{"id":979,"date":"2013-08-02T21:50:17","date_gmt":"2013-08-02T19:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=979"},"modified":"2013-08-02T21:55:47","modified_gmt":"2013-08-02T19:55:47","slug":"humano-menetekel-im-auge-des-sturms","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=979","title":{"rendered":"Humano Menetekel im Auge des Sturms"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher, so sagt man, da waren Stra\u00dfenlaternen noch magisch, sie wurden mit Gas betrieben und leuchteten funzelig und waren aus gr\u00fcnem Metall und jungendstilisch verschn\u00f6rkelt, da ging man die Stra\u00dfe entlang, immer abwechselnd ein Baum in vollem Laub und eine dieser Laternen, M\u00e4nner ohne H\u00fcte waren suspekt und es wurden Stelldicheins abgehalten zwischen gefallenen M\u00e4dchen und Gentlemen, die sich im schlimmsten Fall dem Vorwurf des Geckseins ausgesetzt sahen.<\/p>\n<p>Ich habe die Party verlassen, wir haben getrunken und gelacht, in der Stra\u00dfe steht noch immer die Hitze des Tages, in unserem Garten habe ich ein Feuer in einer Schale aus Gu\u00dfeisen entz\u00fcndet, es reichte mir bis zur Brust und ich wollte nackt hindurchspringen, aber ich lie\u00df dann mein Bier stehen und ging los, aus dem Hoftor, die Stra\u00dfe entlang. Hier stehen diese heutigen Stra\u00dfenlaternen, lang und gebogen, aus so grobem Zement oder Beton oder sowas, bucklig halten sie diese riesigen Neonr\u00f6hren f\u00fcnf Meter \u00fcber der Fahrbahn. Ich denke noch, wie unmagisch, da sehe ich dort oben auf dieser buckliggebeugten gro\u00dfen Stra\u00dfenlaternen jemanden sitzen. Oder vielmehr liegt er b\u00e4uchlings auf die Laterne geschmiegt und scheint zu d\u00f6sen im Halbdunkel. Ich sehe ihn an und gehe n\u00e4her ran und sehe ihn an und &#8211; es ist Alice Cooper! Ich erwarte, dass er jetzt jeden Moment irgendeinen Indianerquatsch redet, wie damals in Wayne&#8217;s World, aber er d\u00f6st. Verwirrt gehe ich weiter und drehe mich noch einmal um. Aber er liegt da wie ein Kater auf einem HiFi-Regal und l\u00e4sst eine Pfote l\u00e4ssig herunterh\u00e4ngen. Als ich die n\u00e4chste Laterne passiere, schaue ich hinauf. Die Laterne ist frei. ich klettere hinauf. Ich habe etwas M\u00fche, in dieser H\u00f6he das Gleichgewicht zu halten, so eine Stange bietet nicht viel Halt. Ein wenig verkrampft klammere ich mich fest, unter mir die erleuchtete Stra\u00dfe. Ich sehe zu Alice Cooper r\u00fcber. Er grunzt ein wenig und scheint zu schlafen oder so. Wenn Alice Cooper auf eine Stra\u00dfenlaterne d\u00f6st, f\u00fcnf Meter \u00fcber einer sp\u00e4tsommerabendlichen menschenleeren Stra\u00dfe, und sitze auf der Laterne daneben, dann hat man keine Hemmungen mehr, einen Promi anzusprechen. Wir sind uns ja \u00e4hnliuch. &#8222;Hey, Alice! Was tust Du hier?&#8220; frage ich ihn. Er hebt seinen Kopf ein wenig. Und wurschtelt beh\u00e4big ein bisschen herum, sieht mich dann an und sagt: &#8222;Einsunendlich, zweiunendlich, dreiunendlich. Unendlichunendlich. Ist das nicht abgefahren?&#8220; Ich denke nach und will was sagen. Von der n\u00e4chsten Laterne h\u00f6re ich Gel\u00e4chter. Vorsichtig versuche ich in meiner Umklammerung des Betonpfahls den Blick zu wenden und strauchele dabei, ganz sch\u00f6n hoch, so eine moderne unmagische Laterne. Nach ein paar Sekunden unkoordinierten Greifens und Klammerns, Nichtloslassentrauens und dann doch Greifens kann ich hin\u00fcber sehen: Es ist Bruno Labbadia. &#8222;Der ist durch, der liegt hier nur noch rum und ist ganz Vitalfunktionen und sonst nichts mehr.&#8220; Bruno Labbadia? Ich dachte, der w\u00e4re gerade Trainer bei&#8230; &#8222;Na und?&#8220;, sagt er. &#8222;Ich bin Trainer. Darf ich deswegen nicht hier sein?&#8220; Ich denke, da stimmt doch was nicht. &#8222;Doch, alles in Ordnung&#8220;, sagt eine Stimme von einer weiteren Laterne. Sie ruft eher. Ich kann nicht erkennen, wer denn dort nun wieder sitzt. Ich versuche mich zu erinnern, ob mir die Stimme&#8230; &#8222;Du kennst meine Stimme nicht. Du kennst mich nur von Twitter.&#8220; Was zum &#8230;.? &#8222;Wir sitzen hier seit Jahrhunderten&#8220;, sagt die Stimme von Twitter. &#8222;Wir sitzen hier seit Jahrhunderten auf den Stra\u00dfenlaternen und ruhen uns aus. Wir reden mit Dir, schon immer, dahinten sitzt Helge und noch eins weiter Lothar Emmerich und Willy Brandt. Die haben sich ziemlich lange eine Laterne geteilt, keine Ahnung warum.&#8220; Der Twitterer&#8230; &#8222;Nenn mich nicht Der Twitterer, Du kennst mich.&#8220; Der Twitterer&#8230; &#8222;Orr!&#8220; &#8230; welcher Twitterer bist Du denn? &#8222;Ich bin <a href=\"https:\/\/twitter.com\/chilligonzales\" target=\"_blank\">@chilligonzales<\/a>&#8222;. Auf einer Stra\u00dfenlaterne? Sitzt Du auch so unbequem? &#8222;Es ist furchtbar, ich hab die ganze Zeit Angst, hinunterzufallen.&#8220; Wo sind denn die ganzen anderen, hier <a href=\"https:\/\/twitter.com\/pramesan\" target=\"_blank\">@pramesan<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/moellus\" target=\"_blank\">@moellus<\/a> und so? &#8222;Die sind heute nicht gekommen, hatten keinen Bock.&#8220;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht. &#8222;Ich auch nicht&#8220;, sagt <a href=\"https:\/\/twitter.com\/chilligonzales\" target=\"_blank\">@chilligonzales<\/a>. Ich gehe dann mal zur\u00fcck zu der Party in meinem Garten. Das Feuer ist etwas kleiner geworden, mein angen\u00fclltes Bier ist warm. Ich reiche einigen G\u00e4sten ein paar frische Getr\u00e4nke. Ich bin Humano Menetekel und ich finde das Leben sch\u00f6n. Ich bin Humano Menetekel und mir sagt das auch alles nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher, so sagt man, da waren Stra\u00dfenlaternen noch magisch, sie wurden mit Gas betrieben und leuchteten funzelig und waren aus gr\u00fcnem Metall und jungendstilisch verschn\u00f6rkelt, da ging man die Stra\u00dfe entlang, immer abwechselnd ein Baum in vollem Laub und eine dieser Laternen, M\u00e4nner ohne H\u00fcte waren suspekt und es wurden Stelldicheins abgehalten zwischen gefallenen M\u00e4dchen&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.loick.de\/blog\/?p=979\"><span class=\"screen-reader-text\">Humano Menetekel im Auge des Sturms<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-979","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-humano-menetekel","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=979"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/979\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":982,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/979\/revisions\/982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.loick.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}