Lebt denn der alte Conny Cra-me-her noch, Cra-ha-mer noch?

Nun, da in der Stichwahl zur Bonner Oberbürgermeisterin (männliche Mitbewerberinnen sind selbstverständlich mitgemeint) Katja Dörner zur Wahl steht (und hoffentlich auch gewinnt), muss ich in Anlehnung an diese assoziativen Winkelzüge meines Gehirns, die ich bereits im November 2018 einmal zu beschreiben versucht habe, folgende Verkettung darlegen:

Katja Dörner –> Dixie Dörner (ehemaliger Ossi-Fußballer) –> Song „The night they drove old Dixie down“ –> die deutsche Adaption davon ist „Am Tag als Conny Cramer starb“ von Juliane Werding –> ZACK! Neuer Eintrag in den #ohrwurmCharts

Fahre ich also an einem Wahlplakat vorbei, Conny Cramer Ohrwurm. In ganz Bonn. Gile dabei übrigens, wie Frau Werding bei „zerbrach“ in „weil in mir eine Welt zerbrach“ so runtergeht mit der Stimme. <3

Hab heute gleichmal meinen D64-Ticker deswegen mit dieser Überschrift versehen.

Willst Du etwa alle aufnehmen?

TL; DR: Ja. Ohne wenn und aber. Organize! Be prepared!

Im Jahr 2015 waren die Grenzen offen wie seit eh und je. Im September oder so gab es dann sehr sehr viele Flüchtende und Angela Merkel hat gesagt, dass wir das schaffen. Das kleine Detail, wie, das hat sie nicht mitgeliefert, aber die Haltung war und ist immer noch richtig. Eine Million oder so kamen, es gab Trains of Hope und viele Menschen haben tonnenweise Hilfsgüter an den Bahnhöfen abgeladen. Ich fand: That’s the spirit! Aber die Freiwilligen wurden allein gelassen. Die großen leistungsfähigen Infrastrukturen, derer Aktivierung es politischen Willens bedarf, wurden nicht unter Strom gesetzt: Bundeswehr, Rotes Kreuz, von mir aus der Katastrophenschutz. Bei jedem mittelprächtigen Rheinhochwasser läuft das hier in der Rheinaustraße von Beuel aber sowas von wie geschmiert, da hat’s definierte Prozesse, vorbereitete Materiallager inkl. regelmäßiger Checks auf Vollständigkeit und Funktionalität. Sowas haben wir doch drauf, hier in Deutschland, in Mitteleuropa, wir halten Ressourcen vor für besondere Fälle – und wenn die eintreten, muss niemand lange überlegen, sondern nur die Hände dorthin tun, wo der Plan sagt. Ich bewundere sowas.

Als die sehr zahlreichen Flüchtenden dann da waren und als die ersten Arschlochstimmen aus der CSU Schließungen aller Art verlangt haben – Grenzen, Balkanroute – und Aufnahmelager und all diesen Shice, hat uns unser Bundestagsabgeordneter Uli Kelber Rede und Antwort gestanden. Ich hab ihn gefragt, was denn der Plan der Regierung sei, ob man denn Zeltstädte aufbauen würde oder überhaupt einen Plan und er konnte leider nichts anderes sagen als: Es gibt keinen Plan B. Es gibt nicht einmal einen Plan A. Das hat mich schockiert, damals im Jahr 2015.

Und heute, 2020? Machste die Timeline auf, Feuer allenthalben.  Man weiß schon gar nicht mehr: Ist das Moria? Die Taiga in Sibirien? Australien? Kalifornien oder der Regenwald? Das Eis an den Polen schmilzt, die Expert*innen sagen schockiert, dass leider ihre Worst-Case-Annahmen die aktuellen klimatischen Entwicklungen am besten getroffen haben. What do you think is going to happen? Werden sich die Leute auf buchstäblich verbrannter Erde einfach zum Sterben hinlegen oder werden sie ins mit plänenfürhochwasserinallendenkbareneskalationsstufenerprobte Rheinland kommen? Und können wir in diesem schönen Rheinland einfach sagen: „Nö! Sterbt!“ – das können wir nicht. Was zeichnet uns aus hier? Wir haben (noch) Zeit und Ressorucen. Wir müssen endlich die Pläne aufstellen, die ich mir schon 2015 gewünscht habe: Was ist zu tun wenn 1 Million, wenn 5 Millionen, wenn 15 Millionen nach Beuel kommen? Und ich meine das erstaunlicherweise weniger friedensbewegt und batikkumbajahisch als mir selber lieb ist (klaro, das auch!), ich verlange das tatsächlich aus vollkommen ökonomischen und ordnungspolitischen Gründen. Wir werden es uns nicht leisten können, unsere Energie und die Energie der Geflüchteten zu verschwenden, indem wir Mauern, Grenzen und künstliche Konflikte pflegen. Wir brauchen im Angesicht der klimatischen Umwälzungen alle Energie, um uns konstruktiv zu organisieren.

Now ein kurzer Blick into history: New York zum Beispiel. Millionenmetropole und Herzkammer der westlichen Welt. Selbst wenn die Biberfell-Trapper des 18. und 19. Jahrhunderts 24/7 durchgevögelt hätten, nie im fucking Leben hätten sie bis heute eine Stadt schaffen können wie New York. Da, wo’s richtig groß wird, wo Menschen was schaffen, da kommen ganz ganz viele verschiedene zusammen und machen was. Wie hat New York es zu dieser Bedeutung gebracht? Die haben alle aufgenommen. Einfach alle aufgenommen. Jetzt ist die Geschichte von New York alles andere als konflikt- und gewaltfrei. Aber der Kern ist: alle wurden aufgenommen und durften sich entfalten. Der American Dream (der, wie ich jüngst in einer arte-Doku lernen durfte, seine Wurzeln in Amsterdam hat, aber das müsst Ihr Euch selbst angucken…): Lasst die Leute kommen und lasst sie machen, was sie gut können.

„Willst Du etwa alle aufnehmen?!“, haben mich welche 2015 gefragt, auch aus meiner eigenen schönen Partei. Und ich ärgere mich, dass ich 2015 nur so ganz leise zu mir selbst gesagt habe: „Ja. Ich möchte alle aufnehmen.“ Und ich ärgere mich, dass „ja, ich möchte alle aufnehmen“ nur meine Meinung ist und nicht die meiner Partei. Ich ärgere mich, dass wir das natürlich schaffen würden – egal ob 1 Million, 5 Millionen oder 15 Millionen – aber niemand Pläne dafür schmiedet. Ich ärgere mich, dass das Schmieden solcher Pläne als linke Träumerei diskreditiert wird und dass die ökonomische, soziale und humane Notwendigkeit für genau diese Pläne beiseite gewischt wird. Die ganze Welt brennt literally, und wir schaffen das, aber keine*r macht sich an die Arbeit, das Wie zu definieren.

Deswegen sage ich jetzt hier und auf der Stelle: „NATÜRLICH WILL ICH ALLE AUFNEHMEN, DAS IST DAS GEBOT DER STUNDE UND NUR DIE COUNTRIES WERDEN SICH DURCHSETZEN, DIE ES DRAUF HABEN, ALLE AUFZUNEHMEN, IHR KONSERVATIVEN LOSER!“

Ich sitze im Garten des schönen großen Hauses, das wir seit Februar 2020 bezogen haben. Mein 10jähriges Kind sagt: „Ich finde, wir sollten Geflüchtete aufnehmen, aber ihr sagt, wir hätten keinen Platz, dabei haben wir Platz.“ Und mein 12jähriges Kind kommt in die Küche und macht das Licht aus (obwohl ich noch darin sitze), weil es Strom sparen will. Mein 12jähriges Kind ist Vegetarier, weil es Fleischkonsum den Klimawandel beschleunigt. Die haben Angst und ich kann sie ihnen nicht nehmen. Ich ärgere mich, weil diese großartige Fähigkeit der Menschheit – sich im Vorfeld der Katastrophe zu organisieren und sie damit zu meistern – an dem großen Manko der Menschheit – den Arsch erst hochzukriegen, wenn der eigene weiße Kiesweg vor dem Haus brennt – hängen bleibt. Wir sind doch Menschen, kea! Wir können alles!

Scrolling my Blogroll

Ich habe gerade meine Blogroll mal durchgeklickt. Das ist ein bisschen, wie nach 20 Jahren mit dem Zug mal wieder nach Rhade fahren. Einiges ist immer noch da, anderes ist weg. Es fühlt sich irgendwie nach der „guten alten Zeit“ an, nach der Vor-Trump-Zeit, und so eine Wehmütigkeit setzt ein, wie ich sie nur kenne, wenn Strohangeln über die Straßen wehen und die Mähdrescher längst weitergezogen sind.

Ein paar sind noch da und halten die Stellung, wie meine Schwester, die auf dem Hof in Rhade nach meiner Mutter sieht: @horax, @moellus. Andere sind verlassen. Ein paar kommen alle Jubeljahre mal nach Hause.

Und ich klinge wie ein Alternder, was ich wahrscheinlich bin und was zu sein ich ok finde: nur so klingen wollte ich eigentlich eher nicht. Schrecklich die, die sich auf „der guten alten Zeit“ ausruhen, nur weil es sich so gut anfühlt (and it does, deswegen schreibe ich das hier ja!), gerade so, als wäre irgendwas fertig, zu Ende oder hätte ein Stadium erreicht, das zu ändern etwas negatives wäre, *schüttel*!

Erstmal Pommesses.

trackleTalk – der menschliche Faktor

Gestern haben wir mit trackleTalk unser neuestes Produkt gelauncht: Mit trackleTalk können Frauen unseren Sensor erst einmal ausprobieren und sich in zwei Gesprächen mit unserer fabulösen Expertin Clara ganz konkret über ihren individuellen Zyklus unterhalten. Im ersten geht es um die Grundlagen des Zyklus und wie trackle die sichtbar macht. Dann kommt die Ausprobierphase, in der die Frauen ihren Zyklus mit trackle bestimmen. Im zweiten Gespräch danach gucken sich die Frauen zusammen mit Clara ihre konkreten Messungen und Auswertungen an – und erst dann entscheidet sich die Nutzerin, ob sie trackle weiter verwenden möchte.

Als Mitgründer von trackle muss ich an dieser Stelle mal sagen: trackleTalk ist für mich persönlich ein Hammer-Meilenstein!

Als Katrin und ich im Sommer 2018 die ersten Sensoren ausliefern konnten, da war trackle ein piekfeines, aber vor allem technisches Produkt: Hardware und Software abgestimmt auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in Sachen Zyklusbestimmung, TÜV geprüfte Produktionsprozesse, 100% biokompatibles Außenmaterial und maximale Datensicherheit. Im Startup-Sinne also ready to go, aber ich glaube, dass das gerade mal die Grundlagen sind, die jedes FemTech-Startup sowieso abdecken muss.

Erst durch die Einbeziehung der Menschen wird Technologie so richtig cool und genau das machen wir jetzt. Und vor allem machen wir das mit Clara und nicht etwa mit so einem Mansplaining-Besserwisser wie… äh… mir zum Beispiel. Die Frauen sprechen also mit einer Expertin, die sich nicht nur bestens mit der Physiologie und allen Aspekten der symptothermalen Methode auskennt, sondern vor allem ein unglaublich angenehmer Mensch ist.

Seit einem Jahr leitet Clara jetzt unseren Support und hat dort die meisten medizinisch-fachlichen Anfragen persönlich beantwortet und bei den Kolleg*innen eine Freundlichkeit und Verbindlichkeit etabliert, dass wir überwältigendes Feedback für unsere Supportqualität bekommen.

Und wo ich Mitgründer mir 2018 unsere piekfeine Technik angeguckt habe, da sehe ich heute, dass in jeder Beziehung der menschliche Faktor dazugekommen ist!

In der Technik: trackle ist nicht nur eine schöne Idee, sondern wird von tausenden Userinnen täglich verwendet. Wo 2018 noch eine leere Datenbank stand, finden sich heute über 130 Millionen Temperaturdaten, zigtausende Zyklen und Eisprünge und sogar das eine oder andere Wunschkind.

Im Team: Ganz zu Anfang sind wir mit allen Entwickler*innen erstmal zu Adelaide Dechow in die NFP-Beratung gegangen und haben allen Beteiligten nicht nur die Grundlagen der symptothermalen Methode draufgeschafft, sondern vor allem dafür gesorgt, dass bei allem was wir tun echte Menschen betroffen sind. Wir haben unser Team außerdem ganz bewusst an entscheidenden Stellen mit Frauen besetzt, weil es einen gewichtigen Unterschied macht, ob Frauen über Software, Marketing, Vertrieb und Kommunikation zu einem Frauenprodukt entscheiden oder eben Männer.

In der Kommunikation mit unseren Kund*innen: Als Katrin und ich vor der Geburt unserer Kinder angefangen haben, uns mit der symptothermalen Methode auseinanderzusetzen, habe ich erstmal gar nichts verstanden. Ok, erster Tag Menstruation ist der Zyklusbeginn, soviel hab ich damals so gerade noch zusammengebracht. Aber darüber hinaus? Ich wusste nichts, die Existenz von Zervixschleim war mir vollkommen unbekannt, biphasischer Verlauf? Nie gehört! Und es gab nur ein paar Bücher dazu, Frauenärztinnen hatten kaum Zeit, uns Fragen zur NFP zu beantworten. Wir hätten gern jemanden angerufen, aber wen? Heute haben wir Clara und trackleTalk

Und das ist es, was ich mit Hammer-Meilenstein meine. Wir machen hier eine ganze Menge mit Technik, aber vor allem machen wir das alles für Menschen.

Weltmenstruationstag

Heute ist der 28. Mai, das bedeutet: Es ist Weltmenstruationstag! Da will ich gleich mal den Garten schmücken gehen!

Was mir im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit im Zusammenhang mit der Menstruation aufgefallen ist: Es scheint wenig bekannt zu sein, was die Menstruation denn im Detail eigentlich ist. Meistens wird sie verkürzt auf „das ist halt die Monatsblutung“, was aber ignoriert, dass beileibe nicht jede Blutung eine Menstruation ist – und das ist ziemlich wichtig, zumindest, wenn man ein System betreibt, mit dem Nutzerinnen sicher ihren Zyklus bestimmen möchten.

Ich hole mal ein bisschen aus: Mit dem ersten Tag der Menstruation beginnt ein neuer Zyklus. Die NFP-Beraterin Adelaide Dechow, die wir immer fragen wenn wir mal ausnahmsweise was nicht selbst wissen (*räusper*), hat uns das ungefähr so verbildlicht: Wenn sich die Gebärmutter auf eine befruchtete Eizelle eingestellt hat, dann hat sie das „Kinderzimmer“ liebevoll hergerichet, damit sich die befruchtete Eizelle schön einnisten kann, sich wohlfühlt und gut entwickeln kann. Wenn die Eizelle dann aber gar nicht befruchtet ist, dann wird die ganze Einrichtung rausgeworfen, um Platz für die neue Einrichtung für die nächste Eizelle zu schaffen.

Grundsätzlich darf frau während dieser „Renovierung“ annehmen, dass die ersten fünf Tage eines neuen Zyklus unfruchtbar sind (da kommen noch ein paar Einschränkungen dazu, die ich aber jetzt hier mal der Einfachheit halber hinten anstellen möchte). Heißt also: Ah, Blutung, neuer Zyklus, unfruchtbar!

Was aber, wenn diese Blutung gar keine Menstruation ist? Es gibt nämlich durchaus (und zwar gar nicht so selten) Blutungen, die rund um den Eisprung stattfinden, die periovulatorischen Blutungen. In dieser Zyklusphase ist frau im Gegensatz zum Zyklusbeginn tierisch fruchtbar – und das bedeutet, dass eine Verwechslung von Menstruation mit periovulatorischer Blutung sehr äh… lebensentscheidend werden kann.

Woran erkennt frau also eine Menstruation? Die allgemeine Definition für den ersten Tag der Menstruation lautet:

Der erste Tag mit einer Blutung in gewohnter Stärke nach einem Eisprung.

Das ist ja einfach! Ich muss also nur wissen, dass ein Eisprung stattgefunden hat, dann auf die nächste Blutung warten, Menstruation, Feierabend. Bei trackle machen wir das daher so, dass wir, wenn die Nutzerin eine Blutung einträgt, checken, ob vorher ein Eisprung stattgefunden hat. Und Ihr ahnt, was kommt: Und was ist im ersten Zyklus? Da kann ich ja noch gar keinen vorhergehenden Eisprung nachgewiesen haben! Genau so ist es. Daher gibt unser System im ersten Zyklus auch keine Tage am Zyklusbeginn frei, sondern nimmt so lange potenzielle Fruchtbarkeit an, bis der erste Eisprung sicher gefunden ist. Das gleiche gilt, wenn in einem Zyklus mal kein Temperaturanstieg gefunden werden konnte, dann müssen wir für die nächste Blutung „potenziell fruchtbar“ annehmen.

Aber genug von diesen Details und meinem Gemansplaine, wer mehr dazu erfahren möchte, kann sich gern an Fr. Dechow oder unseren Support wenden.

Denn was ich eigentlich sagen wollte: Weltmenstruationstag! Hey! Party!

Früher™ hat mich allein das Wort Menstruation für mehrere Stunden außer Gefecht gesetzt, weil ich erstens kaum Wissen zu dem Thema hatte und weil die Menstruation zweitens gesellschaftlich noch stärker tabuisiert ist als Sex und Tod zusammen (blaue! Ersatzflüssigkeit in Bindenwerbung inklusive). Durch die Beschäftigung mit den physiologischen Abläufen und die positiven Verbildlichungen von Adelaide Dechow hat sich das bei mir sehr verändert.

Ich glaube, dass niemand so leicht aus gesellschaftlichen Prägungen ausbrechen kann, daher poste ich das hier so, wie das bei mir abgelaufen ist. Ich glaube, dass eine Forderung nach „unvoreingenommener Beschäftigung mit dem Thema“ etwas Erklärung benötigt. Niemand kann seine/ihre Voreingenommenheit einfach beiseite wischen, ich konnte das auch nicht. Aber man/frau kann sich trotz Voreingenommenheit mit dem Thema auseinandersetzen und siehe da: Die Voreingenommenheit wird zuerst von Albernheiten („Menstruation sind also Tapetenreste?!“) und dann, wenn frau/man sich mit den hormonellen und physiologischen Hintergründen auseinandergesetzt hat, durch Faszination und zum Schluss durch Normalität verdrängt. Atmen zum Beispiel ist für uns seit immer etwas banales, obwohl die Luft ganz tief in einer finsteren feuchten Lunge verharrte, dort allen möglichen Austauschen ausgesetzt war und dann ungefiltert einfach wieder rausgepustet wird. Klingt so gesehen ekelig. Ist aber ganz normal, einen Weltatemtag brauchen wir nicht, einen Weltmenstruationstag schon.

Das hier soll mein Beitrag zu seiner Abschaffung sein: Ja, es ist Blut und in Sachen Optik hat die Natur vielleicht die eine oder andere Rosenholzmaserung hervorgebracht, die einer Menstruationsblutung überlegen ist. Aber die Sicherheit, mit der ein Hormon auf das andere ausgeschüttet wird und mit der schließlich der Zyklus sommers wie winters nach klarem Muster abläuft, ist imho close to perfect. Wir sollten das ein bisschen mehr feiern und ein bisschen weniger auf Rosenholzmaserungen starren.

Wem wir unser Leben verdanken: Zervixschleim

Wisst Ihr eigentlich, dass wir alle unser Leben dem Zervixschleim verdanken? In Woody-Allen-Filmen and the like wird es ja immer so dargestellt, als würde das eine superüberlebenswillige und stärkste Spermium vor allen anderen Loser-Spermien ganz vorne weg sprinten, alle anderen hinter sich lassen, als erstes an der Eizelle ankommen und dann dort die Eizelle wie der Prinz die Prinzessin einfach im Sturm nehmen. Der alte Witz, beim Zuknoten des Kondoms zu sagen: „Wenn er da noch mal rauskommt, nennen wir ihn Rambo, ok?“

Ich habe mich berufsbedingt die letzten Jahre ein bisschen mit dem Thema befasst**). Es ist nicht so. Es ist ganz anders.

Spermien sind keine Superkämpfer oder Helden mit Messern und Stirnbändern, Spermien werden entweder hofiert oder gekillt, sie haben rein gar nichts darüber zu bestimmen, ob sie überleben oder gleich zugrunde gehen, denn das steuert der Zyklus der Frau*). In Phasen, in denen eine Schwangerschaft gerade echt nicht angesagt ist, machen’s Spermien innerhalb des weiblichen Körpers echt nicht allzu lange. Damit die „kleinen Kämpfer“ überhaupt eine Chance haben, gibt es rund um den Eisprung den Zervixschleim – eine Schande, dass es dafür kein hübscheres Wort gibt! Nur wenn genug Zervixschleim vorhanden ist, haben Spermien überhaupt eine Chance, lange genug zu überleben, um der gesprungenen Eizelle auch nur angesichtig zu werden. Wenn cycle says no, sind zum einen die Tore nach Baby-lon (haha!) verschlossen und zum anderen sorgt das leicht saure Milieu in der Vagina für ein ebenso effektives wie geräuschloses Massensterben (wenn Ihr mir gestattet, mal in dieser etwas albernen Bildsprache zu verweilen). When cycle says yes, sind die Tore wide open, es gibt Nektar und Ambrosia (also Zervixschleim) in Hülle und Fülle und hinterm Grenzübergang Z (also dem Muttermund) sind massig gut versorgte Parkplätze mit Picknickplätzen vorbereitet. Die „kleinen Kämpfer“ verhalten sich eher wie „kleine Camper“, machen es sich erstmal gemütlich und leben von Zervixschleim. Die, die zuerst an der Eizelle ankommen, suchen den Eingang (den es erstmal nicht gibt) und picken dabei die Hülle an. Irgendwann, wenn die Hülle brüchig genug geworden ist, kommt irgendso’n Griswold daher, der am Anfang vielleicht direkt hinter der Grenze erstmal Pause gemacht hat, und schafft es in die Eizelle – und zwar deswegen, weil die ganzen anderen Helden zu hunderten und tausenden die Vorarbeit geleistet haben.

Es ist ja nun nicht alles ein Vergleich, was hinkt, aber ich finde, dass diese Rambo-Erzählung viel stärker hinkt als meine. Und was ich eigentlich sagen will: Es ist ein fuckin‘ (haha!) Wunder und es ist wunderbar, wie der Zyklus das im Griff hat. Dass das Narrativ, das zumindest mir am präsentesten war, von männlichen Superstarspermien handelt statt von Ambrosia auf der Raststätte hinter dem Muttermund, ist Folge des selben Umstands, weshalb wir kein schöneres Wort für Zervixschleim haben. Und dieser Umstand ist ein patriarchalischer. Am Ende ist es der weibliche Zyklus, der über Leben und Tod bestimmt, und das ist tatsächlich ein Wunder.

*) Ich sage mal „Frau“, weil mein Vokabular noch nicht sattelfest ist, was Transmenschen und Nichtbinäre angeht. Ich bitte um Nachsicht, dass mein Kenntnisstand dazu noch unzureichend ist, ich vespreche, das zu verbessern!

**) Ich habe ja mit @frau_ratte 2015 die trackle GmbH gegründet und bin da jetzt Technischer Leiter und Qualitätsmanagementbeauftragter.

Eskabolation

Ich habe gerade Saskia und Norbert meine Stimme für den Parteivorsitz gegeben und das habe ich mit einer in dieser Tiefe seltenen Überzeugung getan.

Schon vor längerem hab ich gedacht: Warum bleibe ich in der SPD? Es gibt bessere Orte als die SPD 2019: die #GroKo fordert uns seit Jahren, andauernd müssen wir Kröten der Union schlucken, andauernd müssen wir uns den Vorwurf der „Machtgeilheit“ gefallen lassen, während die FDP lieber nicht als falsch regieren will. Völlig unbeeinträchtigt sind die Grünen davongekommen, seit der Schröder-Regierung haben sie nichts mehr machen müssen und für die Schröder-Regierung kassieren wir ja jeden Tag die Wirkungstreffer.

Aber ich bin geblieben (und bleibe weiterhin!), weil ich erstens total gile finde, dass an der Basis zumindest hier in Bonn hunderte Überzeugungstäter*innen in den OVen und im UB sind. Die gucken sich die Vorgänge mit den gleichen ungläubigen Blicken an und sagen: Das gibt’s doch alles nicht! Ich MUSS bleiben! Sonst ist ja alles verloren! Die sind wie ich. Zu denen gehöre ich irgendwie. Und um mir selbst Mut zuzusprechen habe ich überlegt: Warum bleibst Du? Wer ist es, die/der Dich in diesem wirklich anstrengenden Laden hält.

Und ich dachte: Uli Kelber. Klar. Der ist immer dabei. Und Saskia Esken. Weil sich ihre Positionen immer mit meinen gedeckt haben. Wegen ihrer Standhaftigkeit im für Sozis schwierigen Südwesten – und weil sie keiner Konfrontation aus dem Weg geht. Weil sie sich im Digitalen auskennt. Und im politischen Betrieb, aber so, dass sie sehr glaubhaft an den Stellen nachgibt, an denen sie es sich gemessen an dem, was sie durchsetzen will, leisten kann und an den Stellen unerbittlich ist, die zufälligerweise auch mir wichtig wären. Und weil sie es schafft, das nicht nur im politischen Betrieb durchzuhalten, sondern auch gegen alle Anwürfe bei Twitter, FB und dem ganzen unerbittlichen Netz.

Und ich dachte: Norbert Walter-Borjans, dieser alte weiße Mann mit den Steuer-CDs. Als wir in NRW die Landesregierung abgeben mussten, dachte ich: Um Sylvia Löhrmann (von den Grünen) und Ralf Jäger iss’t jetzt nicht so schade, aber Norbert hätte ich gern behalten. Der hat nicht nur diese Steuer-CDs gegen alle Widerstände gekauft, ausgewertet und damit die Steuerfahnder*innen von Wuppertal zu einer international gefürchteten Einheit gemacht, er hat auch gegen die Spacken der Union das Steuerhinterzieher*innen-Abkommen mit der Schweiz damals gestürzt. Und ich fand daran zwei Dinge total toll: Erstens, dass es um so eine elementare Sache wie Steuergerechtigkeit ging. Also nicht so ein – sorry, Netzgemeinde! – Nischenthema wie die Störerhaftung oder den Breitbandausbau, sondern um Cash, Kohle, Penunzen in Mengen, mit denen wir den Breitbandausbau und die digitale Bildung sehr schön finanzieren könnten. Zweitens, dass er sich damit nicht gegen den Unterbezirk Borna durchgesetzt hat, sondern gegen Geldkoffer-Schäuble und die gesamte emeffing Bankenlobby.

Ich dachte, Mitte 2019: Saskia und Norbert, die beiden, das wäre was! Aber ich träume ja bloß! Aber ich schrob am 27.08.2019 in dieses Twitter:

Und wenig später schrob mir die fabelhafte Saskia per DM, ich solle mal nur ganz kurz noch die Füße stillhalten und bissi in die TL gucken. Einen Tag später, am 28.08., steht in der Presse, dass die beide das echt machen!

Und über die langen Wochen der Vorstellungsveranstaltungen hab ich mir heimlich gewünscht, dass es zum Showdown zwischen Kampmann/Roth und Esken/Walter-Borjans kommen möge.

Leider ist es nicht ganz so cool gekommen. Aber meine Überzeugungen stehen. Meine Stimme ist abgegeben. Ich glaube, dass meine Beobachtung über mehrere Jahre mich nicht trügt und dass mit Saskia und Norbert ein Duo die Partei führen würde, die einerseits feste und überzeugende Standpunkte haben und zu halten im Stand sind und andererseits einen Habitus vertreten, der in der SPD mehrheitsfähig ist.

Ich bin gespannt.

 

 

Heartwarming Hennef

Heute war ich in Hennef. Caspar und Chris hatten mich eingeladen und gefragt, ob ich bei der offiziellen Eröffnung des von ihnen mit viel Einsatz und Liebe eingerichteten „Machwerks“ nicht ein paar Worte sagen wolle. Was für eine Ehre, natürlich wollte ich das sehr sehr gerne!

Ich komme also so nach Hennef und was sehe ich? Das „Machwerk“ liegt völlig zentral in der Fußgängerzone von Hennef, ebenerdig, mit großen Schaufenstern zu allen Seiten – und mein erster Gedanke ist: Wie gile! Endlich kommt die Digitalisierung da an, wo wir sie immer haben wollten: In der Mitte der Gesellschaft, in diesem Fall sogar im räumlichen Sinn! Wo früher die „Nerds“ in Garagen und Kellern mit ihren Fusselbärtchen und Pizzakartons abseits der breiten Bevölkerung unter ein wenig diabolisch anmutenden Bedingungen disruptive Ideen vor sich hin entwickelt haben, macht das „Machwerk“ in Hennef die Fenster auf und jede*r, der/die vorbeikommt, kann dabei zugucken, reinkommen, Fragen stellen, vielleicht etwas bleiben und weiter gucken – und vielleicht sogar selbst mitmachen. Ich will in Bonn bitte SO-FORT! so einen Maker*innen-Space in der Fußgängerzone!

Die Eröffnungsfeier ist nichts anderes als heartwarming. Zuerst spricht Klaus Pipke, der Bürgermeister von Hennef, und freut sich aufrichtig und glaubhaft, dass er diese Nummer hier auch wirklich richtig cool findet. Ich freue mich mit (dabei ist der in der CDU!) Danach spricht Mechthild Tillmann, die ehemalige Leiterin der VHS Rhein-Sieg. Sie hat literally an ihrem letzten Arbeitstag als Leiterin der VHS schnell noch den Vertrag mit dem „Machwerk“ unterzeichnet, der zumindest die finanzielle Grundlast des „Machwerks“ abfedert. In ihrer Rede strahlt sie eine derartig Freude über diese heutige Eröffnung aus, dass ich once again völlig heartwarmed bin. Fabelhafte Person!

Danach darf ich etwas sagen. Ich hoffe, ich habe einigermaßen klarmachen können, wie gile ich solche Initiativen wie das „Machwerk“ finde und einen wir großen Anteil solche Initiativen daran haben, Berührungsängste, irrationale Vorurteile gegenüber „den Algorithmen“ und finstere, diffuse dystopische Assoziationen abzubauen.

Nach mir spricht noch Sebastian Hartmann, immerhin Vorsitzender der NRW-SPD, hier aber in seiner Funktion als MdB für den Rhein-Sieg-Kreis. Erneut heartwarming, dass er meinen Faden aufnimmt und auch noch einmal darauf eingeht, dass die Zukunft nach wie vor von uns gestaltet wird und nicht von Robocops oder wildgewordenen, sich verselbstständigten künstlichen Intelligenzen.

Am Ende essen wir Kuchen und ich möchte Euch allen zurufen: Fahrt nach Hennef! Geht ins Machwerk! Helft ihnen! Spendet Geld!

Whaa!? Positiver SPD-Content!

Ihr habt’s sicher gemerkt, im Moment ist fröhlicher SPD-Content nicht gerade leicht zu kriegen (außer man heißt Johannes Kahrs), aber heute gibt’s einen wahren Dream-Come-True: @EskenSaskia und @NowaboFM kandidieren als Tandem für den SPD-Parteivorsitz und ich kann gar nicht euphorisch genug in Worte kleiden, wie super ich dieses Duo in dieser Funktion fände! Beide abgewichst genug, um den Politbetrieb so nehmen zu können, wie er nun mal ist. Beide mit Rückgrat und klaren Vorstellungen. Beide keine Karrierist*innen, sondern Sozis, wie man sie sonst nur noch in versprengten Ortsvereinen unten an der Basis trifft: Dieses „Ich will die Welt besser machen!“ mit dieser wirklich angenehmen Rudi-Völler-Attitüde: Wenn ich der Sache helfen kann, mach ich das halt gern. Und beide mit wirklich fundierten Fachkenntnissen auf ihren Lieblingsgebieten ausgestattet: Digitalisierung und (hört! hört!) Finanzpolitik! Beide erfahrene, aber unverbrauchte Gesichter. Zwei, die zumindest in meiner Wahrnehmung eben nicht das verhandeln, was machbar ist, sondern dafür kämpfen, kratzen, beißen, was zu tun geboten ist.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass ich den beiden 14 Stimmen geben kann. Oder besser noch 14.000. Oder 14 Mio.

25 Jahre Abi ’94

Gerade hat mich die Einladung zum 25. Jubiläum meines Abiturjahrgangs erreicht und ich fühle mich irgendwie an „Grenzgang“ von Stephan Thome erinnert. Was hat mich, was hat die anderen über die letzten 25 Jahre angetrieben, was haben wir gemacht, was haben wir nicht erreicht, was bleibt, wenn wir das nicht erreichte abziehen? Sind wir noch im Competition-Mode „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ oder sind wir inzwischen abgeklärter? Wissen wir inzwischen, dass solche vermeintlichen Indikatoren keine Aussage haben? Sind wir glücklich geworden seit 1994? Oder zumindest glücklicher, als wir es damals waren? Oder konnten wir das Glück, unser Glück, das wir damals kaum fassen konnten, irgendwie halten? Wo haben wir uns selbst verraten? Wo sind wir uns selbst treu geblieben? Warum haben unsere Haare die Farbe, die sie heute haben? Finden wir die gut? Haben wir überhaupt noch Haare (außer jetzt die um den Bauchnabel herum)?

Wir hatten diese Abi-Treffen seit 1994 alle fünf Jahre, wenn ich mich recht erinnere. Ich erinnere mich, dass es mich sehr getroffen hat, dass beim 5-jährigen Jubiläum mein Bio-Lehrer überhaupt keine Erinnerung mehr an mich hatte. „Loick? Nie gehört.“ Ein seltsame Erfahrung, weil ich normalerweise gewohnt war, dass diese, meine!, riesige Loick-Mischpoke eigentlich immer und überall einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Watch your privileges.

Eine andere Aussage, ich glaube beim 15jährigen oder so: „DU?! Du hast Kinder?! ZWEI?!!“ Ich scheine während meiner Schulzeit recht asexuell gewirkt zu haben.

Eine dritte Aussage, ich glaube vor 5 Jahren beim 20jährigen: „Ich habe eigentlich alles, was ich mir damals erträumt habe, einen Mann, Kinder, ein Haus. Und jetzt haben wir das Haus gerade wieder verkauft. Es war nicht das richtige. Also es war schon das richtige Haus, aber Haus war nicht das, was wir brauchten.“ Das fand ich sau cool.

Beim 20jährigen lief auch diese steinalte Musik. Pearl Jam, Nirvana, Chili Peppers und so. Und ich hab da gespürt, dass mir das nichts gibt, diese vergeblichen Versuche, das Gefühl von 1994 wieder herzustellen. Das klappt nicht. Wir kriegen auch das Sommermärchen von 2006 nicht noch mal hin. Wir haben uns verändert und das ist gut so. Wir müssen neue „das Gefühl vons“ entwickeln, das Gefühl von 2019 zum Beispiel. Sowas mit: Du siehst genau richtig aus, Pläte! Bauch, wie ok Du bist! Dreimal geschieden? Drei Kotztypen! Vielleicht. Zumindest ein bisschen, denke ich. Oder Fehler gemacht, klopf klopf auf die Schulter: Sei heute nicht traurig oder beschämt, wir haben zusammen den Gockel als Abilied gehört, Du siehst, es war schon mal schlimmer. Du siehst, es verändert sich. Gefühl von 2019: Wir wissen es nicht, und wir kommen vielleicht nicht klar. Oder wir kommen klar. Oder nur teilweise. Ach, sagen wir, an diesem Abend spannen wir 25-Jahresbögen. Davon gibt es im Leben insgesamt nur fünf (mit Glück :)). Unsere Ambitionen verringern sich nicht, wir drängeln sie nur nicht mehr so laut in den Vordergrund, weil es auf der A44 weniger Stau hat als auf der A46. Fahren wir drumrum.