Eskabolation

Ich habe gerade Saskia und Norbert meine Stimme für den Parteivorsitz gegeben und das habe ich mit einer in dieser Tiefe seltenen Überzeugung getan.

Schon vor längerem hab ich gedacht: Warum bleibe ich in der SPD? Es gibt bessere Orte als die SPD 2019: die #GroKo fordert uns seit Jahren, andauernd müssen wir Kröten der Union schlucken, andauernd müssen wir uns den Vorwurf der „Machtgeilheit“ gefallen lassen, während die FDP lieber nicht als falsch regieren will. Völlig unbeeinträchtigt sind die Grünen davongekommen, seit der Schröder-Regierung haben sie nichts mehr machen müssen und für die Schröder-Regierung kassieren wir ja jeden Tag die Wirkungstreffer.

Aber ich bin geblieben (und bleibe weiterhin!), weil ich erstens total gile finde, dass an der Basis zumindest hier in Bonn hunderte Überzeugungstäter*innen in den OVen und im UB sind. Die gucken sich die Vorgänge mit den gleichen ungläubigen Blicken an und sagen: Das gibt’s doch alles nicht! Ich MUSS bleiben! Sonst ist ja alles verloren! Die sind wie ich. Zu denen gehöre ich irgendwie. Und um mir selbst Mut zuzusprechen habe ich überlegt: Warum bleibst Du? Wer ist es, die/der Dich in diesem wirklich anstrengenden Laden hält.

Und ich dachte: Uli Kelber. Klar. Der ist immer dabei. Und Saskia Esken. Weil sich ihre Positionen immer mit meinen gedeckt haben. Wegen ihrer Standhaftigkeit im für Sozis schwierigen Südwesten – und weil sie keiner Konfrontation aus dem Weg geht. Weil sie sich im Digitalen auskennt. Und im politischen Betrieb, aber so, dass sie sehr glaubhaft an den Stellen nachgibt, an denen sie es sich gemessen an dem, was sie durchsetzen will, leisten kann und an den Stellen unerbittlich ist, die zufälligerweise auch mir wichtig wären. Und weil sie es schafft, das nicht nur im politischen Betrieb durchzuhalten, sondern auch gegen alle Anwürfe bei Twitter, FB und dem ganzen unerbittlichen Netz.

Und ich dachte: Norbert Walter-Borjans, dieser alte weiße Mann mit den Steuer-CDs. Als wir in NRW die Landesregierung abgeben mussten, dachte ich: Um Sylvia Löhrmann (von den Grünen) und Ralf Jäger iss’t jetzt nicht so schade, aber Norbert hätte ich gern behalten. Der hat nicht nur diese Steuer-CDs gegen alle Widerstände gekauft, ausgewertet und damit die Steuerfahnder*innen von Wuppertal zu einer international gefürchteten Einheit gemacht, er hat auch gegen die Spacken der Union das Steuerhinterzieher*innen-Abkommen mit der Schweiz damals gestürzt. Und ich fand daran zwei Dinge total toll: Erstens, dass es um so eine elementare Sache wie Steuergerechtigkeit ging. Also nicht so ein – sorry, Netzgemeinde! – Nischenthema wie die Störerhaftung oder den Breitbandausbau, sondern um Cash, Kohle, Penunzen in Mengen, mit denen wir den Breitbandausbau und die digitale Bildung sehr schön finanzieren könnten. Zweitens, dass er sich damit nicht gegen den Unterbezirk Borna durchgesetzt hat, sondern gegen Geldkoffer-Schäuble und die gesamte emeffing Bankenlobby.

Ich dachte, Mitte 2019: Saskia und Norbert, die beiden, das wäre was! Aber ich träume ja bloß! Aber ich schrob am 27.08.2019 in dieses Twitter:

Und wenig später schrob mir die fabelhafte Saskia per DM, ich solle mal nur ganz kurz noch die Füße stillhalten und bissi in die TL gucken. Einen Tag später, am 28.08., steht in der Presse, dass die beide das echt machen!

Und über die langen Wochen der Vorstellungsveranstaltungen hab ich mir heimlich gewünscht, dass es zum Showdown zwischen Kampmann/Roth und Esken/Walter-Borjans kommen möge.

Leider ist es nicht ganz so cool gekommen. Aber meine Überzeugungen stehen. Meine Stimme ist abgegeben. Ich glaube, dass meine Beobachtung über mehrere Jahre mich nicht trügt und dass mit Saskia und Norbert ein Duo die Partei führen würde, die einerseits feste und überzeugende Standpunkte haben und zu halten im Stand sind und andererseits einen Habitus vertreten, der in der SPD mehrheitsfähig ist.

Ich bin gespannt.

 

 

Heartwarming Hennef

Heute war ich in Hennef. Caspar und Chris hatten mich eingeladen und gefragt, ob ich bei der offiziellen Eröffnung des von ihnen mit viel Einsatz und Liebe eingerichteten „Machwerks“ nicht ein paar Worte sagen wolle. Was für eine Ehre, natürlich wollte ich das sehr sehr gerne!

Ich komme also so nach Hennef und was sehe ich? Das „Machwerk“ liegt völlig zentral in der Fußgängerzone von Hennef, ebenerdig, mit großen Schaufenstern zu allen Seiten – und mein erster Gedanke ist: Wie gile! Endlich kommt die Digitalisierung da an, wo wir sie immer haben wollten: In der Mitte der Gesellschaft, in diesem Fall sogar im räumlichen Sinn! Wo früher die „Nerds“ in Garagen und Kellern mit ihren Fusselbärtchen und Pizzakartons abseits der breiten Bevölkerung unter ein wenig diabolisch anmutenden Bedingungen disruptive Ideen vor sich hin entwickelt haben, macht das „Machwerk“ in Hennef die Fenster auf und jede*r, der/die vorbeikommt, kann dabei zugucken, reinkommen, Fragen stellen, vielleicht etwas bleiben und weiter gucken – und vielleicht sogar selbst mitmachen. Ich will in Bonn bitte SO-FORT! so einen Maker*innen-Space in der Fußgängerzone!

Die Eröffnungsfeier ist nichts anderes als heartwarming. Zuerst spricht Klaus Pipke, der Bürgermeister von Hennef, und freut sich aufrichtig und glaubhaft, dass er diese Nummer hier auch wirklich richtig cool findet. Ich freue mich mit (dabei ist der in der CDU!) Danach spricht Mechthild Tillmann, die ehemalige Leiterin der VHS Rhein-Sieg. Sie hat literally an ihrem letzten Arbeitstag als Leiterin der VHS schnell noch den Vertrag mit dem „Machwerk“ unterzeichnet, der zumindest die finanzielle Grundlast des „Machwerks“ abfedert. In ihrer Rede strahlt sie eine derartig Freude über diese heutige Eröffnung aus, dass ich once again völlig heartwarmed bin. Fabelhafte Person!

Danach darf ich etwas sagen. Ich hoffe, ich habe einigermaßen klarmachen können, wie gile ich solche Initiativen wie das „Machwerk“ finde und einen wir großen Anteil solche Initiativen daran haben, Berührungsängste, irrationale Vorurteile gegenüber „den Algorithmen“ und finstere, diffuse dystopische Assoziationen abzubauen.

Nach mir spricht noch Sebastian Hartmann, immerhin Vorsitzender der NRW-SPD, hier aber in seiner Funktion als MdB für den Rhein-Sieg-Kreis. Erneut heartwarming, dass er meinen Faden aufnimmt und auch noch einmal darauf eingeht, dass die Zukunft nach wie vor von uns gestaltet wird und nicht von Robocops oder wildgewordenen, sich verselbstständigten künstlichen Intelligenzen.

Am Ende essen wir Kuchen und ich möchte Euch allen zurufen: Fahrt nach Hennef! Geht ins Machwerk! Helft ihnen! Spendet Geld!

Whaa!? Positiver SPD-Content!

Ihr habt’s sicher gemerkt, im Moment ist fröhlicher SPD-Content nicht gerade leicht zu kriegen (außer man heißt Johannes Kahrs), aber heute gibt’s einen wahren Dream-Come-True: @EskenSaskia und @NowaboFM kandidieren als Tandem für den SPD-Parteivorsitz und ich kann gar nicht euphorisch genug in Worte kleiden, wie super ich dieses Duo in dieser Funktion fände! Beide abgewichst genug, um den Politbetrieb so nehmen zu können, wie er nun mal ist. Beide mit Rückgrat und klaren Vorstellungen. Beide keine Karrierist*innen, sondern Sozis, wie man sie sonst nur noch in versprengten Ortsvereinen unten an der Basis trifft: Dieses „Ich will die Welt besser machen!“ mit dieser wirklich angenehmen Rudi-Völler-Attitüde: Wenn ich der Sache helfen kann, mach ich das halt gern. Und beide mit wirklich fundierten Fachkenntnissen auf ihren Lieblingsgebieten ausgestattet: Digitalisierung und (hört! hört!) Finanzpolitik! Beide erfahrene, aber unverbrauchte Gesichter. Zwei, die zumindest in meiner Wahrnehmung eben nicht das verhandeln, was machbar ist, sondern dafür kämpfen, kratzen, beißen, was zu tun geboten ist.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass ich den beiden 14 Stimmen geben kann. Oder besser noch 14.000. Oder 14 Mio.

25 Jahre Abi ’94

Gerade hat mich die Einladung zum 25. Jubiläum meines Abiturjahrgangs erreicht und ich fühle mich irgendwie an „Grenzgang“ von Stephan Thome erinnert. Was hat mich, was hat die anderen über die letzten 25 Jahre angetrieben, was haben wir gemacht, was haben wir nicht erreicht, was bleibt, wenn wir das nicht erreichte abziehen? Sind wir noch im Competition-Mode „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ oder sind wir inzwischen abgeklärter? Wissen wir inzwischen, dass solche vermeintlichen Indikatoren keine Aussage haben? Sind wir glücklich geworden seit 1994? Oder zumindest glücklicher, als wir es damals waren? Oder konnten wir das Glück, unser Glück, das wir damals kaum fassen konnten, irgendwie halten? Wo haben wir uns selbst verraten? Wo sind wir uns selbst treu geblieben? Warum haben unsere Haare die Farbe, die sie heute haben? Finden wir die gut? Haben wir überhaupt noch Haare (außer jetzt die um den Bauchnabel herum)?

Wir hatten diese Abi-Treffen seit 1994 alle fünf Jahre, wenn ich mich recht erinnere. Ich erinnere mich, dass es mich sehr getroffen hat, dass beim 5-jährigen Jubiläum mein Bio-Lehrer überhaupt keine Erinnerung mehr an mich hatte. „Loick? Nie gehört.“ Ein seltsame Erfahrung, weil ich normalerweise gewohnt war, dass diese, meine!, riesige Loick-Mischpoke eigentlich immer und überall einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Watch your privileges.

Eine andere Aussage, ich glaube beim 15jährigen oder so: „DU?! Du hast Kinder?! ZWEI?!!“ Ich scheine während meiner Schulzeit recht asexuell gewirkt zu haben.

Eine dritte Aussage, ich glaube vor 5 Jahren beim 20jährigen: „Ich habe eigentlich alles, was ich mir damals erträumt habe, einen Mann, Kinder, ein Haus. Und jetzt haben wir das Haus gerade wieder verkauft. Es war nicht das richtige. Also es war schon das richtige Haus, aber Haus war nicht das, was wir brauchten.“ Das fand ich sau cool.

Beim 20jährigen lief auch diese steinalte Musik. Pearl Jam, Nirvana, Chili Peppers und so. Und ich hab da gespürt, dass mir das nichts gibt, diese vergeblichen Versuche, das Gefühl von 1994 wieder herzustellen. Das klappt nicht. Wir kriegen auch das Sommermärchen von 2006 nicht noch mal hin. Wir haben uns verändert und das ist gut so. Wir müssen neue „das Gefühl vons“ entwickeln, das Gefühl von 2019 zum Beispiel. Sowas mit: Du siehst genau richtig aus, Pläte! Bauch, wie ok Du bist! Dreimal geschieden? Drei Kotztypen! Vielleicht. Zumindest ein bisschen, denke ich. Oder Fehler gemacht, klopf klopf auf die Schulter: Sei heute nicht traurig oder beschämt, wir haben zusammen den Gockel als Abilied gehört, Du siehst, es war schon mal schlimmer. Du siehst, es verändert sich. Gefühl von 2019: Wir wissen es nicht, und wir kommen vielleicht nicht klar. Oder wir kommen klar. Oder nur teilweise. Ach, sagen wir, an diesem Abend spannen wir 25-Jahresbögen. Davon gibt es im Leben insgesamt nur fünf (mit Glück :)). Unsere Ambitionen verringern sich nicht, wir drängeln sie nur nicht mehr so laut in den Vordergrund, weil es auf der A44 weniger Stau hat als auf der A46. Fahren wir drumrum.

 

Ein Wunder, daily, aber geheim

Zu viel Arbeit. Zu fertig am Abend, um noch was mit Substanz ins Blog zu bringen. Dabei ist doch gerade die Hochzeit des Schreien-Wollens und Schreien-Müssens.

Wie soll denn zum Beispiel die Startup-Szene Vorreiterin und Speerspitze der Erneuerung durch Innovation werden, wenn sie wie kaum ein Gebiet von ciswhitemales beherrscht und abgeschottet wird? Da wird ein von Airbus gebautes sogenanntes Flugtaxi als der hice shice schlechthin aufgebauscht, Frank Thelen oder so ruft euphorisch, dass Deutschland endlich mal wieder Innovationsführerschaft übernommen habe. Dabei ist dieses Flugtaxi nichts weiter als ein shice Hubschrauber mit vier Rotoren. Elektrisch, höre ich. Wow. Ein CDU-Hoschi jubiliert, dass das Ding dadurch total viel leiser sei als ein normaler Hubschrauber. Really!? Wo die Lärmemission vor allem von den Rotorblättern stammt? Wo hat der denn noch überall den Knall und sonstiges nicht gehört?

Du stehst im Stau und bist sagenwirmal ein Superchecker aus der Startup-Szene. Klar kommen Dir die ganzen anderen Hoschis in ihren Autos irgendwie als nichtswürdige vor, die DIR IM WEG stehen. Wie gile wäre es, wenn ich mich einfach über diese ganzen menschlichen Hindernisse erheben und über ihre Köpfe hinwegfliegen könnte? HA! Ich bin ja Startup-Supermann! Ich erfinde Flugtaxis! Wie geil das wäre!

Bonn Innenstadt. Bürgersteige von 80cm Breite, der Rest für Autos reserviert. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hier überall zusätzlich noch Flugtaxis landen. Das mit den Zulassungsbestimmungen ist ja so ein Steckenpferd von deutschen Behörden, das wird sicher kein Problem, mit den Elektroscootern haben wir da ja auch eine schnelle unkomplizierte Lösung auf knapp 750 Seiten gefunden.

Flugtaxi – so eine dermaßen an den Bedarfen vorbeikonstruierte Shice als Innovation zu bezeichnen, da… muss ich so kotzandeutende Handbewegungen vor mich hingestikulieren. Aber das ist genau die hodengewogene Handschrift der Startup-Szene.


Meanwhile bei einem anderen Geschlecht, dem seit der Steinzeit nicht die Sichtbarkeit gewährt wird, die ihm eigentlich qua Bevölkerungsanteil zustünde: Jeden Monat läuft da seit Äonen ein Wunder ab.

„Gehirnanhangdrüse an Eierstock: Schicke fuffzehn Kilo FSH, mach mal bissi Eibläschen, ok?“

„Eierstock an Gehirnanhangdrüse: Eibläschen sind am wachsen!“

„Gehirnanhangdrüse an Eierstock: Allet klar, hab Eure Östrogenwerte im Blick!“

„Gebärmutterhöhle an alle: Ich mach mal neue Tapeten drauf, ok?“

„Gebärmutterhals an alle: Zervixschleim in full production! Ich mach getz auf! Geronimo!“

„Gehirnanhangdrüse an Eierstock: Righty right! Östrogen ist jetzt fabelhaft! Hier sind fuffzehn Kilo LH!“

„Eierstock an alle: LH ist angekommen, Ei springt!“

„Gehirnanhangdrüse an alle: Righty right! Progesteron in the making, haltet Euch alle bereit!“

„Gebärmutterhöhle an alle: Ich stell mal Möbel in’t Kinderzimmer, wa?“

„Gebärmutterhals an alle: Progesteron ist angekommen, ich mach dann wieder dicht, wa?“

[Alle warten gespannt. Dann…]

„Gebärmutterhöhle an alle: Ach Mist. Fehlalarm. Nicht befruchtetet Ei. Bin echt geknickt. Ich schmeiß den ganzen Driss jetzt raus!“ *menstruiert*

„Gehirnanhangdrüse an Eierstock: Mist. Hat nicht geklappt, egal. Ich schick mal fuffzehn Kilo FSH, wa?“


Die bluten jeden Monat? Und jeden Monat produzieren die was, was Zervixschleim genannt wird? Klingt ekelig. Direkt neben mir? Ich dachte, in Binden wird blaues Wasser gebunden?

Warum gibt es für den Zervixschleim nur ein Wort, das auf „-schleim“ endet? Hat die Wissenschaft da versagt? Warum wird Sperma nicht gemeinhin als Pimmelschleim bezeichnet? Investiere ich in Flugtaxis? Ich investiere in Flugtaxis! Damit ich das ganze Elend hinter mir lassen kann, den ganzen Schleim, diese widerwärtigen menschlichen Ausdünstungen, wozu habe ich denn schließlich so viel Kohle angehäuft, wenn ich die nicht genau dafür für mich arbeiten lasse?

Wirres vom Tage

  • Es war ja gerade Weltfrauentag, oder treffender: Frauenkampftag. Habe versucht, mich als ciswhitemale zurückzunehmen und stattdessen Frauen zu retweeten und ihnen durch mein Klappehalten den Raum zu vergrößern. Je länger ich Frauen bei Twitter zuhöre, desto leiser muss ich werden, auch ohne Frauenkampftag. In keiner Maschinerie habe ich so viel gelernt wie auf Twitter.
  • Apropos Weltfrauentag, in der TL hieß es: Stellt Frauen ein. Zahlt ihnen ordentliches Geld. Gebt ihnen Macht. Ich habe kurz unser Team bei @trackle_de angesehen: Wir sind tatsächlich 50:50 Frauen und Männer. Ich hoffe, wir sind auf einem guten Weg. Ich habe heute was gelesen von einer Französin, die in ich glaub 20 Startups oder so gearbeitet hat und dort immer nur max. 500 Euro/Monat bekommen hat. Wir zahlen besser. Zum Glück, denn das hätte mich in meiner Sozi-Ehre nicht nur gekränkt, sondern krank gemacht.
  • Ich weiß nicht genau, ob unsere Investor*innen das gile finden, aber ich bin sowieso gar nicht so vom Reichwerden getrieben, sondern mehr so vom „Wir müssen’s gile machen!“ Ich habe mal eine Roboterin des wohl weltweit bekanntesten Möbelkonzerns schwedischer Herkunft sprechen hören, die immer „The purpose beyond profit“ beschworen hat. Also sowas wie „Wir wollen Euch Kund*innen nur deswegen das Geld aus der Tasche ziehen, um damit einen höheren Zweck zu verfolgen.“ Ich finde das in dieser Form völlig verlogen. Da braucht nur eine*r um die Ecke zu kommen und mal zu fragen: Wie viel Steuern habt Ihr, SCHWEDISCHER MÖBELKONZERN!, zum Beispiel in den letzten Jahren in den Mitteleuropäischen Ländern bezahlt?
    Ich glaube aber, dass man mit „There’s profit beyond purpose“ tatsächlich einigermaßen moralisch vertretbar was reißen kann: Mach ein Produkt, dass wirklich was verbessert – und dann kriegste auch Kohle dafür. We’re on it with @trackle_de. Und was unsere Investor*innen angeht: Die wollen ja Gründer*innen, die brennen – und für sowas brenne ich voll. Also mehr für das „ich muss das gut und richtig machen“ als für das „jeden Cent aus der letzten Kundin, die schon vor zehn Jahren abgesprungen ist, noch rausholen“. Das betrifft übrigens auch ganz dringend alles, was unsere Mitarbeiter*innen angeht. Ich würde, nur um es solchen Dornige-Chancen-Luschis wie Christian Lindner zu zeigen, eigentlich gerne nur noch Schwangere einstellen. Überhaupt möchte ich nur noch mit Müttern zusammenarbeiten, das sind die besten. Kein Gehampel wegen persönlicher Befindlichkeiten, maximal effizient und maximal produktiv: They get shit done, weil sie um 16:00 Uhr am Kindergarten sein müssen, um die Tochter abzuholen. Außerdem setzen Mütter die Prioritäten richtig. Fertig werden, um Zeit für die Kinder zu haben. <3
  • Ach, kein Bock mehr über Arbeit zu schreiben. Die nimmt eh viel zu viel Zeit und Raum in Anspruch. Startup-Life ist nicht posh. Und eigentlich finde ich Arbeitnehmer*innen-Schutz-Errungenschaften wie Tarifverträge und sowas ganz gile.
  • Et @frau_ratte hat ja nicht nur den @trackle_de Konzern groß gemacht, sondern nebenbei auch noch bei uns den Flur gestrichen und dabei eine schadhafte Stelle mit Bauschaum ausgebessert. Meine Frau kann alles und ist wunderschön!
  • Habe mit den beiden Söhnen die ersten beiden Filme der „Hobbit“-Trilogie geguckt. Ideal, um am Sonntagmittag nochmal wegzupennen. Danach waren wir im Escape-Room in Endenich. Sehr cool, aber viel zu teuer. Aber das Foto, das die von uns gemacht haben, ist herzzerreißend!

#supportTweet

Menschen, die ich nur über Twitter kenne haben manchmal irgendwie Probleme oder es geht ihnen nicht gut oder so – und ich bin einerseits zu nah dran, als dass ich das einfach ignorieren könnte, aber andererseits wieder zu weit weg, als dass ich beurteilen könnte, wie ich mich passend dazu verhalten sollte.

Ein #supportTweet ist ein vielleicht etwas hilfloser Versuch von „aber ich muss doch irgendwas tun!“. Alles was ich tun kann, ist ein bisschen wie ein Hund, der eigentlich gar nichts versteht, andererseits dann doch alles versteht, der Dir die Schnauze an die Wange legt, um zu signalisieren: Ich fühle irgendwas mit Dir und ich will irgendwie da sein. Im Rahmen meiner Dabeiseinsberechtigung. Ob’s hilft, weiß ich nicht. Ich hoffe es nur.

Auto-Atmo

Wir reden ja die ganze Zeit von Verkehrssituationen, also meistens irgendwas wie „Autofreie Stadt“ und „Fahrradstraßen“ und sowas. Der Bonner Verkehrsdezernent Helmut Wiesner sieht meine liebste kleine Großstadt am Rhein auch – völlig zu recht! – weit davon entfernt, das selbstgesetzte Ziel „Fahrradhauptstadt 2020“ zu erreichen, darüber könne er sich nur kaputt lachen, berichtet der Bonner Generalanzeiger. Und ich selbst habe ja vorige Tage mal darüber schwadroniert, wie gile ich eine Fußgängerzone vom Bertha-von-Suttner-Platz über die Kennedybrücke bis zum Konrad-Adenauer-Platz fänd. Dabei ist mir jetzt noch ein Faktor eingefallen, den ich schon die ganze Zeit mal hinschreiben wollte:

Autos schaffen Auto-Atmosphäre – Fußgänger*innen schaffen Fußgänger*innen-Atmosphäre.

Damit meine ich: Wo das Auto die Atmo vorgibt, da fühlt man sich auch nur noch in einem Auto sicher. Und weil man sich auch in einem Auto manchmal nur noch zu 75% sicher fühlt, braucht man dann plötzlich in der Innenstadt ein SUV, damit man höher sitzt und sich damit dann zu 98% sicher fühlt (die restlichen 2% Unsicherheit bleiben, weil man mit der Shicekarre ja irgendwann parken muss und man nach hinten raus meist nicht sooo gut sehen kann, aber das ist ein anderes Thema).

Könnt Ihr Euch vorstellen, in Köln die Nord-Süd-Fahrt mit was anderem als dem Auto zu benutzen? Und warum nicht?

Eines der größten Mankos rheinischer Großstädte sind ja die 40 bis 85 cm breiten Bürgersteige, der Rest ist den Autos vorbehalten. Es ist emeffing eng in Köln und Bonn. Aber einmal im Jahr, nämlich an Rosenmontag, bevor der Zoch kütt, kann man in Köln den ganzen beschissenen Platz, der den Rest des Jahres für Autos reserviert wird, zu Fuß begehen – und dieses Erlebnis fand ich in den ersten sechs Jahren sehr befreiend. Seit zwei Jahren empfinde ich es mehr und mehr als eine Unverschämtheit, dass wir uns, wenn der Zoch durch ist, wieder auf unsere 60 bis 85 cm trollen müssen.

Wenn ich mir überlege, was der Quadratmeter Miete in Köln*)- oder Bonn**)-Innenstadt kostet und wieviel Quadratmeter ein Auto so im Schnitt***) belegt, frage ich mich, ob der Platz, der für Autos reserviert wird, nicht besser für Menschen freigehalten werden sollte. Oder anders gerechnet: Für mein Auto werden in Innenstädten rund 4,5 qm Parkfläche in Form von Parkhäusern oder Stellplätzen freigehalten – auf den Monat gerechnet sind das sagen wir 40€/qm mal 4,5qm gleich 180 Euro, die allein das Parken eigentlich kosten müsste – egal, ob ich da hinfahre oder nicht, denn der Parkraum wird ja vorgehalten. Nicht eingerechnet der unermessliche Platz, der für die Wege zu meinem Parkplatz reserviert wird in Form von dreispurigen Straßen.

Es ist eigentlich ziemlich eindeutig, Autos in der Stadt sind der letzte Rotz – und wir brauchen uns nicht über Mietpreisbremsen und keine Ahnung watt zu unterhalten, wenn Autos in Innenstädten weiterhin so bevorzugt werden. Die fressen unhinterfragt den ganzen kostbaren Platz auf. Und gefährden uns und unsere Kinder, nicht allein durch Abgase, sondern durch ihr Fahren.

Ich finde, wir sollten die Atmo in den Städten, zumindest in Köln und Bonn, total verändern.

Auf dem Land, ganz nebenbei gesagt, hat das Auto übrigens eine völlig andere Rolle! Aber das ist hier nicht das Thema.

*) Köln-Nippes, 2-Zimmer Kaltmiete pro qm 41 €
**) Bonn Innenstadt, 2-3 Zimmer Kaltmiete pro qm 41 -45 €
***) Unser Skoda belegt mit ca. 1,70 x 1,46 m Grundfläche also rund 2,5 qm

Humano Menetekel und Häuptling Plittersdorfer Straße

PROLOG

„Ich will erst tot sein, wenn ich tot bin!“ ruft Menetekel. Und er rauft und rennt und rambles on. Singt bei viel jüngeren mit, dass er alles gewinnen und dann k.o. gehen will und trinkt zwei Kästen Bier die Woche mit wildfeuchtem Blick. Und ruft gegen die Brandung wie ein Demosthenes mit Stein unter der Zunge und schüttelt an Beamten und ruft: „Nicht schlafen! Nicht schlafen! Machen!“ und wird abgemahnt und zahlt die Strafe und ruft: „Nicht schlafen!“

An den Angeln der Welt reißt er herum, den rostigen Angeln der Welt und klemmt sich die Finger, trägt die schwarz gequetschten Nägel wie eine Krone an seinen Fingern, bescheuert sich selbst, weil er nichts weiß und nichts kann, aber weiter, immer weiter, alles macht, bis er quietscht, als ob Andrea Nahles sich ihn ausgedacht hätte.

„Nicht schlafen“, ruft er, bis alle schlafen und setzt sich dann mit der letzten Flasche des zweiten Kastens in die Küche und starrt zu akustischer Countrymusik auf die Fotos an der Wand, auf denen er selbst ist, mit einer Flasche Bier in der Hand, und aus dem Foto heraus sagt er zu sich in der Küche: „Sei leiser, bitte!“ und er hört sich selbst zu und fängt an zu essen. Er isst die Schuld, den Produktionsrückstand und die Bedenken mit seinem riesigen Mund voller riesiger Zähne, die mahlen und mahlen, bis es keine Schuld und keinen Produktionsrückstand mehr gibt.

Das macht dieser Menetekel, ach, dieser Menetekel! Immer nur Du! Immer nur Du selbst! Wen schüttelst Du so arg?

ERSTER UND EINZIGER AKT

Menetekel (betritt die Bühne im schwarzen Longsleeve, das voller Mehl ist): Backen! Wir backen! Habt ihr mein Rezept gesehen und kennt ihr den Duft? Seid froh und munter und freut euch recht von Herzen!

Der Chor: Ruhe gib! Gib Ruhe!

Menetekel: Einfacher wär’s, doch wozu? Seid ihr tot? Wollt ihr tot sein? Seht her, das Leben schaukelt und wogt doch hier, und neu, immer neu macht es herum, mit euch, mit den anderen, mit allen!

Der Chor: Er merkt es nicht, er merkt es nicht! Weh uns!

Menetekel: Wie ich ganz dick geworden bin, hier an der Seite und vorne! Glaubt ihr, das sei ein Versehen gewesen? Mit Inbrunst tat ich’s!

Der Chor: Bis du gekotzt hast vor lauter Gier!

Menetekel: Mit meinen großen weißen Zähnen hab ich’s zermahlen und mit meinem ganzen Körper verschlungen!

Der Chor: Gekotzt hast Du dann!

Menetekel: Oh, wenn das Leben nicht zu Ende ist, dann fällt es über mich her und ich ringe mit ihm. Nein, ich will mich nicht entziehen, ich kann es packen mit allen Kräften und wenn ich kotzen muss, dann ist es richtig!

Der Chor: Nur er, immer nur er selbst. Wer sind denn wir? Wer sind denn die anderen? Immer nur er selbst.

(Menetekel ab.)

Der Chor: Einen besser’n gibt es nicht zu dieser Jahreszeit. Weh uns!

(Chor fällt in den Winterschlaf.)

Sur le pont de Bonn

Ich wohne in Schwarzrheindorf, also auf der Beueler Seite von Bonn, und unser Büro ist am Bertha-von-Suttner-Platz – daher fahre ich im Moment jeden Tag entweder mit dem Fahrrad oder ÖPNV über die Kennedybrücke – oder ich gehe mit der #Pollykowskaja zu Fuß.

Jeden Tag sehe ich, dass man in der Mitte der Brücke folgende Blicke frei hat:

  • aufs Siebengebirge
  • aufs ehemalige Regierungsviertel mit Posttower und Langem Eugen.
  • auf das südliche Bonner Rheinufer mit Oper und Altem Zoll
  • auf das nördliche Bonner Rheinufer mit Stadthaus und Beethovenhalle
  • auf das nördliche Beueler Rheinufer mit seinem vielen Grün in der Sonne und der Doppelkirche von Schwarzrheindorf
  • auf das südliche Beueler Rheinufer mit Rheinlust und dem Siebengebirge im Hintergrund

Unten tuckern die Schiffe durch. Oben aber ist entweder PKW-Stau oder die Autos plästern wie angestochen an mir vorbei. Bei schönem Wetter sind Rad- und Fußwege auf der Brücke brechend voll und ein*e jede*r bleibt mindestens einmal stehen, um mindestens einen der o. g. Blicke zu riskieren.

Und da hat es mich neulich mal angesprungen: Wenn diese ganzen Shice-Autos nicht wären, sondern nur Füßgänger*innen, Radfahrer*innen und der ÖPNV – was hätten wir für Hochqualitätsplatz auf der Brücke für Gastronomie, fliegende Händler*innen, Flaneur*innen, Familien mit Kindern, Leute mit Bierflasche in der Hand nach Feierabend in der Sonne. Wer von Euch schon mal in Rom war und die Brücke vor der Engelsburg gesehen hat, ist vielleicht in der Lage, dieses Gefühl und diese Stimmung, die dort herrscht, auf über dem Rhein zu projizieren.

Darum hab ich heute folgendes getwittert:

Und irgendwie hab ich darauf drei vier positive Reaktionen erhalten. Und deswegen hab ich heute mal das Foto oben geschossen und beim Überqueren mal folgende Überlegungen angestrengt:

  • wie sehr würde der Beueler Konrad-Adenauer-Platz aufgewertet?
  • wie sehr würde der Bonner Bertha-von-Suttner-Platz aufgewertet?
  • wie sehr würde die Hundepipiwiese vor der Oper aufgewertet?
  • man müsste beide Rheinuferpromenaden für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen besser an die Brücke anbinden, da gibt es bestimmt coole Architekt*innen oder Städteplaner*innen, die diese zehn Meter Höhenunterschied irgendwie nice überbrückt bekommen.
  • Und was den Autoverkehr angeht:
    • Ist die Bedeutung der Kennedybrücke für den Autoverkehr jenseits derer, die in die Innenstadt fahren, von überregionaler Relevanz?
    • Ich selbst zumindest fahre, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, jetzt schon über die Autobahnen auf der Nord- und Südbrücke.
    • Welche Rolle würde die bereits diskutierte neue Rheinquerung bei Wesseling spielen?
    • Welche Rolle würde eine Seilbahn von Ramersdorf auf den Venusberg spielen?
    • Welche Rolle würde ein konsequenter Ausbau des ÖPNV in Bonn spielen (inkl. P+R)?
    • Gerade haben die SWB diese Leihfahrradgeschichte gestartet – wie wunderbar sich das in eine privatPKWbefreite Kennedybrücke fügen würde!

Also mal ernsthaft: Eine Ausweitung der Fußgängerzone über die Kennedybrücke bis inkl. Konrad-Adenauer-Platz in Beuel habe ich mir in jenem kurzen Moment heute morgen als einen Sehnsuchtsort vorgestellt – und ich kriege das gerade nicht wieder weg aus meinem Kopf. Begrünung auf der Brücke! Japanische Tourist*innen müssten nicht vor dem Beethovenhaus zwei Bildchen knipsen und dann wieder gehen, sie könnten einen Schoppen Ahrwein mit Blick auf den romantischen Rhein trinken, vielleicht gibt es dabei sogar kleine Ensembles des Collegium Musicum, die Werke des berühmten Meisters aus Bonn zum Besten geben. Ich glaube, das wäre magnetisch.

Als wir vor ein paar Tagen in Beuel im Restaurant oben am KAP in Beuel saßen, hatten wir einen fabelhaften Blick auf den Stau auf der Brücke. Stellt Euch mal vor, wir würden auf Menschen im Feierabendmodus gucken statt auf Feierabendstau.

Aber ich höre meine eigene Partei schon bedenkentragen: Das geht nicht. Statistiken, wie viele Autos da täglich drüber fahren (ohne zu hinterfragen, ob die das auch wirklich müssen, aber meh!) Von CDU und den ganzen anderen gar nicht zu reden. Liebe Genoss*innen: HIER! WERFT MAL WAS COOLES IN DEN RING! Wer darüber will gehen, muss im Tanze sich drehen! <3 <3 <3

Update – 28.11.2018: Was mir noch eingefallen ist:

  • Wer sich vor der Verödung der Innenstädte wegen der Digitalisierung fürchtet, sollte die Innenstadt halt attraktiv gestalten – und schöne Autos tun das mit Sicherheit nicht.
  • Und die Frage: Wohin mit all den Autos, die heute schon die Brücke verstopfen? Wäre die Brücke heute schon eine Fußgänger- und Fahrradbrücke, würde sich umgekehrt die Frage stellen: Wohin mit all den Fahrrädern? Zugegeben, das geht in Richtung Derailing, daher P+R-Konzepte her! Vollausbau von ÖPNV und Fahrradinfratrukturen! Konzept für den Lieferverkehr her, das müssen auch nicht alles Sprinter-Diesel sein, wir haben mit DHL doch den Weltmarktführer in der Stadt, haben die in ihrem Innovationscenter dazu noch nichts auf der Pfanne?