Innovationsdruck

This one goes out to the one am Infostand kurz vor der Bundestagswahl, der mir erklären wollte, dass die Energiewende Schuld an hohen Lebenshaltungskosten sei und dass man deswegen zur Atomenergie zurückkehren müsse, es gäbe keine andere Möglichkeit. Er wisse das, denn er sei Physiker. Mit diesem schlagenden Argument konfrontiert, habe ich natürlich sofort meinen Austritt aus der SPD in die Wege geleitet und suche seitdem Anschluss an Herrn Oettinger.

Muss ich es denn wirklich nochmal wiederholen? Einer der fatalsten Nebeneffekte der staatlich protegierten Atomenergie war m. E. der jahrzehntelang fehlende Innovationsdruck, kein Energieerzeuger hat auch nur einen Pfifferling dafür ausgegeben, Möglichkeiten auszuloten, wie Energie sinnvoll zwischengespeichert werden kann, die Stromnetze sind allesamt auf gleichbleibende Spannungen (oder wie auch immer das genannt wird, Hörr Phüsikör!) ausgelegt, kein Mensch hat einen Gedanken daran verschwendet, wie ein Netz aussehen müsste, das Spannungsschwankungen aushalten muss. Die Atomenergie hat den Energiesektor über fünfzig Jahre in einen Dornröschenschlaf gelegt.

Nun plötzlich, nachdem Fukushima den Ausstieg zumindest in Deutschland erzwungen hat, erleben wir einen Boom der Erneuerbaren Energien, ständig haben wir mit dem schlymmen Problem zu kämpfen, dass wir nicht wissen, wohin mit all dem Strom. Und plötzlich fangen die Damen und Herren IngenieurInnen an, sich lustige Dinge auszudenken. DruckluftspeicherkraftwerkePumpspeicherwerke in stillgelegten Zechen, riesige Akkus und – das finde ich besonders spannend – Schwungradspeicher.

„Jaaaa, alles nicht ausgereift!“ ruft der Hörr Phüsikör. Da hat er recht. Leider sind diese Technologien nicht aus Gottes Hand einfach in Marl-Sinsen betriebsfertig hingestellt worden (ganz im Gegensatz zu den ganzen Atommeilern). Wie mich solche Leute nerven!

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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