Wird doch etwas länger dauern.

Wenn man den ganzen Tag bei Twitter unterwegs ist, hat das den entscheidenden Nachteil, dass man die heile Twitterwelt als repräsentatives Abbild der ganzen Welt anzunehmen neigt. So viele Leute! Nicht alles ist witzig, aber vieles, einiges ist von Bedeutung, das meiste von geringerer. Es gibt Späßchen und Gehässigkeiten. Aber immer habe ich das Gefühl, dass es wohl höchstens noch fünfundzwanzigdreißig Jahre dauern wird, bis wir das alles insgesamt so im Griff haben werden mit der Welt, dem Frieden und so. Das Personal, das sich da auf Twitter so präsentiert, ist dazu allemal in der Lage.

Heute morgen haben sie dann vor dem Kindergarten einer sehr guten Freundin in den vier Minuten, in denen sie ihren Sohn dort abgab, die Autoscheibe eingeschlagen und die Tasche mit allem gestohlen. Am helllichten Tag in der Bonner Südstadt (also nicht in Tannenbusch oder der Bronx!).

Und plötzlich geht mir wieder einmal von neuem auf: Nicht jeder kann sich in 140 Zeichen ausdrücken. Von denen kriegt man auf Twitter einfach nichts mit. Ich fürchte, ich muss meine Schätzung also auf vierzig Jahre ausdehnen. Aber dann wird alles gut, ich bin sicher.

Brief von Pausanias an Wasalski, 10. Juli 2011

Schwarzrheindorf, den 10. Juli 2011

Verehrter Freund!

Welche Freude, als ich Dich heute meinen Gast heißen durfte und welch umso größere Freude @frau_ratte und mich überkam, als ich sah, dass Du Deine treffliche Gefährtin @kokolores70 zu uns geführt hattest! Die Kinder haben die Nacht noch von Dir und Deinen vorzüglichen Ausführungen über die Segelbootskunst und die Gefahren des Führens von Automobilen gesprochen, sie waren darob ganz voller Tatendrang.

Allein, ich muss Dich auch mahnen, darfst Du Dich doch nicht dem Verdachte der Schmeichelei preisgeben, indem Du mein Blog so über die Maßen verklärest. Ich bekenne klar, dass es mein Versäumnis war, Dich nicht rechtzeitig darauf hingewiesen zu haben und mich stattdessen schändlich in Deinen höflichen Worten sonnte. Fürwahr, mir klang Dein Lob in den Ohren und ich vergaß vollends der Bescheidenheit die Treue zu halten.

Aber das – ich gestehe! – war nicht mein schlimmstes Säumnis, muss ich doch der Tatsache ins Auge blicken, dass ich die Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließ, mich Deiner Scharfsinnigkeit zur Frage der Themenrelevanz in den Diskursen der neuen Medien zu bedienen. Oh, ich Thor! Entließ ich Dich, obwohl mir im Sinne hätte sein müssen, dass Dein Urteil andernorts derart gefragt ist, dass zu befürchten steht, Deiner und @kokolores70’s wohl kaum in naher Zukunft wieder angesichtig zu werden.

So stelle ich es Deiner Güte anheim, mir meine These auf schriftlichem Wege zu kommentieren. Die These lautet: Die Art des öffentlichen Diskurses einer Sache hängt von den Spezifika eines Themas ab. Dabei glaube ich folgende Arten öffentlichen Diskurses ausgemacht zu haben:

Erstens: Keine Reaktion oder wenig Reaktion. Eine Sache wird nur in geringem Maße wahrgenommen und kaum messbar diskutiert. Als Beispiel sei stellvertretend für viele andere der Zwischenfall von Tricastin genannt.

Zweitens: Das Strohfeuer. Eine Sache wird kurz und heftig thematisiert, danach flaut das Interesse jedoch schnell wieder ab. Zur Verdeutlichung sei einer der zahlreichen Shitstorms genannt, etwa die Aufregung nach der Abschaltung des nerdcore Blogs vor einiger Zeit.

Drittens: Das Großfeuer. Ein Thema tritt zu Tage, erfasst breite Teile der Gesellschaft und führt nach hitziger Diskussion zu gebotenen Handlungen. Derer Großfeuer sind in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche, rufe man sich exemplarisch die Geschehnisse in Tunesien und Ägypten in Erinnerung.

Viertens: Der Schwelbrand. Ein Thema wird wieder und wieder aufgegriffen und so lange aus unterschiedlichsten Blickwinkeln geformt und betrachtet, bis eine schlussendliche Handlung daraus folgt. Ein Musterstück solchen Diskurses seien die unter den Schlagworten „Zensursula“ und „Internetsperren“ zusammengefassten Angelegenheiten.

So ich auch glaube, einem diesen Diskursformen innewohnenden Prinzip auf der Spur zu sein, vermag ich sein Wesen dennoch nicht abschließend zu fassen und bedarf Deiner scharfsinnigen Analyse.

Was sind die spezifischen Faktoren, dass ein Thema in einer der genannten Formen behandelt werde? Sicher hat die „Relevanz“ eine Schlüsselrolle inne, doch in welche Subfaktoren, ja gleichsam in welche Primfaktoren muss die „Relevanz“ eines Themas zerlegt werden? Ich vermute unter ihnen „Tragweite“, „Komplexität“ und das, was ich in Ermangelung eines treffenderen Wortes „Kontroversheit“ nenne, doch scheinen es nicht diese allein zu sein. So sehr ich mein Denken auch darauf richte, mir wollen die letztendlichen nicht einfallen!

Erscheint es mir auch unverzeihlich, Deine Meinung hierzu heute nicht gleich eingeholt zu haben, bitte ich jetzt umso mehr um Vergebung, Dich im Nachhinein mir derlei Firlefanzereien von Dingen größerer Tragweite abzuhalten. So überlasse ich es Deinem Interesse und Deiner Neigung, mir in meinen Fragen weiterzuhelfen und verbleibe in Erwartung der Reaktion, die Dir am angemessensten erscheine, wenn nicht unter wasalskiswelt.wordpress.com, so vielleicht hier auf meinen Seiten, und

in Bewunderung

Dein Pausanias

Wasalski: Erste Replique auf Brief von Pausanias vom 10. Juli 2011

 

„Weniger wegschmeißen“ fängt mit „weniger kaufen“ an

Habe gerade alle Einkäufe in unserem Bio-Supermarkt „Momo“ erledigt. Hier mein Kassenbon:

Produkt Menge Preis Anmerkung
Kartoffeln 2,5 kg €7,00 Verkäufer hat mich aber darauf hingewiesen, dass sie noch billigere haben, ich brauchte aber unbedingt mehligkochende
Nektarinen 0,430 kg €1,72
Salami Toscanella 80g €4,29
Butter 250g €1,89
Blumenkohl 1 €1,99 Aktionsware
Bananen 1,10 kg €2,19
Birnen 0,4 kg €1,41
Kakaogetränk „Tiger Quick“ 400g €4,99
Speck 250g €4,69
Mettenden 400g €6,69
Äpfel 650g €1,97
Möhren 1,2 kg €2,17
Spülmittel 0,5 l €2,29 Biologische Spülmittel
Nussschokolade 100g €1,99 Fair gehandelt
Papiertüte 1 €0,25
SUMME €45,53

Leute, das sind schon ziemliche Kosten, wenn man sein ganzes Leben auf Bioprodukte umstellen will. Wo hole ich das am besten wieder rein?

Vielleicht beim Essen selbst: Mehr selber kochen, bewussterer Umgang mit Lebensmitteln – also weniger umkommen lassen und somit weniger wegschmeißen. Die Erkenntnis des Tages dazu ist: „weniger wegschmeißen“ fängt mit „weniger kaufen“ an. Dabei helfen diese Biopreise ungemein ;-)

Im Wesentlichen ist der Schlüssel dazu das Kochen und die Kochplanung. Klar ist, dass das Kochen muss geübt werden muss, aber das schöne ist: Es stellen sich sehr schnell kleinere und größere Erfolge ein, je öfter man das macht. Dabei ist Zeit ein kleinerer Faktor als ich gedacht habe, es geht vielmehr um die Überwindung, es einfach zu tun.

Das ist ähnlich wie mit dem Englischsprechen: Wenn man ungeübt ist, traut man sich nicht so recht und hat große Angst etwas falsch zu sagen. Aber man muss es einfach tun, Fehler sind manchmal lustig, nur selten stiften sie ernsthaftes Ungemach, in den meisten Fällen aber fallen sie gar nicht auf. Und je mehr man spricht, desto einfacher wird’s und desto größer wird der Spaß daran. Ist beim Kochen genauso.

Und dann bringe ich den Müll raus. Vorher, also bevor ich den ganzen Biofleisch-Challenge Krempel angefangen habe, bestand der nicht selten aus schlecht gewordenen Produkten, die ich so im Vorbeigehen gekauft hatte, dann aber nicht verwendet habe, weil ich abends doch den Pizzamann habe kommen lassen. Heute besteht der Müll vorwiegend aus Kartoffel-, Zwiebel- und Obstschalen, aus leeren Verpackungen und erheblich seltener aus Verdorbenem.

Die berühmtesten Atomunfälle und warum die nicht zählen

Der Bundestag beschließt gerade den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie, obwohl diese doch wirklich echt sauber und echt sicher ist. Ok, zugegeben, da gab’s mal ein paar Zwischenfälle, aber das ist ja alles Schnee von gestern, denn wir haben ja echt daraus gelernt:

29.09.1957 – Majak, INES 6
Grund für den Unfall: Russen. Russische Technik. Kann bei uns also nicht passieren.

07. – 12.10.1957 – Sellafield, INES 5
Grund für den Unfall: Ach, das ist schon so lange her, diese Technik da, das verwendet doch heute keiner mehr.

28.03.1979 – Three Mile Island (Harrisburg), INES 5
Die fehlerhaften Maschinenteile sind sicherlich ausgetauscht worden. Die Bedienungsfehler können gar nicht nochmal vorkommen, das Admin-Manual wurde nämlich jetzt fertig geschrieben.

26.04.1986 – Tschernobyl, INES 7
Russen und russische Technik. Kann hier also nicht passieren.

11.03.2011 – Fukushima, INES 7
Nicht absprachegemäßes Verhalten der Natur. Aber bei der wissen wir ja jetzt, an wen wir da geraten sind. Die behalten wir ab jetzt aber mal ganz genau im Auge!

29.04.2023 – Flamanville, INES 7
Nicht absprachegemäßes Verhalten der Terroristen. Erst schwere Waffen klauen und dann damit ein AKW sprengen, sowas tut man doch nicht! Wie kann man nur so unausgeglichen sein!

Some thoughts on „Travelling without Moving“

Now that @Trawom welcomes its 10th tenant, I may share some thoughts about it.

My personal feeling is that watching @Trawom travel is way more exciting than actually hosting it. Being eager to get it, and being excited once you have it, I know from my own experience that you don’t really know what to do with it. Creating tweets with 140 characters only is quite a challenge, especially if you do it in a different language. I felt quite limited in my ability to express myself while using it. And vice versa, followers of the account from other countries may not get each and every little subtlety of one’s tweets. So I also tried to write in my mothertongue, but this keeps away non-german followers.

When @wasalski was taking over the account and tweeted from Jersey, it was really nice to follow @Trawom, because @wasalski posted many pictures from where he was. Pictures have one big advantage that they’re independent from any spoken language. It was quite an experience to realize that the combination of the location with posted images made it interesting.

Finally, one bigger obstacle seems to be to pass on the account. First question is: Who wants it? As it looks, only in rare cases followers of @Trawom are going mad about getting it. It is way more efficient to send a direct message to someone, asking if s/he would like to host it for a while. But how to find someone? On the one hand you want to pass it on to a cool location. On the other hand, it is easier to explain the whole story to someone you know quite well. But people you know well living in posh areas are rare.
I think it’s better to pass it on to a person you feel comfortable with than desparatly seeking an extraordinary location. If you don’t know who to ask, ask your best friend on twitter. There’s no pressure on going around the world in only three steps.

To summarize it, my recommendation is: You catch up @Trawom, shout out who and where you are, post some pictures of what’s around you and then pass it on again. I think the more tenants are using it and the more frequently it is being handed over, the more the potential of the idea is being unleashed.

But nevertheless: These are only recommendations in case you feel uncomfortable with the account. Still the rule applies: You have it, you decide what you do with it.

Bon voyage!

„Die Fische“

Neulich hat mein älterer Sohn verlangt, dass ich ihm zum Einschlafen „Die Fische“ vorsingen möge. Nach dem ersten Moment der Überraschung – ich hab bis heute noch nie von einem Lied „Die Fische“ gehört – habe ich die Herausforderung angenommen und spontan angefangen, irgendetwas zu singen, einen beim Singen entstehenden Text, in dem Fische eine Rolle spielten. Die Melodie hatte ich von irgendeinem anderen Kinderlied entliehen.

Als ich fertig war, wollte er noch eine Strophe hören. Also das ganze noch einmal, wieder ein spontaner Text zur Melodie eines anderen Kinderliedes.

So geht das nun seit ein paar Abenden. Vorab feilschen wir um die Zahl der Strophen, die „Die Fische“ heute Abend haben. Ich steige meist bei drei ein, er bei zwölf. Wir treffen uns dann immer bei vier. Dann geht’s los, jede Strophe bekommt einen eigenen Text und eine eigene (geklaute) Melodie. Und wenn ich mich in einem Reim zu verlieren drohe und stocke, wenn ich merke, wie seine Aufmerksamkeit steigt und er gespannt ist, wie ich nun aus diesem stockenden Schlamassel wieder herausfinden werde, und wie er lacht, wenn es mir mit maximal schiefem Reim und überlängter Zeile irgendwie tatsächlich gelingt – dann lacht mein Herz.

Was tun mit der NPD-Spender-Karte?

Am 14.06.2011 sah ich bei Twitter, dass irgendjemand eine Google-Map veröffentlicht hat, auf der rund 400 Spender der NPD mit Klarnamen und Adresse verzeichnet sind.

Neugierig habe ich die Karte geöffnet und war erstaunt, was für eine Wirkung diese Karte auf mich hatte. Meine erste Reaktion: Wo ist denn der nächste Nazi in meiner Nähe? Aha, in ganz unmittelbarer Nähe findet sich schon mal keiner, die beiden nächstgelegenen jeweils in rd. 15km Entfernung. Mal auf das Fähnchen klicken. Klarname und Adresse. Und zack, direkt mal zwei Menschen in meinem Kopf gebrandmarkt, ohne dass ich bis dahin genaueres über die Herkunft der Daten recherchiert hätte*).

Mal gucken, was sich über die beiden denn so im Netz finden lässt… (und schon geht die Suche weiter über Google, 123People und was es sonst nicht alles noch gibt). Da habe ich zwei Namen, ziemliche Allerweltsnamen, das Netz bietet mir eine Vielzahl von Fotos an, aha! So sieht der Nazi also aus… oder warte, nee, das ist ja ein ganz anderer, der zufällig auch so heißt.

Und plötzlich komme ich mir komisch vor. Da entstehen Bilder in meinem Kopf von Leuten, von denen ich noch nie etwas gehört habe, plötzlich verwandle ich mich in einen Hobby-Nazijäger, der genaugenommen gar keine Ahnung davon hat, was er da gerade tut.

Ich stoppe die „Recherche“ und bin nun zwiegespalten: Ist es richtig, so eine Karte zu veröffentlichen? Ist es richtig, dass jeder Hinz und Kunz zum Nazijäger werden kann? Soll ich mal weiter suchen, was ich über die beiden mutmaßlichen Nazis in meiner Nähe so herausfinden kann? Und was dann? Hinfahren? Ich würde damit jemanden verfolgen, will ich das überhaupt? Warum sollte ich das wollen? Naja, Nazis loswerden, das wäre ja schon eine gute Sache… aber darf ich das überhaupt? Ist das nicht Denunziantentum? **)

Plötzlich die Angst, dass da jemand Bekanntes auf der Liste stehen könnte, erster Check… puh, zum Glück nicht. Ein Unbehagen befällt mich. Stell Dir vor, da hätte jetzt einer draufgestanden… Auch wenn’s mutmaßlich dreckelige Nazis sind, rechtfertigt das Nazi-Methoden?

Dann bin ich über den Artikel „Hier sitzt das Nazigold“ bei taz.de gestolpert, der Autor Rasmus Cloes bringt uns einige der Namen auf der Liste näher und identifiziert sie als real existierende Nazis:

„Spender waren etwa die sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler, mehrere Mitarbeiter der NPD-Fraktion aus Mecklenburg-Vorpommern oder David Böttcher, Bodyguard des Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs.“

Und weiter:

Aus Spanien etwa der Alt-Nazi Rolf Hanno, der mittlerweile eine feste Größe in der Liste der NPD-Spender geworden ist.

Und plötzlich wandelt sich mein Gefühl erneut, da stehen mit Sicherheit keine Bekannten von mir auf der Liste! Das sind wirklich dreckige Subjekte, die mit viel Aufwand und Energie aller übelste Gesinnungen propagieren! Denen soll aber gerne mal einer so richtig ans Bein pinkeln!

Mein Fazit lautet also: Ja, es handelt sich um eine Art Denunziantentum, so eine Liste zu veröffentlichen.

Update 16.06.2011 – 12:00: Ein solches Vorgehen ist daher nicht zu unterstützen, zumal die Daten illegal erworben und nicht geprüft wurden. Ich lehne einen öffentlichen Pranger ab. Man darf nicht jemandes Methoden verurteilen, sie dann aber selbst anwenden.

Prinzipiell glaube ich aber, dass jemand, der eine Partei wie die NPD finanziell unterstützt, das in vollem Bewusstsein tut und mit so einer Spende aktiv die Ziele der NPD befürwortet. Wer so etwas in vollem Bewusstsein tut, muss auch aushalten, mit diesem Sachverhalt konfrontiert zu werden. Diese Konfrontation muss aber unbedingt und ohne Abstriche im Rahmen der Legalität erfolgen.

*)Inzwischen habe ich mir die Seite der „No Name Crew“, die als Quelle der Karte angegeben ist, einmal angesehen.

Screenshot der Seite http://hop2.nn-crew.cc/npd/ vom 14.06.2011 22:54:38 UhrDabei handelt es sich um eine finstere Hacker-Seite mit einem verschwurbelten Einleitungstext, in dem ein gewisser „Darkhammer“ sich als „stolzen Deutschen“ bezeichnet und „nicht zulassen [will], dass die NPD mehr Einfluss gewinnt, und auf Schulhöfen ihr propagandistisches Material verteilt.“ Ach ja, er ist vor allem auch „kein Mann großer Worte“. Si tacuisses…

Die Frage ist also: Sind die genannten Personen NPD-Unterstützer oder nicht? Nun hat der taz.de-Artikel zumindest einige Namen als tatsächliche NPD-Sympathisanten identifiziert, was streng wissenschaftlich gesehen deswegen natürlich noch nicht heißen muss, dass alle Namen auch tatsächlich Spender sein müssen. Allerdings halte ich es für recht wahrscheinlich.

**) Update an dieser Stelle (16.06.2011 – 11:50) – Die Jusos Schleswig-Holstein kritisieren die Veröffentlichung der Karte, weil die Daten illegal erworben wurden und durch die Preisgabe von personenbezogenen Daten das hohe Gut des Datenschutzes aufs Spiel gesetzt wird.

Dialog Resterampe, #046

„Verdammt, nicht schon wieder.“

„Doch, er ist es wieder gewesen. Die gleichen Spuren. Der gleiche Tathergang.“

„Und sein Markenzeichen?“

„Hier.“

„Ovid of Ysdy, Vith and Shuft. Verdammt.“

„Was für ein krankes Gehirn tut so etwas?“

„Krank ja. Aber auch genial. Verdammt.“

„Und was soll dieser Name? Klingt irgendwie nordisch, Ysdy.“

„Ich habe keine Ahnung.“

„Herr Kommissar! Wir haben noch etwas gefunden!“

Harms, der Mörder

Kurzer Einakter von Maxim Loick

Personen:

Harms, der Mörder
Ein Mädchen mit Bandagen an den Fesseln
Ein Cowboy mit Mundharmonika

Erster Akt

Die Bühne ist dunkel, am vorderen Rand links (vom Zuschauer aus betrachtet) sitzt der Cowboy, die Beine lässt er vom Bühnenrand baumeln. Er spielt ein trauriges Lied auf seiner Mundharmonika. Das Mädchen mit den bandagierten Fesseln sitzt rechts (vom Zuschauer aus betrachtet) und lässt ebenfalls die Beine baumeln. Von Zeit zu Zeit kichert sie ins traurig-schöne Mundharmonikaspiel.

Mädchen: Hihihi.

Harms (tritt auf, Spot auf ihn, er trägt Jeans und T-Shirt): Mein Name ist Harms, ich bin der Mörder. (Er breitet die Arme aus und lässt sie dann fallen.) Genaugenommen bin ich es aber nicht. Noch nicht. Aber ich werde ein Mörder sein.

Der Cowboy unterbricht sein Mundharmonikaspiel.

Harms: Spiel weiter, Freundchen! Spiel bloß weiter, sonst geht’s hier gleich los! Ich bin Harms, der Mörder!

Der Cowboy fängt an, etwas anderes, aber ebenfalls trauriges zu spielen.

Harms: Als ob das alles nicht schon traurig genug wäre! Jetzt spielt der das! He, Freundchen!

Der Cowboy spielt unbeirrt weiter.

Harms: He, Freundchen! Spiel was anderes, hörst Du schlecht?

Der Cowboy spielt unbeirrt weiter.

Harms: Freundchen! Ich sag: SPIEL WAS ANDERES! (macht einen Schritt auf den Cowboy zu)

Der Cowboy spielt trotzdem unbeirrt weiter.

Harms: Weißt Du nicht, dass ich der Mörder bin? (überlegt) Er scheint’s nicht zu wissen. (zum Mädchen) He, olle Trine! Wer ist das da?

Mädchen: Bin keine Trine, hihihi.

Harms (geht ein paar Schritte zum Mädchen): Wer ist das? Kennt der mich nicht? Ich sag, er soll was anderes spielen! Der Hampelmann, was spielt der da? Er soll was lustiges spielen. Ich habe einen Grund dafür.

Mädchen: Hihihi.

Harms: Lass das Gegicker, hörst Du, olle Trine?

Mädchen: Bin keine Trine, hihihi.

Harms (hält sich die Ohren zu): Seid Ihr denn alle blöde? (zum Mädchen) Wer ist das? Er soll was lustiges spielen!

Mädchen: Er ist ein Präriedent, hihihi.

Harms: Ein Präsident? Ein Präsident spielt nicht auf so einem Instrument! Na warte! (macht zwei Schritte auf den Cowboy zu, der aber weiter sein trauriges Lied spielt).

Mädchen: Nein, er ist ein PRÄ-RIE-DENT. Er spielt Mundharmonika.

Harms (zum Cowboy): He, Präsident! Im Namen des Volkes bestimme ich: Spiel was Lustiges!

Der Cowboy spielt weiter trauriges.

Harms (zieht einen Revolver aus dem hinteren Hosenbund): Ich bin’s, Harms! Der Mörder Harms!

Der Cowboy blickt nicht einmal hoch.

Harms (zielt auf den Cowboy): Ich knall Dich ab, Junge! Spiel was lustiges, oder ich knall dich ab wie eine Maus!

Der Cowboy spielt immer weiter.

Harms (gibt einen Warnschuss in die Luft ab): Lustig, sag ich!

Der Cowboy spielt weiter.

Harms (macht drei Schritte zum Mädchen): Ist er vielleicht taub?

Mädchen: Hihihi, taub.

Harms: Taub? Wie kann er dann spielen?

Mädchen (singt): Taub, taub, taub sind alle meine Blumen.

Harms: Bist du bescheuert? Was soll das? Ist der Mann da taub? Wie kann er spielen, wenn er taub ist?

Mädchen: Hihihi, er ist taub wie eine Blume.

Harms: Woher weißt du das? (macht einen Schritt auf den Cowboy zu und versucht, dessen Aufmerksamkeit durch Herumfuchteln mit dem Revolver vor seiner Nase zu gewinnen) Halloo! Ich bin’s! Harms, der Mörder!

Der Cowboy spielt trotzdem weiter.

Harms (geht wieder zu dem Mädchen, flüstert): Er wird doch nicht auch noch blind sein?

Mädchen: Hihihi.

Harms: Hör mal zu, Trine, ich bin’s bald leid mit Dir!

Mädchen: Bin keine Trine, hihihi.

Harms: Ist dieser Mann auch noch blind?

Mädchen: Hihihi, blind.

Harms: Wie?

Mädchen: Der Prä-rie-dent ist blind wie eine Natter.

Harms: Nattern sind nicht blind.

Mädchen: Doch, sind blind wie die Schlangen und schlau wie die Füchse!

Harms: Schlangen sind nicht blind! (er setzt sich auf den Boden)

Der Cowboy spielt weiter. Harms guckt erst ihn, dann das Mädchen an. Er steckt die Waffe wieder in seinen Hosenbund. Das Mädchen singt ein wenig vor sich hin.

Harms steht auf und geht ab. Vorhang. Der Cowboy und das Mädchen bleiben vor dem Vorhang sitzen.

Mädchen (zum Cowboy): Ich… ich bin verletzt, wissen Sie, ein Reitunfall, beide Fesseln gesplittert.

Der Cowboy hört auf zu spielen. Hinter dem Vorhang fällt ein Schuß. Vorhang auf. Auf der Bühne sitzt Harms und hält sich das Knie. Neben ihm liegt der Revolver.

Harms (jämmerlich): Aua aua aua! Mein Knie, au weh! Es blutet, um Himmelswillen, ich blute! Olle Trine! Hilf mir!

Mädchen: Bin keine Trine! (steht auf und geht zu Harms) Tut’s weh?

Harms (nickt mitleiderregend): Jaa, au au au!

Mädchen (fängt an, eine ihrer Bandagen abzuwickeln): Hier, lieber Mann, ich habe eine Bandage. (wickelt weiter)

Harms: Bist eine gute Trine, so ist’s lieb, du bist eine liebe Trine.

Mädchen (wickelt weiter): Bin keine Trine.

Der Cowboy fängt wieder an zu spielen, wieder ein trauriges Lied.

Harms: Jetzt spielt der wieder sowas trauriges. So traurig ist er. Kann nicht hören und nicht sehen und ist immerzu traurig.

Das Mädchen fängt an, die abgewickelte Bandage um Harms Knie zu wickeln.

Harms: Und du? Was ist mit dir?

Mädchen: Reitunfall, beide Fesseln gesplittert.

Harms: Und lachst den ganzen Tag?

Mädchen: Ja. (bandgiert weiter Harms Knie)

Harms: Du bist ein gutes Mädchen.

Mädchen: Ich kann auch singen, auch lustige Sachen. Oder schöne. (sie lächelt Harms an)

Harms (lächelt zurück und nimmt ihre Hand): Gutes Mädchen, wie heißt Du?

Mädchen: Kovacevic.

Harms (nimmt den Revolver und erschießt das Mädchen): Ich bin Harms, ich bin der Mörder.

Vorhang. Der Cowboy spielt so lange traurige Lieder, bis alle Zuschauer den Saal verlassen haben.