Die Nasenspitze am Monet

„Das Wir entscheidet“ – ich finde den Ansatz ja immer noch gut, ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschheit es nur so weit bringen konnte, weil der Mensch ein soziales Wesen ist und grundsätzlich zusammenhält. Von daher ist der (jaja, ich weiß, von irgend ’ner Shice-Firma schon mal verwendete) Slogan der SPD an sich immer noch richtig.

Aber wir (als SPD) haben, so finde ich nun nach der verlorenen Bundestagswahl, vergessen darzustellen, wie sich dieses Wir zusammensetzt. Dieses Wir besteht aus rd. 80 Mio. Individuen, die sich bemühen, ihr jeweiliges Leben nach den persönlichen Vorstellungen zu gestalten. Wir (die SPD) haben das nicht differenziert und haben es versäumt, denen, denen es gut geht, zu vermitteln, warum es auch für sie wichtig ist, das Programm der SPD zu unterstützen. Was interessiert eineN, die/der einen ganz ordentlichen Job hat und ganz ok bezahlt wird, ein Mindestlohn von 8,50 €? „Achtfuffzich? Ich kriege jetzt schon mehr, interessiert mich nicht.“ Beim Thema Mindestlohn hätten wir (als SPD) wohl mehr darauf aufmerksam machen müssen, dass die Wirtschaft mehr in die Pflicht genommen werden muss. Wir leben im Wohlstand, weil wir florierende Unternehmen haben – und es ist an diesen Unternehmen die Menschen zu bezahlen, und nicht an den Sozialkassen (und somit am Steuerzahler). Das wäre die Botschaft zum Thema Mindestlohn gewesen.

Die Botschaft hätte lauten müssen: JedeR soll sein Leben nach den eigenen Vorstellungen einrichten können (ein uralter sozialdemokratischer Freiheitsgedanke), dazu sollen die sehr gut verdienenden ihren Beitrag leisten (denn sie schulden der Gesellschaft etwas), die gut verdienenden tun das bereits und die schlecht verdienenden im Niedriglohnsektor sollen davon profitieren. Dann haben wir auch genug Geld, um in Kinderbetreuung und Infrastruktur zu investieren. Wir (als SPD) haben versäumt, das ganze Bild zu zeigen, wir standen mit der Nasenspitze direkt am Monet und haben Farbtupfen verkauft. Wir hätten rauszoomen und das ganze Bild zeigen müssen:

Männer und Frauen arbeiten zu gleichen Bedingungen und finden alles vor, was sie brauchen, um eine Familie zu gründen und glücklich darin zu leben, egal ob Frau/Mann, Mann/Mann oder Frau/Frau oder in ganz anderer Konstellation. Die Infrastruktur intakt, digitale Breitbandversorgung allenthalben, Kinderbetreuung für alle und ohne Gebühren, das ganze in einem solidarischen Europa, in dem klar geregelt ist, wer in welchem Fall für wen einspringt, wenn’s mal nicht läuft. Zu zuckersüß das Bild, nur traumtänzerische Sozialromantik? Dann reinzoomen in die einzelnen Maßnahmen und darlegen, dass und wie dieses utopisch anmutende Bild Realität werden kann. Wir (als SPD) haben nur die einzelnen Maßnahmen verkauft, aber wir haben den Menschen nicht gesagt, was das Ziel von et janze ist.

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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