„Kauft nicht bei Amazon“ – aber wo sonst?

Gestern, kurz vor dem Einschlafen, traf mich dieser Tweet von @ArminLaschet:

Herr Laschet ist ja nun seines Zeichens Landesvorsitzender der NRW-CDU, aber ich möchte in meine Kritik ausdrücklich alle anderen politisch Verantwortlichen einbeziehen, erwarte ich doch minütlich vergleichbare Äußerungen meiner eigenen Parteigenossen.

Dieser Tweet hat mich richtig geärgert.

Ich kaufe bei Amazon, deswegen bin ich aber nicht gegen „lebendige Innenstädte“ und schon gar nicht für knechthafte Arbeitsbedingungen. Und ich werde weiter bei Amazon kaufen, nicht weil mir die Marke so gut gefällt, sondern weil Amazon einen Service bietet, den ich sonst nirgends so schnell finde: Ich kann Sachen kaufen, obwohl ich erwerbstätig und Vater bin. Wenn der Arbeitstag zu Ende ist und die Kinder schließlich in den Schlaf gefunden haben, kaufe ich bei Amazon. Ich habe keine Zeit, tagsüber in die Stadt zu gehen. Und abends sind die Läden zu – und selbst falls sie geöffnet wären, würde ich nur dann noch in die Stadt gehen, wenn ich etwas wirklich sehr dringend brauche. Wenn ich nämlich um sagenwirmal 20:00 Uhr aus dem Kinderzimmer komme und dann noch schnell #spülerAusräumenToDeath erledigt habe, packt mich nur ganz selten noch die Unternehmungslust.

Also nutze ich das Angebot von Amazon. „Jaaaa, aber es gibt doch auch andere Online-Shops, Du fauler Hund, kennst Du denn nicht Pillepallenachhaltig.org?“ Nein, kenne ich nicht. Ich kenne Amazon, da gibt es alles. Darum kaufe ich da. Und aus dem selben Grund, da bin ich sicher, kaufen viele da. Und, zumindest ist das bei mir so, der Preis spielt dabei nicht die wichtigste Rolle, sondern die Verfügbarkeit. Mein Bedürfnis ist „Sachen kaufen“, nicht „herausfinden, wo es Sachen gibt“.

Was also tun? Ich will ja nicht, dass für meinen Abendeinkauf Menschen geknechtet werden. Ich finde, da sollten Herr Laschet und andere mit einigem Einfluss ihrer Aufgabe nachkommen und dafür sorgen, dass Amazon seine Mitarbeiter vernünftig behandeln und bezahlen muss. Es hilft nicht und wird nichts ändern, wenn man den Verbrauchern die Schuld in die Schuhe schiebt. Und es empört mich nachgerade, wenn Herr Laschet in seinem Tweet die eigentlich den politisch Verantwortlichen zugedachte Aufgabe auf den Verbraucher abzuwälzen versucht.

Und zum Problem des sterbenden Einzelhandels hat @nico erst jüngst erhellendes gebloggt. Ich glaube, dass auch dieses Problem politisch gestaltet werden muss, da sind Anwürfe an Verbraucher genauso fehl am Platz.

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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