Me, Feminist

Gemessen an dem, was ich eigentlich alles noch sagen will, muss ich mich selbst als wortkarg bezeichnen. Der einzige Ausweg ist, dass ich 120 Jahre alt werden muss. Heute: Warum ich Feminist sein will.

„Warum, oh @Pausanias, bist Du ein Feminist? Du bist doch ein Mann?“ Weil ich meinen Söhnen schuldig bin, dass Männer, wie sie es dereinst sein werden, keine archaischen Dummblödel sein müssen. Weil ich solche Geschichten hier nie wieder hören will. Weil ich etwas ändern muss in dieser Welt.

Warum baust Du trackle? Um unermesslich reich zu werden zum einen, aber vor allem, um die Welt zu verbessern. Wo immer diversifizierte Gesellschaften unterwegs sind, ist die Welt besser. Eine Studie belegt sogar: Ohne Frauenrechte schaffen Gesellschaften es nicht, sich in Demokratien zu verwandeln. Wo Frauen sind, wo sie stark sind, wo Männer nicht allein sind, da ist das Leben besser.

Wie viel interessanter sind Gespräche in Runden, in denen Frauen sprechen! Wie dumpf kommen mir die Parolen der reinen Boys-Clubs vor! Wie diskriminierend diese Boys-Clubs mir gegenüber sind, ich will nicht zu denen gehören (und gehöre wahrscheinlich viel öfter doch zu ihnen als mir lieb ist!)

Warum baust Du trackle? Weil Frauen und Männer viel zu wenig wissen über den Zyklus. Weil beide Geschlechter, hormon- und pille-eingenordet, dieses Thema ausblenden, weil wortlos hingenommen wird, von Frauen und von Männern, dass es Frauen sind, die Hormone schlucken, dass es Frauen sind, die tief in die Biologie ihrer Körper eingreifen, weil die sexuelle Befreiung durch die Pille seit fünfzig Jahren zulasten der Frauen geht, weil ich glaube, dass ich als Mann mit nur einem kleinen bisschen Willen zur Verantwortung meiner Partnerin diese Shice ersparen kann, weil ich glaube, dass ich davon profitiere, wenn wir uns partnerschaftlich auf Augenhöhe begegnen. Ich will keiner von denen sein, die Sex mit der eigenen Partnerin als einen Konsum wahrnehmen, als eine selbstverständliche Annehmlichkeit wie ein kaltes Bier im Kühlschrank.

Ja, Feminist nenne ich mich. Seit ein zwei Jahren, sehr bewusst habe ich mich dafür entschieden, mich Feminist zu nennen. Ich glaube, ich darf mir das erlauben, und ich glaube, dass es hilft. Mir ist bewusst, dass viele Frauen, Frauen of Colour, oder Transfrauen, möglicherweise wenig Wert darauf legen, dass ein cisheterowhite wie ich sich mit den Federn „Feminist“ zu schmücken sucht. Das muss ich in Kauf nehmen. Ganz viel weiß ich nicht, ganz viel mache ich sicher just in diesem Moment verkehrt, aber meine Absicht ist: Ihr Boys, die Ihr seid wie ich, weiß, männlich, unverfolgt, unbedroht, privilegiert, Ihr habt eine Pflicht, Ihr müsst mit der vielen Kraft, die Euch wie selbstverständlich erscheint, weil Ihr sie nicht aufwenden müsst, mit dieser vielen Kraft müsst Ihr helfen, die Welt zu verbessern. Das ist das mindeste, was zu tun ist. Ich versuche, damit anzufangen. Privat, indem ich meinen Söhnen versuche etwas vorzuleben. Wirtschaftlich, indem ich mit meiner allerbesten Frau trackle hochziehe. Politisch, indem ich mich in der Partei engagiere, die das Frauenwahlrecht erkämpft hat. Netzpolitisch, indem ich seit Jahren Fäden spinne, damit D64 der Verein mit der besten Frauenquote unter den netzpolitischen Vereinen wird. Bildungspolitisch, indem ich versuche, mit Calliope Technikbegeisterung hervorzurufen, bevor der verkackte Gendergap einsetzt.

Ich habe keine Töchter, ich habe zwei Söhne. Ich glaube, meine Verantwortung ist damit riesengroß. Ich habe vier Schwestern und einen Bruder. Ich glaube, ich habe lange viel zu wenig verstanden. Aber gut ist es, sich mit seinen Schwestern und seinem Bruder zu unterhalten.

Diversität im sexuellen Diskurs

In den letzten 24 Stunden bin ich über zwei Artikel gestolpert, die mir bedeutsam erscheinen und deren Thema Sex ist. Zum einen der hier von @MlleReadOn, in dem sie beschreibt, welche Wirkung sexuelle Aufklärung, insbesondere von Männern, auf Gesellschaften hat. Vor dem Hintergrund, dass irgendwo mal irgendjemand bemerkt hat, dass statistisch gesehen junge Männer eine viel gefährlichere Gruppe sind als Geflüchtete, Ausländer*innen oder sonst wie geartete Gruppen, stelle ich fest: Als hetero cis white male bin ich statistisch gesehen eigentlich ein Gefährder. Viele von meinesgleichen haben massive Defizite, was ihre eigene Sexualität und was die Sexualität ihrer potenziellen Sexualpartner*innen anbelangt. Ich bin damals™in der Schule aufgeklärt worden, das heißt, die biologischen Zusammenhänge sind mir lange bewusst und klar. Was aber die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Menschen angeht, ist mir in seiner ganzen Bandbreite (und wahrscheinlich kenne ich immer noch nicht alles was es gibt) erst bewusst geworden, als ich bei Twitter mit so vielen verschiedenen Menschen in Kontakt gekommen bin*). Viele sind ziemlich offen, was ihre Sexualität angeht und Pornographie spielt offenbar eine viel wichtigere Rolle als sie in meinem Leben gespielt hat. Damit kommen wir zum zweiten Artikel, den ich oben angekündigt habe, er beschäftigt sich mit der Pornoindustrie und wie unterrepräsentiert Frauen in dieser Industrie sind – mit dem Ergebnis, dass die Erzeugnisse dieser Industrie extrem männerzentriert geraten. Erika Lust, eine der wenigen Frauen in Porn, die hinter der Kamera statt davor agiert, sagt:

“Mainstream porn consistently shows sex as a thing that men do to women, or that women do for men, which means misogynistic porn that objectifies women and places unrealistic expectations on both sexes.”

Und wenn ich mir vorstelle, dass ganz ganz viele Menschen Zugang zu dem meisten, was über „das Spermium befruchtet die Eizelle“ hinausgeht, über Pornographie finden, dann scheint mir auch das bedeutsam, vor allem was Rollenklischees von Frauen und von Männern angeht und was Männer und Frauen glauben, was angemessenes Verhalten sein könnte. Vor diesem Hintergrund scheint mir auch bedeutsam, dass es in beiden Artikeln Frauen sind, die das Heft in die Hand nehmen, etwas daran zu ändern.

Update 2017-01-08, 12:20 Uhr: Und wie ich so nachdenklich weiterlese in meiner TL, stoße ich auf diesen Artikel: Frauen der Welt, rettet uns vor diesen Männern! Ich finde, der passt auch noch ganz gut in diesen Themenkomplex.

*) Ich wollte erst „kennengelernt habe“ schreiben, aber sehr viele kenne ich nur über das, was sie so sporadisch in 140 Zeichen immer mal wieder twittern, das ist nicht wirklich kennenlernen. Die emanzipatorische Wirkung von Twitter ist dabei übrigens ein zentrales Moment, weil dadurch Kommunikation immer auf Augenhöhe stattfindet ohne dass soziale Hierarchien eine Rolle spielten. Aber das ist ein anderes weites Feld, darum muss ich mich ein anderes Mal kümmern.

Ein Projekt aus der Mitte der Netzgemeinde – Calliope

Ein Projekt entsteht aus der Mitte der sog. Netzgemeinde, es nennt sich Calliope, ich bin sehr erfreut, dass ich Teil dieses Projekts sein darf.

Was wir vorhaben

Come up and see me, make me smile!

Wir wollen Kindern und Lehrer*innen in der Grundschule gleichermaßen etwas an die Hand geben, um informatische Prinzipien on the fly in den bestehenden Fächern zu vermitteln. Vorbild war der MicroBit in Großbritannien – jedes Kind ein Board, ohne dass Eltern oder gar das Kind selbst etwas zuzahlen müssen. Zusätzlich wollten wir das in der Grundschule angehen, damit wir Begeisterung für diese Themen bei Mädchen und Jungen gleichermaßen wecken, bevor sie in die verbreiteten Genderstereoptype verfallen. Programmieren ist für Mädchen genauso ein Akt der Weltveränderung wie für Jungen. Oder, wie @SibylleBerg es just formulierte:

Erziehen Sie Ihre Mädchen zu Start-up-erinnen und nicht zu Frauen, die irgendwann mal einen Start-up-Gründer anhimmeln.

Wie kriegt man sowas hin? Wir haben 16 Bundesländer und somit 16 Staatskanzleien und 16 Bildungsministerien, jedes davon mit Geldmitteln ausgestattet wie ein Spatz mit Fleisch am Schienbein. Was braucht man also?

Man braucht ein Board, die Einbettung in die landesspezifischen Lehrpläne und man braucht viel Geld.

Das Board

Es muss für Grundschulkinder geeignet sein, es muss Kinderhänden standhalten, es muss schnell und niedrigschwellig Erfolgserlebnisse ermöglichen, darf aber gleichzeitig nicht nach einer Woche an seinen Grenzen angelangt sein, damit es nicht langweilig wird. Daher haben wir Calliope mini mit Grundschulpädagog*innen designt. Die Pins liegen maximal weit auseinander, daher die Sternform – das stellt sicher, dass auch Kinder der Dritten Klasse dort Kupferklebebänder ankleben können, ohne einen Kurzschluss zu verursachen. Wir haben die Bedienung und Programmierung derart vereinfacht, dass niemand Angst davor haben muss, mit Calliope mini im Unterricht zu arbeiten. Das ist der Grund, warum wir das Projekt eben nicht mit einem Arduino oder einem Raspberry Pi gestartet haben – simply weil alle Grundschulexpert*innen uns unmissverständlich klar gemacht haben, dass kein Kind und kein*e Lehrer*in in der Grundschule auch nur einen Handschlag mit diesen Systemen tun können. Der Lehrauftrag von Lehrenden ist die Vermittlung des Lehrplans und nicht das Erforschen von IT-Systemen. Deswegen musste Calliope mini so einfach sein, dass das mit etwas Begleitmaterial für jede*n Lehrer*in im Rahmen der normalen Unterrichtsvorbereitung möglich ist.

Die Didaktik

Damit sind wir beim nächsten Punkt: Auch wenn die oft gestellt Forderung nach einem Pflichtfach Informatik sehr sehr gute Argumente auf ihrer Seite weiß, hilft es dennoch wenig, ein ambitioniertes Projekt wie „alle Mädchen, alle Jungen, bundesweit, flächendeckend“ mit einer fundamentalen Umwälzung wie der Einführung eines neuen Fachs, zudem in der Grundschule!, zu verbinden. Ein Projekt mit dieser Zielsetzung kann nur zusammen mit dem Bildungssystem gelingen, nicht dagegen. Daher haben wir uns von Anfang an bemüht, Anknüpfungspunkte in den bestehenden Lehrplänen für den Einsatz von Mitteln, die informatische Grundprinzipien vermitteln, zu finden. Wir stehen da noch am Anfang, denn noch nie hat jemand etwas gleichartiges versucht, nicht einmal die Kolleg*innen von MicroBit in Großbritannien. Im Moment arbeiten wir eng mit Lehrer*innen und Medienpädagog*innen im Saarland zusammen, um unsere ersten Entwürfe und Ideen tatsächlich grundschultauglich zu machen. Die Materialien, die wir bisher auf unserer Website anbieten, sind ein erster Wurf, der so gut sein kann, wie vor dem ersten konkreten Versuch nur möglich: Wir haben Didaktiker*innen der Uni Wuppertal eingebunden und diese Konzepte an Grundschulen erprobt. Nichtsdestotrotz wird der flächendeckende Rollout im Saarland Erkenntnisse zutage fördern, von denen niemand im Vorfeld etwas hätte ahnen können. Was wir tun: Wir lassen diese Erkenntnisse ohne Umschweife in unsere Ansätze einfließen. Was Ihr seht, ist ein Prozess, kein Produkt – und in jedem Bundesland wird es andere Hürden und Spezifika geben. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Pädagog*innen in den landeseigenen Instituten, unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass wir es dort mit hochkompetenten, versierten und engagierten Männern und Frauen zu tun haben, die uns und unser Projekt entscheidend voranbringen.

Das Geld

In Anlehnung an ein Zitat des unvergessenen Bud Spencer habe ich bereits gesagt, dass die sechzehn Bildungssysteme, die wir in Deutschland haben, qua finanzieller Ausstattung niemals ein Interesse an größeren Erweiterungen entwickeln können, wenn diese mit erheblichen Kosten verbunden sind. Es muss also Kohle her, und zwar nicht zu knapp – und Kohle in diesen Mengen kann derzeit nur die freie Wirtschaft bereitstellen. Wir halten es für ein saugeiles Grundprinzip des deutschen Bildungssystems, dass es sich gerade nicht durch wirtschaftliche Interessen korrumpieren lässt und sind davon überzeugt, dass in unseren Klassenzimmern niemals Werbeveranstaltungen von Marken stattfinden dürfen. Wie aber bewegt man also Dickschiffe wie Google, SAP , Bosch und andere dazu, Geld und nicht unerhebliche Sachmittel bereitzustellen, ohne ihnen einen direkten Eingriff in den Unterricht zu erlauben? Wir haben deswegen eine gemeinnützige GmbH gegründet. Diese erlaubt es uns, Gelder einzusammeln und Geschäfte abzuschließen wie ein normales Wirtschaftsunternehmen – und zwingt uns gleichzeitig, jeden Cent in den Unternehmenszweck zu investieren. Keine verdeckten Gewinnausschüttungen, keine geheimen Auszahlungen an eine*n von uns, no monkeybusiness, verbrieft durch das Finanzamt Berlin (und das sind harte Hunde, wie wir während der Gründungsphase feststellen durften!). Bis auf zwei Kräfte, die für uns Projektmanagement und Koordination und Durchführung von Schulungen übernehmen, arbeiten wir alle bisher ehrenamtlich (strenggenommen haben wir sogar finanziell und zeitlich allesamt ziemlich viel reingebuttert). Alle Gelder, die wir von unseren Partner*innen aus der Wirtschaft erhalten, werden ausschließlich für die Produktion von Boards, von Begleitmaterial und didaktischen Konzepten und zur Durchführung von Schulungen eingesetzt. Steht auch so in unserer Satzung, die wir jüngst öffentlich gemacht haben (PDF). Gleichwohl – nur damit es zu keinen Missverständnissen kommt – werden wir ein Projekt dieser Größe nicht ewig völlig unentgeltlich betreiben können, eines Tages werden wir unsere Aufwände im Rahmen der Gemeinnützigkeit vergüten müssen – für die Miete wird’s reichen, für den Lamborghini nicht.

Wir wollen allen Kindern der dritten Klasse über das Bildungssystem ein Board zur Verfügung stellen – und wir wollen, dass diese Boards in den Schulen benutzt werden – und zwar von allen Kindern, unabhängig von den Möglichkeiten des individuellen Elternhauses. Zur Einführung sollen die wesentlichen Kosten durch Spenden aus der Wirtschaft getragen werden – auf Dauer wollen wir Calliope mini als Lehrmittel etablieren, so dass die Kosten systemisch getragen werden können. Um auch hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es entstehen Kosten. Unser Anliegen ist, diese Kosten möglichst ohne individuelle Zuzahlungen von Eltern zu decken, es liegt aber nicht allein in unseren Händen.

Die Crowdfunding Kampagne

Nichtsdestotrotz wollen ganz ganz viele Initiativen privater Art Calliope mini einsetzen, diese Initiativen sind bereit, für die Boards auch zu bezahlen. Was machen wir mit denen? Wir sind eigentlich voll damit ausgelastet, den oben skizzierten Ansatz über die Bundesländer umzusetzen – aber wollen, dürfen wir den Engagierten, die Calliope kaufen und freiwillig einsetzen wollen, vor den Kopf stoßen und sagen: „Wartet, bis Euer Bundesland ausgerollt hat?“ Wir denken nicht, im Gegenteil halten wir es für förderlich für das Gesamtprojekt, wenn wir von zahlreichen Freiwilligen Initiativen flankiert werden – die Sponsorengelder allein reichen ja bisher nicht einmal für alle Bundesländer, geschweige denn für zusätzliche außerschulische Projekte. Deswegen starten wir gerade eine Crowdfunding-Kampagne, um Calliope mini auch frei verkäuflich verfügbar machen zu können. Ab morgen kann jede*r ein Board für sich und gleichzeitig ein weiteres für ein Schulkind bestellen – ausgeliefert wird im April. Diese Kampagne läuft dabei losgelöst von unseren Bemühungen im Bildungssystem.

Die Lizenzen

Naserümpfen allenthalben, weil wir einen ersten Schulbuchverlag zum Partner haben. Cornelsen. Warum machen wir das, wir als Projekt aus der Mitte der Netzgemeinde? Was wir wollten, war Reichweite tief ins Bildungssystem hinein, dabei wollten wir aber dringend unsere Haltung bewahren: Freie und offene Materialien für alle. Und nun ist es passiert, es ist tatsächlich passiert! Wir haben einen ersten Schulbuchverlag davon überzeugen können, die Materialien für Calliope unter CC BY SA Lizenz zu entwickeln (PDF). Coolster Schulbuchverlagschef aller Zeiten: Mark van Mierle, Pionier, wahrscheinlich in Kürze unsterblich. Das Tor steht weit offen, /cc Klett und all die anderen.

Moi et le projet

Möglicherweise wird es immer welche geben, die uns das alles nicht glauben. Auf die trinke ich jetzt, Sonntag Abend, 23:55 Uhr, ein Bier, das ich mit Geld aus meiner ganz normalen Erwerbstätigkeit, der ich neben dem Calliope Projekt nachgehe, selbst bezahlt habe und wünsche mir, dass sie vielleicht eines Tages in der Lage sein werden, ihre Energie in etwas Produktives umzusetzen. Bis dahin versuche ich, mit Gesche, Stephan und den anderen, meinen eigenen Kindern die Welt ein bisschen besser zu machen. Ich tue dies für Ruhm und Ehre, für Eure Anerkennung. Seid nett zu mir, dann macht mir das unwahrscheinlich viel Spaß hier! Und klickt hier, um uns zu unterstützen oder kauft gleich tonnenweise unser kleines Board!

Lass krachen, Sigmar!

Lieber Sigmar Gabriel,

auf dem IT-Gipfel hattest Du einen Auftritt, der Dir ausgesprochen gut gestanden und zu recht viele Sympathien eingebracht hat: Du hast Dich geweigert, eine Frage des Moderators zu beantworten, weil die Frauen auf diesem Panel zu wenig zu hören gewesen waren. Da dachte ich seit langem endlich mal wieder: Schön in der SPD! Schön mit Dir als unserem Vorsitzenden.

Jetzt hat Angela Merkel gestern verkündet, dass sie 2017 erneut als Kanzlerkandidatin für die CDU ins Rennen gehen will. Die Reaktionen waren irgendwas zwischen „meh“ und „jaGutÄäh“ und „nunJaMussDannWohl“. In den USA, in Europa, hier in Deutschland laufen die Wähler*innen vermehrt Rechtpopulist*innen hinterher, die politischen Inhalte scheinen sie dabei nicht wirklich zu interessieren. Wenn die CDU meint, durch ein „weiter wie bisher“ könne man diesem Trend entgegenwirken, dann versinkt das Land und mit ihm der Kontinent in Nationalismus, Misstrauen und braunen Parolen. Dabei wollen die Wähler*inen eigentlich nur eins: Andere Gesichter, eine andere Ansprache und einen Rumms, Hauptsache anders. Das ist in dieser Situation eine große Chance für uns als SPD.

Lass uns eine der zahlreichen Frauen in der SPD zur Kanzlerkandidatin machen. Wenn Du noch in die Geschichtsbücher möchtest, dann als der, der in der SPD endlich den Glasboden gesprengt und Frauen nach ganz oben gelassen hat. Was Dir im kleinen auf dem IT-Gipfel so gut gestanden hat, kann Dich als Parteivorsitzenden unsterblich machen. Lass uns Manuela Schwesig oder Katharina Barley zur Kanzlerin machen. Stell Dir das mal vor: Endlich eine junge Frau im höchsten Staatsamt, frischer Wind, aber aus der richtigen Richtung! Ein modernes Fanal, mit einer Partei dahinter, die diese Werte auch wirklich in der Breite vertritt! Es ist Zeit, Christian Wörns durch den jungen Mats Hummels zu ersetzen, das erfordert ein bisschen Mut, aber ohne Mut braucht man uns nicht.

Die Eintritte in die SPD nehmen zu – zumindest gefühlt, ich habe das nicht geprüft. Der Wille zur Veränderung ist da. Wenn Du so eine Veränderung nun zulässt, könntest Du der stille Retter Europas werden. Das wäre schön, denn es macht mir als Basisparteimitglied richtig Spaß, Dich toll zu finden!

Viele Grüße
Maxim

Wie ARD und ZDF das Finale der EM 2016 aufziehen sollten

Das Finale der Euro 2016 wird von der ARD übertragen, als Kommentator ist Gerd Gottlob vorgesehen.

Derweil läuft ja das Turnier bereits, zwei Spiele wurden im ZDF von Claudia Neumann kommentiert. In den Social Media Kanälen ergießt sich eine frauenfeindliche Suppe über diesen Umstand, der in meiner Wahrnehmung im Jahr 2016 eigentlich keines Kommentars würdig wäre. Ich finde, es wäre Zeit für ARD und ZDF ein Zeichen zu setzen und Claudia Neumann jetzt erst recht das Finale kommentieren zu lassen.

Als BVB-Fan und Einwohner des WDR-Sendegebiets gehört Sabine Töpperwien zu meinen alltäglichen Fußballstimmen. Ich könnte mir folgendes gut vorstellen:

  • Sabine Töpperwien und Claudia Neumann kommentieren das Finale in der ARD (auch wenn Frau Neumann eigenlich beim ZDF unter Vertrag steht).
  • In der Halbzeitpause lässt man wahlweise Gerd Delling, Oliver Welke oder Tim Wiese Getränke reichen, während alle Interviews von Frauen geführt werden.
  • Gerd Gottlob, der eigentlich für den Final-Kommentar vorgesehen war, muss man in einer begleitenden Kampagne zum Helden erklären, weil er der erste Mann im Sendebetrieb ist, der vom Baum steigt und Claudia Neumann und Sabine Töpperwien das Feld überlässt. Unmittelbar vor Beginn des Finales muss man ihn im Fernsehen vor einem Millionenpublikum einen Satz sagen lassen, der für die Geschichtsbücher taugt, damit er in alle Ewigkeit in einem Atemzug mit Herbert Zimmermann (1954), Rudi Michel (1974), Gerd Rubenbauer (1990) und Tom Bartels (2014) genannt werden kann.

Zum Glück hat @schoemi auch gleich eine Petition erstellt. Unterschreibt da mal und twittert das @ZDF und @DasErste mal diesbezüglich an.

Bis zum Finale sind’s noch 22 Tage. Das ist zu schaffen!

Reality bites 2014

Vorgestern lief im Fernsehen „Reality bites“, also dieser Film, von dem man uns 1992 gesagt hat, er spiegele unsere (also meine) Generation wider wie kein anderer. Ich hatte den damals zwar gesehen, aber keinerlei Erinnerung daran, ich wusste nur noch, dass Winona Ryder die Hauptattraktion darin gewesen sein soll. Habe ich mir den Film also nochmal angesehen, 2014. Mir war nichts mehr von der Handlung präsent, nur Winona Ryder, damals die Schauspielerin, die ich „gut“ fand. „Scharf“ oder „Sexy“ oder „total geil“ gehörte damals schon nicht zu meinem Wortschatz in Bezug auf das andere Geschlecht. Die Formulierung lautete „gut finden“ und ich war (und bin wahrscheinlich immer noch) genau so verklemmt, wie sich das anhört.

Die Handlung war mir ziemlich egal, damals, es ging um irgendwas mit „was aus seinem Leben machen“, aber das lag damals in zu weiter Ferne für mich, das hatte noch Zeit. Dieses „was werden“, „ich möchte es vor meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr zu etwas gebracht haben“ fand nicht statt bei mir. Vorgestern hab ich gesehen, dass es in dem Film auch darum geht, sich selbst treu zu bleiben, die Dinge so zu machen, wie man es für gut hält. Und bin ich mir treu geblieben? Keine Ahnung. Damals hab ich nur Winona geguckt. Ich hoffe, dass ich mich seit damals vielleicht etwas entwickelt habe. Ich hoffe zumindest stark, dass mein Genderbild sich seit damals gewandelt hat, denn das, was in diesem Film diesbezüglich transportiert wird ist ja grauenhaftestes Mittelalter (die zwei Streithähne kämpfen um das Rehäuglein und der Aufrechte kriegt es dann am Ende auch, während Rehäuglein selbst den ganzen Film über hin- und hergerissen ist, wem sie sich denn letztlich hingeben soll, während das, was sie schafft, völlig nebensächlich bleibt). Ich fürchte, ich muss leider bekennen, dass ich damals, in den frühen Neuzigern und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus, wohl auch so ähnlich getickt habe was die Geschlechterrollen angeht. Ich gelobe Besserung!

Was aber hat mir an dem Film 2014 gefallen?

Vielleicht dieser gewisse Grad an Scheißegalness*), der Teilen meiner sog. Generation X hoffentlich bis heute anhaftet. Eine vermeintliche Ziellosigkeit, ohne dabei prinzipienlos zu sein. Es muss sich erstmal richtig anfühlen, das ist wichtiger als das Erfüllen von extern vorgegebenen KPIs. Lieber wird Winonas Film nicht zu ihrer Existenzgrundlage als dass eine kaputtgeschnittene Promo-Version selbige bildet. Ein gewisses Urvertrauen (das sicher dem Privileg eines in gesicherten Verhältnissen Aufgewachsenen entspringt), dass meine Familie und ich schon nicht verhungern werden, auch wenn ich das Jobangebot XY ablehne, weil dieser Job es nicht ermöglicht hätte, dass ich 50% meiner Zeit für die Familie da bin.

Und was mache ich denn so, heute, mit knapp 40? Ich twittere SPD-Sachen, obwohl mich das womöglich dauernd tausende Follower kostet. Ich schreibe alberne Humano Menetekel Blogbeiträge, obwohl die meinem beinharten Profil des Politprofis zuwider laufen. Hampel ich halt unter der Vorgabe „mal gucken, wie’s wird“ in der SPD Beuel rum, obwohl mich der @wasalski jedes halbe Jahr fragt, was das Gewurschtel denn da soll, welches Ziel ich denn da verfolge. Ich weiß es auch nicht so recht, aber es fühlt sich richtig an. Try to do things right ohne Angst zu haben, vielleicht gerade alles falsch zu machen. Und wenn sich herausstellt, dass doch alles falsch war, dann machen wir’s eben anders. Wir wissen dabei noch, warum wir’s mal für richtig gehalten haben und wir wissen jetzt, warum es dennoch falsch war.

Und es ist mir immer noch nicht so recht wichtig, mal „was zu werden“, auch wenn die Möglichkeit dazu natürlich immer noch als Option offen bleiben soll. Das ist geblieben. Und was bin ich seit damals geworden? Nicht sonderlich erfolgreich, was die KPIs angeht. Aber neulich, als wir 20 Jahre Abi ’94 gefeiert haben, konnte ich sagen: Ich bin glücklich soweit. Aber genau genommen das ist nichts besonderes, denn glücklich war ich eigentlich immer. Klingt nach simplem Gemüt, irgendwie, wie soll ich denn so jemals Bundeskanzler werden? Werd ich halt kein Bundeskanzler, wenn keiner so einen Bundeskanzler haben will.

(Kann man das alles so schreiben? Haltet Ihr mich jetzt für einen selfish Arsch? Ach egal, raus damit, schreib ich vielleicht demnächst was nicht-selfishes.)

*) Am treffendsten trifft ja die Musik von Mudhoney diese Scheißegalness. Nicht professionell gespielt, nicht professionell gemischt, nur hingespielt als Entwurf großartiger Musik. Musik, der es reicht zu sagen: „Wisster schon wie das gemeint ist, das jetzt gerade einzuspielen ist uns im Moment zu anstrengend.“ Feels right, sounds ausreichend. Save energy für anderes Zeugs. It’s good enough.

Die Musik beginnt zu wirken

Wenn ich morgens wach werde, geht mein erster Griff zum Smartphone. Gucken, wie spät es ist. Gab’s noch einen Spät-Fav? Hat noch wer was in der Diskussion bei Facebook gepostet? Schnell die ersten Schlagworte des Tages aufnehmen. Oft kommt da gerade der Große Sohn zu uns ins Bett. „Papa, darf ich Tablet spielen“, fragt er und ich sage selbstverständlich „Nein, nur am Wochenende.“ Gemaule. Und now the Beastie Boys are bustin’ in and say: „…that hypocrite smokes two packs a day!“ Ich mache das Smartphone aus.

Von an Larmoyanz grenzender Sentimentalität wurde ich heute morgen erwischt, denn der Kleine Sohn hat heute Geburtstag. Große Geschenke auf dem Frühstückstisch, auspacken, aufbauen! Ohh, Kuchen! Kerzen auspusten, „Ich bin jetzt schon vier!“ Bei den Geburtstagsliedern muss ich immer weggucken, weil mir sonst das Stimmchen wegbricht vor lauter Rührung. Und dann bringen wir die Kinder in den Kindergarten, heute Nachmittag kommen dann die Kindergartenfreundinnen und -freunde zum Feiern, „Jupagangnamstyle Stop-Tanz, Papa!“

Im Büro kommt ein gewisser Herr Cash rein, guckt sich um, sieht mich, kommt auf mich zu und fragt: „Sind Sie das? Der Vater vom Kleinen Sohn, der heute Geburtstag hat?“ Ich bin im Büro, Eiskalter-Entscheider-Mode. Und Herr Cash singt: „When you’re coming home, Dad? – I don’t know when, but we’ll get together then, you know we’ll have a good time then.” Und schnell, ganz schnell halte ich Herrn Cash meinen Wochenplan entgegen und sage mit zitternder Stimme: “Hier! 32 Stunden die Woche, Herr Cash, ich bin jeden zweiten Nachmittag mit den Kindern zu Hause. Und ich räume immer den Spüler aus. Und ich singe Quatschlieder mit ihnen. Und trinke Kaffee aus einer rosa Tasse wegen der Vorbildfunktion und weil Kinder durch Nachahmung… hier… weißt schon.“

Herr Cash dreht sich um und geht. Er singt: „My boy was just like me, he’d grown up just like me” und hebt die Hand im Weggehen. Komischer Typ. Ich wende mich den Spezifikationen für dieses System zu.

Nicht fertig.

Ich weiß nicht, mir geht derzeit einiges unfertige durch den Kopf, da braut sich was zusammen, aber ich kriege es noch nicht so recht auf die Kette. Da sind diese Krautreporter, die das mit dem Frauenanteil völlig verbaselt haben und die TL – namentlich @mspro – sagt ganz toll: Das ist sowas von von gestern, wir sind inzwischen besseres gewohnt. Und ich denke an meine Sozis und dieses unsägliche dicke weiße Männer Dreigestirn vom letzten Sommer (obwohl ich ja Frank-Walter als Außenminister gerade ganz gut finde…). Und ich überlege, wer soll denn bei uns Kanzlerkandidatin werden, wir sollten die ja mal long-term aufbauen (also jetzt mal anfangen). Und mir kommt Barbara Hendricks in den Sinn (weil Hannelore ja nicht will, was ich immer noch so schade finde, und was ja nothing but a Ausdruck unseres Problems ist, denn sie will ja m. W. deswegen nicht, gerade weil in Berlin die dicken weißen alten Männer immer noch am Ruder sitzen), die ja mal auch ein coole Sau ist. Also Barbara jetzt. Und mir kommt in den Sinn, dass die SPD-Ministerinnen eigentlich einen ganz guten Job machen gerade (auch wenn @ion_tichy die Rentenpläne von Andrea verdammt, ich finde, da wird weitgehend geliefert, was versprochen wurde und den Mindestlohn finde ich mal ziemlich geil, schon allein deswegen hier.) Und dann diese Regenbogenfahnen auf den SPD-geführten Ministerien, das war cool, auch wenn sie die Fahnen nun auf Druck von Peter Altmaier (CDU!) wieder einholen mussten.

Und dann hat meine Mutter wohl zu meiner Schwester das hier gesagt:

Und ich finde meine Mutter ganz toll deswegen, auch wenn ich den Spruch an der einen oder anderen Stelle ein wenig erklären musste.

Seit ein paar Wochen versuche ich, u. a. (nicht nur , aber auch) den D64-Ticker, wenn ich ihn schreibe, mit genderneutraler Sprache zu schreiben – und jedes Mal fällt mir dabei auf, was für einen Unterschied es schon für mich selbst, der ich das schreibe, macht, wenn ich versuche, an jeder Stelle eben explizit Männer, Frauen und alle anderen sonst sprachlich zu berücksichtigen.

Es ist nicht fertig. Aber es braut sich was zusammen.

Wenn sie uns zusammen lassen

Bin heute in einem seltsamen Gemütszustand. Erstmal geht mir wieder und wieder die Bio von @horax durch den Kopf: „Die Welt ist veränderbar!“ Dafür gilt es @horax eigentlich täglich zu danken, denn ständig geht mir dieser Satz durch den Kopf und jedes Mal gibt er mir Hoffnung und Zuversicht.

Symbolbild "Welt verändern": Wer braucht schon GettyImages mit komischen Bedingungen, wenn ich derart sprechendes Material auf meinem eigenen Küchentisch erstellen kann? Ha!
Symbolbild „Welt verändern“: Wer braucht schon GettyImages mit komischen Bedingungen, wenn ich derart sprechendes Material auf meinem eigenen Küchentisch erstellen kann? Ha!

Bei Zeit Online hat heute einer was über die Zukunft geschrieben, was über Programmcodes und die Verantwortung des Programmierers. Sofort schießt mir der Begriff Algorithmenethik durch den Kopf, den ich zuerst von @holadiho gehört habe (der aber bestimmt auch von ganz vielen anderen schon gedacht und entwickelt wurde) und ich habe das vorurteilsbehaftete Bild vor Augen, wie ein anämischer, soziopathischer Nerd in einem fensterlosen Keller genialische Codes entwickelt, die die Welt beherrschen, und dabei manisch vor sich hin kichert. Oha, denke ich, wo kriegen wir denn Softwareentwickler*innen her, die nicht nur soziale Kompetenzen besitzen, sondern diese auch noch in ihre Produkte einfließen lassen? Das geht natürlich nur, wenn die Projektbetreiber das aktiv einfordern…

Aber da habe ich nicht weiter gedacht, denn es ist Samstag und die Sonne scheint, es ist Weltfrauentag, da will ich nichts denken, was so nah an meiner Erwerbstätigkeit ist.

Ich mache also mal die Facebookseite auf, „Ah“, denke ich, „meine Schwester @Aetideopsis hat ja was kommentiert!“ Ich hatte die Pressemitteilung „Mehr Frauen für IT begeistern“ von Brigitte Zypries geteilt (die @nico mir reingespült hatte), und meine Schwester sagt dazu:

„Ich wuerde sagen: IT in die Grundschulen zu Jungs & Maedels, wie in Indien & Pakistan schon seit Jahren. Aber nee, digital ist nicht aus Holz also evil.“

Und ich denke: „Jööh!“ und ich denke, dass @nico mit seiner Forderung recht hat, Programmieren als Schulfach einzuführen. Und ich denke, dass das alles irgendwie Aspekte sind, die wir auf unserem re:pulica-Panel*) ansprechen könnten, denn da werden wir über Schule und Digitales sprechen und ich freue mich wie blöd darauf. Vielleicht kann meine Schwester ja auch kommen? Ich würde gern mit ihr öfter mal über so Dinge sprechen und da bin ich plötzlich wieder beim Weltfrauentag, denn meine Schwester beißt sich seit Jahren durch den wissenschaftlichen Betrieb und bringt das mit ihrem Familienleben in Einklang und kann viele Dinge berichten und dann denke ich, sie sollte vielleicht auch bei D64 mitmachen, damit ich mit ihr und @frau_ratte mal eine Veranstaltung machen kann, aber das hätte dann ja weniger mit digitaler Technologie zu tun als mit dem Verhältnis Erwerbstätigkeit – Familie, was aber wieder was zum Thema Zukunft der Arbeit wäre, was dann doch bei D64 immer wieder heiß diskutiert wird.

Und dann habe ich Facebook wieder zugemacht und den Rechner zugeklappt, weil die Kinder was essen wollten und da kam @ion_tichy rein und wir haben kurz mal darüber gesprochen, ob ein Smartphone-Verbot an der Grundschule was Gutes oder des Teufels ist und wir haben versucht, es auszudifferenzieren und ich habe meine Vorurteile gegenüber dem Schulbetrieb ins Feld geführt und dann nicht gewusst, ob sie stimmen und dann hab ich gedacht, dass ich im Zweifel immer lieber machen möchte als nicht machen möchte und dann habe ich gedacht, dass ich auch mit @ion_tichy mal eine Veranstaltung machen möchte oder zumindest mal mit ihm und den vielen anderen mit Bier und vielem Essen und Schnaps erst debattieren, dann rumschreien und am Ende besoffen singen möchte. Und da fällt mir ein: Wie ist das, @wasalski, steht da nicht noch so’n Termin aus?

Wie dem auch sei, ich hab gerade mal wieder voll Bock, die Welt zu verändern mit diesen tollen Leuten, die es da überall so gibt, und ich sage hier jetzt endlich mal danke, lieber @horax, für Deine Bio! Wir**) sind super, wir schaffen das mit dieser Welt!

 

*) Hurra, wir dürfen mitmachen! Leider ist unser Panel von den re:publica Macher*innen noch nicht veröffentlicht, daher kann ich es hier derzeit noch nicht verlinken. 

**) wir, also diese ganzen Meinungsstarken und die Leiseren, die Nachdenklichen und die Schnellschießenden, die Fröhlichen und die Skeptischen, wir hier, die man uns zusammen kommen lässt, in diesem Internetz! Yeah!

Rosa Strumpfhosen

Vorgestern oder so hatten wir eine kleine Gesprächsrunde zum Thema Genderpopender bei den Kindern im Kindergarten. Was tun dagegen, dass es für Jungs nur Klamotten in Tarnfleck und für Mädchen nur in Lillifee zu kaufen gibt?

Wir waren etwas unvorbereitet in dieses Gespräch gegangen und wir haben viele Thesen und Aussagen und was weiß ich alles hin und her geworfen, aber am Ende und nach zweimal drüber schlafen ist bei mir dann doch etwas hängen geblieben, was mir richtig erscheint:

Ich fürchte mich davor, meine Kinder zu instrumentalisieren und meine Vorstellung von richtigem Genderverhalten über sie zu transportieren oder gesellschaftlich wirksam zu machen. Die Gefahr, dass a) meine heutige Vorstellung richtigen Genderverhaltens vielleicht gar nicht so richtig ist und b) meine Kinder mir später vorhalten, sie hätten sich immer gewünscht mit den Panzern spielen zu dürfen, aber ich hätte es ihnen immer verboten, ist mir zu groß. Ich möchte meine Kinder nicht dem aussetzen, sozial isoliert zu werden, nur weil ich dringend will, dass sie rosa Strumpfhosen als etwas ganz normales anzusehen zu haben.

Dennoch finde ich es ja ziemlich falsch, dass gerade Jungs in ihrer Freiheit sehr eingeschränkt sind, alles was rosa ist müssen sie quasi „iih“ finden, sie müssen Tanz und Ballett blöd finden, obwohl sie möglicherweise ein Talent dafür haben und vielleicht tolle Tänzer würden. Mädchenkram ist für Jungs ein absolutes No-Go, Mädchen mit Baggern und Autos sind hingegen völlig normal – Antje Schrupp hat mir in dieser Hinsicht einmal mehr den Horizont erweitert, ihren Beitrag zum Thema rosa Überraschungseier findet Ihr hier.

Aber dennoch kann man natürlich die Jungs jetzt nicht im Prinzessinnenkostüm in  den Kindergarten schicken. Fünfjährige können nicht leisten, das zu reparieren, was gesellschaftlich falsch läuft und man sollte sie, finde ich, diesem Druck auch nicht aussetzen. Ich möchte, dass meine Kinder immer das Gefühl haben, dass sie gut finden dürfen, was sie gut finden – dass ich sie gut finde, auch wenn sie etwas gut finden, was ich nicht gut finde.

Was also tun? Einfach nichts? Ich denke gerade über etwas nach, was ich mal die zwei Linien nennen möchte. Die erste Linie ist die, ab der ich den Söhnen melde, dass ich etwas blöd finde, es aber ihnen überlasse, ob sie damit weitermachen oder nicht. Innerhalb dieser Linie versuche ich, ihnen durch eigenes Verhalten vorzuleben, was man als Mann ausser den gesellschaftlich gebilligten Dingen noch so alles gut finden kann und hoffe auf den von Jesper Juul propagierten Effekt, dass Kinder hauptsächlich durch Nachahmung lernen.

Die zweite Linie ist dann unverhandelbar, aber die ist weniger durch Genderpopender definiert als vielmehr durch Verhalten, dass ich ganz unabhängig davon bei meinen Söhnen nicht sehen will: Es ist eine Sache, wenn die Kinder „erschießen“ spielen und dabei „peng peng“ rufend an einander vorbei laufen. Wenn dieses Spiel aber ekelig wird, unterbinde ich das – etwa wenn „erspielte“ Macht missbraucht wird, wenn auf Schwächeren im übertragenen und im Wortsinn herumgetrampelt wird. Und Tarnfleck kommt mir auch nicht ins Haus, das ist für mich militärische Nutzkleidung, die überhaupt nur aus Shicedreque-Gründen erfunden wurde.