Steile Theorien zu Aspektizität und Identitätssouveränität

Dieses Internet, in dem man ja keinen zusammenhängenden Text über mehr als 10 Seiten liest, in dem man ständig abgelenkt wird, bevor man noch einen Gedanken zu Ende geführt hat, wo ich durchgescannt werde, bis Firmen und Staatssicherheit Geheimdienste zu meiner Sicherheit wissen, wie meine Identitätsstruktur so aussieht. Ein furchtbarer Ort.

So weit das Vorurteil und so falsch auf mehreren Ebenen, finde ich.

Aspektizität

Ich will das Phänomen mal mit den Arbeitsbegriff Aspektizität benennen (mir fällt gerade nichts besseres dazu ein, ich habe den Begriff nicht gegoogelt und weiß daher nicht, ob’s das schon gibt…). Damit meine ich, dass ich eigentlich noch nie, weder im Internet noch sonst wom, einen Text gelesen habe, der in allen Facetten und Beleuchtungen ein Thema/Problem/Zusammenhang zu 100% abdeckt. Jeder Text kann m. E. immer nur eine gewisse Anzahl von Einzelaspekten hervorbringen. Ich habe dabei das Gefühl, dass die Länge eines Textes dabei nicht in einem Zusammenhang dazu steht, wie hoch die Abdeckung des Gesamtzusammenhangs ist, denn den Zusammenhang bestimmt die/der Leser*in, die Autor*in kann nur ihren eigenen Zusammenhang bestimmen. Als Leser nehme ich aus Texten also immer die Aspekte mit, die mich interessieren. Und je mehr Texte ich lese, desto stärker verdichten sich Einzelaspekte zu einem Gesamtbild. Ich glaube, dass die vielen kurzen Texte, die wirklich viele kleine Aspekte in sich tragen, zusammengenommen ein viel differenzierteres Bild in meinem Kopf ergeben als riesige monolithische Blöcke. Wie bei einem Mosaik wird das Bild in meinem Kopf umso schärfer, je kleinteiliger die Aspekte sind, aus denen ich meine Meinung zusammensetze.

Identitätssouveränität

Ich habe an dieser Stelle bereits früher schon mal beschrieben, dass ich im Netz eigentlich nur eine Identität habe. Andere, wie mir scheint, bedienen durchaus mehrere Accounts, die u. U. recht konträr daherkommen. Wie dem auch sei, wir spielen mit dem Bild, das wir im Netz bei allen anderen hinterlassen. Ich glaube, dass dieses Spiel sehr wichtig ist, nicht nur, um zu verstehen, wie andere auf mich reagieren, sondern um mir dessen bewusst zu werden, was passiert, wenn ich heftig über ein Thema oder Personen oder Personengruppen rante. Ich sammle Erfahrungen, die für mein Verhalten im Netz (wie auch im RL) wichtig sind, an denen sich mein weiteres Verhalten orientiert. Sich nicht daran zu beteiligen, indem man sich Social Media entzieht, bedeutet, dass man auch weniger Erfahrung damit macht, wie man sich und somit seine Identität(en) selbstbestimmt bestimmt.

 

Disclaimer: Das war ein nur Schnellblog, um die fünf Tacken der Ironblogger zu sparen. Aber ich glaube, da sind ein paar Aspekte drin, die Eure Vorstellungen vielleicht um ein weiteres kleines Mosaiksteinchen erweitern können. 

:)

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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5 Gedanken zu „Steile Theorien zu Aspektizität und Identitätssouveränität“

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