Peter and the Test Tube Baby

Jetzt hat ja dieser Beau aus Königswinter die ganze Stadt mit seinem herrlichen Anblick geschmückt und die Genoss*innen haben sich darüber mokiert, was ich eigentlich unnötig finde, aber ein bisschen lustig ist das ja dann auch, wenn man sich mal die Postings auf seiner Facebookseite anguckt: Da finde ich bei der Lichtgestalt von der Union seit dem 1. Juni bis heute Abend 12 Postings. Fünf davon handeln von seinem Poster. Er sieht aber auch gut aus, dieser schöne Mann aus dem Siebengebirge, das muss man ihm schon wirklich lassen! Und ist wirklich gut getroffen auf seinen vielen Bildern, da möchte man Ball sein!

Und Peter? Ok, 30 Postings seit dem ersten Juni, wohl mehr so Masse statt Klasse, was? Auf jedem Bild muss man ihn suchen, da sind immer so lästige andere Leute um ihn rum, die Haare nicht richtig gemacht und was für eine Körperhaltung hat der eigentlich?! Ist das jetzt der mit der weißen Hose oder der mit der Jeans? Ich nähere mich mit meinem prüfenden Auge dem Bildschirm – ah, das muss er sein, der mit der weißen Hose. 30 Postings, die meist davon berichten, wie er in allen Teilen der Stadt unterwegs ist und mit Leuten spricht. Seit dem 1. Juni war er in Dottendorf, Tannenbusch, Brüser Berg, Bonn Mitte, Bad Godesberg, Pützchen, Pennenfeld, Lannesdorf, in der Altstadt, Plittersdorf, Rüngsdorf, Lengsdorf und in Graurheindorf am Hafen.

Ständig mit so vielen Menschen, ich könnte das nicht. Die stellen doch Fragen, am Ende noch unangenehme! Ich würde auch das beschauliche Leben in den Fotostudios dieser Welt vorziehen, genau wie der Schmalspur-Guttenberg aus Königswinter. Nicht, dass dem das am Ende alles zu viel wird!

Bericht vom Barcamp #DigitalLEBEN am 25. April 2015

Gestern hat das Barcamp #DigitalLEBEN der SPD in Berlin stattgefunden und ich bin extra dafür und wegen der Aussicht auf einen schönen Abend mit den D64er*innen nach Berlin gefahren.

Wie es sich für ein ordentliches Barcamp gehört, steht man erstmal mit denen rum, die man kennt und trinkt einen Kaffee auf Parteikosten und macht ein paar Sprüche, um locker zu werden. Schließlich hat Yasmin Fahimi, also die Generalsekretärin der SPD, ein paar eröffnende Worte an uns gerichtet. Ich musste ihr recht geben, als sie sagte, dass DigitalLEBEN mehr ist als nur Vorratsdatenspeicherung.

Dann wurde das Grid gefüllt, allein zur VDS waren glaub ich sechs Sessions eingereicht worden. Nach kurzer Vorstellung der jeweiligen Themen ist dann am Ende dieser Plan dabei rausgekommen: Barcamp #DigitalLEBEN, Sessionplanung, 25.04.2015.

Session 1: Digitale Bildung

Als erstes bin ich natürlich zu Josefine Geib und Niklas Konrad mit dem Thema „Digitale Bildung“ gegangen. Was ich angenehm und für die SPD nicht selbstverständlich fand: Das Wort „Digital Natives“ ist nicht ein einziges Mal gefallen, es gab keine Verweise auf irgendwelche Hirnforschung und die ganze Diskussion war von konstruktivem Gestaltungswillen geprägt. Weder standen Bedrohungs- noch Verblödungsszenarien im Vordergrund, sondern vor allem die Erkenntnis, dass die Digitalisierung das bestehende Bildungssystem nicht „unterstützen“ oder „erweitern“ kann, sondern fundamentalen Einfluss darauf nimmt.

Mein Beispiel in dieser Diskussion war: Wenn Schüler*innen in den Abiturprüfungen mit aller Macht vom Wissen der Welt ferngehalten werden, indem Smartphones verboten und Zugang zum Internet unterbunden und als „mogeln“, Betrug oder Verblödung sanktioniert werden, kann man einerseits die Polizeipräsenz auf Schulklos massiv erhöhen oder vielleicht Aufgaben stellen, die darauf ausgerichtet sind, dass Schüler*innen diese mit Hilfe des Internets und digitalen Technologien lösen.

Insgesamt war die Session ziemlich vollumfänglich, so dass wir sehr sehr viele Aspekte angesprochen, aber nicht diskutiert haben. Die Liste der Themen war diese hier, ich schreib sie einfach mal so ab und denke, dass wir in der D64-Bildungsgruppe öfter noch darauf zurückgreifen werden:

Frühkindliche Bildung:

  • zu hohe Kinderbetreuungskosten
  • zu wenige Lehr- und Betreuungskräfte
  • zu viele Kinder auf eine*n Erzieher*in
Schule:

  • 3gliedriges Schulsystem
  • individuelle Lehrpläne
  • veraltete starre Lehrpläne
  • viele Initiativen in den Bundesländern, dennoch stehen wir nicht gut da
  • 1:1 Austausch Schulbuch:iPad wird der Digitalisierung nicht gerecht
  • uneinheitliche Standards im Informatikunterricht
  • IT-Ausstattung an Schulen, Finanzierung Bund?
  • IT-Fachkräfte an Schulen
  • Transport von Schüler*innen auf dem Land
  • Kontrollverlust durch digitale Medien macht Angst, wie überwinden wir das?
  • Schulbücher oft noch unanschaulich oder unkritisch
  • dass Lehrer*innen nicht von Schüler*innen lernen wollen!
  • inklusive Schule für alle
  • Medienkonsum ≠ Drogenkonsum
Ausbildung:

  • zu viele Unterschiede

Hochschule:

  • Lehrer*innenausbildung
  • begrenzte Kapazitäten / Studienplätze
  • „Verschulte“ Hochschulausbildung
  • fehlende Flexibilität bei Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen
  • Unversal- vs. Spezialwissen, hohe Diversität von Studiengängen
  • Verschulung vom Bachelor

Weiterbildung / Lebenslanges Lernen:

  • lebenslanges Lernen als Grundrecht/-pflicht
  • „seriöse“ Bildungsmöglichkeiten im Netz schwer zu finden
  • Selbstfinanzierung der Weiterbildung
  • barrierefreier Besuch in der VHS
  • Anreize und Freiräume für berufsbegleitendes Lernen
Sideboard:

  • Inklusion oft noch nicht reflektiert umgesetzt
  • negaitv/„Bedrohung“-gesteuerte Debatte
  • verschiedenes Lernverhalten
  • sozial ungleiche Bildungschancen
  • unterschiedliche Standards trotz „gleichem“ Abschluss
  • Bildung bereitet nicht auf das vor, was man braucht
  • Kultushoheit der Länder! einheitliche Lehrpläne?
  • Leistungsdruck statt Persönlichkeitsentfaltung
  • Finanzierung
  • Lernen zum Vergessen
  • Was ist heute Allgemeinbildung?
  • Kindersicherung im Internet
  • Föderalismus
  • Definition der Kompetenzen für #Digital(unleserlich)
  • Bildung 4.0?

Session 2: Bessere Vernetzung

Die zweite Session, die ich besucht habe, hat @kaffeeringe aufs Tableau gehoben, hier ging es darum, wie wir innerhalb der SPD die digitalen Themen auf eine breitere Basis stellen. Wie der D64-Musterantrag gegen die VDS ja gezeigt hat, kommt ja erst so richtig Druck auf die Leitung, wenn in der SPD Anträge beschlossen werden. Das geschieht im Moment hauptsächlich über die Ortsvereine oder die Unterbezirke (so heißen diese Gliederungen bei uns in NRW, woanders haben die andere Bezeichnungen). Das hat jetzt für die VDS ja ganz gut geklappt, viele haben entsprechende Beschlüsse gefasst, aber, sind wir ehrlich, für die VDS kommt das drei Jahre zu spät. Das Problem ist, dass das Thema in der Partei so lange gebraucht hat, um prominent genug zu werden, dass sich die „Standardgliederungen“ einen Beschluss dazu zutrauen. Bei weiteren digitalen Themen werden wir aber nicht wieder jeweils drei Jahre warten können, bis das Parteibewusstsein sich zur Entscheidungsfähigkeit entwickelt hat.

Daher hat Steffen vorgeschlagen, dass wir uns innerhalb der SPD stärker organisieren müssen. „Gründet Arbeitskreise auf UB-Ebene“, war der Tenor dieser Session und ich habe mir fest vorgenommen genau das zumindest erstmal in Bonn zu tun und darüberhinaus die Genoss*innen innerhalb des D64 darum zu bitten, das auch in ihren jeweiligen Gliederungen zu tun. Wenn wir uns schlaue Dinge bei D64 ausdenken, ist es ja umso schöner, wenn wir die dann auch gleich schlagkräftig in die Partei tragen können.

Steffen hat die Session auch gleich selbst noch einmal verbloggt, das könnt Ihr hier nachlesen: „Organisiert Euch!“

Nach der zweiten Session war erstmal Mittagessen, es gab Wurst, selbstverständlich nicht ohne den lieben @horax.

Session 3: Generation Gap in der Schule

Nach dem Mittagessen ging’s dann für mich im Hof weiter. Bei allerschönstem Wetter saßen wir mit @EskenSaskia und @lorenzotural in entspannter Runde und Lorenzo erzählte uns ein wenig aus seinem digitalen Schulalltag. Was mir besonders präsent geblieben ist:

  • Es werden Smartphoneverbote verhängt und die Kinder umgehen diese ebenso selbstverständlich wie mühelos.
  • Guter, interessanter Unterricht unterbindet ungewollten Smartphoneeinsatz ganz von selbst
  • Das Verhältnis Lehrer*in – Schüler*in ist von einem Machtgefälle geprägt, Lorenzo hat das so formuliert: „Die Lehrer haben kein Vertrauen zu den Kindern.“

Ich fand es einerseits sehr angenehm, diese Aspekte einmal von einem 14jährigen direkt ausgesprochen zu hören, auf der anderen Seite hatte ich ja heimlich die Hoffnung gehegt, dass der Schulalltag vielleicht weniger diesem Klischee entsprechen möge.

Aber es ist ja nicht alles schlecht, „Kohärentes Lernen“ (also quasi das, was sie da jetzt in Finnland im großen Stil aufziehen möchten) ist als Thema in der deutschen Bildungsdebatte angekommen – auch wenn wir weit davon entfernt sind, sowas konkret in Angriff zu nehmen.

Fazit

Ich fand das Barcamp eine sehr runde Sache, ich habe viele Bekannte getroffen und einige Netzbekanntschaften jetzt auch mit Gesicht versehen können. Ich finde aber, dass wir uns, zumindest in den Sessions, die ich besucht habe, häufig viel zu einig waren. Ich würde mir wünschen, dass mehr Genoss*innen an solchen Barcamps teilnehmen, die nicht unbedingt meiner Meinung sind und dass wir darüber tiefer gehende Diskussionen führen können. Der digital Divide geht quer durch unsere Partei und wenn digital dransteht, kommen die Alten nicht (um’s mal böse verkürzt darzustellen:)).

Andererseits ist es auch schön zu sehen, dass wir ganz viele digitale und ganz viele junge Genoss*innen in der Partei haben. Was mir immer wieder das Herz erwärmt ist dabei, dass die, die ich gesprochen habe, alle ganz tiefe Überzeugungen haben, die ich teile. Es wird selbstverständlich gegendert, es sind wie selbstverständlich Gebärdendolmetscher da,  alle Themen werden auf soziale Gerechtigkeit hin abgeklopft und es wird versucht, niemanden zu vergessen.

Abschluss mit @horax und @weyhmueller und D64

Nach dem Barcamp, einige haben’s vielleicht schon in der TL gesehen, gingen wir zum gemütlichen Teil über: @horax hat @weyhmueller und mir die schönsten Craft-Beer-Venues von Berlin gezeigt, wir sind dabei durch Gegenden gekommen, in denen ich spontan das Bedürfnis hatte, ein Fahrrad unabgeschlossen stehen zu lassen. Finally, in der StäV, aßen wir mit den D64er*innen etwas Himmel un Ääd, ein letztes Kölsch, und dann war ich um zehn brav in der Poofe.

 

Peter Ruhenstroth-Bauer

Meine Güte, was für ein komplizierter Name. Für den soll ich jetzt also Wahlkampf machen. Peter Ruhenstroth-Bauer. In fünf Stadtteilkonferenzen haben er und Ernesto Harder sich den Genoss*innen vorgestellt. Dass Peter bei der Abstimmung dann so deutlich gewonnen hat, hat mich überrascht. Ich war bei der Abstimmung leider selbst nicht zugegen und daher auch nicht direkt daran beteiligt.

Jetzt gucke ich mir den Herrn also mal an. Auf der Beueler Vorstellung fand ich ihn gut. Ich habe mich gefragt, wie ein möglicher SPD-OB mit dem schwarz-grün-gelben Stadtrat umgehen würde. Ich glaube, dass er als ein Unverbrauchter in dieser Gemengelage bessere Handlungsoptionen hat als einer, der vielleicht schon (zu) lange dabei ist. Die Genoss*innen haben zurecht beklagt, dass ein Mehltau auf der Bonner Kommunalpolitik liegt. Ich finde das auch. Es wurde ins Feld geführt, dass man genau dieses Argument damals auch gezogen habe, als Jürgen Nimptsch zu unserem Kandidaten gekürt wurde und heute wird das Verhältnis von Jürgen zum Stadtrat und zur SPD-Fraktion als „schwierig“ bezeichnet. Ich kenne mich da nicht so aus, ich bin kommunalpolitisch nicht drin in Bonn. Aber einen Unterschied kann ich schon erkennen: Während Jürgen damals als Leiter der Beueler Gesamtschule nur vergleichsweise wenig politische Erfahrung hatte, scheint mir das bei Peter anders gelagert zu sein.

Er war als Staatssekretär Teil der Bundesregierung. Er hat Verhandlungen im Bundesrat geführt. Er hat kleine, mittlere und große Budgets verantwortet. Er hat politische Erfahrung auf unterschiedlichen Ebenen gesammelt. Das finde ich schon mal gut.

Im Interview im Bonner Generalanzeiger hat er heute einen Satz gesagt, der mir mein sozialdemokratisches Herz erwärmt hat:

Wenn ich bei den Sportvereinen und bei der Jugendarbeit spare, habe ich unter Umständen später höhere Kosten bei der Jugendsozialarbeit. Das ist kein Sparen mit Augenmaß.

Damit spricht er mir aus der Seele und ich hege Hoffnung, dass die SPD im allgemeinen und die Bonner SPD im Besonderen aus solchen Sätzen für sich etwas ableitet, was meiner Wahrnehmung nach eines der wichtigsten Mittel gegen Politikverdrossenheit überhaupt ist: Haltung.

Now to the Kritik: Was soll’n das heißen: „Es ist eine Personenwahl“? Ich habe den Eindruck, dass sich die Bonner SPD nach dem letzten unsäglichen Kommunalwahlergebnis gerade runderneuert (aber vielleicht ist das nur meine persönliche Wahrnehmung). Ich finde, dass eine bessere Bindung zwischen SPD Fraktion und OB dringend Not tut, denn wir dürfen nicht vergessen, dass sich die SPD in Bonn in einer besonderen Situation befindet: Im Stadtrat hat sie als Oppositionspartei nicht viel zu kamellen, muss aber für alle falsch getroffenen oder noch schlimmer nicht getroffenen Entscheidungen den Kopf hinhalten. In der Wahrnehmung vieler ist die Stadt gefühlt SPD-regiert, weil der amtierende OB nun mal unser Parteibuch innehat. Dass die maßgeblichen Entscheidungen jedoch von schwarz-grün getroffen wurden (oder eben gerade NICHT getroffen wurden), hat den dafür verantwortlichen Akteuren wenig geschadet, weite Teile der Kritik sind von der Projektionsfläche des Oberbürgermeisters und seiner Vorgängerin absorbiert worden. Ich finde wichtig, dass Peter sich viel selbstbewusster und selbstverständlicher mit seiner Partei hier in Bonn solidarisiert, gerade in der jetzigen frühen Wahlkampfphase, um den ganzen sich momentan erneuernden Laden hinter sich zu bringen.

Aber das wird er sicher nach meinen unfassbar einflussreichen Worten hier bald tun. Ähem… äh.. ok, hehehe… :)

Und noch ein Kritikpunkt: Ich mag ja Peters sozialdemokratische Handschrift. Es gehört aber auch zu den sozialdemokratischen Tugenden, das Machbare zu tun. In seinem Interview hatte ich den Eindruck, dass er aus wirklich guten Gründen die allgemein ins Feld geführten Sparpotenziale (Stadtteilbibliotheken, Hallenbäder, Bürgerämter) alle hinterfragen will. Das finde ich richtig. Allein, was mir fehlt: Wo will er denn dann sparen? Oder weiter gefasst: Wie will er den Laden bezahlen? Da fehlt es mir im Moment noch ein wenig an konkreten Szenarien. Mehr Kohle einnehmen? Also Steuererhöhungen? Und davon das Festspielhaus finanzieren? Da muss noch was kommen.

Was mir hingegen wieder gut gefällt: Er versprüht Tatendrang. Das hat die Bonner Kommunalpolitik dringend nötig. Vielleicht brauchen wir nicht das ganz große Festspielhaus. Aber so, wie Bonn im Moment mit Beethoven umgeht, ist viel zu viel Potenzial verschenkt. Der Fokus liegt, da folgt die Stadt ganz konservativen Handlungsmustern, auf dem Sparen, dem Nichthandeln, dem „bloß nicht wieder den WCCB-Fehler machen“, der Bewegungslosigkeit, dem angstvollen Festhalten an dem, was frühere Generationen hier aufgebaut haben. Ich finde gut, dass Peter die Potenziale dieser kleinen Stadt am Rhein ins Feld führt. Ich finde gut, dass er im Auge hat, dass man in Bad Godesberg nicht einfach alles zumachen kann, sondern dass man dort was machen muss. Ich finde ausgesprochen gut, dass er im Blick hat, welcher Stadtteil zu kippen droht, wenn wir nicht gegensteuern, dass Stadtteile kippen werden, wenn wir zu lemminghaft dem Diktat des Sparens genüge tun.

Disclaimer: Der/die aufmerksame Beobachter*in hat vielleicht gemerkt, dass ich so langsam in Wahlkampfstimmung komme. Komme ich. Komme ich deswegen, weil ich Peter, je länger ich über das nachdenke, was ich bisher so von ihm so kenne, immer besser finde. RUHENSTROTH-BAUER heißt der Mann, dabei wäre zum Beispiel Glocke oder Müller viel einfacher zu merken. Und Creative Commons Bilder gibt’s anscheinend auch nicht! Man hat’s nicht leicht als wahlkämpfender Sozi :)

 

Deutschlandreise mit Internet

Am 14. November fing sie an, meine Deutschlandreise mit Internet. Alle Hotels, alle Reiseverbindungen alle Vorabverabredungen online gebucht, die Bahntickets auf Papier ausgedruckt, denn Zugbegleiter*innen sind die einzigen Menschen, die QR-Codes scannen, und das exzessiv. Ausserdem brauche ich auf dem Bahnsteig alle zehn Sekunden die Rückversicherung, in welchem Wagen ich nochmal sitze und auf welchem Platz. Wagen 12, Platz 29. Zwölfneunundzwanzig, zwölfneunundzwanzig. Wann kommt der Zug? Nochmal nachgucken, ah, 8:29. Achtuhrneunundzwanzig. Gleis zwei, war doch richtig, oder? Zwei, Gleis zwei. Welcher Wagen nochmal? Dafür brauche ich das Papier in diesen digitalen Zeiten.

Als der Zug kommt, steige ich ein und setze mich. Handy im Anschlag. Die Jammerplaylist bei Spotify sicherheitshalber offline verfügbar gemacht, denn das mit dem Internet im Zug, das weiß man ja, ist immer so eine Sache. Es gibt einen Hotspot von T-Online, kostet fünf Tacken, soll ich? Ach komm, ist eine lange Fahrt von Bonn nach Berlin, das Abenteuer wartet, soll heute mal nicht drauf ankommen, raus mit der Kohle, rein mit der Welt in mein Handy und damit in meinen Kopf. Middelhoff und Manuela Schwesig sind am diesem Tag die Themen, der BVB grüßt in die TL und wird aus Brasilien, Saudi Arabien, und Malaysia zurückgegrüßt, und überhaupt aus der ganzen Welt. Ich lese was über die miese Lage der Twitteraktie und haue einen schnellen Tweet raus, der mir eigentlich immer noch gefällt. Die Jammerplaylist kommt bei den White Stripes an und geht über zu Jimi Hendrix:

Als ich in Berlin ankomme, bin ich mit @Rheinwaerts lose verabredet. Erstmal ins Hotel, die Sachen abwerfen, dann eine Message an ihn. In der Zwischenzeit Frage von @horax, ob wir vor der D64-Mitgliederversammlung schon mal ein Bier in der Tschechischen Bierbar im KaDeWe nehmen sollen. Ich sage hocherfreut zu. Ich warte noch ein wenig, ob @Rheinwaerts sich noch mal meldet, aber er hat an diesem Tag im Ministerium zu tun, also einen schnellen Burger in irgendeinem Laden gegen den Hunger. Ist nur so mittel, der Burger, macht aber nichts. Ich befrage Allryder, wie ich am besten zum KaDeWe komme und baldowere eine Route aus.

Im KaDeWe bin ich zu früh, also schlendere ich durch die Luxusabteilungen, mir ist etwas zu warm mit Jacke, Hoodie und T-Shirt drunter. Ich sehe ganz tolle Ittala-Sachen und überlege, ob ich was davon kaufen soll und in völliger Umnachtung und unter dem Einfluss des abwegigen Gedankens, dass ich sicher noch mal wieder her komme in den nächsten Tagen, kaufe ich nichts. Im sechsten Stock muss ich leider alle Gänge vollsabbern, weil es dort alle meine primären Dingse angesprochen werden: Wurst! Fisch! Bier! Porco Iberico! Whisky! Wein! Ich checke, wo genau hier jetzt die Tschechische Bierbar ist und gucke, ob @horax vielleicht auch schon früher da ist. Ein Taptalk von ihm erreicht mich in diesem Moment, es zeigt ein Foto vom KaDeWe von draußen – er ist also gleich da.

Wir bestellen Biere, er Budvar, ich Pilsener Urquell, und reden gleich mal los. Über die Post, die uns ja beide gewissermaßen ernährt und über das Tragen von Anzügen mit Krawatten. Wir sprechen über das Fressen von sauguten Dingen und beweinen, wie @frau_ratte als Vegetarierin mit dem Bio-Grünkohl, den ich unzubereitet zu Hause hatte zurücklassen müssen, umgesprungen ist („Kein Schweineschmalz! Keine Bregenwürste, nicht mal Mettenden! Ach, Bruder im Leid, lass uns trinken!“).

Wir brechen auf zur Mitgliederversammlung von D64. Dort gibt es noch einmal etwas zu essen und die Kollegin von der FES (wo das ganze stattfindet) stellt Flaschenbiere hin. Ich nehme pflichtbewusst erstmal ein Wasser. Alle sind pünktlich, als @EskenSaskia den Raum betritt, brandet etwas Jubel auf ob der zwei Millionen Euro, die sie im Bundeshaushalt für OER verankern konnte@Nico fasst dann schnell die Errungenschaften von 2013 zusammen. Vor meinem inneren Auge steigen die Bilder der Superklausurtagung 2013 auf und ich denke: Wir machen uns. Wir sind mehr. Wir haben mehr Frauen dabei. Unsere Geschlechterquote ist aber immer noch völlig in Missbalance. @valentinakerst bezeichnet @horax und mich, wie wir da so sitzen, ganz hinten am Ende des Tisches, als „Alterspräsidenten“, weil wir es uns ein wenig zu bequem gemacht haben, @Rheinwaerts kommt direkt aus dem Ministerium dazu und trägt noch eine Krawatte. @Nico verliest die Kandidat*innen für den neuen Vorstand und @holadiho schickt uns via Twitter die Aufforderung, ihm eine Flasche Bier durchzureichen. Am Ende ist @kettenritzel_cc froh, dass er den Job des Kassierers an @lutzmache losgeworden ist und ich meine, ich hätte einen verhaltenen Besenrührtanz von ihm gesehen – aber ich kann mich auch täuschen. Nach einer kleinen Anpassung der Beitragsordnung von D64  und der Wahl unseres neuen Vorstands gehen wir rüber in eine Tacobar, um wegen des großen Hungers etwas zu essen und ein paar Biere zu trinken. Wir lernen uns da alle besser kennen, es herrscht eine angenehme Stimmung. Wir sprechen da schon über digitale Themen, über Bildung, über Smartwatches und dürfen alle mal die coolen Dinger von @lutzmache und @domlen (oder war’s die Uhr von @schoemi?!) anlegen. Mit @Rheinwaerts bin ich mir einig, dass man nicht für das bis heute nicht enteignete Schmierblatt schreiben darf und wir finden, dass wir vielleicht besser Kontakt zum WDR knüpfen sollten, damit dieser in Kooperation mit D64 sowas wie den 7. Sinn digital dreht und abends vor der Tagesschau bundesweit ausstrahlt. Und wir fragen uns, ob es eigentlich so netzpolitische Vereine auch anderswo in Europa gibt oder nur in Deutschland und ob wir uns nicht mit denen mal zusammentun könnten. Ich mache Bekanntschaft mit @EskenSaskia und wir beide freuen uns, dass wir uns mal in Echt treffen und ich fühle mich ein wenig gebauchpinselt, dass sie mich aus der TL kennt. Sie sagt mir, dass sie gern, wenn es dazu käme, in einer Arbeitsgruppe „Bildung“ mitmachen würde.

Später, als die Runde sich auflöst, fahren @Rheinwaerts und ich mit dem Taxi in unser Hotel und klemmen uns auf einen Scheidebecher nochmal an die Hotelbar. Da wird’s bei mir nun zugegebenermaßen etwas nebulös mit der Erinnerung, aber ganz fest habe ich mir gemerkt, dass wir uns für den nächsten Morgen um 9:30 in der Lobby verabredet haben, um pünktlich um 10:00 Uhr bei der Superklausurtagung da zu sein.

Pünktlich um 10:00 Uhr sind wir da. Organisiert hat das ganze @kettenritzel_cc, der auch seine beiden Kinder dabei hat und ich denke: Wie schön! Hier sind nicht nur so bekloppte Digital-Nerds, sondern so bekloppte Digitial-Nerds mit Kindern. Die Superklausurtagung beginnt und ich sitze neben @leonidobusch, den ich sowieso schon immer völlig super fand, der mir aber auch ständig Freundlichkeiten entgegenbringt, die mich jeden seiner Beiträge im Netz mit allen mir zur Verfügung stehenden Accounts retweeten lässt.

Wir reden über das Verhältnis von D64 zur SPD. Bei der Frage, wer denn zusätzlich noch SPD-Mitglied ist, zeigen fast alle auf. Wir reden darüber, dass wir aber keinesfalls als SPD-Gliederung verstanden werden wollen. Wir wollen aber durchaus, dass wir als Verein wahrgenommen werden, der sozialdemokratische Werte vertritt. Wir wollen klar haben, dass wir finanziell und organisatorisch völlig unabhängig sind, sowohl von der SPD als auch von irgendwelchen Wirtschaftsunternehmen. Unser neues Vorstandsmitglied @ReichelS haut mal schnell den Spruch raus, dass es viel mehr so ist, dass die SPD den politischen Arm von D64 darstellt. Heiterkeit im Plenum. Aber wir stellen fest, dass es schon ganz gut und richtig ist, dass wir eine gesunde Distanz zur SPD haben und uns immer rausnehmen werden, diese zu kritisieren, wenn das nötig ist (genauso wie ich mir rausnehme, diese zu loben, wenn das nötig ist).

Wir bilden Gruppen, um Themen zu bearbeiten. @kettenritzel_cc gerät ob seiner Kinder, die so langsam etwas gelangweilt sind und sich selbst Beschäftigung suchen, ein wenig ins Schwitzen. Ich bin ganz hingerissen davon, dass sich niemand (ausser @kettenritzel_cc) davon aus der Ruhe bringen lässt und denke: Heja D64, mein Verein! Wir reden über interne organisatorische Dinge, Mitgliederbetreuung, Neumitgliedergewinnung und sowas und ruckedizuckedi ist Mittagspause. Wir gehen zu McDonald’s am Checkpoint Charlie und ich denke bei dem großen Touristenaufkommen dort, wie geil das ist, dass hier heute ein Mäckes ist und dieser Checkpoint nur noch eine Touristenattraktion. @Nico fragt mich ironisch, ob ich mich nicht mit diesen Grenzerstatisten fotografieren lassen will und kurz bin ich versucht, das wirklich zu tun, um @frau_ratte und den Kindern zu Hause ein schönes Taptalk schicken zu können. Aber dann ist mir das ein wenig zu unhip und das hätte auch nicht zu dem supercoolen Tonfall, den ich in dem Moment angeschlagen hatte, gepasst.

Nach dem Mittagessen teilen wir uns abermals in Arbeitsgruppen auf, ich begebe mich in die Gruppe „Bildung“, die ich selbst (neben anderen) vorgeschlagen habe. Wir machen ein Brainstorming. Wir finden ganz viele Aspekte und Themen und was alles so falsch läuft. Und @leonidobusch dängelängt und von den ausgetretenen Pfaden und ich denke daran, dass @EskenSaskia gerne in einer festen Arbeitsgruppe „Bildung“ mitmachen will. Am Ende haben wir vier wesentliche Blöcke da stehen, die wir in den nächsten Wochen und Monaten ausarbeiten wollen. Ich sage in der Gruppe, dass ich gern hätte, wenn wir uns noch heute als Arbeitsgruppe offiziell konstituieren.

Wir kommen wieder alle zusammen und jede Gruppe berichtet, was sie so erarbeitet hat. Ich präsentiere uns. Ich lege Wert darauf, dass wir neben den vielen Aspekten und besprochenen Diskussionsfeldern uns vor allem auch darauf geeinigt haben, dass wir uns mit persönlicher Unterschrift darauf committen, eine echte und institutionalisierte AG Bildung zu gründen. Ich schlage mich als Leiter vor und ich habe den Eindruck, dass alle ganz froh sind, dass ich das tue. Nicht, weil ich so ein Superbildungchecker wäre, sondern nur weil sich überhaupt jemand dazu bereit erklärt, sich den Hut aufzusetzen (um mal etwas Beraterdeutsch einfließen zu lassen). @valentinakerst notiert: Leiter D64 Bildung: Maxim Loick. Ich bin froh und freue mich seit dieser Sekunde darüber, bis heute! Ich kabelte die Neuigkeit gleich nach Bonn an @frau_ratte und per E-Mail bat ich Kommunardin @katharinchen um Unterstützung in ihrer Funktion als Lehrerin. Sie sagte mir alles in ihrer Macht stehende zu.

Um 18:00 Uhr war die Superklausurtagung zu Ende. Ich hatte mich vorher per DM mit @kommandomutti und @moellus verabredet, denn ich wollte den beiden und ihren Kindern ganz dringend meine Aufwartung machen. Sie empfingen mich auf’s allerherzlichste und wir schmierten uns zum Abendbrot herrliche Stullen mit Salami und @moellus riet seinem Sohn, er solle viel davon essen, so gute Wurst gäbe es nur bei Westbesuch. Ich durfte mit @moellus sein erstes Bier seit seinem Unfall trinken und danach mit ihnen allen zusammen Schlag den Raab gucken. Mit @kommandomutti geriet ich gleich wieder ins Politische über Kinderbetreuungsplätze und das Selbstverständnis von Westfrauen als gute Mutter. Im Nachhinein dachte ich, das war vielleicht etwas blöd, denn immerhin hatte @moellus einen ziemlich schweren Unfall gehabt und ich frage nicht nach seinem Wohlbefinden, sondern nach sowas. Mir war aber durch den Kopf gegangen, dass die beiden vielleicht gar keine Lust haben, immer nur über den Unfall zu reden, der ja im Moment, so meine Annahme, auch so schon ziemlich viel Platz in ihrem Leben einnimmt. Darum laberte ich irgendwas politisches und irgendwas anderes daher, ich hoffe, dass die beiden mir das nachsehen. Ich würde sowas gern richtig machen, aber weiß nicht so genau, was da richtig ist. Jedenfalls gehören @moellus und @kommandomutti seit Anbeginn meiner Twitterzeit zu meiner liebsten Twitteria und obschon ich sie eigentlich nur aus der TL kenne sind sie irgendwie ganz wichtig für mich geworden und ich habe viele Sprachelemente von ihnen in meinen aktiven Wortschatz übernommen. Ich möchte gerne für sie da sein, aber ich kann trotzdem nur das Internet für sie sein, aber das zumindest soll warm und gut sein.

Am Ende dieses Tages saß ich wieder mit @Rheinwaerts in der Hotelbar und wir ließen den Tag Revue passieren, während einer der Klitschkos einen anderen Boxer vertrimmt hat. Es wurde sehr spät und am Sonntag morgen ging es mir nicht sehr gut.

Ich hatte, na klar, viel zu viel Alkohol getrunken, aber auch seit Tagen nicht an zu Hause gedacht. Ich hatte @frau_ratte mit den Kindern zurückgelassen, mich wichtig gemacht und nur an mich gedacht, viel zu viel Alkohol getrunken und keine Vorstellung davon, wie es wohl zu Hause ausgesehen haben mag. Ich kam mir ein wenig selbstsüchtig vor und hoffte, dass ich wenigstens genug zu erzählen haben würde, wenn ich nach Hause kam. Aber es lag ja noch die Freiburg-Reise vor mir und dieser idle Sonntag in Berlin war ein Luxus, den ich mir einfach herausgenommen hatte. Hätte ich vielleicht doch zwischendurch zurück nach Bonn fahren sollen? Ich zögerte den Anruf nach Hause ein wenig hinaus, ich wollte, dass meine Stimme wenigstens ein bisschen normal klänge, aber es war nicht viel zu machen. @frau_ratte hörte wahrscheinlich gleich, wie mein Abend zuvor geendet war, aber sie gab sich Mühe, sich das nicht anmerken zu lassen, was ich aber gleich wieder merkte und allein dafür hätte ich zurück nach Bonn fahren wollen. Dieser Sonntag, der so vertan war, machte mir zu schaffen. Ich hatte keine Lust auf Brandenburger Tor und Berliner Postkarten-Sehenswürdigkeiten und ich hatte einen Kater.

Zum Glück gibt’s @klappstulli und ihre aus 100% großartigen Menschen zusammengesetzte Familie, @horax hatte mir schon am Freitag berichtet, um was für eine tolle Person es sich bei @klappstulli handelt. So schrieb ich sie per DM an und tatsächlich konnte ich sie und ihre Familie besuchen. Und wie wunderbar wurde ich empfangen, mit Tee und Keksen, und ich versprach gleich beim Betreten ihrer Wohnung, mich nicht in Politik zu verlieren. Die Kinder spielten und wir tranken Tee und ich durfte dem kleinsten Kind immer die selbstgebackenen Kekse reichen. Wir tauschten unsere TL-Bekanntschaften aus und dann redeten wir doch ein wenig über Politik und machten Pläne für Twitteria-Treffen im Rheinland und in Berlin und an jährlich wechselnden Orten. @klappstulli machte uns, also den Kommunarden in Bonn, Komplimente über die KommuneZwoNull und ich erfuhr, dass @moellus sie zum Twittern gebracht hatte und die Namen ihrer Kinder. Wir redeten über @rudelbildung  und ihr Blog und am Ende fuhr ich mit geweitetem Herzen ins Hotel zurück.

Dort angekommen musste ich mich mal langsam auf meinen Termin in Freiburg vorbereiten. Ich sollte dort auf einem Podium zum Thema „Digitale Realitäten an unseren Schulen“ diskutieren. Der Moderator hatte mich vorher per E-Mail kontaktiert und um ein paar Positionen gebeten. Ich hatte ihm ein paar Zeilen geschrieben und versprochen, ihn später noch mal anzurufen. Im Hotel angelangt, tat ich das nun und sprach fast eine Stunde mit ihm. Er fragte mich Dinge und ich antwortete ausschweifend. Dass ich die angstgetriebene Diskussion in der Schule-Digital-Debatte für schädlich halte. Dass ich der Meinung bin, dass das Internet wegen seiner großen Errungenschaften wie Kollaboration, Kopieren und Verändern und Empowerment so erfolgreich geworden ist. Dass die Gefahren nicht zu leugnen seien, aber dass sie einen erheblich zu großen Anteil im Diskurs einnähmen. Dass ich gern auf die positiven Aspekte eingehen würde, dass ich glaube, dass meine Kinder enorm vom Internet profitieren werden und dass wir politische Veränderung dafür brauchen. Ich kabelte abermals nach Bonn und sprach mit @frau_ratte darüber und sie gab mir viele hilfreiche Hinweise und den Rat, das klassische Lehrpersonal nicht zu überfordern.

Am nächsten Morgen checkte ich aus dem Berliner Hotel aus und lief zum Bahnhof. Allryder hatte mir gesagt, dass ich zu Fuß schnell dort sein würde. Erst als ich in den Zug einstieg, die ausgedruckte Fahrkarte mit Sitzplatzreservierung ständig zu Rate ziehend, bemerkte ich, dass die Bundeszentrale für Politische Bildung, die das Panel in Freiburg organisiert hatte, sich nicht lumpen ließ und erster Klasse für mich gebucht hatte. Aber der Zug hatte kein WLAN, so dass ich auf die Versorgung von O2 über die Luft angewiesen war. Es ging so gerade eben mit der Datenverbindung. Hatte ich auf der Hinfahrt nach Berlin noch frei von der Leber weg getwittert und gelesen und mich des Internets gefreut, war ich nun ganz eingeschüchtert von meiner neuen Aufgabe als Bildungsnussi von D64 und der zu erwartenden Diskussion in Freiburg. Immer wieder wälzte ich meine Argumente hin und her und versuchte mir, den Namen von Antje Bostelmann zu merken. Ich legte mir Pläne zurecht und wie das mit der Wagen. und Sitzplatznummer vergass ich jede Sekunde, was ich zuvor noch gedacht hatte. Der Zug schnurrte durch Nebel, der von oben von der Sonne beschienen wurde und es sah ganz wunderbar aus, aber ich guckte nicht so richtig raus, sondern baute mir Eselsbrücken von Bosseln über Bosteln zu Bostelmann, damit ich mich auf sie würde berufen können am Abend, wenn die Kulturpessimisten auch mich einstürzen würden. Hinter Frankfurt blieb der Zug stehen, es gäbe ein Weichenproblem. Ich guckte auf mein ausgedrucktes Ticket. Keine Zugbindung. Ich guckte in mein allwissendes Smartphone, nächste Verbindung von Mannheim nach Freiburg einfach eine Stunde später. Ich vertiefte mich wieder in Argumentationsketten und Eselsbrücken.

In Freiburg angekommen, lief ich zum Hotel, das man für mich reserviert hatte. Ein kurzer Weg. Frau Reuter vom Veranstalter rief mich kurz nach halb fünf an, ob alles ok sei, ob ich um fünf da sein würde und so weiter und so. Ich sagte alles ok.

Um fünf war ich am Veranstaltungsort. Ich traf die anderen Podiumsteilnehmer und wir fingen schon mal ein bisschen an mit der Diskussion, so als Übung. Meinrad, der Moderator kam und er machte ein paar verbale Lockerungsübungen mit uns. Frau Reuter teilte uns dann mit, dass nur wenige Besucher*innen gekommen waren, daher stellten wir Stühle zu uns auf die Bühne, so dass alle Besucher*innen mit uns auf dem Podium saßen. Wir wollten eine angenehme Atmosphäre und alle gleich behandeln. @HiBenni, der Schüler*innenvertreter auf dem Podium, war ziemlich jung, aber sehr versiert und reflektiert, ein guter Typ. Ich hatte gleich den Impuls, ihn zu fragen, ob er nicht Interesse hätte, bei D64 mitzumachen und uns in der Bildungsgruppe aus Schüler*innensicht zu unterstützen. Mal gucken, vielleicht hat er ja Lust.

Die Debatte verlief wie befürchtet: Bedenken, Cybermobbing und Kinder, die nicht mehr rückwärts laufen können waren diskussionsbestimmend. Ein Ruf nach der Politik wurde als „zu einfacher Ausweg“ angesehen, man traute mir wohl nicht zu, dass ich nicht mit dem Ruf nach der Politik zu stoppen, sondern ernsthaft die Politik in die Pflicht zu nehmen gedachte. Dass ich mich zu organisieren gedachte. Es wurde auf die Eltern verwiesen, die ihre Kinder mit Smartphones ruhig stellen, damit sie sich nicht um sie zu kümmern brauchen. Mein Einwand, dass wir doch hier über die Schule und deswegen über die Möglichkeiten der Schule diskutierten, wurde als zu einfach beiseite geschoben. Meine Positivbeispiele wurden als Einzelfälle abgetan, weil meine Kinder halt gerade Glück hätten, dass sie engagierte Eltern haben. Mein Einwand, dass aber doch genau das das Gebot der Gerechtigkeit sei, dass die Bildungseinrichtungen, seien es KiTas, Kindergärten oder Schulen, genau dort einspringen müssten, wo minderprivilegierte Kinder abgehängt werden, wurde beiseite gewischt, denn schließlich verabredeten sich Schüler*innen in geschlossenen WhatsApp-Gruppen, um sich gegenseitig zu mobben, ob ich davon schon mal gehört habe. Der Schüler*innenvertreter wandte völlig zu recht ein, das sei doch ein uraltes Phänomen, früher habe man die armen Würstchen halt hinter der Hausmeistergarage verprügelt, heute mobbe man sie in WhatsApp-Gruppen, das sei doch eine pädagogische Herausforderung jenseits jeglicher technischer Entwicklung. „Ja, aber was soll ein Lehrer denn da machen?“

Es war die Rede von Zügen, die sich in voller Fahrt befänden, auf die das Lehrpersonal nicht mehr aufspringen könne und ich wand ein, man solle ganz am Anfang, in der KiTa, selber den Zug anfahren und dabei die Kontrolle behalten, aber das ließ man nicht gelten, denn in der KiTa würde man die Kinder gleichsam anfixen mit der Verderbnis Internet und man habe ja keine Handhabe.

Ich wollte gerade „Empowerment der Minderprivilegierten!“ rufen, da war die Zeit um. Auf einem Beistelltisch lag das Machwerk von Manfred Spitzer. Wir hatten wieder die ganze Zeit über Hirnforscher und das Verderben gesprochen. Ich war einigermaßen frustriert und wollte die Diskussion nicht aufhören und flüsterte in die gelichteten Reihen etwas von „Vernetzung, es ist die Vernetzung, die uns empowert“, da mussten wir an die Theke gehen. Ich trank ein Bier und traf @DejanFreiburg. Er ist Lehrer. Und er sagte mir gute Sachen und bestärkte mich. Er hatte zugehört und sagte, dass er die Dinge ähnlich sehe wie ich.

Der Veranstalter hatte uns, die wir als Podiumsteilnehmer eingeladen waren, auch noch zu einem Theaterstück eingeladen, das unmittelbar nach unserer Diskussion stattfand. Ein tolles Stück, es hieß „Past and Present“, glaube ich. Wenn Ihr in Freiburg seid, seht Euch das an, es hat mich sehr beeindruckt, sowohl intellektuell als auch emotional. Es ging um einen Filmemacher aus Bangladesch, der einen Dokumentarfilm über sich und seine über den Globus verteilte Familie macht. Über Distanz und Nähe, über Kameras und Gespräche, über Konflikte zwischen den Generationen und die Horizonte der Menschen.

Nach dem Stück ging ich etwas essen und kabelte nach Bonn. Ich hatte nicht einmal Geschenke für die Kinder gekauft, weder in Berlin noch in Freiburg. Dieses Brauhaus, in dem ich aß, verschenkte Lebkuchenherzen. Ich bat um drei, der Mann hinter der Theke gab mir fünf. Ich ging ins Hotel um zu schlafen. Im Smartphone sah ich, dass noch eine Terminempfehlung in den D64-Ticker sollte, die ich kurzerhand einfügte. Ich wollte nach Hause.

Um 9:57 oder so stieg ich in den ICE nach Bonn. Ich wollte nach Hause. In Bonn/Siegburg stieg ich in die Linie 66. Als ich über dem Rhein war, war ich ziemlich erledigt. @frau_ratte war auf der Arbeit, ich holte den Hund und das Auto bei ihr ab. Dann fuhr ich zum Kindergarten, den Kleinen Sohn abzuholen. Dann holte ich den Großen Sohn aus der OGS ab, er hatte einen Freund dabei und sie spielten den ganzen Tag Lego. Abends brachte ich die Söhne ins Bett und habe ihnen Lieder gesungen und der Große Sohn hat gefragt: „Papa, was heißt Gute Nacht auf Französisch?“.

Plakat-Beef

Jetzt hängen sie wieder, die Plakate, denn Europa- und Kommunalwahlen stehen an. Die CDU war in Bonn als erste draußen und täglich muss ich den strammen VDS-Verfechter Axel Voss an allen Ecken sehen. Das finde ich furchtbar.

Oder die FDP. Die scheint darauf zu bauen, dass Ihr von der Ausfahrt Beuel bis zur Niederkasseler Straße wieder vergessen habt, was sie vorher gesagt haben – da oben schreiben sie noch irgendwas über mies ausgestattete Schulen, hier unten irgendwas mit sparen statt Bürger schröpfen*). In so’ner Schule einfach mal feucht durchgefeudelt, dann ist die wieder ta-del-los! Oder wie?

Die Linke malt eine Pyramide neben den Posttower und sagt, dass das blöd wäre, wenn das jemand vorhätte.

Was mich aber wirklich stört: Überall hat das braune Gesocks von GegenAllesUndVorAllemNRW seine Hetzparolen verteilt – und während Plakate aller anderen Parteien in großem Maße zerstört und entwendet werden, hängt dieser Nazi-Scheiß unbehelligt. Kotz!

Was mich auch stört: Unsere, also die SPD-Plakate, werden ständig abgerissen und geklaut (wie ich höre ist das aber bei den Grünen anscheinend nicht anders). Gut, auch unsere Plakate sind nun nicht so der Oberbrüller und überhaupt, Plakate nerven, auch unsere. Wenn andererseits aber die Königswinterer Straße ausschließlich mit CDU und den Sacknazis zugeballert ist und wir dort quasi gar nicht stattfinden, dann habe ich auch wieder ein schlechtes Gefühl dabei**).

Die Genossin Angelika findet aber sowieso, dass wir viel mehr über persönliche Gespräche an Haustüren und Infoständen Wahlkampf machen sollten. Das finde ich nun wiederum sehr gut.

Die Kandidat*innen der SPD Beuel zur Kommunalwahl am 25. Mai: Dr. Katrin Hellige, Alexander-Frank Paul, Petra Maur, Karl-Heinz Post, Ralf Laubenthal, Dieter Schaper, Caroline Klän, Marcel Bengs
Die Kandidat*innen der SPD Beuel für die Bezirksvertretung bei der Kommunalwahl am 25. Mai: Dr. Katrin Hellige, Alexander-Frank Paul, Petra Maur, Karl-Heinz Post, Ralf Laubenthal, Dieter Schaper, Caroline Klän, Marcel Bengs

Was machen wir also? Ich finde, Ihr könntet Euch mal an unsere Infostände bewegen und mit unseren Kandidat*innen sprechen, die sind nämlich voll nett und haben ein paar sehr gute Ideen für ihre Wahlkreise. Kommt zu unserem Maiempfang am Dienstag (29.04.) um 19:00 Uhr im Beueler Rathaus. Da sind sie alle beisammen und es gibt auch was zu trinken. Oder Ihr kommt am 03.05. an unserem Infostand vorbei, Uli Kelber will dann auch da sein. Oder Ihr kommt am Dienstag, dem 06.05. ins Beueler Rathaus (Start 19:00 Uhr), da machen wir einen Bürgerworkshop, bei dem wir mit Euch über Eure Anliegen und drängendsten Themen ins Gespräch kommen wollen. Oder Ihr trefft Angelika am 09.05. Oder Ihr geht ein bisschen mit uns Biertrinken. Oder sprecht mal mit Felix von Grünberg am 10.05, also dem Mann, der weiland Norbert Röttgen in die Bedeutungslosigkeit schickte. Oder Petra, die auch am 10.05. am Infostand parat steht. Oder Ihr kommt zu unserem Stammtisch am 13.05. Oder Ihr sprecht mit Dörte, unserer Kandidatin für Europa, am 17.05. (vielleicht sogar über die VDS, hehehe…).

Kommt und sprecht mit uns, Plakate angucken ist ja das eine, aber was dahinter steckt findet Ihr am besten im Gespräch mit uns heraus – und wir sind echt voll nett und freuen uns wirklich über jede*n, der/die bei uns vorbeikommt!

Und dann geht doch bitte am 25. Mai wählen, Eure Stadtverordneten und Eure Europaabgeordneten. Und wenn Ihr uns schon nicht wählt, dann wenigstens eine der anderen demokratischen Parteien, denn das rechte Gesocks wittert bei dieser Europawahl seine Chance.

 

*) natürlich werde ich den Hoschis von der FDP nicht den Gefallen tun, ihnen ihre tumben Sprüche hier auch noch im Originaltext zu verbreiten.

**) Gerade erreicht mit eine E-Mail von Hans-Georg, der findet das auch irgendwie. Überhaupt ist gerade wieder viel Feuer im Busch, die einen sagen, wir sollten Strafanzeige stellen, andere sagen, wir sollen gar nichts machen und einfach nachplakatieren, manche wollen über die Presse gehen. Ich verblogge das hier mal ein bisschen, damit Ihr einen Eindruck davon bekommt, was in so einem Ortsverein so los ist, wenn Kommunalwahlen anstehen. Und wenn auch die Plakatmotive nicht überbordend toll sind und wenn die Diskussionen darüber, wie wir auf Vandalismus reagieren sollen kleinkariert wirken: Ich finde das völlig super, mit welcher Leidenschaft die Genoss*innen dabei sind. 

Kleiner Bericht vom UB Parteitag der SPD Bonn

Gerade komme ich vom Unterbezirksparteitag der Bonner SPD zurück, die Sonne scheint und Frau und Kinder sind gerade nicht da – schnell verbloggen.

Als nachgerückter Delegierter durfte ich heute alles mit abstimmen und war darüber hinaus Mitglied der Zählkommission, was ja mal voll der Stress ist, aber der Reihe nach:

Es gab Mettbrötchen. Damit wären also die wesentlichen Anforderungen an eine netzaffine Partei erfüllt.
Es gab Mettbrötchen. Damit war die wichtigste Anforderung an eine moderne Partei gleich von Anfang an erfüllt.

Das wichtigste zuerst: Es gab Mettbrötchen mit Zwiebeln!

Im ersten Block hat Ernesto Harder, der Vorsitzende des UB, Bilanz gezogen und die Arbeit der schwarz-grünen Koalition im Bonner Stadtrat ein wenig beleuchtet. Ich selbst bin ja nun lokalpolitisch nur wenig beschlagen, aber folgende Schlaglichter sind bei mir hängen geblieben: Seit Äonen soll ja der Bonner Bahnhofsvorplatz neu gestaltet werden (was im allg. unter dem Begriff „Südüberbauung“ zusammengefasst wird) und es gibt dort einen sogenannten Investor. Nun ist es ja in Bonn so, dass wir seit dem WCCB Debakel eigentlich alle etwas vorsichtig geworden sind, was so Investoren angeht. Vor diesem Hintergrund finde ich die Haltung der Bonner SPD und unseres OB Jürgen Nimptsch ziemlich gut, dass sie von diesem sog. Investor mal einen Liquiditätsnachweis verlangen: Hast du das Geld, was du uns versprichst, denn auch wirklich? So wie es aussieht, hat dieser sog. Investor diesen Nachweis bis heute nicht erbracht. Und noch etwas aus Ernestos Ausführungen zu diesem Thema ist bei mir hängen geblieben: Die schwarz-grüne Koalition hält an diesem sog. Investor fest, obwohl seit anderthalb Jahren gar kein Kontakt mehr zu ihm besteht. Sind die, Entschuldigung, total BESCHEUERT? Oder stimmt das so nicht, was Ernesto uns da erzählt hat? Und stimmt auch nicht, dass die gesamte CDU-Fraktion sich der Abstimmung über den Verkauf des WCCB Hotels einfach entzogen hat? Die größte Fraktion im Bonner Stadtrat macht einfach nicht mit?! Bei diesem sensiblen Thema WCCB? Hacktet?!?! Haben die Angst, dass sie mit ihrem bequemen sich hinter Bärbel Dieckmann als Default-Schuldiger wegducken nicht mehr länger durchkommen, wenn sie sich mal bewegen? Ich finde, wenn die größte Fraktion des Stadtrates sich ihrer Verantwortung derart entzieht, sollte man ihr das Mandat entziehen (das ist eine Aufforderung an Euch, Wähler*innen von Bonn!). Die machen ihren Job nicht. Die dürfen schon allein deswegen nicht größte Fraktion bleiben, finde ich.

Danach kam das ganze Brett an Wahlen. Vorstand, Schiedskommission und allerlei Delegierte für den nächsten Bundesparteitag, den nächsten Landesparteitag, den Landesparteirat und zur Regionalkonferenz. Und ich musste zählen, zählen,  zählenpopählen*).

Zwischenzeitlich hat Andreas Hartl (@rheinwaerts) ein bisschen Werbung für unseren gemütlichen netzpolitischen Verein betrieben und ich habe auch ein paar Aufkleber und Anstecker verteilt, was mich mit einem fröhlichen Gefühl erfüllt. Also Freude. Fröhliche Freude. Zwei fröhliche Freuden.

Habemus Vorstand: Gabi Mayer (stllv. Vors.), Ilse Wolf, Marcel Bengs, Dörte Schall (stllv. Vors.), Thomas Herrmann, Bodo Buhse, Sabrina Lipprandt, Martin Pfafferott, Erika Coché, Jessica Rosenthal, Ernesto Harder (Vors.)
Der neue Vorstand der Bonner SPD (v.l.):
Gabi Mayer (stllv. Vors.), Ilse Wolf, Marcel Bengs, Dörte Schall (stllv. Vors.), Thomas Herrmann, Bodo Buhse, Sabrina Lipprandt, Martin Pfafferott, Erika Coché, Jessica Rosenthal, Ernesto Harder (Vors.)

Am Ende haben jetzt wir eine ganze Reihe neu gewählter Vertreter*innen und ich muss sagen, die Ergebnisse erfüllen mich auch mit Freude. Fröhlicher Freude. Zum einen ist unser Beueler Jung‘ Marcel Bengs (@Erstbescheid) mit bemerkenswert vielen Stimmen in den UB Vorstand gewählt worden, zum anderen finde ich die Zusammensetzung des Vorstands aber auch insgesamt sehr gut. Wir haben mit Carolina Tobo und Yüksel Altiner hervorragende Leute nicht-deutscher Herkunft dabei, geschlechterquotiert ist der Vorstand ja sowieso allerbestens, wir haben mit Ilse Wolf eine 84jährige Rückkehrerin, die die Partei unter Schröder temporär verlassen hatte und sich nun wieder einbringen will, wir haben mit Jessica Rosenthal und Marcel ganz junge Leute dabei. Ich finde, dass dieser Vorstand einen wunderbaren Querschnitt durch alle Bevölkerungsteile darstellt, das soll uns erstmal jemand nachmachen.

Besonders freue ich mich aber auch, dass Andreas, also der @rheinwaerts, als Delegierter für den nächsten Bundesparteitag gewählt wurde, also einer, der nicht nur D64-Mitglied**), sondern auch sonst sehr netzaffin ist. Überhaupt wird die Bonner Delegation mit Ernesto Harder, Katharina Oerder und eben Andreas vergleichsweise jung sein, ich finde, die SPD in der restlichen Republik dürfte das auch ruhig öfter so machen.

Dörte Schall, Kandidatin für die Europawahl am 25. Mai 2014. Geht hin und wählt sie!
Dörte Schall, Kandidatin für die Europawahl am 25. Mai 2014. Geht hin und wählt sie!

Ceterum censeo Ihr solltet Dörte Schall ins Europaparlament wählen. Ich finde sehr angenehm, dass wir mit ihr eine Kandidatin haben, die persönlich exakt die gleichen Erfahrungen macht wie meine kleine Familie und ich, wenn sie Kinder, Beruf und politisches Engagement unter einen Hut bringt.

Anträge haben wir natürlich auch beraten. So wollen wir eine interfraktionelle Resolution „Bonn bleibt bunt“ auf den Weg bringen, in der alle demokratischen Bonner Parteien ein klares Signal gegen Rassismus setzen. Wir haben Anträge zum Tendenzbetrieb Kirche, zu Auskunftsrechten von Verbrauchern bei Auskunfteien (z. B. der Schufa), zu TTIP und zum Kinderschutz beraten. Also die anderen haben beraten, ich war da leider gerade mit zählen beschäftigt und habe die Diskussionen daher nicht ganz mitbekommen, aber Ihr könnt Marcel und Andreas dazu befragen, sie haben alles genau verfolgt.

*) Also Wahlzettel austeilen (dabei immer vom  Präsidium angeherrscht werden: „Hier vorne fehlen noch Zettel!!“), dann alles wieder einsammeln (und auch dafür kluge Tipps per Saalbeschallungsanlage vom Präsidium erhalten) und dann alles auszählen und dreimal kontrollieren und am Ende die Quotierung prüfen und überhaupt: Ständig diese Listenwahlen, hehehe… Nee, im Ernst: Cool, wie professionell die erfahrenen Zähler*innen sowas abwickeln und wie selbstverständlich man dabei lernt, wie so eine Auszählung am schnellsten durchgeführt wird und welche Qualitätssicherungsmaßnahmen dabei am effektivsten greifen. 150 Jahre tradierte Erfahrung, ich finde cool, wie das wie eine geölte Maschinerie läuft und ich dabei mitmachen kann.

**) Hier könnt Ihr auch Mitglied werden: http://d-64.org/mitglied-werden/

Meine persönliche Rückschau auf den Bundesparteitag der SPD

Wieder durfte ich auf Einladung des großartigen @haetscher mit prominenten Privilegien an einem Bundesparteitag als Blogger und Twitterer teilnehmen, da möchte ich mich zuerst noch einmal beim Willy-Brandt-Haus im Allgemeinen und bei Sven im Besonderen bedanken.

Was ist mein persönliches Fazit dieses BPTs? „Nachdenklich“ hat Sigmar Gabriel seine erste Rede selbst genannt, und ich finde, das ist keine unzutreffende Beschreibung des ganzen Parteitags. Das alles überschattende Thema war die Große Koalition und der Mitgliederentscheid darüber. Ich finde, die GenossInnen machen es sich eben gerade nicht so leicht, wie es ihnen von außen immer wieder vorgeworfen wird. Ich finde, auf dem BPT wurde durchaus sehr kontrovers, aber immer konstruktiv darüber diskutiert, meistens mit dem Ergebnis, dass die finale Entscheidung selbstverständlich nach Bewertung des fertigen Vertragsentwurfs getroffen werden muss. Was hier banal und wie selbstverständlich klingt, ist es aber in meiner Wahrnehmung, insbesondere in der TL!, durchaus nicht, dort gibt es viele, die bereits jetzt, ohne dass auch nur ein Wort schriftlich fixiert ist, die Große Koalition kategorisch ausschließen wollen. Wenn jemand auch nur wagt, statt eines Basta-Neins zu formulieren, dass sein/ihr Gefühl dahin geht, dass die Union uns nicht weit genug entgegenkommen wird und man deshalb nach derzeitigem Stand eher zu einem Nein tendiere, wird er/sie gern gleich wieder mit abscheulicher „Wer hat uns verraten“ Rhetorik überschüttet. Ich finde, das trifft nicht, was die Delegierten beim BPT leisten. Die Entscheidung, ganz gleich ob für oder wider die Große Koalition, trifft dort niemand leichten Herzens und das tut auch kein Basismitglied. Kann ich es aushalten, mit Erika Steinbach in einer Regierung sein zu müssen, wenn ich dafür die doppelte Staatsbürgerschaft bekomme? Bin ich bereit, eine PKW-Maut (wahrscheinlich am Ende dann für alle) mitzutragen, wenn ich dafür den echten Mindestlohn bekomme? Wieviele Finanzierungsvorbehalte bin ich bereit zu ertragen? Was ist mit der Besteuerung der ganz großen Großverdiener? Bleibt Friedrich Innenminister? Wie wird meine persönliche Pro&Contra-Liste am Ende aussehen? Ich kann es Euch heute noch nicht sagen.

Anyway, es gab auch andere Aspekte auf diesem BPT, ich brauche die kleine Podiumsdiskussion über Mitgliederbeteiligung nicht zu wiederholen, aber auf die Rede von Martin Schulz sei noch einmal im Besonderen hingewiesen. Nicht nur im Hinblick auf die im nächsten Jahr bevorstehenden Europawahlen, sondern auch als bildungsfördernde Maßnahme muss man sich diese Rede anhören. Neben all dem mauen Große-Koalitions-Gekaue war Martin Schulz ein echter Star auf diesem Parteitag. So wünsche ich mir alle Sozis*)! Ausserdem hat er ein abhörsicheres Handy, sagt man.

Und zum Schluss muss ich natürlich noch auf unseren D64-Stand zu sprechen kommen, den vor allem @lutzmache und @weyhmueller betreut haben und an dem ich nicht nur @GescheJoost kennenlernen durfte, sondern an dem ich @Rheinwaerts zur Mitgliedschaft bei D64 überreden konnte, an dem wir vom @vorwaerts mit Bier und Kuchen versorgt wurden, wo wir unser lustiges Tweet-Up gemacht haben und wo sich neue Diskussionslinien auftaten. Ok, das mit der Diskussion hat sich genaugenommen dann später erst auf dem Parteiabend zwischen @Rheinwaerts und @claudiokerst ergeben, da muss ich präzise bleiben. Aber ich meine ausgemacht zu haben, dass sich da zwischen den KölnerInnen und den BonnerInnen eine produktive Chemie entwickelt hat, die sicher in nicht allzu ferner Zukunft auch in zählbare Aktionen im Rheinland münden wird, ich stelle mir da sowas wie einen Diskussionsabend vor zu den auf unserer Klausurtagung leider nicht mehr vollständig zum Zug gekommenen Disruptionen. Oder des Vertrauensbegriffs. Das wäre doch mal cool.

Der Parteitag ist rum, alle Fragen offen, der Vorhang aber auch.

*) wohlwissend, dass ich das 2011 über Hannelore Kraft auch gesagt habe und dass ich ihre Rede dieses Jahr nicht nur nicht gut, sondern leider schlecht fand und wohlwissend, dass das den Realitäten geschuldet ist, denen sie sich zu beugen müssen glaubt.

 

Die SPD Beuel – wo die Welt noch ist, wie sie sein sollte

Soeben komme ich vom Stammtisch der SPD Beuel nach Hause und bin völlig euphorisiert. So muss Parteileben sein, so muss Politik vor Ort gelebt werden! Themen! Meinungen! Diskussionen! Streit und Konsens! Peer bemacken und dann doch gut finden, das Salz der Sozialdemokratie finden und beklagen! Ach, wenn nur alle Ortsvereine der SPD so wären wie meiner heute abend!

Junge Sozis streiten mit den älteren , der alte Bezirksvorsteher (89) kam auch vorbei, wir sprechen über die Menschlichkeit an der Einzelhandelskasse und die bevorstehenden Disruptionen durch den Online-Handel, wir stellen fest, dass wir keine Antwort haben, aber dass wir eine wollen, wir schreien uns an und versichern uns, dass das gerade nicht persönlich gemeint war, sondern dass uns das Thema gerade nur auf die Palme gebracht hat! Wir meckern über Peer’s Berater und konstatieren seine Expertise in Finanz- und Europadingen, wir motzen über Gerhard Schröder und halten fest, dass mit der Agenda 2010 die Offene Ganztagsschule eingeführt wurde.

Zwei neue, die noch nicht Mitglied sind, stehen da und werden nach ihrer Meinung gefragt und sie sagen sie uns und sie finden Gegner und Unterstützer in unserer kleinen sozialdemokratischen Runde! So will ich das immer haben, so macht das Spaß, so reden wir über Themen und Personen, so! Und immer ruft einer zwischendurch rein: Schreibt einen Antrag, Genossinnen, schreibt einen Antrag, im November ist Bundesparteitag, da will ich Eure Anträge sehen!

Faktenanalyse der Rede Peer Steinbrücks vom 14.04.2013

Ganz früh war es, noch dunkel, und die Kinder und die Frau schliefen noch, als ich das Haus verließ. Zwei Abende zuvor hatte ich mich noch darüber echauffiert, dass gemeinhin breit und feixend über den aktuellen Slogan der SPD abgelästert wird, dass dieser Slogan irgendwann bereits von irgendeinem Saftladen schon mal verwendet wurde. „Ist nicht schön, verändert aber das Land nicht“, wollte ich sagen, „wohingegen das konsequente Demontieren der Energiewende durch die Union und die FDP kaum diskutiert wird und das Land viel tiefer prägen wird“, wollte ich sagen, aber ich hatte das an dem Abend irgendwie nicht so raus bekommen. Mit Anspannung stieg ich in den Zug um 6:11 ab Siegburg.

Meine Frau, erfahren wie sie ist, hatte mir gesagt: „Lad Dir was runter für die Zugfahrt, denn das Netz wird unterwegs brüchig sein“, und so hatte ich mir Stéphane Hessels „Empört Euch“ als e-Book auf mein mobiles Endgerät geladen. Damit brachte ich mich weiter in Stimmung für den Bundesparteitag der SPD 2013. Auf diesem Parteitag sollte das Regierungsprogramm beschlossen werden, viel wichtiger erschien aber, wie Peer Steinbrück sich dort mit seiner Rede präsentieren würde. Anspannung.

In Augsburg angekommen, musste ich vom Hauptbahnhof mit einer Regionalbahn noch zwei Stationen weiter fahren, um zum Gelände des Parteitages zu gelangen. In diesem Zug saßen zwei weitere Sozis, Delegierte, die sich vorab über den bevorstehenden Parteitag unterhielten. Auch die beiden machten einen angespannten Eindruck, sie ließen die „Pannen“ des Kanzlerkandidaten noch einmal Revue passieren und kamen zu einem ähnlichen Schluss wie ich zwei Tage zuvor: Dem Wahlkampf sicherlich abträgliche Banalitäten, die erheblich heißer diskutiert würden als ihnen zustünde. Die beiden redeten über eine Rede Steinbrücks, die sie beide gehört hatten (ich jedoch nicht) und bekannten, dass sie ihn in dieser Rede sehr gut gefunden hatten. Anspannung.

Auf dem Parteitagsgelände angekommen, nahm ich meinen Platz bei den Genossen des Newsdesks ein, freundliche junge Leute, die für’s Willy-Brandt-Haus die Online-Berichterstattung besorgen. Sie hatten mich eingeladen, als Blogger vom Parteitag zu berichten.

Zur Eröffnung hielt Sigmar Gabriel eine vergleichsweise lange Rede, die mir aber dennoch gut gefallen hat. Er hat darin alle die Themen genannt, die mir wichtig sind und die mich überzeugt für die SPD den Kopf hinhalten lassen. Er hat diese Themen wunderbar mit dem richtigen Schuss Emotion gebracht, der Saal wurde warm. Aber immer noch Anspannung bei den Genossen. Waten auf Peer, die Timeline nestelt an den Wortspielen.

Christian Ude tritt ans Pult, ein Heimspiel für ihn. Für mich ungewohnt zu hören, dass jemand mit bayrischem Zungenschlag sozialdemokratische Standpunkte vertritt. Christian Ude entlockt dem Plenum sogar den einen oder anderen Jauchzer, guter Mann, gute Inhalte launig, aber ernst in der Sache vorgetragen.

Ich muss natürlich auch das Grußwort von Claudia Roth erwähnen und ich tue das mit Freuden! Noch nie hat jemand von den Grünen auf einem Bundesparteitag der SPD gesprochen (so hieß es zumindest im weiten Rund). Ich war geschmeichelt. Claudia hat uns Sozis so angekuschelt, das tat mir richtig gut. Sie hat in ihrer Rede in keiner Sekunde einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass rot und grün gemeinsam in diesen Wahlkampf ziehen werden und dass wir ihr allerliebster Koalitionspartner wären. Das tat wirklich gut. Da hat jemand den Blick behalten dafür, dass wir für richtig richtig gute Sachen kämpfen werden und sie hat sich nicht kirre machen lassen von Gemäkel an Slogans und von Gemäkel an Nebensätzen von Peer. Sie hat den Blick auf das Wesentliche, nämlich unsere Inhalte, gerichtet und gesehen, dass nämlich wir, rot und grün!, die besten politischen Inhalte und Konzepte haben.

Dann kam Peer. Anspannung. Ich schrieb einen Tweet, der lustig sein sollte, mir aber lahm geriet; willfährig wurde dieser Tweet zerfleischt, nur allzu vorhersehbar und blutdürstend wurden die Kommentare dazu retweetet. Peer fängt an. Er macht auf mich einen abgekämpften Eindruck, sieht etwas fahl aus. Nach den emotionalen Reden von Sigmar, Christian und Claudia Roth fängt er leise an. Er sagt „Ich fange mal hinten an: Ich will Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden.“ Ein etwas matter Anfangsgag, finde ich. Matt. Ich bin angespannt. Der Kandidat ist matt! Peer redet weiter, erzählt unaufgeregt, bringt Punkte vor, die ich alle schon lange lange unterschrieben habe. Wird sicher. Ich bin immer noch angespannt, er muss uns schließlich heute begeistern, er darf nicht blutleer sein, heute muss die Wende gelingen. Peer kommt zu seinem Thema: Finanzmärke. Die Timeline geht steil: der Millionen-Peer, unglaubwürdig als Bändiger der Märkte! Willfähriger Vollstrecker des Großkapitals! Ich höre ihm zu. Er zeigt Kompetenz. Ich finde das gut, was er sagt. Ich finde das auch überzeugend, was er sagt. Ich nehme ihm ab, dass er der ist, der diesen ganzen Shice in diesen unübersichtlichen Märkten durchschaut. Dass er der ist, der weiß, an welchen Stellen man ansetzen muss, um derer Herr zu werden, die sich seit Jahren wie die Axt im Walde benehmen. Ich höre ihm zu und ich nehme ihm ab, dass er wirklich die Nase davon voll hat, dass Volkswirtschaften erpressbar geworden sind. Bilder von 2008 kommen mir in den Sinn, wie er mit Frau Merkel irgendwelche Maßnahmen verkünden muss, die ihm so offensichtlich nicht schmecken – damals, 2008 – dass ich damals, 2008, bereits dachte: Oha, der ist persönlich angesickt von diesen verschissenen Bankern, die uns unsere schöne Wirtschaft hier kaputtspekulieren. Der war damals glaube ich echt sauer. Und jetzt, 2013, ist er nicht mehr sauer, sondern wirkt auf mich entschlossen, der will der Politik die Gewalt zurückholen. Er will den Banken die Gewalt nehmen und sie der Politik und damit denen, die diese Politik wählen, zurückgeben. Und er macht auf mich den Eindruck, dass er weiß, wie das geht und dass er das tun wird. Er spricht über Steuerhinterzieher, von Leuten, die uns um Milliarden betrügen, von Leuten, die uns ausrauben (mein Wort, nicht seins). Er sagt, dass man nicht von Steueroasen, sondern von Gerechtigkeitswüsten sprechen muss. Er ist böse auf Steuerhinterzieher und ich bin es auch. Ich erinnere mich, wie er mit der Kavallerie in die Schweiz einreiten wollte, damals, und wie ich das toll fand, wie ich gejubelt habe, dass da einer dieses ganze viele Geld, das uns Steuerzahlern einfach gestohlen wurde, wieder zurückholen wollte. Und er macht in seiner Rede heute deutlich, dass er das immer noch will. Und dass er jetzt einen Plan dazu hat. Ich bin völlig begeistert, während die Timeline weiter herumätzt und über Pinot Grigio und Eierlikör geifert.

Der Saal hört zu. Keine Jauchzer wie bei Christian. Kein Applaus (zumindest in meiner Erinnerung), Zuhören. Da steht Peer und spricht von Gerechtigkeit. Und er hat einen Plan. Er hat im Herbst letzten Jahres ein Papier vorgestellt, in dem er seinen Plan aufgeschrieben hat und alle haben den Plan gelesen. Dieser Plan ist so gut, dass sogar die Kanzlerin sich aus daraus bedient. Ich bin nicht mehr angespannt. Ich bin sauer. Zusammen mit Peer bin ich sauer, sauer auf die Regierung, die seit vier Jahren keinen Henkel an nichts kriegt, die aber trotzdem als die Bewahrerin der europäischen Einheit dasteht. Die keinen Plan hat, wie sie die Finanzmärkte wieder unter Kontrolle kriegt, die keinen Plan hat, wie wir das uns gestohlene Geld wieder zurückbekommen, die einen Finanzminister eingesetzt hat, der Abkommen mit der Schweiz treffen will, nach dem diese Verbrecher sich Anonymität und Immunität erkaufen können mit einem Hunderttausendstel des geklauten Geldes. Da bin ich sauer und Peer ist sauer, wir sind sauer und die Delegierten sind auch sauer. Wie die Merkel die Finanztransaktionssteuer erst abgelehnt hat und uns dann doch zustimmen musste, wie wir ihr die ins Papier diktiert haben. Und wie der Rösler mit seiner Politik auf Bestellung das wieder torpediert, das macht mich sauer. Und Peer spricht von Gerechtigkeit und ich glaube ihm, denn ich will auch Gerechtigkeit und ich muss an Gisela denken, die wir im Ortsverein erst kürzlich für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geehrt haben. Gisela hat gesagt: „Ich bin damals eingetreten, weil ich Gerechtigkeit wollte. Ich wollte, dass alle die gleichen Möglichkeiten bekommen und dafür trete ich noch heute ein.“ Und ich weiß das, dass sie das noch heute macht, schließlich debattieren wir einmal im Monat an unserem Stammtisch und sie diskutiert mit harten Bandagen.

Gerechtigkeit! Peer ist nun leidenschaftlich. Es ist ungerecht, dass jemand weniger verdient, nur weil sie eine Frau ist! Es ist ungerecht, dass nicht alle den gleichen Zugang zu Bildung bekommen! Es ist ungerecht, dass nicht alle den gleichen Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen! Es ist shice, wenn Banken nicht mehr den produzierenden Mittelstand stützen! Es ist shice, wenn die Banken, die das noch tun, keine Anerkennung dafür erhalten! Es ist shice, wenn dreivier alles haben und alle anderen nichts! Es ist shice, wenn Geld aufgetürmt wird statt seiner Bestimmung zugeführt zu werden, es ist shice, wenn Geld nicht investiert wird! Ich bin auch leidenschaftlich und die Delegierten sind leidenschaftlich und die Timeline ist mir egal. Ich höre Peer zu und ich gehe mit. Er nimmt Frau Merkel ins Kreuzverhör und sagt alle diese Dinge, die ich die ganzen letzten Monate von ihm endlich endlich gesagt haben wollte, die Uli Kelber schon gesagt hat, die Sigmar Gabriel gesagt hat und Peer schüttelt die Fäuste und ich bin leidenschaftlich dabei.

„Das ist sein Thema“, schreibe ich in die Timeline und meine „Ja, verdammt, verdammt, verdammt, so muss man an diese Dinge rangehen, genau so!“

Am Ende des Parteitags sprachen einige davon, dass es ja wohl völlig daneben gewesen sei, dass Peer seine Redezeit überzogen hat, weil damit viel weniger Zeit für die Debatten über die Änderungsanträge geblieben sei.

Das Regierungsprogramm wurde einstimmig beschlossen. „SED!“ ätzt die Timeline, aber die Genossen, sogar die besonders kritischen, scheinen zufrieden, einer sagt, das wäre das beste Regierungsprogramm der letzten zwanzig Jahre. Es stehen Sachen darin, die die CDU möglicherweise im Jahr 2020 in ihr Programm aufnehmen will. Es stehen Sachen darin, die Gerechtigkeit schaffen wollen. Es stehen große Sachen darin. Die Timeline ätzt: „Glaube nichts, was ein Politiker vor einer Wahl sagt!“ Ich antworte: Wenn jemand vor einer Wahl so etwas nicht sagt, ist es viel schlimmer, denn man kann ihn danach nicht daran messen.

Vielleicht war das immer das Problem der SPD, dass sie immer messbare Politik gemacht hat und immer noch macht.

Und jetzt haut mir auf’n Kopp, nennt mich naiv und realitätsfern und vielleicht schäme ich mich in zwei Jahren, wenn ich den ganzen Politikbetrieb dann schon länger kenne, für meine kindliche Emotion hier – aber vielleicht grabe ich diesen Text dann in zwanzig Jahren noch mal aus, wenn ich vielleicht irgendwo satt sitze und mein Glaube an die Politik und die Demokratie längst zu einer Hülse geworden ist, und kann mich dann an mir selbst messen.

Schamlose Werbung für unser Buch und für die SPD, yeah!

150 Jahre SPDHeute vormittag habe ich das Buch „Für Fortschritt und Gerechtigkeit – Eine Chronik der SPD“ gelesen. Mit offenem Mund lese ich da #diespdwars bei elementaren Errungenschaften, die uns heute ganz selbstverständlich vorkommen.

Dieses Buch wirkt hochgradig inspirierend auf mich, vor allem die Beiträge von Andrea Nahles, von Hannelore Kraft und von Sigmar Gabriel bestätigen mir, dass ich bei der richtigen Partei gelandet bin.

Ich bin gerade voller Tatendrang, die Welt besser zu machen und am liebsten würde ich jetzt gleich eine Flut von Mitgliedsanträgen an alle meine Freunde verschicken, damit sie alle mitmachen bei dieser tollen Idee von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

Aber jetzt muss ich mich erst um meine Kinder kümmern, die sind nämlich auch hochgradig spannend und inspirierend.

Man kann das Buch auch zum Selbstkostenpreis von 15,00 € kaufen, dazu könnt Ihr eine E-Mail an unseren Ortsverein unter 100jahre@spd-beuel.de schicken oder das ganze beim Genossen Alexander-Frank Paul telefonisch bestellen, Kontakt +49 228 403 67 75.