Die berühmtesten Atomunfälle und warum die nicht zählen

Der Bundestag beschließt gerade den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie, obwohl diese doch wirklich echt sauber und echt sicher ist. Ok, zugegeben, da gab’s mal ein paar Zwischenfälle, aber das ist ja alles Schnee von gestern, denn wir haben ja echt daraus gelernt:

29.09.1957 – Majak, INES 6
Grund für den Unfall: Russen. Russische Technik. Kann bei uns also nicht passieren.

07. – 12.10.1957 – Sellafield, INES 5
Grund für den Unfall: Ach, das ist schon so lange her, diese Technik da, das verwendet doch heute keiner mehr.

28.03.1979 – Three Mile Island (Harrisburg), INES 5
Die fehlerhaften Maschinenteile sind sicherlich ausgetauscht worden. Die Bedienungsfehler können gar nicht nochmal vorkommen, das Admin-Manual wurde nämlich jetzt fertig geschrieben.

26.04.1986 – Tschernobyl, INES 7
Russen und russische Technik. Kann hier also nicht passieren.

11.03.2011 – Fukushima, INES 7
Nicht absprachegemäßes Verhalten der Natur. Aber bei der wissen wir ja jetzt, an wen wir da geraten sind. Die behalten wir ab jetzt aber mal ganz genau im Auge!

29.04.2023 – Flamanville, INES 7
Nicht absprachegemäßes Verhalten der Terroristen. Erst schwere Waffen klauen und dann damit ein AKW sprengen, sowas tut man doch nicht! Wie kann man nur so unausgeglichen sein!

Some thoughts on „Travelling without Moving“

Now that @Trawom welcomes its 10th tenant, I may share some thoughts about it.

My personal feeling is that watching @Trawom travel is way more exciting than actually hosting it. Being eager to get it, and being excited once you have it, I know from my own experience that you don’t really know what to do with it. Creating tweets with 140 characters only is quite a challenge, especially if you do it in a different language. I felt quite limited in my ability to express myself while using it. And vice versa, followers of the account from other countries may not get each and every little subtlety of one’s tweets. So I also tried to write in my mothertongue, but this keeps away non-german followers.

When @wasalski was taking over the account and tweeted from Jersey, it was really nice to follow @Trawom, because @wasalski posted many pictures from where he was. Pictures have one big advantage that they’re independent from any spoken language. It was quite an experience to realize that the combination of the location with posted images made it interesting.

Finally, one bigger obstacle seems to be to pass on the account. First question is: Who wants it? As it looks, only in rare cases followers of @Trawom are going mad about getting it. It is way more efficient to send a direct message to someone, asking if s/he would like to host it for a while. But how to find someone? On the one hand you want to pass it on to a cool location. On the other hand, it is easier to explain the whole story to someone you know quite well. But people you know well living in posh areas are rare.
I think it’s better to pass it on to a person you feel comfortable with than desparatly seeking an extraordinary location. If you don’t know who to ask, ask your best friend on twitter. There’s no pressure on going around the world in only three steps.

To summarize it, my recommendation is: You catch up @Trawom, shout out who and where you are, post some pictures of what’s around you and then pass it on again. I think the more tenants are using it and the more frequently it is being handed over, the more the potential of the idea is being unleashed.

But nevertheless: These are only recommendations in case you feel uncomfortable with the account. Still the rule applies: You have it, you decide what you do with it.

Bon voyage!

„Die Fische“

Neulich hat mein älterer Sohn verlangt, dass ich ihm zum Einschlafen „Die Fische“ vorsingen möge. Nach dem ersten Moment der Überraschung – ich hab bis heute noch nie von einem Lied „Die Fische“ gehört – habe ich die Herausforderung angenommen und spontan angefangen, irgendetwas zu singen, einen beim Singen entstehenden Text, in dem Fische eine Rolle spielten. Die Melodie hatte ich von irgendeinem anderen Kinderlied entliehen.

Als ich fertig war, wollte er noch eine Strophe hören. Also das ganze noch einmal, wieder ein spontaner Text zur Melodie eines anderen Kinderliedes.

So geht das nun seit ein paar Abenden. Vorab feilschen wir um die Zahl der Strophen, die „Die Fische“ heute Abend haben. Ich steige meist bei drei ein, er bei zwölf. Wir treffen uns dann immer bei vier. Dann geht’s los, jede Strophe bekommt einen eigenen Text und eine eigene (geklaute) Melodie. Und wenn ich mich in einem Reim zu verlieren drohe und stocke, wenn ich merke, wie seine Aufmerksamkeit steigt und er gespannt ist, wie ich nun aus diesem stockenden Schlamassel wieder herausfinden werde, und wie er lacht, wenn es mir mit maximal schiefem Reim und überlängter Zeile irgendwie tatsächlich gelingt – dann lacht mein Herz.

Was tun mit der NPD-Spender-Karte?

Am 14.06.2011 sah ich bei Twitter, dass irgendjemand eine Google-Map veröffentlicht hat, auf der rund 400 Spender der NPD mit Klarnamen und Adresse verzeichnet sind.

Neugierig habe ich die Karte geöffnet und war erstaunt, was für eine Wirkung diese Karte auf mich hatte. Meine erste Reaktion: Wo ist denn der nächste Nazi in meiner Nähe? Aha, in ganz unmittelbarer Nähe findet sich schon mal keiner, die beiden nächstgelegenen jeweils in rd. 15km Entfernung. Mal auf das Fähnchen klicken. Klarname und Adresse. Und zack, direkt mal zwei Menschen in meinem Kopf gebrandmarkt, ohne dass ich bis dahin genaueres über die Herkunft der Daten recherchiert hätte*).

Mal gucken, was sich über die beiden denn so im Netz finden lässt… (und schon geht die Suche weiter über Google, 123People und was es sonst nicht alles noch gibt). Da habe ich zwei Namen, ziemliche Allerweltsnamen, das Netz bietet mir eine Vielzahl von Fotos an, aha! So sieht der Nazi also aus… oder warte, nee, das ist ja ein ganz anderer, der zufällig auch so heißt.

Und plötzlich komme ich mir komisch vor. Da entstehen Bilder in meinem Kopf von Leuten, von denen ich noch nie etwas gehört habe, plötzlich verwandle ich mich in einen Hobby-Nazijäger, der genaugenommen gar keine Ahnung davon hat, was er da gerade tut.

Ich stoppe die „Recherche“ und bin nun zwiegespalten: Ist es richtig, so eine Karte zu veröffentlichen? Ist es richtig, dass jeder Hinz und Kunz zum Nazijäger werden kann? Soll ich mal weiter suchen, was ich über die beiden mutmaßlichen Nazis in meiner Nähe so herausfinden kann? Und was dann? Hinfahren? Ich würde damit jemanden verfolgen, will ich das überhaupt? Warum sollte ich das wollen? Naja, Nazis loswerden, das wäre ja schon eine gute Sache… aber darf ich das überhaupt? Ist das nicht Denunziantentum? **)

Plötzlich die Angst, dass da jemand Bekanntes auf der Liste stehen könnte, erster Check… puh, zum Glück nicht. Ein Unbehagen befällt mich. Stell Dir vor, da hätte jetzt einer draufgestanden… Auch wenn’s mutmaßlich dreckelige Nazis sind, rechtfertigt das Nazi-Methoden?

Dann bin ich über den Artikel „Hier sitzt das Nazigold“ bei taz.de gestolpert, der Autor Rasmus Cloes bringt uns einige der Namen auf der Liste näher und identifiziert sie als real existierende Nazis:

„Spender waren etwa die sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler, mehrere Mitarbeiter der NPD-Fraktion aus Mecklenburg-Vorpommern oder David Böttcher, Bodyguard des Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs.“

Und weiter:

Aus Spanien etwa der Alt-Nazi Rolf Hanno, der mittlerweile eine feste Größe in der Liste der NPD-Spender geworden ist.

Und plötzlich wandelt sich mein Gefühl erneut, da stehen mit Sicherheit keine Bekannten von mir auf der Liste! Das sind wirklich dreckige Subjekte, die mit viel Aufwand und Energie aller übelste Gesinnungen propagieren! Denen soll aber gerne mal einer so richtig ans Bein pinkeln!

Mein Fazit lautet also: Ja, es handelt sich um eine Art Denunziantentum, so eine Liste zu veröffentlichen.

Update 16.06.2011 – 12:00: Ein solches Vorgehen ist daher nicht zu unterstützen, zumal die Daten illegal erworben und nicht geprüft wurden. Ich lehne einen öffentlichen Pranger ab. Man darf nicht jemandes Methoden verurteilen, sie dann aber selbst anwenden.

Prinzipiell glaube ich aber, dass jemand, der eine Partei wie die NPD finanziell unterstützt, das in vollem Bewusstsein tut und mit so einer Spende aktiv die Ziele der NPD befürwortet. Wer so etwas in vollem Bewusstsein tut, muss auch aushalten, mit diesem Sachverhalt konfrontiert zu werden. Diese Konfrontation muss aber unbedingt und ohne Abstriche im Rahmen der Legalität erfolgen.

*)Inzwischen habe ich mir die Seite der „No Name Crew“, die als Quelle der Karte angegeben ist, einmal angesehen.

Screenshot der Seite http://hop2.nn-crew.cc/npd/ vom 14.06.2011 22:54:38 UhrDabei handelt es sich um eine finstere Hacker-Seite mit einem verschwurbelten Einleitungstext, in dem ein gewisser „Darkhammer“ sich als „stolzen Deutschen“ bezeichnet und „nicht zulassen [will], dass die NPD mehr Einfluss gewinnt, und auf Schulhöfen ihr propagandistisches Material verteilt.“ Ach ja, er ist vor allem auch „kein Mann großer Worte“. Si tacuisses…

Die Frage ist also: Sind die genannten Personen NPD-Unterstützer oder nicht? Nun hat der taz.de-Artikel zumindest einige Namen als tatsächliche NPD-Sympathisanten identifiziert, was streng wissenschaftlich gesehen deswegen natürlich noch nicht heißen muss, dass alle Namen auch tatsächlich Spender sein müssen. Allerdings halte ich es für recht wahrscheinlich.

**) Update an dieser Stelle (16.06.2011 – 11:50) – Die Jusos Schleswig-Holstein kritisieren die Veröffentlichung der Karte, weil die Daten illegal erworben wurden und durch die Preisgabe von personenbezogenen Daten das hohe Gut des Datenschutzes aufs Spiel gesetzt wird.

Dialog Resterampe, #046

„Verdammt, nicht schon wieder.“

„Doch, er ist es wieder gewesen. Die gleichen Spuren. Der gleiche Tathergang.“

„Und sein Markenzeichen?“

„Hier.“

„Ovid of Ysdy, Vith and Shuft. Verdammt.“

„Was für ein krankes Gehirn tut so etwas?“

„Krank ja. Aber auch genial. Verdammt.“

„Und was soll dieser Name? Klingt irgendwie nordisch, Ysdy.“

„Ich habe keine Ahnung.“

„Herr Kommissar! Wir haben noch etwas gefunden!“

Harms, der Mörder

Kurzer Einakter von Maxim Loick

Personen:

Harms, der Mörder
Ein Mädchen mit Bandagen an den Fesseln
Ein Cowboy mit Mundharmonika

Erster Akt

Die Bühne ist dunkel, am vorderen Rand links (vom Zuschauer aus betrachtet) sitzt der Cowboy, die Beine lässt er vom Bühnenrand baumeln. Er spielt ein trauriges Lied auf seiner Mundharmonika. Das Mädchen mit den bandagierten Fesseln sitzt rechts (vom Zuschauer aus betrachtet) und lässt ebenfalls die Beine baumeln. Von Zeit zu Zeit kichert sie ins traurig-schöne Mundharmonikaspiel.

Mädchen: Hihihi.

Harms (tritt auf, Spot auf ihn, er trägt Jeans und T-Shirt): Mein Name ist Harms, ich bin der Mörder. (Er breitet die Arme aus und lässt sie dann fallen.) Genaugenommen bin ich es aber nicht. Noch nicht. Aber ich werde ein Mörder sein.

Der Cowboy unterbricht sein Mundharmonikaspiel.

Harms: Spiel weiter, Freundchen! Spiel bloß weiter, sonst geht’s hier gleich los! Ich bin Harms, der Mörder!

Der Cowboy fängt an, etwas anderes, aber ebenfalls trauriges zu spielen.

Harms: Als ob das alles nicht schon traurig genug wäre! Jetzt spielt der das! He, Freundchen!

Der Cowboy spielt unbeirrt weiter.

Harms: He, Freundchen! Spiel was anderes, hörst Du schlecht?

Der Cowboy spielt unbeirrt weiter.

Harms: Freundchen! Ich sag: SPIEL WAS ANDERES! (macht einen Schritt auf den Cowboy zu)

Der Cowboy spielt trotzdem unbeirrt weiter.

Harms: Weißt Du nicht, dass ich der Mörder bin? (überlegt) Er scheint’s nicht zu wissen. (zum Mädchen) He, olle Trine! Wer ist das da?

Mädchen: Bin keine Trine, hihihi.

Harms (geht ein paar Schritte zum Mädchen): Wer ist das? Kennt der mich nicht? Ich sag, er soll was anderes spielen! Der Hampelmann, was spielt der da? Er soll was lustiges spielen. Ich habe einen Grund dafür.

Mädchen: Hihihi.

Harms: Lass das Gegicker, hörst Du, olle Trine?

Mädchen: Bin keine Trine, hihihi.

Harms (hält sich die Ohren zu): Seid Ihr denn alle blöde? (zum Mädchen) Wer ist das? Er soll was lustiges spielen!

Mädchen: Er ist ein Präriedent, hihihi.

Harms: Ein Präsident? Ein Präsident spielt nicht auf so einem Instrument! Na warte! (macht zwei Schritte auf den Cowboy zu, der aber weiter sein trauriges Lied spielt).

Mädchen: Nein, er ist ein PRÄ-RIE-DENT. Er spielt Mundharmonika.

Harms (zum Cowboy): He, Präsident! Im Namen des Volkes bestimme ich: Spiel was Lustiges!

Der Cowboy spielt weiter trauriges.

Harms (zieht einen Revolver aus dem hinteren Hosenbund): Ich bin’s, Harms! Der Mörder Harms!

Der Cowboy blickt nicht einmal hoch.

Harms (zielt auf den Cowboy): Ich knall Dich ab, Junge! Spiel was lustiges, oder ich knall dich ab wie eine Maus!

Der Cowboy spielt immer weiter.

Harms (gibt einen Warnschuss in die Luft ab): Lustig, sag ich!

Der Cowboy spielt weiter.

Harms (macht drei Schritte zum Mädchen): Ist er vielleicht taub?

Mädchen: Hihihi, taub.

Harms: Taub? Wie kann er dann spielen?

Mädchen (singt): Taub, taub, taub sind alle meine Blumen.

Harms: Bist du bescheuert? Was soll das? Ist der Mann da taub? Wie kann er spielen, wenn er taub ist?

Mädchen: Hihihi, er ist taub wie eine Blume.

Harms: Woher weißt du das? (macht einen Schritt auf den Cowboy zu und versucht, dessen Aufmerksamkeit durch Herumfuchteln mit dem Revolver vor seiner Nase zu gewinnen) Halloo! Ich bin’s! Harms, der Mörder!

Der Cowboy spielt trotzdem weiter.

Harms (geht wieder zu dem Mädchen, flüstert): Er wird doch nicht auch noch blind sein?

Mädchen: Hihihi.

Harms: Hör mal zu, Trine, ich bin’s bald leid mit Dir!

Mädchen: Bin keine Trine, hihihi.

Harms: Ist dieser Mann auch noch blind?

Mädchen: Hihihi, blind.

Harms: Wie?

Mädchen: Der Prä-rie-dent ist blind wie eine Natter.

Harms: Nattern sind nicht blind.

Mädchen: Doch, sind blind wie die Schlangen und schlau wie die Füchse!

Harms: Schlangen sind nicht blind! (er setzt sich auf den Boden)

Der Cowboy spielt weiter. Harms guckt erst ihn, dann das Mädchen an. Er steckt die Waffe wieder in seinen Hosenbund. Das Mädchen singt ein wenig vor sich hin.

Harms steht auf und geht ab. Vorhang. Der Cowboy und das Mädchen bleiben vor dem Vorhang sitzen.

Mädchen (zum Cowboy): Ich… ich bin verletzt, wissen Sie, ein Reitunfall, beide Fesseln gesplittert.

Der Cowboy hört auf zu spielen. Hinter dem Vorhang fällt ein Schuß. Vorhang auf. Auf der Bühne sitzt Harms und hält sich das Knie. Neben ihm liegt der Revolver.

Harms (jämmerlich): Aua aua aua! Mein Knie, au weh! Es blutet, um Himmelswillen, ich blute! Olle Trine! Hilf mir!

Mädchen: Bin keine Trine! (steht auf und geht zu Harms) Tut’s weh?

Harms (nickt mitleiderregend): Jaa, au au au!

Mädchen (fängt an, eine ihrer Bandagen abzuwickeln): Hier, lieber Mann, ich habe eine Bandage. (wickelt weiter)

Harms: Bist eine gute Trine, so ist’s lieb, du bist eine liebe Trine.

Mädchen (wickelt weiter): Bin keine Trine.

Der Cowboy fängt wieder an zu spielen, wieder ein trauriges Lied.

Harms: Jetzt spielt der wieder sowas trauriges. So traurig ist er. Kann nicht hören und nicht sehen und ist immerzu traurig.

Das Mädchen fängt an, die abgewickelte Bandage um Harms Knie zu wickeln.

Harms: Und du? Was ist mit dir?

Mädchen: Reitunfall, beide Fesseln gesplittert.

Harms: Und lachst den ganzen Tag?

Mädchen: Ja. (bandgiert weiter Harms Knie)

Harms: Du bist ein gutes Mädchen.

Mädchen: Ich kann auch singen, auch lustige Sachen. Oder schöne. (sie lächelt Harms an)

Harms (lächelt zurück und nimmt ihre Hand): Gutes Mädchen, wie heißt Du?

Mädchen: Kovacevic.

Harms (nimmt den Revolver und erschießt das Mädchen): Ich bin Harms, ich bin der Mörder.

Vorhang. Der Cowboy spielt so lange traurige Lieder, bis alle Zuschauer den Saal verlassen haben.

 

Ich zu fünft unter der Dusche

Ich fange mal so an: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es die Unendlichkeit nicht gibt, und zwar sowohl zeitlich als auch räumlich. Und darüber hinaus vielleicht noch in etlichen, wenn nicht gar unendlich vielen Dimensionen, die ich weder kenne, noch mir vorstellen kann.

Aber bleiben wir mal bei Raum und Zeit. Ich gehe also fest davon aus, dass sowohl Raum als auch Zeit unendlich sind.

Wenn das der Fall ist, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass alles, was denkbar ist, nicht nur einmal, sondern unendlich oft passiert. Und es kommt noch schlimmer: Alles, was nicht denkbar ist auch! Ist das nicht ein schöner Gedanke?

Ein Beispiel: Es kam unendlich of vor und wird unendlich oft vorkommen, dass der BVB immer Meister wird. Cool. Aber genauso unendlich oft passierte es, dass ich das gar nicht cool fand, weil ich gerade Fan von Fortuna Düsseldorf war.

Das wäre ja noch denkbar.

Schwieriger wird’s schon bei den schwer denkbaren Dingen, etwa wenn ich mir vorstelle, dass ich selbst zu meinen anderen Ichs, die parallel laufen, eine Verbindung habe. Was bedeutet das für mein Bewusstsein?
Oder dass es ein Problem mit der Trennschärfe gibt und fünf meiner anderen Ichs räumlich leicht verschoben immer um mich herum sind. Das würde eng unter der Dusche und eines meiner Ichs würde ständig das vermaledeite Duschgel runterschmeißen, während wieder ein anderes Ich mit dem Hintern an die Mischbatterie kommt und alle meine Ichs plötzlich verbrüht werden. Ich meine mich auch an Morgende zu erinnern, an denen vergleichbares auch schon vorgekommen ist…

Und bei den undenkbaren Dingen wird’s dann richtig abgefahren: Plötzlich gibt es eine größte Zahl, nämlich Raportzki, die genau unendlich plus eins ist (Unendlich plus zwei oder plus irgendeine Zahl größer eins wäre dann ein Fehler wie im hier und jetzt die Division durch Null). Und die Division durch Null ginge plötzlich. Keine Ahnung, wie das gehen soll, aber cool ist: Ich wusste es unendlich oft und werde es auch noch unendlich oft wissen. Und unendlich oft werde ich es vergessen und unendlich oft für immer behalten.

Das einzige Problem ist das scheiß Hier und Jetzt. Ich gehe mir mal die Zähne putzen.

Warum ich gerade in die SPD eingetreten bin

Ich bin soeben der SPD beigetreten.

*hintergrundHymneAn*

Warum die SPD?

Allen Unkenrufen zum Trotz scheint mir die SPD nach wie vor die Partei zu sein, die immer noch am glaubwürdigsten versucht, einem möglichst umfassenden Gesellschaftsbild gerecht zu werden. Sie ist in meiner Wahrnehmung die einzige Partei, die sich im Ringen um dieses möglichst umfassende Gesellschaftsbild traut, sich selbst immer wieder vor die Zerreißprobe zu stellen. In meinen Augen ist die SPD die Partei, die vor allem die Menschen – hier und jetzt – in den Mittelpunkt stellt, die Erneuerung vorantreiben will und dabei alle mitnehmen möchte.

Warum nicht Die Grünen?

Ja, die waren auch in der engeren Auswahl. Aber letztlich glaube ich einen Haken in deren Haltung ausgemacht zu haben: Die Grünen klingen mir immer ein bisschen zu sehr nach „Wir gehen jetzt dahin, in die saubere, goldene Zukunft, auch wenn wir den einen oder anderen zurücklassen müssen.“ Dieses Gefühl habe ich bei der SPD nicht – vielleicht gehen wir langsamer in die saubere, goldene Zukunft, aber wir gehen alle.

Ist die SPD nicht ein unglaubwürdiger Trümmerhaufen?

Hartz IV, Abbau des Sozialstaates, „Fördern und Fordern“… alles Schlagworte, die eng mit der Misere der SPD in den letzten Jahren verwoben sind. Ohne dass ich in den Einzelthemen en detail genug Sachkompetenz für eine tiefere Diskussion vorweisen könnte, habe ich dennoch das Gefühl, man habe mit dieser Politik durchaus hehre Ziele verfolgt – mit sicherlich streitbarem Zwischenergebnis. Aber die Trümmer, aus denen dieser „Trümmerhaufen“ SPD besteht, tragen immer noch mehr gute Ideen, Ideale und Esprit in sich als die Betonklötze mit den undurchsichtigen Fassaden der meisten anderen Parteien.

Ach ja, und noch was an mich selbst: Wer sich aufregt, hat ja in diesem schönen demokratischen System immer die Möglichkeit, es selbst besser zu machen. Das gilt auch für mich.

Deswegen bin ich heute in die SPD eingetreten. Und jetzt *hintergrundHymneAus* bin ich gespannt darauf, was davon in einem Jahr noch übrig ist.

P.S.: Kommt getz Herr Gabriel mit Pikkolöchen vorbei?

Geschichte in Echtzeit nachtwittern

Vor einiger Zeit hat der geschätzte @alsowirklich mal nebenbei etwas fallen lassen, was mir keine Ruhe lässt: Wie wäre es, wenn man geschichtliche Ereignisse per Twitter in Echtzeit wiedergäbe?

Ein Beispiel: Bau der Berliner Mauer im August 1961. Man könnte ein paar Twitteraccounts aufsetzen, sagen wir mal diese hier:

Walter Ulbricht
Nikita Chruschtschow
John F. Kennedy
Willy Brandt
Konrad Adenauer
und weitere Unterhändler und politische Berater oder so…

Dann müsste man genau recherchieren, wer was wann genau gemacht hat und könnte die involvierten Personen aus ihrer jeweiligen Situation heraus twittern lassen. Wenn man alle beteiligten in einer Twitterliste zusammenfasst, kann man denen ja auch mit einem Klick folgen – und man kann sogar zur Laufzeit ggf. noch neue Personen hinzufügen.

Für das Projekt „Bau der Berliner Mauer“ würde man dann ein Startdatum festlegen, sagen wir mal den 15. Juni 2011. Da könnte ein Pressevertreter irgendwas von der internationalen Pressekonferenz twittern – also so tun, als wäre es der 15. Juni 1961. Man könnte Walter Ulbricht darüber twittern lassen, was er genau mit „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ gemeint hat. Man könnte Annamarie Doherr zu Wort kommen lassen und und und… und das ganze dann eben in Echtzeit und wir Follower könnten das ganze gespannt noch einmal miterleben. Man könnte die ganze Episode bis zum 27. Oktober laufen lassen (also dem Datum der Konfrontation am Checkpoint Charlie). Oder so.

Dazu bräuchte es eine Menge Recherchearbeit, es bräuchte Leute, die einen detaillierten Zeitplan aufstellen, wer wann was zu twittern hat, es bräuchte ein paar gute Schreiber, die die passenden Tweets formulieren, es bräuchte gleichsam einen Regisseur, der das ganze auch dramaturgisch aufzubauen weiß, es bräuchte dann eine große Werbeaktion, damit auch viele den Ereignissen folgen, es bräuchte ein paar Leute, die am Ende die Tweets mit den richtigen Accounts zum richtigen Zeitpunkt twittern.

Das fänd ich voll cool, muss ich mal sagen. Wer macht’s? Oder hat das vielleicht schon jemand auf der Agenda?

Vielleicht kämen ein paar Fernsehsender oder größere Verlagshäuser in Frage, also jemand mit Recherche-Erfahrungen, Geld und dramaturgischem Gespür.

Update: Aha. Es gab also doch schon mal etwas in der Richtung im Zusammenhang mit der Mondlandung.

Yes, the goal is cross the world!

Today, I received the following e-mail by @janquim:

Hi
I’m a journalist based in Barcelona.
Gimsieke has given me your email adress.
I’d like to write an article today about trawom.
Could you please answer few questions?
– How the project was born? How and when did you get the idea?
– Which is the „aim“ of the project? Different owners cannot give to the account a unique identitity so in what would be based its digital reputation?
– I undesrstand you are not looking for followers, so, waht are you looking for?
– The goal… is cross the world? When will you  clearly put the end of this project or i s a neverending twitter account?
Please, could you also give me some details? I mean, I’d like to introduce you to our audience, so, whoyouare, etc. Some links could be great1
If there is something else you wanted to say and I did not ask just say it.
Thanks a lot for reading this email.
Joan

And here’s my answer:

Hi Joan,

finally, I found the time to answer your mail properly.

A couple of weeks ago I just found an old text I wrote when I was a student, which in fact was not so very good. I wrote that text in a time when social media was not at all in anyone’s focus, people were playing around with their first homepages and handmade HTML pages.
But the idea of the text was mainly that person A in a certain situation is thinking of Person B, who again is wondering what Person C might be doing at the moment and so on. In the end there was a mental circle around the world.
As I’m on Twitter for a while now, it came to my mind that with a travelling twitter account it may be possbile to track something comparable and maybe make it visible. So all I needed was another Twitter Account @Trawom, a short description of the idea and pass it on – that was done in an instant.

The whole thing started just as an experiment, how would people react on this? What practical issues would they face? Would the story tell us something about the people behind the account? How would people make use of the account? As it was so easy to start the whole thing, I did not spend too many thoughts about it, but just started it.
I described the idea in my blog under http://www.loick.de/blog/?p=33, posted one or two Tweets with my regular account @Pausanias, then started to write some Tweets with @Trawom. After one or two days, I announced that it was time to pass on the account and simply posted a tweet with the password of @Trawom. It was @CBra1 (a guy I know via some friends and colleagues), who caught it and changed the password first. As it took a while until someone was willing to take over the account, I recommended @CBra1 to maybe pass it on (means: give away the password) via Direct Message, otherwise everyone is watching, but nobody feels like really catching it. That was the first learing: It works better if you hand it over to a dedicated person, asking explicitly to take it over.

Then @ennomane heard about it, he’s quite an successful Twitterer in Germany, he was able to make the first 100 people follow @Trawom – and made @Trawom follow some interesting german twitterers. After him, it went via Leipzig to Barcelona, where it still resides at the moment.

My first idea was that every tenant of @Trawom should keep it for a couple of days and post some interesting tweets, telling what’s in the media at the moment in that location, how’s the weather and what the tenant is doing and thinking. In fact, I must admit: Everyone taking over the account is really owning it, I mean, the tenant has the password, so she or he can do with it whatever s/he wants – and I sit and watch. And as it turns out: The most exciting thing is the handover itself. It is now in Barcelona, but in an instant, it may be in the US or in China, who knows?

When @CBra1 set up a map on google, tracing the route, he had the idea, that one could draw something on the map, and I’m looking forward to further ideas like this. And it brings places into your focus you may not have thought of.

So you ask for a goal or what’s the aim of the whole thing. I wanted to see connections, learn what people are there. Even if they might use languages I don’t understand, it would be just awesome to see that account travelling. It’s the people, it is somewhat of getting in touch with them, but still every tenant decides her/himself what to share.
You are right, it is not about building up a unique identity, but somehow I hope that from each hand touching the account a little trace might stick on it and give it a million colors.

The „digital reputation“ I suppose are the twitterers around it, talking about it, people like you writing about it, things that happen in my head and hopefully in the heads of those following @Trawom. I just don’t know. And yes, the goal is cross the world. And I don’t know, if or where it ends. It’s an experiment. And it is not me who can stop it, it is not under my control, I just started it. All I can do is comment if someone asks me and watch @Trawom travelling.

You ask what I’m looking for… hmmm… except for money and world domination as we all do, I think I would like to see @Trawom becoming something nice, something that people like. I want to see what ideas it uncovers. I want to read what the other end of the world is thinking. But I guess this experiment is not about what I want, it’s about what it becomes.

I hope this is not too solemn, is it?!