{"id":1996,"date":"2017-10-21T11:52:48","date_gmt":"2017-10-21T09:52:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1996"},"modified":"2017-10-21T11:52:48","modified_gmt":"2017-10-21T09:52:48","slug":"soulfood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1996","title":{"rendered":"Soulfood"},"content":{"rendered":"<blockquote class=\"instagram-media\" style=\"background: #FFF; border: 0; border-radius: 3px; box-shadow: 0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width: 658px; padding: 0; width: calc(100% - 2px);\" data-instgrm-version=\"7\">\n<div style=\"padding: 8px;\">\n<div style=\"background: #F8F8F8; line-height: 0; margin-top: 40px; padding: 50.0% 0; text-align: center; width: 100%;\"><\/div>\n<p style=\"color: #c9c8cd; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; line-height: 17px; margin-bottom: 0; margin-top: 8px; overflow: hidden; padding: 8px 0 7px; text-align: center; text-overflow: ellipsis; white-space: nowrap;\"><a style=\"color: #c9c8cd; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 17px; text-decoration: none;\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BMWzpNVADUm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein Beitrag geteilt von Maxim Loick (@pausanias09)<\/a> am <time style=\"font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; line-height: 17px;\" datetime=\"2016-11-03T17:27:32+00:00\">3. Nov 2016 um 10:27 Uhr<\/time><\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p><script async defer src=\"\/\/platform.instagram.com\/en_US\/embeds.js\"><\/script><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Bleib doch da, du&#8220;, sagte der kleine Tiger.<br \/>\n&#8222;Der B\u00e4r kann ja so gut kochen, dass wir vor Freude immer weinen m\u00fcssen, ist echt wahr.&#8220;<br \/>\nUnd der gl\u00fcckliche Maulwurf blieb.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich will ja nicht rumjammern, aber die letzten anderhalb Wochen waren ziemlich anstrengend und jetzt jammere ich halt doch ein bisschen, weil ich finde, <a href=\"https:\/\/editionf.com\/maennlichkeit-stereotype-neue-rollenbilder\">dass Fabian Hart recht hat und unm\u00e4nnliches Rumjammern Euer Bild von mir als eiskaltem Entscheider entscheidend erweitert<\/a>. Und wenn ich mit einem Zitat wie dem da oben von Janosch einleite, dann tue ich das als Feminist trotz meines Wissens \u00fcber die latente Frauenfeindlichkeit von Janoschs B\u00fcchern, weil ich in meinem Gejammer wie wahrscheinlich viele andere auch die Flucht in sch\u00f6ne Kindheitserinnerungen suche. Und nicht nur der kleine B\u00e4r und der kleine Tiger geh\u00f6ren zu meiner Kindheit, sondern vor allem auch viel Essen, gutes Essen mit vielen Menschen an einem Tisch.<\/p>\n<p>Herbstlich sieht es heute drau\u00dfen aus, bisschen grau, aber noch trocken, morgens stehen die Nebel schon \u00fcber den Wiesen und die gr\u00fcnen und blauen Vierradantriebburgen von John Deere und New Holland donnern mit gewaltigen Maiswagen hin und her, die Maish\u00e4cksler nehmen mindestens f\u00fcnf Reihen auf einmal und die Bauern auf den Treckern*) haben heute zum Gl\u00fcck weniger schadhafte Gebisse als die Helfer, die bei meinem Vater die Maschinen gelenkt haben. Wenn die Trecker \u00fcber unseren Hof rollten &#8211; mit den vollen Wagen hinten um den Kuhstall herum, dann entladen auf der Siloplatte hinter dem alten Schweinestall, und vorne neben der wei\u00dfen Scheune wieder hervokommend, um zur\u00fcck zum Acker zu fahren &#8211; dann durften wir den ganzen Tag nicht raus, weil meine Mutter f\u00fcrchtete, wir k\u00f6nnten unter die R\u00e4der geraten. Aber wir durften auf den Treckern mitfahren, da gab es sogar damals schon so kleine Notsitze f\u00fcr Kinder auf den Schutzblechen \u00fcber den Hinterr\u00e4dern. Diese Notsitze bestanden eigentlich nur aus einer gebogenen Metallstange, die als Lehne oder Gel\u00e4nder direkt auf das Schutzblech geschwei\u00dft war. So ein Trecker hat ja nun auch das Fahrwerk eines Treckers, so dass ich bei jedem Kiesel mit dem R\u00fccken volles Programm gegen diese Eisenstange geworfen wurde, bequem war das nicht gerade, aber toll. Ein Heidenl\u00e4rm. Auf dem Feld fuhr der Trecker mit dem gro\u00dfen Maiswagen so neben dem Maish\u00e4cksler her, dass der den geh\u00e4ckselten Mais \u00fcber diesen anscheinend zweihundert Meter hohen Arm direkt in den Wagen schleuderte, in einem nie versiegenden Strahl geh\u00e4ckselten Maises. Dieser Maisstrahl war so dick wie die Arme meines Vaters, der nicht nur die leichten Stroh- sondern auch die schwereren Heuballen mit der Gr\u00e4pe bis auf den Balken schmei\u00dfen konnte. Den ohrenbet\u00e4ubenden Krach des Maish\u00e4ckslers haben wir Kinder als ein Ger\u00e4usch versucht wieder zu geben, f\u00fcr das man in der Schriftsprache wohl am ehesten das schwedische\u00a0\u00c5 sehr laut und andauernd einsetzen muss. In Abgrenzung dazu war das Ger\u00e4usch der M\u00e4hdrescher bei der Getreideernte weniger offen und rhythmischer, unterlegt vom zisselnden Schnitzeln der Messerreihe. Ich schweife ab.<\/p>\n<p>So eine Maisernte dauert den ganzen Tag, fr\u00fcher, wir hatten ja nichts, nahm so ein Maish\u00e4cksler n\u00e4mlich nur drei Reihen auf einmal. Wenn es dann schon dunkel war, kamen alle die Helfer (und es waren nur M\u00e4nner) in unsere K\u00fcche und a\u00dfen die f\u00fcnfzig Liter Gulasch, die meine Oma gemacht hatte. Die Helfer hatten tats\u00e4chlich schadhafte Gebisse und sprachen rhoaschkes Platt, das sich im Detail vom Erler Platt signifikant unterscheidet, wie man mir sp\u00e4ter versichert hat. Die Themen waren die Maschinen und er matschige Untergrund auf den \u00c4ckern und dass bei H\u00fcls die Ernte vorgestern unterbrochen werden musste, weil der Maish\u00e4cksler im Morast stecken geblieben war. Kaputte Drainagen, die die Felder und Wiesen entw\u00e4ssern, waren, f\u00e4llt mir gerade ein, auch immer Thema. Der Krach am Tisch war meiner Erinnerung nach kaum geringer als auf dem Trecker und die M\u00e4nner haben meiner Erinnerung nach immer mit beiden H\u00e4nden gegessen und beim Reden eigentlich gar nicht gestikuliert, weil sie die ganze Zeit gegessen und gegessen haben, bis sie dann den letzten Teil der Ernte einfahren mussten und auf ihre Maschinen zur\u00fcckgekehrt sind. Ich habe diese M\u00e4nner nie in PKW gesehen, ich glaube, die bewegen sich bis heute ausschlie\u00dflich auf Maish\u00e4ckslern und Treckern fort. Die Verbindung aus gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen gutem Essen als Refugium ist mir geblieben.<\/p>\n<p>In der Szene in Ratatouille, in der der b\u00f6se Restaurantkritiker den ersten Bissen von Remys Ratatouille nimmt, f\u00e4hrt die Kindheitserinnung in ihn. Ich habe heute Lust, Eintopf zu kochen, ich wei\u00df noch nicht, welchen, aber er muss mit beiden H\u00e4nden zubereitet und mit beiden H\u00e4nden gegessen werden. Und ich will Bier und Schnaps dazu und viele laute Menschen und wir sprechen dann eine Sprache \u00fcber unsere Themen und erlauben uns ein wenig &#8222;wir&#8220; und loben uns gegenseitig f\u00fcr die Dinge, die wir gerne tun, denn Lob f\u00fcr Dinge, die wir gerne tun f\u00fchlt sich nach Liebe an, w\u00e4hrend Lob f\u00fcr Dinge, die wir nicht gerne tun, eben Lob bleibt und gerade einmal unser Haar streichelt statt mit dem riesigen L\u00f6ffel voll in unsere Eingeweide zu fahren.<\/p>\n<p>So war das in Rhade und so machen wir das, lasst alles stehen, ich r\u00e4ume das hinterher mit Vergn\u00fcgen in den Sp\u00fcler, wenn Ihr Euch nur auf die Oberarme haut und dabei johlt. Dann weine ich vor Freude und niemand muss super schlau sein oder entscheiden oder bedenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*) Ich sage so gerne Trecker, weil da das sch\u00f6ne plattdeutsche &#8222;trecken&#8220; f\u00fcr &#8222;ziehen&#8220; oder &#8222;schleppen&#8220; drin steckt &#8211; und m\u00f6chte der Pollykowskaja gleich &#8222;vertreck di!&#8220; an den Kopf werfen, wenn sie verbotenerweise ihre Nase auf den Tisch hebt. Dabei kann ich eigentlich gar kein Plattdeutsch, was sehr schade ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag geteilt von Maxim Loick (@pausanias09) am 3. Nov 2016 um 10:27 Uhr &#8222;Bleib doch da, du&#8220;, sagte der kleine Tiger. &#8222;Der B\u00e4r kann ja so gut kochen, dass wir vor Freude immer weinen m\u00fcssen, ist echt wahr.&#8220; Und der gl\u00fcckliche Maulwurf blieb. Ich will ja nicht rumjammern, aber die letzten anderhalb Wochen waren&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=1996\"><span class=\"screen-reader-text\">Soulfood<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26,53,60,52,36],"tags":[],"class_list":["post-1996","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-folklore","category-freundlichkeit","category-kochen-kueche","category-rhade","category-zusammenleben","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1996"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2000,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1996\/revisions\/2000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}