Zuerst müssen sich die Jobs ändern

Soeben habe ich das Interview mit @BoehningB in der Berliner Zeitung gelesen, wo es darum geht, wie sich Vatersein mit der Arbeit in Einklang bringen lässt.

In diesem Interview sehe ich folgende Standpunkte vertreten:

  1. wie man das Verhältnis „Arbeit“/“Familie“ in seiner eigenen Familie aufteilt, ist Privatsache.
  2. die Politik soll die Bedingungen schaffen, dass jede Familie die Wahl hat, dieses Verhältnis so auszugestalten, wie es ihr am besten passt
  3. es gibt Jobs, die erfordern so viel Präsenz einer Person, dass sie sich nicht mit der Familie vereinbaren lassen.

Meine Standpunkte dazu sind: Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ad 3), müssen als erstes die Jobs derart gestaltet werden, dass sie eben nicht ausschließlich dann funktionieren, wenn genau eine bestimmte Person immer präsent ist. Ist es denn unmöglich, diese Stellen so auszurichten, dass sie auch in 30-35 Stunden pro Woche gemacht werden können? Kann man, wenn es sich denn um eine derart wichtige Position handelt, diese nicht mit einem Team umgeben? So eine Umgestaltung kann m. E. nur sehr begrenzt – das ad 2) – durch die Politik getrieben werden. Das müssen vor allem die Männer selbst, die in diesen Jobs tätig sind, einfordern und gestalten. Und wenn sie doch so so so wichtig sind für diesen so so so wichtigen Job, sollten sie auch über genug Standing in ihrem Arbeitsumfeld verfügen, derlei Umgestaltungen ihres Jobs auch durchsetzen zu können. Und wenn das nun endlich geschafft ist, dann hat jede Familie, das ad 1), endlich eine tatsächliche Wahlmöglichkeit.

Zur weiteren Diskussion noch dies: Ist es, liebe Männer, nicht heimlich ganz angenehm ins Büro zu dürfen? Da gibt’s Kaffee, da muss ich Dinge tun, von denen ich weiß, wie’s geht. Mit so einem Säugling, da weiß ich das erstmal nicht. Und, liebe Familien, ist es nicht heimlich ganz angenehm, dass man sich dieses ganze Gewurschtel mit der Alltagsorganisation sparen kann, wenn Mama einfach die ganze Zeit zu Hause bleibt? Keine Hektik, wenn das Kind krank wird, während bei der einen die Amerikaner zum Meeting eingeflogen wurden und bei dem anderen die Deadline für das Pipapokonzept genau morgen ist?

Was ich sagen will: Ich teile die Meinung von @BoehningB  nicht, dass wir da schon so wahnsinnig weit wären und finde, dass das Thema in vielen Fällen nicht weit genug gefasst wird.

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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2 Gedanken zu „Zuerst müssen sich die Jobs ändern“

  1. Guter Text. Björn Boehning schätze ich sehr, und auch dass er das Interview gemacht hat. Allerdings finde ich seine Position etwas zu einfach, insbesondere auch was die Vorbildfunktion von Politikern (konkret Sigmar Gabriel) angeht. Immerhin ist er zum Schluss so ehrlich zu sagen dass Abwesenheiten wegen Elternschaft ab einem gewissen Level in der Politik zumindest heute nicht möglich sind.

  2. Stimmt wie immer alles…;-)) Soll aber bestimmt nicht heissen, dass die Politik sich jetzt vor lauter privater Väterinitiative aus der Affäre zieht – die Rahmenbedingungen müssen natürlich trotzdem stimmen (KiTa Plätze, KEIN Betreuungsgeld, bla bla bla *setzenSiehierdiealtbekannteThemenein*)

    Tatsächlich sind es „atmosphärische“ Anpassungen im Job-Umfeld, die der Erkenntnis Vorschub leisten, dass man jede Art von Arbeit teilen kann, Büroarbeit und Familienarbeit – sowohl Frauen/Mütter als auch Männer/Väter. Und dann kann jede Familie das für sich organisieren – so sie denn Zugrif auf einen KiTa-Platz hat…;-)

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