Die ganz alte Leier

„Sie verlangen, dass wir ihnen etwas abgeben.“
„Sie verlangen es? Wollen sie nicht lieber darum bitten?“
„Der äußeren Anmutung nach nicht. Sie sind bewaffnet.“
„Bewaffnet?“
„Sie tragen Heugabeln, Äxte und Knüppel. Sie scheinen sehr nachdrücklich etwas abhaben zu wollen.“
„Schurmann soll rausgehen und mir einen bringen.“

„Was baut ihr euch so unverschämt dort draußen auf?“
„Wir wollen etwas abhaben!“
„Was fordert ihr so unbescheiden? Hat man euch nicht gelehrt, bitte zu sagen?“
„Geschuftet habe ich. Dann bin ich krank geworden. Was tun sie, wenn sie krank werden?“
„Ich werde nicht krank. Woran bist du erkrankt?“
„Bandscheibenvorfall. Ich kann nicht mehr heben. Man hat keine Verwendung mehr für mich.“
„Armer Teufel! Und jetzt stehst du ohne Arbeit und ohne Geld da? Schurmann! Gib dem Herrn zweitausend, dem geht’s nicht gut. Hier, nimm!“
„Ich danke ihnen, ich danke, zutiefst dankbar bin ich!“

„Bleicken! Sind die immer noch da?“
„Ja, Herr.“
„Sind die alle krank?“
„Ich weiß es nicht. Einige vielleicht. Andere sind sicher faul.“
„Schurmann soll eine Stiftung gründen. Wer guten Glaubens ist, dem soll die Stiftung helfen.“

„Bleicken! Warum sind die immer noch da? Warum gehen die nicht zur Stiftung?“
„Sie sind nicht guten Glaubens.“

„Sie verlangen, dass wir ihnen etwas abgeben!“
„Was fällt denen ein? Ich habe ihnen Arbeit gegeben und ihnen eine Stiftung zur Verfügung gestellt! Sie sollen arbeiten oder guten Glaubens sein, dann geht es ihnen doch gut! Das habe ich ihnen ermöglicht!“
„Sie sagen, es wäre ihr Geld, nicht Ihr Geld.“
„Von welchem Geld faseln die? Ich habe ihnen ein Leben ermöglicht und ich will alles in meiner Macht stehende tun, um es ihnen weiter zu ermöglichen. Sie müssen nur tun, was ich ihnen sage. Das ist doch nicht zu viel verlangt.“

„Sie sind weg.“
„Alle?“
„Ja, Herr.“

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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