Die Konjunktive unserer Zeit

Ich hatte heute auf dem Heimweg einen kurzen Blitz von Sehnsucht: Was wäre es schön, wenn dort, wo ich hinfahre, ein großes Feuer brennen würde, wenn dort ein Bühne mit einer Bluesband wäre, ein Grill mit gutem Fleisch, kein überkandideltes Connaisseurs-Zeug, aber auch kein Aldi-aus-dem-Plastik-Dreck, wenn dort Bier wie es sein sollte wäre, also in Mengen, wenn dort @horax und @wasalski wären, wenn wir den einfachen Tunes der Bluesband zuhörten und äßen und tränken, wenn die Zehennägel unserer Barfüße grün vom Rasen wären, wenn wir uns ein paar einfacher Weisheiten durch Arm auf die Schultern legen vergewisserten und wenn eine*r sagte: „True, true“.

Und morgen äßen wir die Reste und eine*r, um zehn Uhr, zapfte sich ein erstes Stützbier und die durchgeweichten Salate schmeichelten unseren Katern und eine*r sagte: „Ach Quatsch, zwischen Leber und Milz passt noch immer’n Pils“ und keine*r lacht so recht, aber mit dem Fass, da nähmen wir es doch locker auf! Und aus der Nachbarschaft kämen ein paar, die nur mal gucken wollten, auf deren Schultern lägen alsbald unsere Arme, die ersten sagen schon wieder: „True, true“. Und sollte am zweiten Tag die Dunkelheit hereinbrechen, wir merkten es kaum, weil wir das Feuer und den Grill neu entfacht und das Fass ausgetauscht hätten und weil unsere einfachen Weisheiten unser Sehen übernommen hätten und ehe wir’s recht bemerkten schliefen wir wieder auf dem Rasen, bis uns der Tau die Kälte in unsere Rücken geschoben haben wird, und da treffen wir uns auch schon wieder in der Küche zwischen Flaschen und Flaschen und Flaschen und durch und durch gezogenen Salaten und wärmen uns an überbackenen Käsetoasts.

Und am dritten Tag fiele uns auf, dass dort Autos stehen, mit denen die meisten gekommen sind und wir räumten zerbrochene Betten und beschlammte Decken in Kofferräume und die Kinder kletterten über die Dächer, während wir die Säcke mit Müll füllen und uns versichern, dass wir bald wieder fahren können, uns gegenseitig die Arme um die Schultern gelegt.

Und dann wärt Ihr weg, aber für lange noch da, mit der Bluesband im Hintergrund und dem Essen und den grünen Zehen und dem Geruch und dem Bier und Jahre später sitzen wir irgendwo auf der Welt und prosten uns abermals zu zur Musik der Bluesband.

Von Maxim Loick

Folgt mir auf Twitter: @Pausanias oder bei Google+: Maxim Loick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.