, tun nur die wenigsten was dringend n\u00f6tig w\u00e4re: Geschlossen stehen. Und wenn dann alles in die Gr\u00fctze geht, sind die wenigen Deppen Schuld, die ihr Gesicht hingehalten haben.<\/p>\n<h2>Sprache<\/h2>\n<p>Das linke politische Lager ist meiner Wahrnehmung nach zu viel Kopf und Superschlauness und viel zu wenig Bauch mit Pommesvokabular. Da gewinnt ein dicker Sack mit geerbten Millionen trotz \u00fcbelster sexistischer und rassistischer Ausf\u00e4lle die Wahl &#8211; und die politische Linke beschw\u00f6rt &#8222;postfaktische Zeiten&#8220;, f\u00fchrt tiefsch\u00fcrfende Analysen in feinstem Akademiker*innendeutsch ins Feld\u00a0und findet als einzige Erkl\u00e4rung, dass die Trump-W\u00e4hler*innen dumm sein m\u00fcssen. Aber statt &#8222;postfaktisch&#8220; zu googeln w\u00e4hlen die Leute dann lieber den, der &#8222;grab them by the pussy&#8220; sagt. Nicht unbedignt, weil sie sexuelle \u00dcbergriffe nun so toll f\u00e4nden, sondern weil da einer eine Sprache verwendet, die jede*r versteht. &#8222;Wie w\u00fcrdest Du das Problem XYZ angehen?&#8220; &#8211; &#8222;Wir m\u00fcssen da abw\u00e4gen, einerseits&#8230;&#8220; Sch\u00fcss, W\u00e4hler*in weg. Wenn ein Trump aber lospoltert\u00a0mit seinem Vokabular, dann bleiben sie dran. &#8222;Genau!&#8220; sagt der\/die eine oder andere vielleicht noch. K\u00f6nnen wir nicht auch richtige Sachen in einfacher, von mir aus polternder Sprache sagen? &#8222;Wenn da ein Fl\u00fcchtling kommt, dann ist das mein Freund, fertig aus! Im Urlaub waren die auch nett zu mir!&#8220; Ob der Gefl\u00fcchtete dabei aus Syrien kommt, ich aber in \u00c4gypten im Urlaub war, ist dabei v\u00f6llig unerheblich, quasi postfaktisch. So unglaublich es klingen mag, aber <a href=\"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=522\">#sp\u00fclerAusr\u00e4umenToDeath<\/a> ist immer noch n\u00f6tig, ich hatte mich eigentlich inzwischen l\u00e4ngst ein bisschen gesch\u00e4mt f\u00fcr den Artikel. Die \u00c4nderungen, die wir als Linke anstreben, m\u00fcssen klingen. Einfach, handlich, verst\u00e4ndlich. Das geht, ich bin mir da sicher.<\/p>\n<h2>Habitus<\/h2>\n<p>Schr\u00f6ders Brioni-Anzug war der Anfang, Heiko Maas als bestangezogener Mann des Jahres 2015 (oder so) die Fortsetzung und Hillary Clinton im Hosenanzug vor Glasfassaden von Banken das vorl\u00e4ufige Ende. Einerseits war es immer Ziel sozialdemokratischer Politik, Minderprivilegierten den Aufstieg zu erm\u00f6glichen und nicht wenige Sozialdemokrat*innen haben das tats\u00e4chlich geschafft. So weit so richtig. Aber schon F<a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/vorwaerts_oder_abwaerts_-franz_walter_12622.html\">ranz Walter hat die Probleme dieser Aufsteigergeneration beschrieben<\/a>: die, die zur\u00fcckbleiben, sind entsolidarisiert, stehen f\u00fcr einige Zeit unschl\u00fcssig herum und werden dann komisch, wenn\u00a0diese ekeligen AfD-Typen in ihren furchtbaren Neckermann-Anz\u00fcgen mit den noch viel billigeren Phrasen daherkommen. Wir m\u00fcssen unseren Habitus \u00e4ndern. Nicht nur von Nichtausgrenzung reden, sondern selbige auch zulassen. Helene Fischer spielen lassen, Pilsken heben. Hannelore Kraft mit ihrem heimeligen Ruhrdeutsch ist nicht von ungef\u00e4hr immer noch ziemlich beliebt bei W\u00e4hler*innen, eine mit dem Habitus von &#8222;uns&#8220; &#8211; und macht dazu noch die richtige Politik*). Der Habitus muss sein: Mir egal, wie ich wirke. Zuh\u00f6ren, Frage erfassen, antworten wie es nun mal aus mir rauskommt. Ungefiltert, ungesteuert, keine Taktik. Gespr\u00e4che f\u00fchren wie Fu\u00dfball in den 70ern gespielt wurde: Stoppe, loore, schee\u00dfe. Mein Gegen\u00fcber nicht intellektuell abzuh\u00e4ngen versuchen, sondern den Zugang \u00fcber Sprache und Habitus zu finden versuchen**).<\/p>\n<p>Wir brauchen eine nicht-intellektuelle Linke. Unsere Positionen d\u00fcrfen nicht wie unangenehme \u00dcbel daherkommen, die auszuhalten sind, um in unbestimmter Zukunft einen unbestimmten ideellen Gewinn zu verhei\u00dfen. Unsere Forderungen und Positionen m\u00fcssen sich jetzt und sofort gut anf\u00fchlen &#8211; und dann, wenn die Verhei\u00dfung eintritt, die Fr\u00fcchte liefern. Joviales Weltretten sozusagen, aber mit NIVEAU! Das sch\u00f6ne an den postfaktischen Zeiten ist ja, dass wir keine unserer Positionen aufgeben m\u00fcssen. Let&#8217;s nutz it!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*) Au\u00dfer bei Braunkohle jetz!<\/p>\n<p>**) Hihi, das ist ein schmaler Grat zwischen Authentizit\u00e4t und Anbiederung, das kann wirklich zu peinlichen Fehltritten f\u00fchren. Aber wie hei\u00dft es so sch\u00f6n? Sei einfach ganz Du selbst :)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab eigentlich gar keine Lust, irgendwas zu schreiben zu Donald Trump. Und eigentlich auch keine Lust was \u00fcber die politische Linke. Was habe ich 2013 im Wahlkampf f\u00fcr Peer Steinbr\u00fcck noch &#8222;Inhalte! Inhalte!&#8220; gerufen. 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