{"id":456,"date":"2012-02-25T23:49:02","date_gmt":"2012-02-25T22:49:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=456"},"modified":"2012-10-11T09:18:11","modified_gmt":"2012-10-11T07:18:11","slug":"uber-die-emotion-von-einem-eiskalten-entscheider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=456","title":{"rendered":"\u00dcber die Emotion (von einem eiskalten Entscheider)"},"content":{"rendered":"<p>Was ich nach sechsacht Jahrhunderten auf Twitter pl\u00f6tzlich feststelle: Es ist (unter anderem) die Emotion, die Twitter so gut macht. Da hauen die Leute raus, was ihnen \u00fcber die Leber gelaufen ist. Und das Gute an der Emotion scheint mir zu sein, dass sie unverstellt ist (weil sie kaum verstellbar ist) und daher dem Zwecke dienlich ist, die Identifikation mit den Gelesenen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Irgendwas passiert und eine schreibt was dazu. Rantet ab. Und schreibt danach weiteres dazu und wird friedlicher. Und \u00e4ndert vielleicht ihre Meinung nach drei Tagen. Und das ist der gleiche Prozess, den ich vielleicht selbst zu diesem Thema durchlaufe. Und das ganze ist nicht rational und nicht begr\u00fcndet, sondern es passiert einfach so. Und das macht es so nachvollziehbar und&#8230; menschlich.<\/p>\n<p>Man darf also nicht nur am Meinungsbildungsprozess anderer teilhaben, sondern man wird dar\u00fcber hinaus noch ihrer ganzen Menschlichkeit w\u00e4hrend dieses Prozesses gewahr, eben jener Menschlichkeit, die man f\u00fcr sich selber gern einfordern w\u00fcrde (es aber z. B. im Berufsleben nicht tut), eben jener Menschlichkeit, die einem erst eine gewisse Gewissheit gibt, weil sie emotional ist.<\/p>\n<p>Und st\u00e4ndig versuche ich, meine Emotionen nicht zu zeigen, sie zu unterdr\u00fccken oder mich zumindest nicht von ihr leiten zu lassen. Das ist v\u00f6llig ok so, aber welche Funktion hat die Emotion denn, wenn sie mir eigentlich nur l\u00e4stig ist? Sie k\u00f6nnte die Funktion haben, Glaubw\u00fcrdigkeit zu transportieren. Und &#8211; das glaube ich an meinen Kindern feststellen zu k\u00f6nnen &#8211; wichtiges von weniger wichtigem zu trennen. Wenn ich meinem Sohn sage, er soll nicht mit den Kartoffeln rumspielen, dann h\u00f6rt er das und vergisst es im n\u00e4chsten Moment. Wenn ich hingegen sehr emotional reagiere, weil er gerade an der Steckdose spielt, dann merkt er sich viel l\u00e4nger, dass es mir damit ziemlich ernst ist und dass da etwas dran ist, das \u00fcber die Meinung, den Kopf, seines Vaters hinausgeht. Etwas, was noch nicht mal sein Vater (der Held) unter Kontrolle hat. Etwas Wahrhaftiges.<\/p>\n<p>Emotion ist auch ein bisschen Zugeben von &#8222;Ich wei\u00df jetzt nicht mehr weiter&#8220;, das Eingest\u00e4ndnis, dass eine Grenze erreicht ist, hinter die man nicht mehr zu blicken vermag. Und dadurch, dass ich diese vermeintliche Schw\u00e4che zulasse, lasse ich eine Gleichstellung zu zwischen mir und meinem Gegen\u00fcber. Ich wei\u00df nicht, was <em>Du<\/em> wei\u00dft, aber <em>ich<\/em> wei\u00df nicht mehr weiter. Da liefert man sich pl\u00f6tzlich aus, und der, dem man sich (unfreiwillig) ausliefert, hat nun alle M\u00f6glichkeiten, damit umzugehen.<\/p>\n<p>Ach Leute, ich wei\u00df es doch auch nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ich nach sechsacht Jahrhunderten auf Twitter pl\u00f6tzlich feststelle: Es ist (unter anderem) die Emotion, die Twitter so gut macht. Da hauen die Leute raus, was ihnen \u00fcber die Leber gelaufen ist. 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