{"id":31,"date":"2011-04-13T10:42:34","date_gmt":"2011-04-13T08:42:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=31"},"modified":"2011-05-23T14:03:02","modified_gmt":"2011-05-23T12:03:02","slug":"die-biofleisch-challenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=31","title":{"rendered":"Die Biofleisch-Challenge"},"content":{"rendered":"<h1>Biofleisch-Challenge, was soll das?<\/h1>\n<p>Seit Anfang Februar mache ich einen Versuch, den ich Biofleisch-Challenge nenne. Das bedeutet, dass ich nur noch Biofleisch kaufen m\u00f6chte. Das schlie\u00dft alle Eink\u00e4ufe in Superm\u00e4rkten und Gesch\u00e4ften und alle Restaurantbesuche ein. Ich sage hier &#8222;kaufen&#8220;, und nicht &#8222;essen&#8220;, weil es F\u00e4lle gibt, in denen ich auch weiterhin konventionelles Fleisch essen werde.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte durch die Biofleisch-Challenge am eigenen Leib erfahren, ob ich durch den Verzicht auf konventionell produziertes Fleisch miesepetrig werden muss oder ob eine Beschr\u00e4nkung auf Biofleisch auszuhalten ist.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte bewusster Fleisch essen und den Verzehr von Fleisch, das einem quasi untergejubelt wird, vermeiden. Muss ich zum Beispiel eine TK-Pizza mit Formvorderschinken essen, wenn ich genauso gut auch eine ohne Fleisch nehmen kann? Beim Verzehr \u00a0einer TK-Pizza ist es m. E. nicht entscheidend, ob dieser Schinken nun da drauf liegt oder nicht, denn eine TK-Pizza esse ich nicht, weil ich mir einen hohen kulinarischen Genuss verspreche, sondern weil ich schnell was im Bauch haben will, weil Fu\u00dfball gleich anf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Wenn umgekehrt jedoch jemand f\u00fcr mich kocht oder mich einl\u00e4dt, esse ich auch Nicht-Biofleisch. Was ist der Grund f\u00fcr dieses &#8222;Hintert\u00fcrchen&#8220;? Ich halte das gemeinsame genussvolle Essen f\u00fcr ein hohes Gut menschlicher Kultur und durch mahnende Fragen wie &#8222;Ist das auch Biofleisch, was Du da gekocht hast?&#8220; sehe ich solch ein Essen zu stark beeintr\u00e4chtigt. Ich m\u00f6chte schlie\u00dflich mit meinen Freunden eine sch\u00f6ne Zeit verbringen und sie nicht belehren oder zu irgendwas bekehren. Wenn sich jemand hinstellt und sich f\u00fcr mich M\u00fche macht, m\u00f6chte ich nicht daran herumm\u00e4klen. Bei dem, was f\u00fcr mich zubereitet wurde, ordentlich reinzuhauen ist f\u00fcr mich eine Geste an den Koch: Bei Dir f\u00fchle ich mich wohl.<\/p>\n<p>Wenn ein St\u00fcck Fleisch erstens hervorragend hergestellt wurde, indem das Tier vern\u00fcnftig gehalten und mit gutem Futter gef\u00fcttert wurde, wenn das Fleisch mit Hingabe zubereitet wurde und es hervorragend schmeckt, dann ist dieses Tier nicht umsonst gestorben. Auf der TK-Pizza schon.<\/p>\n<h1>Was ist daran die Challenge?<\/h1>\n<p>Die erste Frage, die ich mir gestellt habe: Wenn jemand so gern Fleisch mag wie ich, h\u00e4lt der das aus? Bekommt man nicht irgendwann so einen Hei\u00dfhunger auf einen dicken Burger oder ein Gyros Komplett, dass man alle guten Vors\u00e4tze fahren l\u00e4sst?<\/p>\n<p>Die zweite Frage: Ist Biofleisch nicht so teuer, dass man dar\u00fcber arm werden muss?<\/p>\n<p>Und die dritte Frage, die sich auch jedem Vegetarier stellt: Was isst man unterwegs? H\u00e4ufig ist die einzige Alternative eine Portion Pommes Mayo, weil an allem anderen irgendwo doch noch ein W\u00fcrfelchen Speck dran ist, der eben kein Biofleisch ist.<\/p>\n<p>Meine bisherigen Erfahrungen sehen so aus: Ja, man bekommt ab und zu einen unwiderstehlichen Hei\u00dfhunger auf Fleisch. Bisher habe ich das dadurch abgewendet, dass ich sabbernd zum Biometzger gelaufen bin und mir was gekauft und dann gebraten habe. Der erste Punkt ist also handlebar.<\/p>\n<p>Die Kosten daf\u00fcr sind tats\u00e4chlich signifikant h\u00f6her, beim Angrillen dieses Jahr habe ich &#8211; zumindest gef\u00fchlt &#8211; doppelt so viel gezahlt wie f\u00fcr das konventionell hergestellte Fleisch. Aber auch das h\u00e4lt sich im Rahmen, denn als Konsequenz esse ich nun weniger Fleisch, das aber dann umso bewusster und mit umso gr\u00f6\u00dferem Genuss.<\/p>\n<p>Einzig der dritte Aspekt macht mir derzeit sehr zu schaffen: Was essen, wenn man nicht zu Hause ist? Was essen, wenn man mit den Kollegen in der Mittagspause zu McDonald&#8217;s, in die Pommesbude oder zum Chinesen geht? Hier stellt sich die Challenge tats\u00e4chlich als Herausforderung dar, denn McDonald&#8217;s als Quasi-Vegetarier macht gar keinen Spa\u00df, das Angebot beschr\u00e4nkt sich auf den Veggie-Burger und Pommes &#8211; sogar an den Salaten ist fast immer irgendein Fleisch, von dem ich annehme, dass es konventionell hergestellt wurde.<\/p>\n<p>Oder die Pommesbude: Es bleibt fast nur die erw\u00e4hnte Pommes Mayo, alles andere ist Gyros, Wurst oder Geschnetzeltes. Sogar wenn man das vermeintliche Gl\u00fcck hat, dass es ein reichliches Gem\u00fcseangebot gibt, ist dieses h\u00e4ufig mit Speck oder Schinkenstreifen versetzt; an Bratkartoffeln ist immer Speck (was ja auch richtig ist, aber sollte halt Biospeck sein!)<\/p>\n<p>Beim Chinesen: Hier gibt es ein etwas gr\u00f6\u00dferes vegetarisches Angebot, meist auf der Basis von Tofu. Tofu nun wieder ist ja nicht so meins, kein eigener Geschmack, fragw\u00fcrdige Konsistenz. Aber es geht rein und bleibt auch drin. Fr\u00fchlingsrolle: H\u00fchnchen drin. Suppe: H\u00fchnchen drin. Was bleibt, sind die gebratenen Nudeln mit Gem\u00fcse und Ei.<\/p>\n<p>Ich halte derzeit noch tapfer durch, aber in der Tat ist dieser letzte Punkt derjenige, der mich am meisten herausfordert. Ich war sogar schon so weit, mich von den Kollegen einladen lassen zu wollen und durch mein Hintert\u00fcrchen zu gehen, aber es geht mir ja nicht darum, mich selbst zu betr\u00fcgen. Eine kleine Nebenanekdote dazu: Die Kollegen haben versprochen, sie w\u00fcrden es nicht meiner Frau sagen, wenn ich in der Pommesbude heimlich doch eine Currywurst \u00e4\u00dfe. Auf meinen verst\u00e4ndnislosen Blick erntete ich verst\u00e4ndnislose Blicke zur\u00fcck, offenbar werden Versuche, seine Gewohnheiten zu \u00e4ndern, immer als Wette mit der Partnerin oder dem Partner gestartet. Was mich nun wieder verst\u00e4ndnislos zur\u00fcckl\u00e4sst.<\/p>\n<h1>Zwischenergebnis des bisherigen Versuchs<\/h1>\n<p>Wenn man sich darauf reduziert, nur noch Biofleisch zu essen, isst man tats\u00e4chlich weniger Fleisch. Das liegt zum einen an den Kosten, die exorbitant h\u00f6her liegen als f\u00fcr konventionelles Fleisch (was ja keine neue Erkenntnis ist), zum anderen aber auch an der eingeschr\u00e4nkten Verf\u00fcgbarkeit von Biofleisch.<\/p>\n<p>Das Mittagessen mit den Kollegen schl\u00e4gt mir tats\u00e4chlich auf&#8217;s Gem\u00fct, weil nahezu das ganze Angebot von Fastfood und low-price Restaurants auf konventionell hergestelltem Fleisch basiert. In diesem Punkt muss ich die eingangs gestellte Frage, ob ich durch die Biofleisch Challenge miesepetrig werde, eindeutig bejahen. Das ist schlecht. Sehr schlecht. Und jetzt?<\/p>\n<h1>N\u00e4chste Schritte<\/h1>\n<p>Bevor ich die Challenge im dritten Punkt als gescheitert ansehe, gilt es, eine Alternative f\u00fcr mein Mittagessen bei der Arbeit zu finden &#8211; muss ich also tats\u00e4chlich von zu Hause mitgebrachtes in die Mikrowelle stellen? Das w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit. Hei\u00dft aber auch, dass ich vorkochen muss und mehr Planung erforderlicht ist. Werde das in den n\u00e4chsten Wochen mal testen.<\/p>\n<p>V\u00f6llig offen ist nat\u00fcrlich auch noch die Frage zu den Standards der Biofleischerzeugung. Im bisherigen Versuch habe ich mich darauf beschr\u00e4nkt, entweder beim lokalen Bio-Metzger oder Produkte mit Bio-Siegel zu kaufen, ohne mich nun im Detail mit den Standards der lokalen Biometzger genauer besch\u00e4ftigt zu haben oder die gekauften Bio-Siegel genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch das plane ich in den n\u00e4chsten Tagen einmal zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biofleisch-Challenge, was soll das? Seit Anfang Februar mache ich einen Versuch, den ich Biofleisch-Challenge nenne. Das bedeutet, dass ich nur noch Biofleisch kaufen m\u00f6chte. Das schlie\u00dft alle Eink\u00e4ufe in Superm\u00e4rkten und Gesch\u00e4ften und alle Restaurantbesuche ein. 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