Aktiv

Es ist so leise. Kein Rauschen, keine Hymnen in meinem Ohr. Kurz vor zehn, eigentlich noch früh am Abend. Aber kein glühendes Plädoyer für die Menschlichkeit und Aufrichtigkeit. Die Kinder schlafen. Keine Jammerplaylist am laufen, nur der Kühlschrank macht seine Kühlschrankgeräusche. Keine Wortschöpfungen, keine Jagd nach Besonders-sein.

Kein Beobachten, kein messerscharfes Analysieren und Kommentieren, lieber ein bisschen den Kopf auf die Hand stützen und etwas Bier trinken. So langsam trinken, keine drei Liter im Überschwang der Gewissheit, recht zu haben. Eher so genullert mit Blick zur Decke. Lange Haare hab ich gekriegt. Bin auch leider etwas dicker geworden in letzter Zeit („und der Bauch hängt runter wie eine Schürze“, Helge Schneider geht ja auch nie wieder weg aus mir.)

Klingt alles so passiv. Aber dabei ist es, glaube ich, dieser Tage eher genau umgekehrt. Bin sehr aktiv, auf der Arbeit, mit den Kindern, der Familie, habe heute Rolläden repariert und versuche seit Wochen den Tonfall unseres Kundinnensupports so zu prägen, dass alle, die ihn für uns machen, auch so einen Tonfall kriegen, damit sich jede Kundin, die sich egal mit welchem Anliegen und egal welchem Level von Genervtheit bei uns meldet, immer gut behandelt fühlt. Vielleicht liegt das daran, dass ich neulich mal in der Notaufnahme im Krankenhaus dachte, dass es ein Skandal ist, wenn man sich nachts um halb vier dafür rechtfertigen muss, dass man jetzt da ist und Hilfe braucht. Ich will seitdem, dass unser Support das macht, wofür er da ist: Helfen. Zuhören, verstehen, analysieren, antworten. Und freundlich sein.

Was habe ich hier gebloggt, mit wehenden Fahnen bin ich für die gerechte Sache für Peer Steinbrück und für Martin Schulz in den Wahlkampf gezogen, habe Biofleischchallenges angenommen und die SPD verteidigt, habe lustiges aus dem Leben meiner Kinder berichtet, habe kleinen Gedanken den Raum gegeben, um bei Euch vielleicht groß werden zu können. Das las sich so aktiv, dabei bin ich heute, da ich weniger schreibe, viel aktiver als zu jenen Zeiten.

Es ist ein Ressourcenthema. Es ist eine Frage von „being in charge“. Es ist das Verhältnis von „machen“ vs. „fordern“, also von „schlau daherreden“ vs. „tun“. Dieses „Tun“ ist leise und unmedienwirksam, wie man ja auch an den hunderttausenden Ehrenamtlichen feststellen kann, von denen man nie etwas hört. „Tue Gutes und rede darüber“, fordern immer nur die Hoschis, die anderen beim Gutes tun zusehen. Das Tun macht leise, denn die Ressourcen sind begrenzt.

Schwimmen in Bonn

Die Stadt ist gerade gepflastert mit Plakaten: Ja zum Bürgerentscheid bzw. Nein zum Bürgerentscheid in Sachen neues Spaßbad. Die Argumente pro und contra könnt Ihr Euch hier mal ansehen (PDF).

Ich stelle fest: Es sind im letzten Jahr etliche Schwimmstunden in der Grundschule von S und s ausgefallen, weil die Stadtteilbäder im Arsch sind. Die reine Zeit, die die Kinder beim Schulschwimmen im Wasser verbringen, ist bei Anfahrt zu einem weiter weg gelegenen Bad fast kürzer als die Zeit, die die Kinder in der Umkleidekabine verbringen. Das finde ich shice, man sehe sich die Statistiken an, wie viele Kinder inzwischen nicht richtig schwimmen lernen.

Es sollen nun also Stadtteilbäder geschlossen und durch ein zentrales Spaßbad ersetzt werden, Eintritt 10 Euro oder so. Spaßbad, das klingt total toll, blühende Landschaften wie damals nach der Wende zu Hochzeiten der Spaßbäder, vor allem in den neuen Bundesländern. Ist das ein Erfolgsmodell?

*mopper* ABER WILLSE JETZT JEDES AMBITIONIERTE NEUE BAUVORHABEN IN DER STADT TORPEDIEREN?!

Will ich nicht. Ich finde nur das Konzept „Vier Bäder für vier Stadtbezirke“ viel besser. Das Agrippina-Bad in Köln ist ein Beispiel, wie Bäder nach einer tollen Sanierung völlig gile sein können, ohne dass uns Konservative und grün angemalte Konservative in West-Benzen das Blaue vom Himmel versprechen. Ich glaube ja, dass die Stadteilbäder an den Stellen stehen, an denen sie stehen, weil es einen Grund dafür gibt. Aber naja. Mal lesen, was die Stadtschulpflegschaft dazu sagt:

„Die vielen ungeklärten Fragen bezüglich der Gesamtlösung für das Schulschwimmen lassen aber aufgrund des bislang erreichten Kenntnisstandes keine klare Positionierung für den Neubau durch die SSP zu.“

Also ich für meinen Teil lege mich fest:

  1. Ich stimme mit ab beim Bürgerentscheid.
  2. Ich stimme mit „Ja“.

Wisster Bescheid.

Selbstwirksamkeit (gut/schlecht)

Seit Tagen schon will ich diesen Gedanken mal aufschreiben.

Lehrer*innen haben mir gesagt, dass eine Stärke von Programmieren in der Grundschule der magische Moment ist, in dem Kinder die Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit machen: Ich sage der Maschine, sie soll schreiben „Maxim ist toll.“ – und die Maschine tut das ohne zu Murren. Bis heute ist es einer der erhebendsten, motivierendsten und schönsten Momente, wenn etwas, was ich selbst zusammengecoded habe, erst nicht geht, dann wieder nicht geht, dann immer noch nicht geht UND DANN PLÖTZLICH GEHT! Ich habe soeben die Welt verändert.

Ich glaube, der gleiche Mechanismus macht auch Social Media so erfolgreich: Ich poste was und kriege einen Fav dafür. Ich poste was, ein erster Retweet! Ich poste was und ein MdB reagiert darauf! Ich schreibe was bei Facebook, und das Ding geht voll ab und ganz viele Menschen reden darüber. Ich habe die Welt verändert. Das fühlt sich saugeil an.

Und jetzt der Gedanke dazu: Es geht dabei gar nicht darum, wie die Qualität meiner Wirkung ist, es geht nur darum, dass ich Wirkung erzielt habe. Ein Strudel, in den vielleicht viele geraten, die rechte Shice posten – denn rechte Shice erzielt immer viel Wirkung. Und am Ende sind die so besoffen von ihrer eigenen Wirkung, dass sie die rechte Shice selbst, die sie vielleicht erst mit einem etwas flauen Gefühl gepostet haben, plötzlich erst gar nicht mehr so schlimm finden, weil sie ja so viel Wirkung erzielt haben. Und wenn die Wirkung anhält, fangen sie an, die rechte Shice für richtig zu halten.

Stimmt das? Folgt etwas daraus? Ich weiß nicht.

Otto Wels nicht brauchen, das wünsch ich mir

Wenn ich Andrea und Lars wäre, würde ich jetzt in dieser Situation folgendes versuchen:

  • das ganze Personal der SPD versammeln: Bundesminister*innen, Staatssekretär*innen, Ministerpräsident*innen aus den Ländern, Kevin Kühnert und von mir aus auch alles an Alt-Kanzlern und Minister*innen a.D. und was wir sonst noch so haben
  • gemeinsame Pressekonferenz mit folgenden Punkten:
    • wir haben gemeinsam mit Parteien unterschiedlichster Couleur über Jahrzehnte für ein Europa ohne Grenzen gekämpft und das gemeinsam erreicht, zusammen mit unseren Partner*innen in ganz Europa
    • im Jahr 2015 waren die Grenzen offen und sie sind es bis heute – noch!
    • wir, die hier versammelten, stehen dafür ein, dass das so bleibt
    • die Fakten sprechen für uns:
    • wir, die hier versammelten stehen an der Seite derer, die Hilfe brauchen und an der Seite derer, die – nicht erst seit 2015 – Hilfe leisten. Wir stehen an der Seite derer, die sich zu 70.000 in Berlin zu einem bunten und fröhlichen Protest gegen nationalistische Schreihälse einfinden.
    • es ist ein Gebot der Vernunft, Politik auf Basis von Fakten zu machen und nicht auf Basis von irrationalem Geschrei einer radikalisierten Minderheit
    • wenn der aktuellen Koalition die Grundlage, also das gemeinsame Vertrauen und der gemeinsame Wille, die Abmachungen des Koalitionsvertrages konzentriert abzuarbeiten, entzogen wird, scheuen wir uns nicht, daraus Konsequenzen zu ziehen.
    • Otto Wels war ein Held. Wir sind aber der Überzeugung, dass verantwortungsvolle Politik keine Helden braucht, weil sie, von Vernunft getrieben, Situationen zu verhindern weiß, in denen Helden ihr Leben aufs Spiel setzen müssen.

Ich glaube ja, dass die SPD grundsätzlich einen guten Job macht gerade in der Koalition. Aber eine demente Mutter wird immer auf die Tochter schimpfen, die ihr täglich das Bett richtet und den Spüler ausräumt und sie wird immer den polternden Sohn anhimmeln, der zu Weihnachten und Ostern reingepöbelt kommt: „HIER MÜSSTE MAN AUCH MAL EIN FENSTER AUFMACHEN!“.

Aber wer bin ich schon?

Zauber

Ein Mangel an Spiritualität wird konstatiert, der digitale Alltag steigert die Sehnsucht nach Huschni-Buschni, heißt es. Ich habe neulich ein Radio-Feature über Schamanismus gehört und die nicht-alltägliche Wirklichkeit (NAW).

Da kriege ich ja nun leider wirklich Anfälle. So ein ausgemachter Humbug und Selbstbetrug, und alles nur, weil den Menschen angeblich der Zauber und die Sehnsüchte fehlten. Was ist los mit Euch, Menschen? Man kann Naturgesetze gelten lassen, man kann aufgeklärt sein und die sozialen Errungenschaften der letzten 150 Jahre gelten lassen, ohne auf so einen Schmu angewiesen zu sein. Man kann gendergerecht sprechen und ein Träumer sein, wenn Ihr das denn unbedingt so tief in Euch drinnen vermisst.

Guck ich meine Kinder an: Zauber! Wie groß die geworden sind und wie fabelhaft geraten, dabei mussten wir gar nicht viel an ihnen herumerziehen! Wie behutsam sie manchmal mit einander umgehen können, da bin ich voll des Zaubers!

Guck ich das erste Lächeln von @frau_ratte nach dem finsteren Zertifizierungswinter 17/18 an, die wiedererstarkende Zuversicht, da zaubert es aber, dass sich die Balken biegen, ganz ohne Jenseits und Transzendenz!

Da grillen wir in Rhade und die Pferde gucken uns dabei zu. Und @antonialoick erfindet lustiges: „Die reden nachher in ihrer Box über uns und sagen dann sicher so Sachen wie: Hast Du den einen da gesehen, wie der geschnaubt hat? Wenn man Menschen beobachtet, ist das faszinierend, besonders, wenn sie sich manchmal wie Pferde verhalten!“

Da höre ich dem leicht trunkenen Gesang an diesem lauen Abend in unserer Straße zu, wie die Nachbarn da hinten eine gute Zeit zusammen haben. Sie schmettern „We are sailing!“

Und ich habe auch kein Bedürfnis, auszusteigen. Kein Verlangen nach Alaska auszuwandern, weil mir dieses Zusammenleben zu anstrengend wird. Keine Flucht vor den Organisierungsquerelen, kein „Macht doch was Ihr wollt, ich bin raus“. Ich finde uns Menschen toll, weil wir das können, uns absprechen, uns organisieren, und Freiräume lassen und uns in die Pflicht nehmen. Ich finde uns toll, weil wir facettenreich sind wie keine andere Lebensform. Wir brauchen uns vielleicht nicht auf das hohe Roß namens „Krone der Schöpfung“ zu setzen, dafür sind wir zu menschlich, aber kraft unserer Gehirne und Empfindungen sind wir die spannendste Spezies unter der Sonne.

Menschen reichen für Zauber, ich für meinen Teil brauche nur Menschen für Zauber.

DSGVO

Ich habe mein Blog nun mit frischen Datenschutzhinweisen (natürlich im generischen Femininum) versehen, auf WordPress 4.9.6 aktualisiert und meine Plugins geprüft. Sollte also jetzt alles ok sein hier.

Viele ranten ja gerade rum, dass die DSGVO jawohl der letzte Shice sei, man müsse jetzt wirklich was ändern an seinen Blogs und Seiten. Ich gestehe, dass mir das auch nicht gerade viel Spaß gemacht hat, aber ich finde: Wenn wir das Mandat der Politik zurückfordern und eben nicht alles „dem Markt“, i.e. den dicken global Playern überlassen wollen, dann ist so ein Gesetz, das wirklich mal etwas ändert, fast schon wohltuend. Das blöde an Veränderung ist ja nun mal, dass man dann auch wirklich was verändern muss, und das gilt für alle. Das finde ich gut. Mir geht dieses „Macht alles besser, also außer ich jetzt, IHR ANDEREN HALT!“ ziemlich auf die Nerven. Und wer eine eigene Seite/Blog/wasAuchImmer betreibt, sollte sich dessen bewusst sein, was er/sie da nun anstellt. Bei mir persönlich hat es immerhin bewirkt, dass ich mir erstmals gezwungenermaßen Gedanken gemacht habe, welche Cookies meine Seite nun genau setzt, mit welchen Drittanbieterinnen ich so herumhantiere und was mit den Daten meiner Besucherinnen auf meiner Seite eigentlich so passiert. Vor dem ganzen DSGVO-Hassle war mir das ehrlich gesagt shiceegal, jetzt nicht mehr. Ich halte das für einen wichtigen ersten Schritt zur Digital Literacy, die wir alle verbessern müssen, damit wir nicht immer so angsterfüllt „das weiß ja inzwischen NIEMAND mehr, wer da was wo hin übermittelt und auswertet!“ herumraunen müssen. Party!

Logik des Krieges

Heute bin ich ganz besonders mies drauf. Ich gucke mir an, wie Arschlöcher die Sprache, die Diskurse, die Agenda bestimmen und wie die normalen Menschen keine Möglichkeit haben, dem etwas entgegen zu setzen, und zwar deswegen, weil das gute, zentrale Prinzip „in Ruhe lassen“ vorsieht, eben nicht einzugreifen. Aktiv und passiv. Das gute Prinzip ist passiv und lässt sein/geschehen. Es schreibt nicht vor und ist dadurch gefährdet. Ich sehe, dass es auf das Schlimmste hinauslaufen wird und dass wir nichts dagegen tun können, selbst wenn wir und noch so anstrengen. Die zersetzenden Wichser*innen werden immer gewinnen, weil sie zersetzen wollen und zersetzen. Das beisammenhalten ist keine aktive Tätigkeit, die man verstärken könnte, um dem entgegenzuwirken. Alles was wir noch tun können, ist zu dokumentieren, dass wir damit nicht einverstanden sind, dass wir das ablehnen und dann darauf hoffen, dass die shice Geschichte uns in 100 Jahren oder so Recht gibt. Zusammenhalten und kein Arschloch sein ist kein aktives Moment, sondern kann nur aushalten.

Wie haben sich die Menschen gefühlt am Vorabend des erstarkenden Nationalsozialismus? Et hätt noch immer joot jejange. Aber, wie Max Frisch es formuliert hat:

„Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.“

Es liegt alles glasklar vor uns. Sie sagen „Traditionshasen haben uns die islamistischen Fundamentalisten aufgezwungen, wo ist unser Osterhase?“ Es ist so offensichtliche Shice, aber wir können es nicht aufhalten. Die Unionsparteien nehmen das alles bereitwillig auf und etablieren es in der allgemeinen Wahrnehmung als etwas normales. Meine Genoss*innen finden kein Rezept, außer Otto Wels und Willy Brandt zu zitieren.

Wir sind keine invasiven Leute. Wir können nichts tun. Wir werden nur den Untergang abwarten können, hoffen, dass ein paar überleben und danach auf unsre Blogposts zeigen und sagen: Ich war dagegen, aber ich konnte nichts tun.

Das Internet ist unsere einzige Hoffnung, dass es diesmal anders läuft. Noch nie konnten weltweit so viele Menschen lesen und schreiben, gleichzeitig konnten sich noch nie so viele Menschen einfach öffentlich äußern. Wählt die ab. Die Unionsparteien, allen voran die CSU. Macht Stimmung gegen die. Und wählt, wo immer es geht, die SPD, die Grünen, von mir aus sogar die Linke.

Ich bin heute so mies drauf, ich fürchte, es geht um alles. Ich will 120 werden und bitte an keinen einzigen Krieg teilnehmen müssen. Und meine Kinder sollen das auch nicht. Ich bin mies drauf.

Once again muss ich dieses Video posten, denn genau so läuft es gerade ab:

Und so sehr wir uns dagegen sträuben, genau das läuft gerade ab. Fuck.

 

2000 Jahre Männlichkeit

Die sehr verehrte @habichthorn trägt in diesen sich in die Länge ziehenden, nahezu elend spahnenden, Tagen den Twitternamen „Seit 2000 Jahren mitgemeint“. Und wie ich heute morgen mit der #Pollykowskaja so über den Rheindeich schreite, denke ich erneut darüber nach, dass wir mit jetzt über 70 Jahren Frieden in Mitteleuropa einer geschichtlichen Singularität beiwohnen dürfen. Und ich denke so bei mir, dass 70 Jahre Frieden vielleicht nicht nur der wichtigste Wirtschaftsfaktor der mitteleuropäischen Geschichte sind, sondern vielleicht auch erstmals ganz neue Anforderungen an die Männlichkeit stellen. Zum ersten Mal überhaupt sind Männer davon entbunden, sich mit „auf die Fresse geben, danach totschießen“ herausreden zu können, wenn sie mal wieder nichts kapieren. Läuft’s zu Hause oder im Job gerade shice, war das früher immer spätestens nach zehn Jahren vorbei, denn da musste Mann ja in den Krieg und überhaupt ging alles über den Jordan, alles wurde kaputtgehauen und totgeschossen, danach Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft, traumatisiert, Rücksichtnahme erforderlich wegen appem Bein und dauerndem Zusammenbrechen bei Silvesterböllerei oder Fehlzündung des Mokicks der Kinder. Seit ungefähr 2000 Jahren geht das schon so (sage ich geschichtlich Ungebildeter mal auf meinem Weg den Rheindeich entlang).

Bis jetzt. Heute kommt erstmal kein Krieg, und das seit 70 Jahren. Ok, auch heute sehnen sich immer mal wieder welche nach einem totalen Reset, aber wir machen das zum Glück nicht. Wir machen weiter, trotz stärker werdender Sehnsucht nach dem dicken Knall und nach dem „alles nochmal von vorne, weil ich gar nichts mehr kapiere“. Und siehe da, nach 70 Jahren Frieden, da gibt es auf einmal ganz viele Männer, die keine Tumben mehr sein wollen (ich kenne mindestens acht!)

Und wie schön ist es, meinen Söhnen sowas vorleben und beibringen zu dürfen. Meine unglaubliche Mutter findet nun schon seit etwas länger als den rd. 70 Jahren Frieden, dass es total Spaß macht, den eigenen Kindern zuzusehen beim Erkennen, Sichentwickeln, Ausprobieren, Verstehen und Kreativsein. Meine Söhne kriegt Ihr nicht (sang schon Reinhard Mey), meine nicht und mich auch nicht! Wir machen nicht mit bei Eurer Logik des Krieges, wir machen lieber Erkennen, Sichentwickeln, Ausprobieren, Verstehen und Kreativsein.

Ich mache Genderwahnsinn und generisches Femininum und erfreue mich meines Penis, ohne tumb zu sein (hoffe ich zumindest). Zweitausend Jahre Männlichkeit heißt zweitausend Jahre allerschlimmste Verkümmerung durch immer wiederkehrendes sich Stürzen in Gewalt, Tod und Trauma. Wie perfide, dass die Logik des Krieges eine männliche Erfindung ist oder zumindest keine weibliche oder die eines anderen Geschlechts.

Und ist das jetzt so, dass die Herrn (außer jetzt jenen 8 oben genannten) nun davon überfordert sind, mal was anderes tun zu müssen als Gewalt auszuüben? Sehe ich das richtig? Oder fühlt sich das nur so an? Wollen die „dem Islam“ auf die Fresse hauen? Oder den Flüchtlingen? Oder den Feminazis? Ist linksgrünversifft nicht ein Ausdruck dessen, dass denen nach zweitausend Jahren „im Zweifel geh ich Militär!“ nichts anderes einfällt als sowas? Wie unkreativ.

Möglicherweise kommt an dieser Stelle der Firma Weber Grill eine entscheidende friedenssichernde Bedeutung zu. „Mach ich halt Feuer und BLUT auf Feuer!“ Immerhin nur aus dem Supermarkt.

Es wird noch ein langer steiniger Weg. Hoffentlich hält der Frieden, der soziale und der militärische, noch ein bisschen. Ich wäre gerne die erste Generation, die mit voller Absicht keine Kriegserfahrung macht. Also gar keine.

Die Macht der Lowperformerinnen mit den dicken Budgets

Wenn die Sparkasse sich sträubt, ihre Formulare auf weibliche Ansprache von Kundinnen anzupassen und dafür Recht bekommt, wenn meine Partei aus #GroKo-Shicegründen den em-effing §219 nicht abzuschaffen in der Lage ist, dann hab ich vermehrt Bock, dass sich trackle nicht nur zu einer prosperierenden Mittelständlerin entwickelt, sondern zu einer richtig dicken, konzernartigen Weltmarktführerin, mit Milliarden Customer Hardware Devices im Feld, mit Apps und Plattformen und all dem Pipapo, den so eine Weltmarktführerin haben muss. Ich hab Bock darauf, dass wir das dadurch erreichen, dass wir volldiversifizert sind, im Management, im Bereich Innovation und Entwicklung, im Bereich Marketing. Dann habe ich richtig Bock darauf, alle Boysclubs dadurch fertig zu machen, dass bei uns diversifizierte Entscheidungen getroffen werden. Dass bei uns Entscheiderinnen sitzen. Dass bei uns Diversifizierung kein Feigenblatt für die Streetcredibility ist, sondern knallharte geschäftliche Kalkulation. Dass unsere Produkte unschlagbar gut sind, weil sie bereits von der Idee her aus allen Perspektive beleuchtet sind. Dass sie über die ganze Entwicklung hinweg aus allen Perspektiven beleuchtet sind. Dass sie im Marketing aus allen Perspektiven beleuchtet sind. Dass sie für Afrika, Asien, Südamerika, Europa und Nordamerika*) die besten sind, weil wir uns Frauen und Männer aller Farben, Neigungen und Herkünfte holen und Boysclubs zum Teufel jagen.

Ich habe Bock darauf, groß und fett zu werden, so fett, dass wir Frauen aller Farben und Herkünfte in die Lage versetzen, die ganz dicken Budgets halbherzig zu verplempern, während sich Männer bei uns nach der Decke strecken müssen. Dass sich bei uns Männer organisieren müssen, weil sie keine Lust mehr haben, vom generischen Femininum mitgemeint zu sein. Dass wir die gefährlichste und unnachgiebigste Waffe für die Gleichberechtigung aller Geschlechter an den Start bringen: Mainstream. Gleichgültigkeit. Nichtdrübernachgedacht. Schonimmersogewesen. Weibliche Lowperformerinnen in höchsten Gremien unseres dicken, schwerfälligen, aber systemrelevanten (DIE ARBEITSPLÄTZE!) Molochs von Konzern, die den engagierten jungen Familienvätern nicht zutrauen, 2,5 Mio. € für die Erweiterung der an die Grenzen stoßenden Nummernkreise unserer Bestellnummern gut zu verwalten und die „die paar Kröten“ daher lieber der lahmen Elsa geben, nur weil wir sie schon kennen.

Will sagen: Ich hab Bock darauf, dass bei uns Frauen und diverse Menschen (also divers im Sinne von divers!) die relevanten Entscheidungen treffen, nämlich die über das em-effing GELD.

Ich habe keinen Bock mehr darauf, dass alle für die nice persönliche politische Agenda nach „MEHR GRÜNDERINNEN!“ rufen und sich damit aus der Affäre ziehen. Ich will ganz ganz laut nach den „INVESTORINNEN!“ rufen. Nach den dicken Budgets, die von Frauen verbrannt werden, wie sie heute ganz selbstverständlich von Männern verbrannt werden.

Ich hab Bock darauf, dass trackle et al. für den ganzen em-effing Wirtschaftssektor insgesamt sowas werden wie die Autoindustrie heute für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dass sich Politikerinnen nicht leisten können, unser Pendant zu den Pfeffersäcken – nennen wir sie mal Obermöhne – zu ignorieren. Ich hab Bock darauf, dass vielleicht mal jemand anderes für trackle solche Posts wie diesen hier schreibt, also Posts, die dann weniger von dicken Budgets und Allmachtphantasien handeln und „ich hab Bock auf“ Formulierungen verwenden. Die vielleicht viel klüger, weil diverser, sind.

Ok, das wird noch ein langer Weg. Aber für den Anfang könnten wir doch Brigitte Zypries mal fragen, ob sie als Nachfolgejob für den der Wirtschaftsministerin nicht Bock hätte, gegen Bezahlung jeden Morgen Jens Spahn im Bundestag eine reinzuhauen. Das könnte ich mir auch sehr gut vorstellen. Gibt’s dafür kein Budget? Warum eigentlich, wer entscheidet das?

CAPA mit Autovergleich

Gerade lese ich in meiner Timeline, wie @Mama_arbeitet @KuehniKev zitiert:

Und meine Assoziation dazu sind die Begriffsdefinitionen aus unserem brandneuen Qualitätsmanagementsystem für „Korrektur“ und „Korrekturmaßnahme“. Ich hol mal kurz etwas aus…

Am 25. und 26. Januar kam ein Auditor zu uns und hat sich unser Qualitätsmanagementsystem angeguckt und plötzlich mit links hochgezogener Augenbraue über seine Brille hinweg gefragt: „Herr Loick, der Unterschied zwischen „Korrektur“ und „Korrekturmaßnahme“ ist Ihnen doch geläufig, oder?!“

„Ja… äh… klar! Das haben wir ja sogar schriftlich…“ Ich zog geschwind unsere fabelhafte Verfahrensanweisung Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen hervor, schlug das Kapitel „Begriffe“ auf und verlas: „Eine Korrektur ist eine Maßnahme zur Behebung des aufgetretenen Fehlers / Problems, z.B. durch Nacharbeit. Korrekturmaßnahme ist eine Maßnahme zur Behebung der Ursache des aufgetretenen Fehlers / Problems, die dafür sorgt, dass der Fehler in Zukunft nicht mehr auftreten wird.“ Aber erst beim Verlesen unter den Augen des gestrengen Auditors entfalteten diese von mir selbst geschriebenen Worte ihre volle Wirkung in meinem Gehirn: Wenn ich eine Roststelle am Auto überlackiere, ist der Lack wieder ok. Korrektur. Wenn ich vorher den Rost wegschleife, das Blech ersetze, grundiere und dann überlackiere, ist auch die Ursache für die Roststelle beseitigt. Korrekturmaßnahme.

Wenn ich eine Mietpreisbremse einführe, steigen die Mieten nicht ganz so schnell. Korrektur. Wenn ich dafür sorge, dass genug Wohnraum gebaut wird und zu bezahlbaren Mietpreisen angeboten wird, dann ist das eine Korrekturmaßnahme. Wenn ich die Essener Tafel dazu bringe, alle Bedürftigen gleich zu behandeln: Korrektur. Wenn ich dafür sorge, dass die Lebenshaltungskosten für Menschen sinken und sie ordentlich bezahlte Jobs bekommen: Korrekturmaßnahme. Wenn ich Bedürftigen die Hartz IV Sätze erhöhe: Korrektur. Wenn ich dafür sorge, dass Spitzenverdiener*innen und Firmen ordentlich ihre Steuern zahlen, so dass ich Geringverdiener*innen entlasten kann: Korrekturmaßnahme.

Wenn ich mit der CDU koaliere, kriege ich eine Menge wirklich schöner Korrekturen hin, aber keine einzige Korrekturmaßnahme. Das liegt in der Natur der Konservativen, die bewegen sich freiwillig keinen Zentimeter. Mit der SPD in der Koalition nur gerade soweit wie sie müssen. Korrekturmaßnahmen kriegen wir nur mit progressiven Kräften (also rot-grün sag ich jetzt mal). Klar ist, dass wir Lichtjahre von einer rot-grünen Mehrheit entfernt sind, aber was wir gerade machen ist, dass wir in umgekehrter Richtung unterwegs sind und sich diese Distanz noch vergrößert statt verkleinert. Diese ganzen Korrekturen, ich zitiere mal Kevin Kühnert:

„Aber all das ist offenbar zu klein, um dafür am Ende gewählt zu werden.“

Um eine Roststelle aus dem Blech zu schneiden, neues Blech einzulöten, zu grundieren, beizuschleifen, nochmal zu grundieren, dann neu zu lackieren – dazu braucht es ein beherztes Eingreifen. Und der Auftrag muss von der Besitzerin der Karre kommen. Wenn die nur eine Korrektur haben will, dann kann sie auch nur eine Korrektur kriegen, denn eine Korrekturmaßnahme ist teurer. Die wird sie nur bezahlen, wenn sie vorher weiß, was es kosten wird und was gemacht werden muss. Und sie wird nur diejenigen damit beauftragen, die nachweisen können, dass sie wissen was zu tun ist und was das dann kosten wird. Wenn wir aber zusammen mit der CDU das Überlackierstiftchen herausholen, sagt sie: Die können das nicht, da gehe ich woanders hin, zum Beispiel zu diesen neuen Hoschis da, die behaupten, dass sie mir das ganze Blech vom Auto reißen. Klingt ganz so, als sei der ganze Rost danach weg (Gut, das Auto ist dann schrottreif, aber es kostet mich FAST NIX!).

CAPA steht im Qualitätsmanagement übrigens für „Corrective and Preventive Action“, ein Thema das mich zahlreiche schlaflose Nächte gekostet hat.