Ich beginne, @Nico zu verstehen

Komisch fand ich immer, wenn @Nico Bilder seiner Socken aus der Bahn oder so gepostet hat. Ich dachte: „Komische Selbstinszenierung, personal branding über Ringelstrümpfe, wie albern.“

Errungenschaft des Tages: ich hab jetzt Happy Socks! <3 (schön rot, wählt die SPD!)

Ein Beitrag geteilt von Maxim Loick (@pausanias09) am

Gestern habe ich mir vier Paar Happy Socks gekauft und gleich mal eins davon angezogen. Und wie überwältigend war der Effekt: Immer, wenn mein Blick zufällig auf meine Füße fiel, habe ich mich sehr gefreut, denn meine im nackten Zustand zugegebenermaßen eher verhalten fröhlichen Füße sehen mit einem Mal atemberaubend aus! Und jeder Blick darauf ist herzergreifend! Ich möchte Euch mit Fotos von meinen mit bunten Socken bekleideten Füßen vollposten, um diese Freude mit Euch zu teilen. Und ich beginne zu verstehen, dass es bei @Nico vielleicht nicht um personal branding geht, sondern um das jede*r Sozialdemokrat*in innewohnende Bedürfnis, Freude immer gleich mit der ganzen Welt teilen zu wollen.

Disclaimer: Mir hat keiner was dafür bezahlt, ich finde sowohl meine neuen Socken als auch @Nico auch ohne Bezahlung cool.

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Charakterschwächensourcecodes initialisieren

Bei Twitter twittere ich viel dummes Zeug, so wie viele andere auch. Ein paar Bösartigkeiten sind vielleicht manchmal dabei. Wenn man alle die miesen Jokes, die im Konjunktiv verfassten Gemeinheiten zusammennimmt, könnte man Teile von Twitter auch als das Github der nickeligen fiesen Ideen ansehen, eine Sammlung von Charakterschwächensourcecodes.

Es ist denkbar, dass sich ein oder zwei überarbeitete Banker vielleicht eine Charakterschwäche erlaubt haben mögen wie „Ich piss von meinem Geldberg auf Euch da unten!“ Soweit so mies bis hier, aber im Rahmen von innergehirnlichen Vorgängen, die ich laienhaft für irgendwie noch normalpsychologisch erklärbar halte, nichts außergewöhnliches.

Aber jetzt gehen welche da hin und beauftragen eine*n Architekt*in, das hier zu entwerfen:

Das wird also entworfen, dann irgendeinem Gremium zur Abnahme vorgestellt. Die beraten über den Entwurf für sowas. In dem Moment initialisieren die ihre Charakterschwächensourcecodes, die führen das wirklich aus, die wollen das wirklich bauen. Die nehmen eine Handvoll Geld von dem Haufen, auf dem sie sitzen, und schreiben ihre Bösartigkeit in Aufträge. Das ist kein gedankenloser Tweet, was die da schreiben, die lassen Menschen und Material kommen, um einen Witz zu bauen. Die sind so weit weg, dass ihnen der Unterschieb wahrscheinlich nicht mehr auffällt. Die sind so weit weg, dass sie ihren letzten Rest Gewissen dadurch zu retten versuchen, dass sie irgendwas von „wenn Ihr da unten die Möglichkeit hättet, würdet Ihr das auch machen“ faseln, wegen „der schönen Aussicht“. Das mit dem „wir pissen auf Euch“ kommt doch von Euch, nicht von uns! Das spricht der Neid aus Euch, Ihr hattet diesen Gedanken, nicht wir!

Ich reg mich auf! Hoffentlich werden wir mit trackle unermesslich reich, nur zu dem Zweck, allen auf der Welt zu zeigen, dass man dann nicht so werden muss wie die!

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Sich selber toll finden

Ich versuche das zu tun, was ich toll finde. Manchmal endet das in Situationen, in denen mir das irgendwie gelingt und ich mich selbst toll finde, was dann im Allgemeinen wieder nicht sehr populär ist: Sich selbst toll finden.

Heute wird Udo Lindenberg 70 und im WDR lief ein Song von ihm, in dem er irgendwas über sich selbst singt, irgendwas mit „ich ändere mich nicht“ und Dingsbums hat einen Namen und der fängt mit U an. Das mit dem Dingsbums hat einen Namen und der fängt mit U an finde ich saucool, das mit dem „ich ändere mich nicht“ nicht.

Ich versuche, mich kontinuierlich zu ändern. 2012 hatte ich eine Höllenangst davor, mein Gesicht im Internet zu zeigen. Heute nicht mehr. Als Teenager hatte ich Ansichten, für die ich heute ein PAV beantragen würde (mal davon abgesehen, dass ich damals keiner Partei angehört habe). Ich habe in den letzten Jahren, Monaten, Wochen und sogar Tagen wieder so viel gelernt, ich wäre ja völlig borniert, wenn ich mich da nicht ständig ändern würde. Veränderung ist toll und notwendig. Ich habe sogar meine Einstellung zu Musik verändert, seit der Kleine Sohn Songs mitsingt, die eigentlich inakzeptabel sind. Veränderung hat immer mit Erkenntnisgewinn zu tun und damit, Erkenntnisgewinn zuzulassen.

Und manchmal, da merke ich, wie ich eine alte Verstocktheit über Bord werfe, und da finde ich mich selber etwas toll. Sich selber toll finden ist ja – völlig zurecht! – nichts, womit man Sympathien erwirbt. Aber in kleinen Dosen hilft es mir, die Welt weiter umarmen zu wollen. Und zu küssen (was die Welt dann vielleicht wieder eher neutral findet).

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Die Unendlichkeit befragen

Warum hat man eigentlich Kinder? Manchmal ist es ganz einfach:

Kleiner Sohn: „Papa, warum weiß das Internet alles?“

Ich: „Das Internet weiß glaube ich gar nicht alles.“

Kleiner Sohn: „Was weiß das Internet denn nicht?“

Ich: (muss überlegen) „Das Internet weiß zum Beispiel nicht, warum alles so ist, wie es ist.“

Kleiner Sohn: (muss nicht überlegen) „Die Unendlichkeit wüsste das wahrscheinlich. Aber die können wir ja nicht fragen.“

Später, viel später, kommt mir der Gedanke, dass wir vielleicht schon alles wissen, aber nicht zufrieden genug damit sind. Diese alberne Unendlichkeit, die haben wir doch auch nur erfunden, weil uns die Endlichkeit erheblich unvorstellbarer ist. Ich fordere hiermit, dass s die größte Zahl ist. s+1 ist eine genauso unzulässige Rechenoperation wie die Division durch Null. Fertig ist die Laube.

(Hat das echt noch nie jemand gefordert?)

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Immer wollen alle stehenbleiben

Kaum hat man mal was erreicht, wollen immer alle stehenbleiben. Man habe sich das verdient, sich nicht mehr anstrengen zu müssen. Man habe ja schließlich was geleistet und nun sei ja auch mal gut. Erstmal setzen. Die Sehnsucht danach, irgendwo angekommen zu sein und endlich nur noch auf der Couch zu sitzen. Und lebten glücklich auf der Couch bis ans Ende ihrer Tage. Was für ein Irrsinn.

Setzt Euch zwischendurch mal hin, trinkt ein Bier (oder von mir aus einen ganzen Kasten), nehmt Euch drei Tage Zeit, um Euren Kater loszuwerden, aber dann stellt bitte Eure Nase wieder in den Wind. Ändert immer was. Macht es so, dass es Euch nicht überfordert, aber ändert immer was, bleibt nicht stehen. Glücklich am Ende Eurer Tage werdet Ihr nur sein, wenn Ihr immer etwas ändert, bis Ihr tot seid.

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Beschenkt

Gestern hatte ich Geburtstag, ich bin 41 geworden. Viele Menschen haben mir über Twitter und Facebook gratuliert – und ich find’s toll. So viele, die mir eine Freundlichkeit zukommen lassen und mir tolle Sachen wünschen und dass ich reich beschenkt werden möge.

Aber was schenkt man jemandem, der schon alles hat? Ich bin doch schon so wunderbar beschenkt, gesund, glücklich, zwei gesunde glückliche Kinder und eine tolle Partnerin, mit der ich just heute ohne mit der Wimper zu zucken eine neue Firma gegründet habe. Und wir essen immer so gut! Wir trinken was wir mögen! Ich kann mich bei den Sozis so einbringen, dass die mich sogar manchmal um Rat fragen. Ich darf den D64-Ticker schreiben und ab und zu sagt einer: „Danke! Danke für die Haltung, Baby!“ Das alles macht mich sehr glücklich, nicht nur an meinem Geburtstag. Ich bin ein glücklicher Mensch (außer jetzt die Auswärtsniederlage des BVB beim HSV am Freitag, aber ok!).

 

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Zwischenmenschliche Schulden abbauen

Diese Blume ist trotz ihrer offensichtlichen Unvollkommenheit schön.
Diese Blume ist trotz ihrer offensichtlichen Unvollkommenheit schön.

Heute morgen hab ich gedacht: Wir schieben seit Jahrtausenden etwas vor uns her, was ich mal arbeitstitelhaft als „zwischenmenschliche Schulden“ bezeichnen will. Damit meine ich, dass wir im Umgang miteinander noch längst nicht die Grenzen des Machbaren erreicht haben. Freundlichkeit ist eine willkommene, aber seltene Ausnahme vom Default Misstrauen. Über Jahrtausende haben wir uns angewöhnt, dass man besser immer erstmal vorsichtig sein muss, weil der/die andere uns by default erstmal was wegnehmen will. Unsere Grundhaltung ist: Sei nicht blauäugig, sei misstrauisch, selbst Schuld, wenn Du blauäugig und nicht misstrauisch bist. Misstrauen gebiert neues Misstrauen.

Wir haben das nur über die Jahrtausende ausgehalten, weil wir, wenn’s uns zu viel wurde, einfach weggehen konnten, in die Höhle, aufs Klo oder ins Bett.

Jetzt werden wir immer vernetzter. Wir entkommen dem dauernden Misstrauen, den Shitstorms und Hetzereien immer seltener, das Internet kommt inzwischen mit aufs Klo und ins Bett und das stresst uns. „Dann mach doch Dein dämliches Smartphone aus, Du Honk!“, sagt Ihr und das mache ich ja auch manchmal.

Aber das ist ja wie weglaufen und durch Weglaufen erhöhen sich die Schulden. Wir haben es uns über Jahrtausende geleistet, nicht in unsere Zwischenmenschlichkeit zu investieren. Durch Jahrhunderte des Mangels (an Nahrung, Wohnraum, Grundversorgung) entstanden, durch die Einfachheit des Sich-Entziehen-Könnens verfestigt, hat sich an der Grundhaltung „Misstrauen“ nie substanziell etwas geändert.

Jetzt erreichen wir ein Entwicklungsstadium auf technischer Ebene, dass uns vor die wichtigste Aufgabe seit Bändigung des Feuers stellt: Toleranz nicht als „aushalten, bis ich zu Hause bin“ misszuverstehen, sondern in unserem Inneren tolerant zu sein. Es wirklich ok finden, wenn jemand etwas anders macht als ich, nicht insgeheim die Augen rollen und der/dem anderen innerlich den Vogel zeigen. Meine eigene Wertung als meine subjektive Wertung erkennen und nicht als objektives Faktum missverstehen.

Wir müssen ans Eingemachte. Digitale Vernetzung macht das nicht nur evident, sondern notwendig. Die eiskalten Entscheidungen treffen Maschinen viel besser als unsere Manager*innen und Politiker*innen, Maschinen sind im „Tja! Kann man nichts machen!“ sagen viel besser als Menschen.

Es geht jetzt darum, dass wir uns um einander kümmern. Es geht darum, dass wir den Maschinen sagen: „Kann man wohl was machen, weil wir Menschen sind und ihr nicht!“ Ich klinge, als tanzte ich in Batikwallegewändern um ein Feuer, aber ich bin ganz ernst: die Ratio, seit Menschengedenken bejubelte Fähigkeit Nummer eins unserer Gehirne, verliert an Bedeutung, weil Maschinen das besser können. Was Maschinen nicht können ist „Mach ich aber trotzdem anders, einfach weil ich den/die andere*n mag!“ sagen. Weil ich mich gut fühle, wenn mein Gegenüber im Bus morgens nicht mehr grimmig schauen muss, weil der kleine Sohn ihm/ihr ein Kompliment gemacht hat. Weil „sich gut fühlen“ zu einem Wert werden muss, der nicht länger als selbstsüchtig gelten darf, sondern als Notwendigkeit begriffen werden muss. Weil „sich gut fühlen“ nicht länger auf Kosten anderer entstehen darf, sondern im gemeinsamen Erleben.

Wenn die Netzeffekte auf „sich shice fühlen“ treffen, entstehen Shitstorms (was ja noch vergleichsweise leicht auszuhalten wäre) oder, viel schlimmer, Pogrome. Wenn Netzeffekte auf „sich gut fühlen“ und „sich gut fühlen wollen“ treffen, stehen tausende an den Bahnhöfen und bringen Klopapier, Zahnpasta und Windeln.

Sicher findet Ihr ganz viele Abers und GehtNichte. Ich bin nur ein Duscher und kein Denker, der sich dank seiner bullerbühaften Kindheit im Stroh von Rhade erlauben kann, die Menschen zu mögen. Ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht privilegiert bin, und Privilegien beinhalten auch immer eine Pflicht. Meine Pflicht ist, die Menschen zu mögen und das kann ich.

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Fabuliere vom schönen rot ins tiefe blau

Soeben hat die SPD Hamburg die dortigen Bürgerschaftswahlen gewonnen, irgendwas mit 45,x% oder so. Fühlt sich richtig gut an, habe so lange rote Balken schon lange nicht mehr im Fernsehen gesehen. Was heißt’n das nun für die SPD insgesamt? Mehr Scholz, weniger links? Bin gespannt.

Und sogleich komme ich wieder auf die Frage, die @wasalski mir zuletzt immer wieder gestellt hat: Was soll die Rolle der SPD sein, jetzt, wo sich die klassischen Milieus allmählich aufgelöst haben? Dazu hat @wasalski mit ja extra dieses Buch von Franz Walter geschenkt, das ich pflichtschuldigst gelesen habe und das diese Frage auf rund 140 Seiten ziemlich drängend stellt. Und mir fällt nichts besseres ein als das Zitat von Andrea Nahles: Die Sozialdemokratie soll der Kitt sein, der die Gesellschaft zusammenhält (so oder so ähnlich habe ich es von ihr irgendwo gelesen, vllt. hat sie aber auch nur jemand anderen zitiert, egal, es kommt mir auf den Satz an!). Was die Sozialdemokratie leisten soll, und das ist zugleich der Grund dafür, warum ich mich für sie engagiere: Sie soll eine gesamtgesellschaftliche Solidarität herstellen, weil es für alle beteiligten schlauer, besser und einfacher ist, sich für einander einzusetzen. Die Starken für die Schwachen. Die Schwachen zu stärken, damit es mehr Starke gibt, die den Schwachen helfen können. Niemanden zurücklassen (wie Hannelore Kraft immer sagt). Ressourcen gerecht verteilen. Empowerment durch Bildung. Gleichberechtigung. Der ganze Katalog halt. Und wenn Franz Walter das Pferd von den Milieus her aufzäumt, dann will ich es von den politischen Zielen her aufzäumen. Do the right thing and let people know. Warum sollen die Starken uns wählen, wenn wir sie nur in die Pflicht nehmen wollen? Keine Ahnung. Aber es ist richtig, die Starken in die Pflicht zu nehmen. Und die Starken müssen einsehen, dass sie ohne die Schwächeren nicht stark geworden wären, dass sie aus solidarisch geschaffenen Infrastrukturen ihre Stärke gewonnen haben. Und sie müssen doch einsehen, dass es ihnen am Ende selber nützt, wenn sie die Schwächeren nicht mit Füßen treten. Und sie müssen doch einsehen, dass ein überkommenes Statusempfinden nicht mehr trägt, dass sie ja eigentlich selbst keine Lust mehr auf die Systeme haben, in denen sie die Starken sind. Sie müssen doch erkennen, dass Anerkennung mit anderen Kriterien zu erzielen ist als mit den flüchtigen Idealen vergangener Zeiten.

Ach, ich fabuliere ja ins Blaue. Aber ich lass das mal so ungefiltert stehen.

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Alte Männer, remote

Gestern Heiligabend. Da saß ich nun, mit einem tauben Daumen nach zwei Stunden Playmobil und Lego Aufbauen mit der angebrochenen Flasche Sekt. Ich stimmte die Sonos auf die Jammerplaylist ein und hing so ein bisschen meinen Gedanken nach, bis ich dessen überdrüssig wurde und auf „Freitags Fabrik“ umschaltete.

Und siehe da, die Stunde war fortgeschritten genug, dass sich @botnautzki und @ion_tichy remote in ihren hunderte Kilometer entfernten Domizilen dazu schalteten. Und es war ein bisschen so, als wären sie hier.

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Herzliste 2013/14 – schnelles Fazit

Am 31.12.2013 habe ich nach einem Aufruf von @FrDingens (heute known as @lasersushi) eine schnelle Herzliste aufgestellt, was ich in 2014 erreichen wollte. Ich habe mir diese Liste gerade angesehen und stelle fest: Fast nichts davon habe ich umgesetzt, vieles steht aber immer noch auf meiner Herzliste für 2015.

Bin ich denn das ganze Jahr für nichts und wieder nichts rumgerannt? Irgendwie bin ich trotzdem nicht unzufrieden, aber vielleicht liegt das an meiner unfassbaren Fähigkeit, Dinge gut zu finden.

(Der @Wally44 hat übrigens auch gerade Bilanz gezogen.)

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