{"id":2071,"date":"2018-11-17T11:47:07","date_gmt":"2018-11-17T10:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=2071"},"modified":"2018-11-17T11:49:15","modified_gmt":"2018-11-17T10:49:15","slug":"automatisierte-korrekturen-an-der-realitaet-durch-menschliches-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=2071","title":{"rendered":"Automatisierte Korrekturen an der Realit\u00e4t durch menschliches Gehirn"},"content":{"rendered":"<p>St\u00e4ndig nimmt mein Gehirn Korrekturen an der Realit\u00e4t vor und ich bin nicht immer sicher, ob zum Besseren. Ein Ph\u00e4nomen, von dem ich annehme, dass es auch andere Menschen betreffen k\u00f6nnte*).<\/p>\n<p>Offensichtlich wird das an Songtexten. Ich meine mich zu erinnern, dass ich schon mal was dar\u00fcber gebloggt habe (hab aber jetzt keine Lust, das rauszusuchen), wie ich als Kind Abba und die Beatles geh\u00f6rt habe, ohne ein Wort von den Texten zu verstehen &#8211; und wie die Musik und die geheimnisvolle Sprache, die ich irgendwie nur auf der emotionalen Basis verstanden habe, etwas ganz besonderes in mir ausgel\u00f6st haben. Und wie das zunehmende Verstehen der Texte diesem Gef\u00fchl die Magie genommen hat. Am Ende ging&#8217;s um Liebe zwischen zwei Menschen oder sowas, was mir, verglichen mit dem damals magischen Empfinden, entt\u00e4uschend banal vorkam.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es quasi gut, dass ich Franz\u00f6sisch nicht so gut verstehe, so dass bei <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/track\/3eAIlbY8JnIHIt4D4K5bnC?si=KmmDzj1JTqyFD1UXujR9Fw\">einigen Songs von Zaz<\/a> zumindest eine ferne Erinnerung an das alte Abba- und Beatles-Gef\u00fchl auflebt. <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/track\/1EoZK72TANYTz2Ndv9ABXa?si=9_J3CLcETOWLHf9ckBPgSA\">Oder bei dieser (ich glaube) arabischen Version von &#8222;Aisha&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Aber auch bei Songs, deren Texte ich inzwischen kenne, gibt es ein paar hartn\u00e4ckige Ecken, in denen sich mein Gehirn weigert, die Realit\u00e4t gelten zu lassen, n\u00e4mlich an all den Stellen, an denen ich weiter falsch h\u00f6re. Axel Hacke hat ja mehrere Bestseller \u00fcber falsch geh\u00f6rte Songtexte geschrieben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/track\/7qT7r4gucyBbOKgFlAL78y?si=qCO6n8lfSSOUGB1J_BjrEw\">Marius M\u00fcller-Westernhagen singt in &#8222;Giselher&#8220;<\/a>: &#8222;Deinen Ring, den hab ich vergraben.&#8220; Was f\u00fcr eine Entt\u00e4uschung gegen\u00fcber dem von meinem Gehirn hartn\u00e4ckig weiter geh\u00f6rten &#8222;Deinen Ring, den hab ich verkauft&#8220;! Der ganze Song ist ja eigentlich ein f\u00fcr die damalige Zeit bemerkenswerter Regelbruch, dass Marius M\u00fcller-Westernhagen als MANN ein Liebeslied singt und am Ende ist der Besungene PETER! Inzwischen lockt das nat\u00fcrlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, aber als Jugendlicher fand ich das saucool. Und der perfekt da rein passende Regelbruch war f\u00fcr mich, dass er den Ring gegen alle Romantik verkauft hatte. Aber in Wirklichkeit hat er ihn &#8211; romantische Vollentt\u00e4uschung &#8211; vergraben. Meh.<\/p>\n<p>Und Mudhoney <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/track\/19pJP24i5fLjA0g0SByxtV?si=9zghVyEZQpGnROggXNA1Vw\">singen &#8222;Jesus take me to a higher place&#8220; in &#8222;In and out of grace&#8220;<\/a>. Und hartn\u00e4ckig, wenn mich der Song w\u00e4hrend M\u00fcdigkeit anspringt, muss ich &#8222;Jesus take me to a Heia place&#8220; verstehen. Ein bl\u00f6des, bewusst von mir hergestelltes Wortspiel, geht aber nie mehr weg. Das ist \u00fcbrigens ja ein Kniff, den man mutwillig ausweiten kann, wenn man will. &#8222;Parrot Ice City&#8220; oder wahlweise &#8222;Para Dice City&#8220; statt <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/track\/3YBZIN3rekqsKxbJc9FZko?si=ulpeDrtCQTqCtI6i0NyC8w\">&#8222;Paradise City&#8220;<\/a> (You&#8217;re doomed! Geht nie mehr weg! Harrharr!).<\/p>\n<p>Oder &#8222;Marcel&#8220; (hatte ich auch schon mal verbloggt, glaub ich). Wenn Ihr in allen Songstellen, die Euch einfallen, statt &#8222;myself&#8220; immer &#8222;Marcel&#8220; einsetzt: &#8222;All by Marcel&#8220;, &#8222;Me, Marcel and I&#8220;, &#8222;Dancing with Marcel&#8220; &#8211; und vor allem &#8222;I don&#8217;t know anybody else and when I think about you I touch Marcel&#8220;. Ich finde das sehr sehr witzig (aber vielleicht l\u00e4sst sich das nun wieder nicht auf Euch \u00fcbertragen).<\/p>\n<p>Ich bin nicht sicher, ob diese Korrekturen der Realit\u00e4t etwas Gutes sind. Aber nach dem ersten Schmerz, der durch die Erkenntnis hervorgerufen wird, dass die Realit\u00e4t eine andere, viel banalere ist, stellt sich eine weitere, wieder vers\u00f6hnende Erkenntnis ein: Das Bewusstsein dar\u00fcber, dass es zwei, oder vielmehr unendlich viele, Realtit\u00e4ten gibt. Und das ist wieder ganz sch\u00f6n, weil man je nach Bed\u00fcrfnis und Situation, eine Wahl hat.<\/p>\n<p>Am Montag geh ich auf das Mudhoney Konzert in Frankfurt (K\u00f6ln war schon ausverkauft). Ich mach da mal einen neuen Abgleich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*) Ab jetzt ohne, dass ich Bock darauf h\u00e4tte, den Gedanken sozialpolitisch voll auszuweiten, das kann ja vielleicht eine*r von Euch bei Gelegenheit mal weiterspinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St\u00e4ndig nimmt mein Gehirn Korrekturen an der Realit\u00e4t vor und ich bin nicht immer sicher, ob zum Besseren. Ein Ph\u00e4nomen, von dem ich annehme, dass es auch andere Menschen betreffen k\u00f6nnte*). Offensichtlich wird das an Songtexten. 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