Beweglich

Im Moment ist ja dieser weinerliche Song so populär, wo einer rumjammert, dass er lieber auf Wolke vier mit wem anderen sitzt als wieder von Wolke sieben abzustürzen. Von den Tunes her, der Melodie und so, finde ich den Song eigentlich völlig gut, aber der Text geht ja mal gar nicht. Darin spiegelt sich imho ein anscheinend weit verbreitetes falsches Verständnis von Beziehung wider. Also das, das die Pärchen dazu treibt, sich auf der Hohenzollernbrücke in Köln symbolisch aneinanderzuketten und den Schlüssel in den Rhein zu werfen, das Verständnis von Beziehung, das beide unbeweglich macht. Das Verständnis, nach dem man, wenn man sich für einander entschieden hat, davon ausgeht, dass sich dieses Beziehungsding irgendwie in einem Zustand von „ist fertig jetzt“ befindet und man „glücklich bis an sein Lebensende“ nichts mehr macht. Da bleibt ja nur zu hoffen, dass man bis zum Lebensende nicht mehr so lange zu warten braucht.

Ich geh nochmal zu diesem Song zurück. Also. Auf Wolke sieben aufgestiegen, runtergefallen (sich also in der Person geirrt), hat volle wehgetan, deswegen jetzt nur noch Durchschnitt auf Wolke vier, nicht zu viel bewegen. Komische Kategorien irgendwie. In dieser Denke ist das hoch und runtergehen zwischen den diversen Wolkenebenen fest mit „zusammensein“ XOR „trennen“ verbunden. Schlüssel in den Rhein geworfen, also bleibt nur noch der Bolzenschneider. Ist das kacke.

Ich stelle mir eine romantische Beziehung anders vor. „Unten“ zum Beispiel bin ich manchmal auch ganz allein, dann sagt @frau_ratte vielleicht was nettes über ein Blogpost von mir. Zack. Gleich besser. Zusammen auf Wolke sieben sind wir ganz oft, zum Beispiel wenn die Kinder in Gummistiefeln vor uns her zum Auto rennen und dabei untereinander Kinderkonversationen betreiben. Manchmal bin ich auch ganz alleine auf einer Wolke sieben (zum Beispiel, wenn die Rouladensoße gut geworden ist), dann ruf ich der Frau was runter auf Wolke vier oder so, manchmal hilft es ihr, manchmal nicht. Auf Wolke vier sind wir auch oft, da räume ich meistens den Spüler aus und @frau_ratte macht die Wäsche.

Ich finde, dieser Sänger*) sollte seinen Song nochmal mit einem anderen Text versehen. Dann fänd ich den gut.

 

*) Der heißt Philipp Dittberner, wie ich jetzt ergoogelt habe.

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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