Über meine Privilegien

Ich bin weiß, männlich, heterosexuell und gesund. Ich bin berufstätig und verheiratet mit @frau_ratte, mit der zusammenleben zu können schon allein ein großes Privileg ist. Ich habe zwei gesunde Kinder, die absolut großartig sind. Ich verdiene genug Geld und habe mein Leben einrichten können, wie es mir gefällt. Ich sage nicht, dass es keiner Anstrengung bedurft hätte, mich so einzurichten, aber es gibt wahnsinnig viele äußere Faktoren, die mir das ermöglicht haben.

Das fängt bei meinen Eltern an, die mich rein äußerlich zum Abitur und an die Uni getrieben haben, die mir aber vor allem eine Persönlichkeit verpasst haben, die ziemlich robust sein kann und die sich Robustheit sucht. Ich habe immer die Möglichkeit gehabt, mir Robustheit wiederzuholen, wenn sie mir doch einmal abhanden gekommen war. Ich kann mich politisch echauffieren und in die Bresche werfen und wenn alles schief läuft, dann habe ich immer noch meine Familie, meinen Job und Freunde. Ich bin nie betroffen, niemand feindet mich an (ausser vielleicht so’n bisschen dieses Sozi-Dings, aber das gilt nicht, denn es geht dabei nicht an meine Substanz). Das ist wahrscheinlich mein größtes Privileg.

Ich möchte mich für dieses Privilegiertsein nicht entschuldigen, ich möchte aber, dass mir mein Privilegiertsein zumindest soweit wie möglich bewusst ist (wahrscheinlich überblicke ich nicht einmal alle meine Privilegien). Ich möchte erkennen und anerkennen, dass ganz viele Menschen nicht so privilegiert sind und ich möchte mich diesen gegenüber korrekt verhalten und wenn ich das nicht tue, möchte ich offen für ihre Kritik sein und diese anerkennen. Ich möchte versuchen zu verstehen und nachzuempfinden, wie andere Menschen sich fühlen, wenn sie aufgrund ihres Wenigerprivilegiertseins schlecht behandelt werden, auch wenn das eigentlich gar nicht möglich ist. Und ich möchte versuchen zu verhindern, andere schlecht zu behandeln, indem ich mich auf meine Privilegien zurückziehe.

Ich habe kein schlechtes Gewissen ob meiner Privilegien. Müsste ich das haben? Es fühlt sich für mich nicht danach an. Müsste ich meine Privilegien ablegen? Würde das jemandem helfen? Könnte ich das überhaupt aus eigener Kraft? Kann ich was tun, um anderen auch Privilegien zu verschaffen? Kann ich das über politischen Einsatz schaffen? Vielleicht. Hilft mein Geleiere hier weniger Privilegierten? Ach, ich weiß nicht. Egal, ist ein Blog, raus damit!

Veröffentlicht von

Maxim Loick

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2 Gedanken zu „Über meine Privilegien“

  1. Ja; wie viele richtige Privilegien genießt du tatsächlich? Deine Hautfarbe ist rein erblich. Deine sexuelle Orientierung ist dir vermutlich auch angeboren. Deine Fähigkeiten und dein Charakter sind vielleicht sowohl angeboren als auch anerzogen. Falls du Geschwister hast: ist ihnen von deinen Eltern etwas vorenthalten worden, was dir zugestanden wurde? Kinder anderer Familien hatten es schlechter oder auch besser als du. Aber kann man dabei wirklich von Privilegien reden? Die „privilegierende Instanz“ sind in diesem Falle schließlich die Eltern in den jeweiligen Familien. Was hätten diese Kinder – relativ zu dir – in deiner Familie mehr oder weniger gehabt? Wie wäre es dir in anderen Familien ergangen?
    Deine Ehe und Freundschaften könnten Privilegien sein, denn sehr viele andere Menschen durften deine Frau nicht heiraten, dürfen keine Zeit mit deinen Freunden verbringen. Sie finden andere Partner und Freunde. Es handelt sich also um sehr subjektive Privilegien, wenn überhaupt.

    Eigenschaften und Lebensumstände können freilich Privilegien nach sich ziehen. Sie wären dann lediglich eine Folge dieser Faktoren. Das liest sich wie Korinthenkackerei. Sind körperliche Behinderungen ein Privileg, weil mit dem entsprechenden Ausweis exklusive Parkplätze genutzt werden dürfen? Eher ist diese folgende Parkberechtigung das Privileg und dies eigentlich auch nur aus Sicht einer fußfaulen Gestalt.

    Was diese subjektiven Privilegien aufgrund deiner Lebensführung (im weitesten Sinne) angeht, so dürfte ein obdachloser Holger Apfel kaum auf eine milde Gabe von dir hoffen.

    Du hast es gut, aber inwiefern du wirklich privilegiert bist, ist gar nicht so einfach zu sagen.

  2. Du hast dir deine Privilegien doch nicht durch Übervorteilung anderer erworben. Und Scham ob deiner Situation halte ich auch nicht für angebracht. Ihr lebt ein gutes Leben, aber ihr tut auch sehr viel dafür.
    Es hülfe niemandem, dich zu entmännlichen oder der Empathiehomosexualität anheimzufallen, nur noch im Eichhörnchenkostüm oder mit gefärbtem Gesicht unterwegs zu sein, als Signal, dass dir deine Privilegien unangenehm sind. ;)
    Familien wie die eure sind ein stabiler Baustein der Gesellschaft, auf diesen Bausteinen stehen viele andere.

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